Rezept für einen #MeTwo-Eintopf

Aus einer Menge halalem Mett und deutschen Bio-Kartoffeln wird dank bunter Zutaten und einer ordentlichen Prise Salz ein wohlschmeckendes Gericht.

(geeignet um es in großen Mengen auch für Gäste (of Colour) zu kochen)

Sie brauchen:

  • 1kg Halal-Mett
  • 700g original alman Biokartoffeln
  • 300g Petersilienwurzel aus dunkeldeutschem Boden
  • 200g Zwiebeln
  • 1 Knoblauchknolle
  • 1 Bund Suppengemüse
  • Gewürzvielfalt nach Belieben (ggf. 1 multi-geschmacklicher Brühwürfel)

 

Die deutschen Kartoffeln schälen, kleinschneiden und in einem Wasserbad die Kartoffelstärke ausspülen.
Zwiebeln schälen und klein schneiden, niemand wird ihnen übel nehmen, dabei ein paar Tränen zu vergießen 😉 Vor der Familie können sie damit auch gleich noch zeigen, wie sehr sie beim Kochen bei der Sache waren 😀
In gleicher Weise bereiten sie die Petersilienwurzeln und das Suppengemüse vor.

Das Halal-Mett nach eigenem Empfinden würzen. Neben Salz und Pfeffer bieten sich auch Paprika und Curry an, verwegenere Mischungen sind auch möglich. Hier setzen nur die eigenen geschmacklichen Toleranzschwellen der Gewürzvielfalt Grenzen. Danach erhitzen sie etwas Fett (Öl, wahlweise auch Margerine) in einer Pfanne und schwitzen die Zwiebeln kurz an und geben dann das Mett dazu. Beides auf der linken Herdflamme kurz anbraten, damit es Farbe gewinnt, aber nurz kurz.

Derweil bereiten sie auf der rechten Herdflamme bereits einen großen Topf vor. Gießen Sie die Kartoffelstücken ab und geben sie sie in den Topf. Dann geben sie das Mett und die Zwiebeln, die Farbe gewonnen haben sollten, aus der Pfanne hinzu.
Tipp: löschen sie die Pfanne mit ein wenig Wasser ab und benutzen sie Pfannenwender oder Holzlöffel um das in der Pfanne befindliche Fett zu lösen (da ist noch Geschmack drin!) und geben sie die Flüssigkeit mit in den Topf.

Anschließend fügen sie der Mischung noch die kleingeschnittenen Petersilienwurzeln und das Suppengemüse zu. Ist das erledigt gießen sie die Mischung mit Wasser auf, sodass sie leicht davon bedeckt ist und drehen die Flamme hoch und schließen den Topf. Während der Topf erhitzt, schälen sie den Knoblauch und schneiden die Zehen in kleine Scheiben. Wie viele Zehen sie nehmen wollen, hängt von ihrem eigenen Geschmack ab. Wenn die Mischung so richtig am Kochen ist, fügen sie den klein geschnittenen Knoblauch und 1 – 2 Esslöffel (es empfiehlt sich Abschätzen anhand der Wassermenge) Salz hinzu.

Drehen sie nun die Temperatur etwas herunter und lassen das ganze auf kleinerer Flamme 25 – 30 Minuten köcheln. Probieren sie etwa nach der Hälfte der Zeit die Brühe, würzen ggf. noch mit ihrer Gewürzvielfalt nach, wenn ihnen der Geschmack noch nicht zusagt, im Zweifel kann hier auch ihr Brühwürfel zum Einsatz kommen.

Testen sie gegen Ende der 25 Minuten, ob alle Kartoffel- und Petersilienwurzelstücken gar gekocht sind, wenn nicht, geben sie dem Eintopf etwas Zeit. Sollte dann alles bissfest sein, nehmen sie ihre patentierte Kartoffelkeule zur Hand und mengen die Masse ordentlich durch, bis ein gefälliger löffelbarer Brei entsteht. Wenn sie es noch feiner mögen, können sie auch einen elektrischen Pürierstab nehmen und die Masse ausgiebiger bearbeiten.

Sobald ihnen die Konsistenz zusagt, sind sie auch schon fertig. Portionieren sie die Suppe auf Teller und dekorieren sie sie mit Petersilie, die vielleicht noch vom Bund Suppengemüse übrig ist.

Manch einer mag vielleicht überlegen dem ganzen zur geschmacklichen Erweiterung noch Schweinespeck hinzuzufügen. Verzichten sie darauf. Er ist geschmacklich völlig unnötig und das Gericht wäre für Menschen, die sich halal ernähren möchten, nicht mehr geeignet. Ggf. würden sie damit einen Teil ihrer Gäste ausschließen.

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Lasst sie screechen

in der kritischen Debatte über sein und Gündogans Foto mit Erdogan zückt Özil die Rassismus-Karte. Ein willkommener Anlass für alle getroffenen Integrationseuphemisten, die Özil- und Integrationsdebatte in eine Rassismus-Debatte umzuwandeln, um vom Thema abzulenken. Wir sollten uns darauf nicht einlassen.

Ein Artikel zu Özil wird noch kommen, denn dieses Schmierentheater verdient selbst eine nachgeschobene Betrachtung, aber lasst mich eine kurze Anmerkung zur sich gerade auffächernden Debatte machen.

Mit dem Ausspielen der Rassismuskarte hat Özil all jenen einen Gefallen getan, die diese ganze Debatte von der Person Özil oder den Integrationsproblemen schon die ganze Zeit weglenken wollten, weil sie ihnen unangenehm ist, um auf das Thema Rassismus zu sprechen zu kommen. Es ist ein Derailing dieser Debatte, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll, den Fokus von Özils (und auch Gündogans) Problemen mit der Integration (die zu Fragen, die Integration generell betreffend, führen können) wieder einmal auf den angeblichen Rassismus der deutschen Gesellschaft zurückzuverweisen, einmal um Özil und Gündogan (ob sie jetzt nun integriert sind oder nicht, diese Frage wird dann dort ausgeklammert) rein zu waschen, in dem sie ihrer Verantwortung enthoben werden und um die deutsche Gesellschaft in ihrer Forderung nach Anpassung, Assimilation also letztlich richtiger Integration und harter Hand gegen deren Verweigerer zurückzustutzen und stattdessen das bisherige forderungslose laissez faire Modell kritiklos weiter betreiben zu können. Und das während man den Deutschen selbst den Peter of Colour dafür zuschiebt, dass dieses Modell einfach nicht funktioniert, weil die böse und rassistisch sind. Das Ganze geht dann noch weiter, weil sich daran immer wieder Forderungen anschließen werden, es den Migranten noch kommoder zu machen, noch mehr Diversität einzuführen und noch mehr Kampagnen und staatlich finanzierte Reportagen zu ermöglichen, die ein Bewusstsein und damit die Lösung schaffen sollen.

Letztlich ist es ein selbstreferenzielles System, dass genau dann wieder von vorne in diesen Modus verfallen wird, wenn wieder ein Özil oder eine erdogan-dominierte Türkeiwahl (wenn es eine solche in Zukunft überhaupt noch geben wird) stattfinden, die zeigen dass das Problem mit der Integration durch gute Worte immer noch nicht gelöst ist.

Das Problem also sich von dieser Debatte, vom eigentlichen Thema, Özil und seinen Verfehlungen, und dem Problem mit der Integration, ablenken zu lassen, besteht nicht nur darin, dass das eigentliche Problem aus dem Fokus gerät, sondern dass es eine an sich völlig haltlose Generaldebatte legitimiert, die von vornherein nirgendwo hinführt und nirgendwo hinführen soll, außer zu den Befindlichkeiten derjenigen, die überall Rassismus wittern oder aus taktischen Gründen sehen wollen, ersteres die Grüninnen und Linkinnen, letzeres vor allem der Zentral der dauerunterdrückten Muslime oder die Türkische Gemeinde in Deutschland e.V., zu der man auch noch einige Sachen sagen könnte.

Die Debatte ist völlig haltlos weil sich das Relevante, dass als Kritik an Özil und Gündogan gerichtet wurde, an konkreten Verfehlungen der beiden festgemacht wird, die einmal die Nationalmannschaft und dann ihre Rolle als Vorbilder für Integration tangieren. Die Kritik ist von vornherein nicht rassistisch, weil sich nichts daran richtet, dass sie »braun« sind und selbst auch im Sinne des von den Linken aus dem blauen Himmel erfundenen Kulturrassismus findet diese Kritik eben nicht statt. Wer das ernsthaft vertreten würde, müsste zudem Schluss kommen, dass die beiden jeder Kritik enthoben wären, weil sie Migranten sind.

Die wesentlichen Punkte, die ich schon in meinem Beitrag „Schlandsknechte“ angesprochen habe, sind:

  1. Dass ein Kuscheln mit dem Diktator Erdogan, ob nun rein identitär wie Özil & Gündogan behauptet haben (Herz in der Türkei) oder in Übereinstimmung mit den Werten des Erdogan-Regimes einhergehend, eine mangelnde Distanz zu und eine indirekte Unterstützung des Despoten darstellt, kann man nicht von der Hand weisen.
  2. Ob er damit nun tatsächlich in Distanz zu den Werten der aktuellen Deutschen Gesellschaft steht mal hintan gestellt, bezeugt es auch, dass sie diesem Mann und der Türkei eine größere identifikatorische Bedeutung für sich selbst zumessen als Deutschland und Özil im Speziellen sein Anderssein und seine identifikatorische Distanz zu Deutschland mit dem Nichtsingen der Nationalhymne, stattdessen einem Gebet zu Allah und dem öffentlichen Zelebrieren seines fremden Glaubens deutlich in der Vergangenheit gezeigt hat.
  3. Hierbei ist anzumerken, dass ich in dem o.g. Beitrag bereits herausgestellte habe, dass Deutschland vor allem als der Ort gesehen wird, wo man sich die Brieftasche füllt und wo man als türksicher Siedler in einem bedingunglosen Multi-Kulti-Kosmos vor sich hin existieren gelassen wird und diese Bedingungslosigkeit mit dem, was Deutschland ist, verwechselt wird.
  4. Es aus Punkt 1 und 2 hervorgehend eine Zumutung für Deutschland und die deutschen Fans gewesen, diese beiden Spieler als ihre Vertreter und die ihres Landes in der Nationalmannschaft auflaufen zu sehen. Es ist daher völlig berechtigt gewesen, den Ausschluss oder Rücktritt dieser Beiden zu fordern, die in Distanz zu dem Land stehen, in dessen Nationalkader sie dienen und dessen Werte sie im Zweifel hintan stellen. Wären sie nur Laffel in irgendeinem Bundesliga-Verein, wäre das auch kaum der Rede Wert gewesen aber an Repräsentanten Deutschlands müssen andere Maßstäbe angelegt werden.
  5. Eine besondere Verschärfung dieser Zumutung stellt es denn dar, wenn diese beiden Personen dann dem deutschen Volk als Beispiel für gelungene Integration vorgesetzt werden UND jungen Migranten auch noch als Vorbild dienen sollen, womit dann quasi jedes Bestreben einer echten Integration ad absurdum geführt wird.

Diese ganze Debatte lässt sich freilich nicht ohne den Migrationshintergrund der Beiden führen, denn darum geht es, denn hier entbrennt ja gerade das Problem. Aber nichts darin, weder die Werte- noch die Integration- oder Identifikations-Debatte trug oder trägt rassistische Züge, außer man geht von der Erdogan-Setzung aus, dass Assimilation an sich unmenschlich sei, dann hat aber ein Gerede über eine multikulturelle Gesellschaft letztlich gar keinen Sinn.

Und es hat eben auch keinen Sinn sich auf eine Genereldebatte über Rassismus dort einzulassen, wo er zum Abtarnen eigener Fehler letztlich proklamiert und vorgeschoben wird. Man sollte die Leute, die jetzt in Kommentarspalten, Artikeln, öffentlichen und halb-öffentlichen Redebeiträgen an diesem absurden Narrativ festhalten, mit der gleichen desinteressierten Missachtung begegnen, mit dem man jemandem begegnen würde, der behauptet, die politischen Geschicke würden von Echsenmenschen gelenkt. Das Niveau und der Sinn der Diskussion wären ähnlich fruchtlos.

Es ist zu empfehlen diese Leute in ihrer hilflos autistisch schreienden Echokammer zu belassen, wie Verrückte zu behandeln und mit der Kritik an Özil fortzufahren; sich dem Aufzwingen einer Generaldebatte über Rassismus einfach zu verweigern.

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Bürgschaften für Flüchtlinge – Bis auf’s letzte Hemd!

Auf dem Höhepunkt der Willkommenseuphorie bürgen Deutsche für den Familiennachzug von Syrern und nutzen damit eine Lücke im Zuwanderungsrecht für weitere Versorgungsmigration aus. Jetzt wo sie zur Kasse gebeten werden, soll doch bitte die Gesellschaft die Kosten tragen. Meine Meinung dazu.

Ich will mich in diesem hoffentlich kurzen Beitrag einem Thema widmen, dass immer mal wieder per Nachrichtenfeed, Twitter oder YouTube meine Wahrnehmung erreicht. Es geht um Bürgschaften vermeintlich argloser Bürger für Flüchtlinge. Auf dem Höhepunkt der Willkommenseuphorie wurden hilfswillige Leute dazu aufgefordert diese Bürgschaften zu übernehmen, um Flüchtlingen zu ermöglichen ihre Familien nach Deutschland nachzuholen. Bedingung für Familienzusammenführung ist zum Beispiel, dass die jeweilige Ankerperson, die um Nachzug bittet, die Angehörigen versorgen kann. Wenn das in Frage steht, kann eventuell ein Bürge aushelfen, an den dann im Zweifelsfall Kosten weitergereicht werden können. Das gilt freilich solange bis die Personen, wenn sie über den Nachzug hierher gekommen sind, dann selbst einen Asylantrag stellen können und diesen bestätigt bekommen. Ab da trüge dann die Gesellschaft die Kosten.

Mit der Forderung nach Humanität und Mildtätigkeit und der emotionalen Erpressung vom schiefen Bild in Kriegsgebieten dahinvegetierender Angehöriger wurden hilfswillige Menschen also dazu verlockt sich auf diese Bürgschaften einzulassen. Es schien offenbar so, dass es kein Bewusstsein dafür gab, dass diese tatsächlich eines Tages fällig werden könnten oder das dieses Risiko bewussrt verschwiegen oder klein geredet wurde. Denn am Ende sollten die nie fällig werden. Etwas worauf ich gleich noch einmal zurück komme.

Ich habe mich zu dem Thema bisher nicht geäußert, weil ich dazu noch keine abschließende Meinung hatte. Insbesondere liegt mir Häme gegenüber Leuten fern, die sich ernsthaft aufreiben und selbst ausbeuten und damit das eigentliche Rückgrat der Politik der offenen Grenzen bilden. Ohne diese emotionale, zeitliche und zum Teil auch materielle Selbstausbeutung wäre vermutlich der schon jetzige prekäre Ordnungszustand in Deutschland kaum aufrecht zu erhalten. Die Regierung erhält ihre Handlungsfähigkeit deutlich auf dem Rücken der Deutschen aufrecht. Eine Bekannte bspw. beherbergte auf eigene Kosten eine kleine Flüchtlingsfamilie. Auch wenn ich mit der bei ihr dahinterstehenden Denke nicht einverstanden bin, muss ich anerkennen, dass sie eben bereit ist, selbst Kosten und Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Integration zu leisten.

Häme könnte man sich auch sparen, wenn die Leute Opfer eines großangelegten Betrugs geworden wären. Da war ich mir bisher nicht so sicher, aber inzwischen hat sich mein Meinungsbild auch durch aktuellere Aussagen geklärt.

Auf der Seite des WDR hieß es zu den zum Teil gravierenden Bürgschaftsfällen in Minden gestern:

„Etwa 50 Bürger kamen, darunter Magdalene Wichmann, die für syrische Flüchtlinge gebürgt hat: ‚Frau Merkel hat doch gesagt: Wir schaffen das.‘ Das empfand die 82-Jährige als Aufforderung zu helfen: ‚Jetzt haben wir eine Geldforderung von 8.000 Euro erhalten.‘ „

Oder Stefan Straube-Neumann, auf den jetzt 60.000€ zukommen:

„Syrer in Minden hatten ihn um Bürgschaften gebeten. Da habe ich unterschrieben. Ich war ja auch bereit, bis zur Anerkennung des Asyls zu zahlen. Das wären vielleicht 10.000, 12.000 Euro gewesen. Aber eben nicht für den gesamten Zeitraum.‘ „

Es stimmt, dass es eine nachträgliche Gesetzesänderung bezüglich auch bereits bestätigter Asylanträge gab. Es gibt daher eine entsprechende Rechtsunsicherheit, die die Gerichte klären müssen, insbesondere ist die Rückwirkung von Gesetzen juristisch sehr schwierig, um es vorsichtig auszudrücken. Es kann also gut sein, dass die Leute doch noch mit einem blauen Auge davon kommen, aber bleiben wir auf der moralischen Ebene: Sollten sie denn?

Wenn wir kurz über das System nachdenken, nutzt es eine Gesetzeslücke aus. Der Familiennachzug ist eigentlich ein für Asylanten oder reguläre Einwanderer gedachtes Instrument ihre Familien nachholen zu können, wenn ein dauerhafter Aufenthalt etabliert wird. Deshalb ist Familiennachzug auch darauf gemünzt, dass derjenige um den es geht, seine Familie aus eigener Kraft versorgen können soll, eben damit die deutsche Gesellschaft nicht in Haftung für weitere Sozialfälle genommen wird. Das nachgezogene Angehörige Anträge auf Asyl stellen, ist im Sinne eines Asylgesetzes, dass auf individuelle Verfolgung verweist, nicht unbedingt vorgesehen (es sei denn die Verfolgung des Dissidenten geht mit Sippenhaft und Gefahr für die eigene Familie einher). Lassen wir mal beiseite, dass wir hier in der Regel bei kaum einer der Ankerpersonen von vollumfänglichen Asyl reden, sondern im überwiegenden Teil der Fälle (Bürgerkrieg) nur ein subsidiärer Schutz auf Zeit vorliegen kann und Familiennachzug daher an sich fragwürdig sein müsste.
Da für das Stellen eines Asylantrages in Deutschland das Erreichen des deutschen Territoriums notwendig wäre, sorgt dieser Zustand dafür, dass dieses für reguläre Einwanderung gedachte Mittel der Familienzusammenführung ausschließlich dazu genutzt wird, um einen schnellen Bypass nach Europa zu finden, um hier einen Asylantrag stellen zu können. Um nichts anderes geht es hier.

Derjenige, der für Familienachzug bürgt, wie er gedacht ist, tut das aus Mildtätigkeit im Bewusstsein für einen vielleicht befreundeten Bekannten, eine Familienzusammenführung zu erreichen und das notfalls zu bezahlen oder aber in der Hoffnung darauf, dass der Bekannte nur im Moment nicht genug Geld hat, dieses aber haben wird (oder die zugezogenen Angehörigen selbst arbeiten können) und nicht lange darauf angewiesen sein werden. Mit der Gefahr freilich, dass sie doch dauerhaft Versorgungsfälle bleiben. Das ist eben das Risiko, für das man als Bürge Verantwortung übernehmen muss. Schiller hat dieses Motiv in seiner Ballade „Die Bürgschaft“ als ein heroischen Treue-Narrativ verarbeitet. Das (Ausfall)Risiko ist das, was einer Bürgschaft erst ihre Bedeutung verleiht.

Diese Leute haben sich auf diese Bürgschaften eingelassen a) im Bewusstsein davon, dass es nie darum gehen sollte, dass die hinzukommenden Leute sich selbst versorgen können sollten und b) in der Erwartung diese zusätzlichen Sozialkosten, also das Risiko, sobald der Asylantrag gestellt und zumindest subsidiär bestätigt wäre, auf die Gesellschaft abzuwälzen. Frau Wichmann, Herr Straube-Neumann und all die anderen haben mit den Bürgschaften eine Verantwortung übernommen, die sie von vornherein anderen (nämlich jedem steuerzahlenden Bürger und Einwohner dieses Landes) aufbürden wollten.
Aus den Aussagen wird deutlich, dass ihnen klar war, worauf sie sich einließen. Sie wurden nicht getäuscht, sondern hatten die Erwartung, dass andere für „ihre“ Flüchtlingshilfe zahlen sollten. Es ist ihre eigene Verpflichtung, aus der sie ihren Helferkomplex (aufrichtiger oder narzisstischer Art ist irrelevant) befriedigen konnten, zu deren Kosten man aber andere mit dem Verweis auf „Wir schaffen das“ verpflichten will, ohne das dieses Wir sich in irgendeiner Form bereit erklärt hätte, diese Bürgschaft einzugehen. Wenn ich mir die Helfer-Plakette ans Revers heften will, sind es meine Flüchtlinge; wenn es um die harten Euros geht, sind sie plötzlich Sache des Staates und damit der Gesellschaft.
Man will gesinnungsethisch handeln, die Konsequenzen seines Handelns aber nicht tragen und schädigt damit dann andere.

Anders als in vielen Medienberichten gegeifert wurde, sollen hier keine hilfswilligen Menschen bestraft werden, weil sie Migration ermöglicht haben. Sondern man soll sie bis zum letzten Euro, bis zum letzten Hemd in Regress nehmen, um ein Exempel dafür zu statuieren, dass Verantwortung zu übernehmen bedeutet, die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. Außerdem mag manch einem dabei aufgehen, welche Kosten dem Staat tatsächlich durch jede einzelne Person monatlich entstehen, die dank gesinnungsethischer Politik über die offenen Grenzen oder den Familiennachzug nach Deutschland kommt, um die hiesige Gesellschaft, die diesen Staat trägt, für sich in Anspruch zu nehmen.

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Fake News: Erklärung von Marrakesch // 300 Millionen Migranten?

Eine Meldung von bis zu 300 Millionen Flüchtlingen, die die EU bis 2068 aufnehmen will, macht seit ein paar Tagen die Runde. Diese Behauptung ist allerdings nirgends belegt und muss wohl als Fake News bewertet werden.

Es geht gerade seit ein paar Tagen eine Meldung ein wenig durch die alternativen Tertiär-Medien und macht in Blogs und auch in Kommentaren auf YouTube die Rnde. Angeblich will die EU bis zu 300 Millionen Migranten aus Afrika nach Europa holen. Eine reißerische Meldung, die sich gut in ein Geflecht internationaler, an den Bürgern vorbei beschlossenen Abkommen wie den Resettlement und Replacement-Migration-Programmen der Europäischen Union und der UN einfügen würde.

Allein die absurd hohe Zahl macht stutzig. Hat die EU gerade einmal 511 Millionen Einwohner zum derzeitigen Zeitpnkt.

Tatsächlich beziehen sich alle Meldungen auf einen Artikel der Schweizer Morgenpost mit dem Titel „EU will bis zu 300 Millionen afrikanische Flüchtlinge holen“ vom 06.07.2018. Eine andere Quelle für diese Meldung konnte ich bisher nicht entdecken.

Dort heißt es relativ konkret:

„Laut dieser neuen Politik soll die afrikanische Bevölkerung in Europa von derzeit 9 Millionen im Jahr 2018 auf 200 bis 300 Millionen im Jahr 2068 erhöht werden. Dies wird im Ergebnis dazu führen, dass die einheimischen Bevölkerungen zu unterdrückten und rechtlosen Minderheiten innerhalb ihrer eigenen Heimat werden.“

Der Artikel selbst bezieht sich hierbei auf ein Treffen afrikanischer und europäischer Regierungschefs Anfang Mai im marrokanischen Marrakesch, dass wegen Vereinbarungen bezüglich Migration und vor allem zur Prävention von illegaler Migration bereits im Gespräch und seitens Ungarn in der Kritik stand. Am Ende des Treffens sollte eine Erklärung stehen (nicht zu verwechseln mit der Decleration of Marrakesh bezgl. des Umgangs islamischer Länder mit ihren religiösen Minderheiten aus 2016), die Ungarn nicht mitzeichnen wollte. Die Epochtimes berichtete am 02.05.2018 unter dem Titel „Ungarn will europäisch-afrikanische Erklärung zu Migration nicht unterschreiben“ bereits über den Vorgang.

Hier müsste schon auffallen, dass der ungarische Außenminister als Begründung vor allem die unreflektiert positive Haltung zur Migration im Abschlusspapier als Begründung für die ungarische Ablehnung der Erklärung von Marrakesch anführt. Eine dezidierte Übernahmeerklärung wie in den Kontexten der angesprochenen Resettlement-Programme hätte sicherlich seitens eines migrationskritischen Regierung wie der ungarischen Erwähnung gefunden, wenn so etwas vorgesehen gewesen wäre.

Das ist nicht der Fall und die oben angebrachte konkrete Aussage, die auch nicht als Zitat oder Interpretation markiert worden ist, wird uns ohne weiteren Beleg oder Quelle im Artikel präsentiert.

Das Abschlusspapier zum Treffen in Marrakesch lässt sich in englischer Sprache über die Seite der europäischen Kommission als PDF-Datei abrufen. Tatsächlich enthält die Erklärung weder einen Fahrplan bis 2068 noch die konkreten Kennwerte von 9 Millionen oder 300 Millionen und nicht einmal eine allgemeine Verpflichtung zur Übernahme von Menschen oder gar Flüchtlingen.
Sehr wohl gibt es eine Menge problematischer und zu diskutierender Stellen, wie der ungarische Außenminister schon richtig angemerkt hat, insbesondere weil gegen Ende 2018 laut Epochtimes auch ein konkreteres Abkommen im Rahmen einer weiteren UN-Konferenz in Marokko geschlossen werden soll, aber die Meldung von 300 Millionen Flüchtlingen lässt sich in keiner Weise bestätigen.

Bei der Meldung der Schweizer Morgenpost handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach also um Fake News.

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Bayerische Kriechtiere und Nicht-Lösungen

Seehofer hat versagt, weil es ihm am nötigen Mumm, Kaltblütigkeit und Rückgrat gemangelt hat. Er ließ sich von Merkel das Heft mit illusorischen Nicht-Lösungen aus der Hand nehmen und entlarvt sich und die CSU als jämmerliche Kriechtiere von denen keine substanziellen positiven Veränderungen für Deutschland mehr zu erwarten sind.

Der größte Windbeutel der Republik ist bisher auf meinem Blog noch relativ ungeschoren davongekommen, dabei hätte sich schon früher angeboten über Seehofer zu schreiben. Gleichsam hat es sich nicht angeboten. Im Prinzip ist politisch von Seehofer rein gar nichts zu halten. Nicht erst seit wenigen Jahren sondern schon die ganze Zeit über. Der bayerische Löwe versucht zu brüllen und bringt nur ein klägliches Miauen zustande und rollte sich nach aller Bockigkeit immer wieder gerne auf dem Schoß von Mutter Angela zusammen. Wäre jetzt diese endgültig an Scham nichts auslassendem Schmierentheater in den letzten Wochen gewesen, ich möge mich dem Bayern-Thema gar nicht weiter annehmen wollen, aber die absurden Volten, die der ganze Vorgang gezeitigt hat, haben doch einen Kommentar verdient.

Seehofer muss man wissen gilt lange Zeit schon vor der Alternative für Deutschland als populistisches Herz Deutschlands und begründete die negative Konnotation dieses Begriffes stark mit, denn der Seehofer-Populismus richtet sich ähnlich wie die beliebige Alternativlosigkeit der Kanzlerin an wechselnden Stimmungen aus, allerdings mit der gleichen Bereitschaft diese fallen zu lassen, sofern damit nicht mehr viele Stimmen zu verdienen sind. Er verleiht hier nicht im Stil eines Volkstribun ungehörten Mehr- oder Minderheiten eine Stimme und setzt sich für diese Dinge ein. Die reine Ankündigung reicht meistens aus, um dann schnell zum nächsten Schauplatz zu wechseln. Wenn man nun der AfD einen Populismus nachsagen will, dann ist dieser zumindest von Überzeugung und Kohärenz getragen, berechenbar.

Hingegen wird Seehofer schon länger als Drehhofer, als Fähnchen im Wind verspottet und gleichzeitig als zahnloser bayerischer Tiger und als Ankündigungsminister(präsident) gescholten, der fordert oder angekündigt und beim ersten oder zweiten Widerstand klein beigibt. Insbesondere eben weil er die ohnehin geringe Macht (zumindest früher), die er hatte keineswegs zum Äußersten zu nutzen bereit war. Das mag man bei Petitessen wie der Maut verstehen, wo er diese CSU-Forderung nur schwer gegen Widerstände durchbringen konnte, dass er dafür nicht gleich die Regierung darüber dran gibt. Aber ein Thema wie die Migration, die wie kaum etwas anderes geeignet ist Deutschland irreperabel zu schädigen und das selbst in der eigenen Partei für massiven Unmut sorgen muss, hätte wohl allen Anlass und Grund gegeben auf Lösungen und ihrer konsequenten, nutzbaren Durchsetzung zu bestehen. Dafür hatte Seehofer auch die Strippen in der Hand. Als Innenminister unterstehen ihm sämtliche Behörden, die noch unter seinen Vorgängern auf deren Weisung auf Veranlassung durch die Kanzlerin, die Herrschaft des Unrechts, wie Seehofer selbst den Umstand der Grenzanarchie nannte, mitgeholfen haben diese aufzurichten oder still gehalten haben, während sie aufgerichtet wurde. Seehofer hätte die Möglichkeit gehabt mit einer entsprechenden Weisung nicht einfach nur Zurückweisungen, wie er es nur wollte, sondern bis hin zur Grenzschließung alles in die Gänge zu setzen die Herrschaft des Rechts oder zumindest die Kontrolle des deutschen Staates über seine Grenzen damit über sein Territorium durchzusetzen.

Lasst uns festhalten, dass weder die Grenzöffnung 2015, die massenweise Aufnahme illegaler Migranten und Flüchtlingen ohne Bleibeanspruch im Anschluss, noch das Fortdauern dieses Zustandes über ein Zeitraum von nun mehr drei Jahren in irgendeiner Form je gesetzmäßig war, im Gegenteil. Als Innenminister hätten dem bayerischen Horst nicht nur die Mittel, die nötige Machtposition, sondern auch die rechtliche und womöglich auch moralische Richtigkeit zugestanden, diesen Umstand abzustellen und das auch gegen den Willen oder die so genannte Richtlinienkompetenz der Kanzlerin. Er wird auf ihren Vorschlag hin ernannt und ist freilich von der Kompetenz abhängig, allerdings ist der Minister seinem Eid gemäß zwei Institutionen nämlich dem Staat und dem Volk und in seiner Funktion als Teil der Exekutive auch dem Recht verpflichtet. Die Verwaltung ist eben an geltendes Recht gebunden und kann nicht ohne solches und schon gar nicht entgegen bestehendem Recht handeln. Ein Minister kann damit leicht den Willen eines Regierungschefes abwehren, wenn er es denn so betonen würde, ungesetzlich, das heißt im Kern eigentlich verbrecherisch zu handeln bzw. sich zum Handlager der Verbrechen einer Regierung zu machen. Das ist die theoretische Positio von der ein Seehofer aus hätte handeln oder verhandeln können. Die Kanzlerin wäre im Prinzip nackt gewesen. Ein Rücktritt hätte sogar ausgeschlossen werden können. Die nötige Chuzpe vorausgesetzt hätte man sagen kann, man macht sich selbst mit dieser überwältigenden Macht des Rechts auf der eigenen Seite zum Märtyrer und zwingt die Kanzlerin dazu sich selbst zum Unrecht zu bekennen, in dem sie einen Minister deshalb entlässt, weil er nicht gegen geltendes Recht weiter verstoßen, im Gegenteil das geltende Recht wiederherstellen will.

Es wäre der Offenbarungseid und damit womöglich das Ende für Kanzlerin Merkel geworden. Zumindest waren es diese Gedanken, die die Kommentatoren die letzten Wochen dazu veranlassten, die Merkeldämmerung schon relativ düster einzufärben. Ihre Zeit sei vorbei. Meine Zurückhaltung diesbezüglich war eben der langen Historie von Seehofers kriecherischem Scheitern geschuldet. Mir war im Prinzip klar, dass auch diese Nummer nur eine leere Drohgebärde bleiben würde, selbst als er den Koalitions- und Fraktionsbruch androhte. Freilich hätte es anders kommen können, aber ich schätze Seehofer nicht ein, dass er dazu den nötigen Mumm haben würde. Sein politisches Vermächtnis bestünde in der Zerstörung der historischen Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU und wofür? Der ursprüngliche seehofersche Vorschlag sah ja nur die Zurückweisung von Leuten mit Einreiseverbot oder Registrierung in einem anderen EU-Land vor, angesichts der Lage kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Koalitionsbruch wäre also praktisch für nichts erfolgt. Es wäre ein wichtiges Symbol gewesen und womöglich der Wendepunkt, aber dafür auf ewig als Spalter in die Polithistorie eingehen? Kaum vorstellbar. Allerdings wurden auch meine Erwartungen noch unterboten. Ich hatte eher damit gerechnet, dass Seehofer kleinlaut zurücktreten würde, schon gar nicht auftrumpfend, vielleicht in der Haltung des reuigen Büßers.

Stattdessen hat Seehofer auch noch meine ohnehin nicht schon hohen Erwartungen unterboten. Wenn wir mal dieses ganze unwürdige Schauspiel beiseite lassen, von wegen oh ich geb Merkel noch bis Ende der Woche, okay warten wir noch bis Asylgipfel, ja warten wir noch ein paar Tage und dann hier noch eine Notfallkonferenz und da noch ein Kompromissgespräch und das alles für eine Forderung die so lächerlich banal war, dass auch Merkels völlig absurdes, widerrechtliches Veto nur bedeutet, dass die Grenzanarchie um jeden Preis aufrecht zu erhalten ist, weil die Zurückweisung nämlich schon Fragen nach sich ziehen könnte, die Europa vielleicht dichtmachen lassen. Dieses unwürdige hinschleppen. Zeit einräumen nachverhandeln, zeigt auch jemandem in der Verhandlung, okay hier ist jemand der blufft nur und würde alles geben für irgendein Zugeständnis, weil er nicht zum Äußersten bereit ist. Seehofer war bereit auf hingeworfene Brocken zu warten. Manch einer verglich das schon mit dem Vorgang der Papstwahl in der Erwartung irgendwann würde im Kanzleramt weißer Rauch aufsteigen um anzuzeigen, dass man zu einer gemeinsamen Lösung gefunden habe. Lassen wir mal diesen ganzen peinlichen, ekelerregenden Prozess beiseite. Am Ende bekommt Seehofer eine Lösung von der er selbst einräumen muss, dass sie keineswegs lösungsgleich ist präsentiert, lässt sich dann mit der Erfindung einer bayerischen Illusionslösung dann doch abspeisen, weil er nämlich um dem ganzen die Krone aufzusetzen eben nicht einmal den Mumm hat zurückzutreten und Mutti Merkel in der Öffentlichkeit auch noch dankbar für den erreichten Kompromiss ist.

Seehofer hat sich damit endgültig a,s ein widerliches, schleimiges kleines Kriechtier entlarvt, dem ein Rückgrat und fundamentale menschliche Qualitäten fehlen, der sich herumschubsen lässt wie ein geprügelter Hund und nicht einmal mehr fähig ist zurückzubeißen sondern nur dazu seiner Herrin die Stiefel zu lecken und seine Karriere (es ist vorbei für den Horst nach dieser Legislatur und in München sowieso) ebenso kriecherisch beschließt, wie er sie jetzt schon die letzten Jahre gestaltet hat, anbiedernd, überzeugungslos und ohne den Mumm wirklich etwas durchzusetzen. Er und seine ganze CSU haben sich auf dieser Kriechtierebene genau in das verwandelt, was eine Partei wie die abgemerkelte CDU brauchte, nicht ein konservatives Gegengewicht sondern ein pseudo-konservatives Feigenblatt, flexibel genug um sich in der gleichen Brise zu wiegen, in die sich auch die Kanzlerin hineinlehnt. Und was am Boden liegt sollte man am besten auch noch treten.

Der Koalitionsbruch und auch der Fraktionsbruch wären, wenn auch späte, viel zu späte Zeichen einer Emanzipation, eines wirklichen Willens zum Neuanfang und zur Veränderung gewesen. Die CSU hätten sich in Richtung der AfD orientieren können, wenn es um Inhalte gegangen wäre. Sie hätte auch bundesweit antreten können, um vielleicht einen Kurz-Effekt mitzunehmen, auch wenn das schon unwahrscheinlich war wegen der fehlenden Infrastruktur in anderen Bundesländern. Aber wer weiß, vielleicht hätte die ein oder andere konservative Gruppe wie die Werte-Union Unterstützung leisten wollen?

Mitnichten, wie einige linke Medien oder Kommentatoren jetzt ätzen ging es hier um einen reinen Machtkampf für den bayerischen Wahlkampf. Zumindest nicht nur. Also nicht um Landespolitik die Bundespolitik als Geisel nimmt. Natürlich muss die CSU, weil an sie die Erwartung gerichtet ist ein rechtes Korrektiv zu sein, dies tun, um ihre Glaubwürdigkeit auch und gerade in Bayern nicht zu verspielen, aber es geht hier mitnichten um Landespolitik sondern um ein Feld der Bundespolitik, dass Deutschland im Ganzen betrifft. Auch wenn sicherlich die Landtagswahl im Freistaat und die Jagdarbeit der AfD der einzige Grund ist, die einen Seehofer und die CSU jetzt zum Handeln zwingt (was zeigt wie wichtig die AfD als Opposition in dieser Sache ist), so profitiert von der Wiederherstellung des Rechts an den Grenzen die ganze Republik. Die Gründe Seehofers sind da erst einmal zweitrangig. Doch die Nicht-Lösung, die jetzt gefunden wurde, die ist in der Tat in allen Facetten provinziell. Mal beiseite das das alles undurchdachter Schein ist, so gilt die Lösung doch auch nur für Bayern während die anderen Grenzen ohne Transit-Zentren bleiben würden. Seehofer hat sich nicht nur mit einem völlig wertlosen ebenso wenig wirkungsgleichen Deal wie dem vom EU-Gipfel ködern lassen sondern mit einer Lösung – Merkel kannte offenbar ihre Pappenheimer und ihre erbärmlich kriecherische Käuflichkeit) – die eben nur für Bayern wirksam wird und jetzt tatsächlich nur noch als Wahlgeschenk für den bayerischen Landtagswahlkampf verstanden werden kann. Während die bayerischen Bürger mit einiger Sicherheit nicht so dumm sind und auf diese Luftnummer hereinfallen werden.

Und die Krone setzt ja jetzt auch noch die SPD oben drauf, die diesen Nicht-Kompromiss und diese Nicht-Lösung in der letztlich überhaupt nichts beschlossen wurde, wegen bösen Lagerbildern und – man muss sich diese Idiotie wirklich auf der Zunge zergehen lassen – der Benennung dieser bisher als Transit-Zentren angedachten Lager jetzt auch noch vom Tisch fegen wollen. Das alte Problem, das wir schon bei den Jamaika-Verhandlungen hatten, ist jetzt wieder auf dem Tisch. Die SPD hat sich humanitär festgelegt und will Seehofer zulassen, dass ihm seine fast schon ätherische Nicht-Lösung zwischen den Fingern endgültig zerrinnt? Das werden für Merkel wiederum schwere Tage um jetzt diesen aufglimmenden Problemherd auch noch auszutreten. Es scheint tatsächlich immer unwahrscheinlicher zu werden, dass diese Koalition noch allzu lange stabil bleiben wird. Aber man hält sich ja schon Alternativen warm.

Das erste Fanal wird die Bayern-Wahl in einigen Monaten bereithalten und um das Kriechtier Horst und seine ganze Bande rückgratloser Feigenblatt-Konservativer zu demütgen, wünsche mir kaum etwas mehr als ein Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün in München. Ich halte Söder zwar für machtbewusst genug vielleicht eine Koalition mit der AfD im absoluten Notfall in Betracht zu ziehen, aber ich glaube nicht wirklich daran. Deshalb mag ich mir wünschen, dass die CSU genug einbüßt und die FDP schwach genug aus der Wahl geht, dass nur Koalitionen mit Grünen oder SPD oder eben mit der AfD möglich werden und die stolzen Absolute Mehrheit-CSU nicht nur zu einer Koalition sondern zu einer Koalition mit Links-Grünen zu zwingen. Die Demütigung wäre final und die Entlarvung der CSU als einer Partei entweder der Umfaller oder des multikulturellen Establishments wäre perfekt, wenn Söder linken Parteien mit erheblichen inhaltlichen Diskrepanzen gegenüber einer bürgerlichen Partei mit größeren inhaltlichen Schnittmengen den Vorzug gibt.

Wer jetzt noch glaubt von der CSU sei eine konservative Wende zu erwarten, wie Dobrindt sie angekündigt hatte, der lebt in der gleichen Illusion wie Seehofer, dass eine Lösung gefunden worden sei.

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Häme für die Schlandschaft

Merkels und Jogis Schlandsknechte sind aus dem Turnier und noch nie habe ich derart viel Häme, Spott und Schadenfreude von Seiten der Deutschen Fans für ein Turnieraus ihrer Mannschaft erlebt. Und noch nie war sie so verdient wie diesmal.

Hach was hat uns diese rassistische Hetze doch nur den schönen Fußballsommer verdorben?! Wie könnten wir jetzt bierseelig und sediert vor den Bildschirmen sitzen, einem Özil und einem Gündogan beim Brillieren zuschauen, wenn wir nur etwas freundlicher gewesen wären, toleranter und einfach ertragen hätten, dass sie einen anderen Präsidenten als den ihren anerkennen, vielleicht einen anderen Regierungsstil als den unserer Demokratie bevorzugen, ja dass sie keine Deutschen sind, die uns als deutsche Nationalspieler der Nationalmannschaft repräsentieren sollen, halt nein… Spieler »der Mannschaft« ohne Nationalfarben versteht sich.
Nein stattdessen haben wir erwarten mögen, dass hier jemand aufläuft, der uns auch repräsentiert als Nation, generell dass »die Mannschaft« für etwas steht, auch zu ihrer eigenen Tradition Deutschland in der Welt zu vertreten. Wie konnten wir nur?!

Aber zurück zum Ernst der Sache. Aus, aus, aus Deutschland ist Weltmeister der Peinlichkeit. Ich hatte ja in meinem Artikel zu den Schlandsknechten schon durchscheinen lassen, dass die WM für mich eigentlich schon gelaufen war, bevor sie überhaupt angefangen hatte und das ich an die Spiele wie ein Gringe herangegangen bin. Ich wollte sie mir ursprünglich gar nicht anschauen, da aber das erbärmliche Spiel gegen Mexiko, was man als Startschwierigkeiten noch hätte abtun können, von einem nicht weniger knappen Spiel gegen Schweden getoppt wurde, bei dem das rettende Tor gerade noch auf den letzten Drücker fiel, da war dann doch genug Motivation da, um mir dann doch auch noch das letzte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft anzuschauen, dass darüber entscheiden sollte, ob es ins Achtel-Finale geht oder ob Deutschland historisch einmalig schon in der Gruppenphase ausscheidet und das zur Krönung auch noch als amtierender Titelverteidiger.

Auch wenn ich als Gringe unterwegs war, war die Verlockung zu groß alle Spiele anzugucken. Auch wenn ich mit »der Mannschaft« innerlich schon gebrochen hatte, soweit Deutschland die Niederlage zu wünschen, war ich dann doch nicht, auch wenn sie mich nicht besonders geärgert hätte, zugegeben. Diese Niederlage hingegen, dieses Aus, dass hat mich und wenn man Twitter und andere soziale Medien mal als Referenzgröße nehmen will, mit einem Gefühl tiefer Schadenfreude zurückgelassen und es war vermutlich auch noch nie angebrachter als diesmal, Häme über das eigene geschlagene Nationalteam auszukippen. Tut ja auch nicht weh, immerhin ist es ja nur irgendsone »Mannschaft«. Im Fall von sportlichen Erfolgen hätte es ja ohnehin geheißen, dass nicht wir, sondern das die Spieler gewonnen haben. Warum sollten wir uns nun also eine Niederlage anheften? Den Fans, die beim Public Viewing oder gar direkt in den Stadien saßen und sich den Kopf vor Fassungslosigkeit hielten, sei auf die Schulter geklopft.

Und die Niederlage war verdient, nicht wegen der Sachen, die ich im erwähnten Artikel geschrieben hatte, sondern weil Deutschland scheiße gespielt hat, richtig scheiße und das in drei Spielen und eine Leistung abgeliefert hat, die in keinem Sinne weltmeisterlich bzw. weltmeisterschaftlich tauglich gewesen ist. Das Spiel gegen Süd-Korea war nur die Kirsche auf dem Scheißhaufen. Nichts gegen die Koreaner, aber auch deren Spiel war nur mittelprächtig aber letztlich ausreichend, dass das Spiel der »Mannschaft« noch dahinter zurückblieb. Womöglich kann man froh sein, dass Schland nicht weiter gekommen ist, wie nass hätte uns dann vielleicht erst ein Team gemacht, das noch mehr von seinem Handwerk versteht?

Dazu muss ich jetzt sagen bei aller Häme: Genauso wenig wie Multikulti Tore schießt, wie die Linkinnen, Grüninnnen und sonst alle, die sonst nur mit dem Gefühl von Gefahr oder Verachtung an ein Konzept wie Nationalfußball herangehen, sich damals in Brasilien oder jetzt im Vorfeld in die Bresche warfen, um Özil und Gündogan in Schutz zu nehmen, genauso wenig ist Multikulti dafür verantwortlich, dass wir dieses Turnier so peinlich verloren haben. Letztlich wurden die Spieler von einer Mannschaft vergeigt, von der kaum das nötige spielerische Niveau aufs Feld gebracht wurde, von wenigen Ausnahmen wie Manuel Neuer abgesehen.
Multikulti ist weder ein Garant für Dysfunktionalität noch für Top-Fußball. Ansonsten würden „international“ aufgestellte Teams auch keinen Top-Fußball hinbekommen. Dazu gehören Professionalität (ggf. gewisse kulturelle Machismo hinter das Team zurückzustellen) und die Möglichkeit sich nötigenfalls per Zeichen oder eben auch auf Englisch zu verständigen, dass man auch kaum von einem Kommunikationsproblem sprechen kann. Wer in diese Richtung etwas ins Feld führt, ob links oder rechts, ist schlichtergreifend dämlich.

Ein anderer Punkt mag da schon eher bedenkenswert sein und das ist die vergiftete Stimmung im Vorfeld. Was manch ein Kommentator von rassistischen Ausfällen redet, ist freilich an den Haaren herbeigezogener Schwachsinn. Die Kritik am türkischen Özil und Gündogan als Nationalspieler in Verbindung mit der indirekten oder direkten Wahlkampfhilfe für den Möchtegern-Diktator Erdogan ist es die hier als Rassismus verbrämt wird, dabei ist sie mehr als angebracht und eben keineswegs rassistisch. Da sollte sich jemand noch einmal die Definition anschauen. Die Berechtigung der Kritik ergibt sich, wie beschrieben, aus drei Gründen:

  1. Erdogan zu unterstützen ist eine moralische Fragwürdigkeit
  2. Die Integration von Özil und Gündogan durch ihre Bekenntnisse zu Türkei und Islam ist in Frage zu stellen
  3. Es ist in Frage zu stellen, wie diese Figuren Deutschland als Nationalspieler überhaupt repräsentieren können oder sollten

Nun denkt der linskdrehende sich, dass diese furchtbare, unmenschliche Kritik dazu geführt habe, dass die so belasteten Özil und Gündogan scheiße gespielt haben, zumindest kam mir noch nicht unter, dass jemand schrieb, sie hätten quasi als Trotzreaktion absichtlich scheiße spielen wollen. Die Conclusio: Die Hetze der Rechten habe zur Niederlage der Mannschaft geführt oder dazu beigetragen. Wir blenden mal aus, dass auch die anderen deutschen Spieler eine ziemlich miserable Leistung gebracht haben.

Ein lautstarker Teil der deutschen Fans und nachgerade nicht ein kleiner, wenn man den Umfang der gezeichneten Online-Petition gegen Özil und Gündogan anschaut, haben klar gemacht, dass sie diese Figuren nicht als ihre Repräsentanten tolerieren, denn geschweige akzeptieren wollen und den Bundestrainer aufgefordert sie aus der Mannschaft zu entfernen. Und man will scheinbar auch nicht glauben, dass die Episode mit Erdogan nicht vielleicht auch in der Mannschaft selbst zu Diskussionen oder zumindest einem inneren Umdenken geführt haben könnte. Die Stimmung war in jedem Fall schon vergiftet.
Für das Entlassen von Özil und Gündogan gab es also schon im Vorfeld berechtigte Gründe, die der Bundestrainer beiseite gewischt hatte und damit auch in Kauf genommen hat, dass die Causa die Mannschaft nachhaltig belasten würde, um diese beiden Spieler zu halten. Da man den Skandal nicht wegdiskutieren kann, es sich also um keine Erfindung der Rechten handelt, wäre die Aufforderung also eher gewesen die Klappe zu halten und den Mantel des Schweigens über diese beiden Symbole der Integration zu breiten.
Um das Ganze aber völlig absurd zu machen, bestand Löw trotz der gezeigten Schwächen während des nun sehr kurz ausgefallenen Turniers darauf, Özil jedes Mal unbedingt auflaufen zu lassen, obwohl sich schon abzeichnete, dass er spielerisch nicht auf der Höhe ist. Ob das jetzt mangelnde Weitsicht oder ein politisches Statement war, darüber mag man diskutieren können. Es ist aber unstrittig, wenn man die Argumentation von der psychischen Belastung der Mannschaft an ihr Ende denkt, dass es das beste gewesen wäre, Özil und Gündogan aus der Mannschaft zu werfen oder in ihrem Fall, wenn sie wirklich – wie Gündogan in seinem Interview behauptete – am Wohl der Mannschaft interessiert wären, selbst ihren Rücktritt genommen hätten.

Neben Anlässen für Häme und Spott angesichts dieser mehr als verdienten, peinlichen Turnierniederlage (inklusive der verhauenen Spiele), die die sozialen Netzwerke hervorbrachten, wie Memes mit einem Hitler, der sich über »die Mannschaft« als Anfänger lustig macht, weil seine „Jungs“ es vier Jahren in Russland ausgehalten hätten oder dem von der AfD verbreiteten Häme über Özil mit „Zufrieden Mein Präsident?“, gab es auch in der dezidiert politischen Sphäre ein erheiterndes Schauspiel zu bestaunen.

Die Linken selbst, zumindest was man relativ weiter dieser Sphäre zurechnen mag, waren nämlich in einer Weise hin- und hergerissen, dass es schon witzig anzusehen war. Wie bereits beschrieben sind ja die alten Kampflinien ganz klar: Die Nationalmannschaft, einschließlich der Turnierlaune und dem bösen proto-faschistischen Fußball-Patriotismus wird dort ja sonst dort mit einer Geste antideutscher Verachtung und Ablehnung einerseits begegnet oder mit der Angst vor der Wiederkehr des Nationalismus. Frau Roth von den Grünen beschmückte ihren Balkon zum Sommermärchen ja deshalb auch mit einer Regenbogenflagge und rief zur Mäßigung auf.
Es war nun dieses Milieu im weiteren Sinne, dass sich in einer ganz ungewohnten Rolle wiederfand die Nationalmannschaft und den Fußball und die Weltmeisterschaft in Schutz nehmen zu müssen, weil die Fans und vor allem rechtsdrehende Patrioten verstimmt auf die Causa Özil und Gündogan reagierten. Während dort die Missstimmung zunahm, beeilte man sich auf linker Seite den Rassismus gegenüber Özil und Gündogan und die Ablehnung der Mannschaft, wohl in Erkennen des Scheiterns ihrer bunten Nationalmannschaft, herauszustellen und eine Lanze für eine Mannschaft und ein Turnier zu brechen, dass sie in der Vergangenheit mehrheitlich problematisch sahen und stattdessen selbst ein wenig künstliche WM-Stimmung zu erzeugen, nur um die miese Stimmung der bösen Rechten unter Quarantäne zu bekommen.
Freilich machten sie dabei eine herrlich absurde Figur, weil die Pose als schwarz-rot-goldener Fußball-Fan ihnen eben gar nicht steht und sie selbst dann noch hin- und hergerissen waren zwischen Kritik am Turnier und der Nationalmannschaft und den Fans und gleichzeitig jetzt mit den Rechten plötzlich auf einer Seite (freilich von anderen Standpunkten ausgehend) und dem Bemühen sich sowohl von Rechts als auch vom Turnier zu distanzieren und gleichzeitig die bunte Schlandschaft in Schutz zu nehmen. Das Herumlavieren zwischen den eigenen Standpunkt und das Bedürfnis für etwas zu sein, nur weil die Rechten dagegen sind, hatten etwas von der Katze, die ihren eigenen Schwanz jagt.

Alles in Allem eine herzerwärmende Gaudi und dazwischen eine »Mannschaft«, die hoffentlich aus dieser ganzen Peinlichkeit etwas lernen und Konsequenzen ziehen wird. Ich drücke jetzt auf jeden Fall noch Japan die Daumen. Mag kommen, dass die heute Abend auch ihren Hut nehmen müssen im Spiel gegen Belgien, dann ist die Weltmeisterschaft auch für mich endgültig gelaufen. Wenn nicht, dann gibts vielleicht noch ein oder zwei Spiele, die mir anzuschauen es wert sind.

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Schlandsknechte Özil & Gündogan – Fußballmärchen von der Integration

In Deutschland entsteht so langsam erste WM-Stimmung trotz erster Vorrunden-Niederlage gegen Mexiko. Es wird Zeit noch einmal einen Blick auf die sogenannte Trikot-Affäre von Gündogan und Özil zu werfen im Hinblick auf die symbolische Bedeutung der Nationalmannschaft und das Märchen von der Integration durch den Fußball.

Da wir jetzt so langsam in die Fußball Weltmeisterschaft hineingleiten und die Stadt angefüllt ist mit lustig in patriotischen Farben geschmückten Menschen mag ich mir doch noch ein paar Worte zum Özil- und Gündogan-Vorfall gönnen. Ich hatte seinerzeit als die Geschichte noch frisch war, schon meine Meinung dazu, auch zu der wiedergutmachenden Inszenierung oder zumindest dem Versuch einer solchen bei Steinmeier. Was mich jetzt eher zu ein paar offenen Worten reizt ist ein Interview, das Gündogan geführt hatte. Das war mir die Tage untergekommen und hat mich jetzt doch bewogen hat, hierüber zu schreiben.

Ich muss direkt zugeben, ich bin nicht sonderlich fußballbegeistert. Eher im Gegenteil. Mein Vater war/ ist Fan von Borussia Dortmund, ich hab mit ihm früher dann und wann Spiele im Fernsehen geschaut, tue das auch heute noch hin und wieder und bin ebenso bei diesem Verein geblieben. Einen Fan würde ich mich nicht nennen, ich wüsste aber auch nicht, warum ich Spiele einer anderen Mannschaften schauen sollte. Weltmeisterschaft war eine andere Sache. Da ich nicht sonderlich sportinteressiert bin, vom Schwimmen mal abgesehen, ging das in meiner Kindheit völlig an mir vorbei. Für den letzten großen Sieg Deutschlands vor dem Stern von Brasilien war ich deutlich zu jung. Das Dazwischen hat mich nicht interessiert. Das Phänomen Fußball-WM kam – wie wahrscheinlich bei vielen – im Zuge des sogenannten Sommermärchens über mich. Public Viewing ein ganzes Land im Fußballfieber, ein Volksfest quasi mit schönen und epischen Bildern.

Manch einem politischen „Patrioten“ ist der Fußball-Patriotismus zuwider. Man gibt sich da als politischer Aktivist gerne avantgardistisch. In gewisser Hinsicht sind wir das für die neue patriotische Bewegung auch, aber dieses elitäre Herabschauen auf Leute, die die Freude am Land auf einer niedrigschwelligen Ebene genießen, die diesen Event-Charakter ausnutzen für ausgelassene Feiern, behagt mir nicht, ist mir auch zuwider. Die Rechten empfinde ich in dieser Angelegenheit manchmal als Spiegelbild linker Fahnendiebe und moraliner Kleinredner, die auch beim „Gaucho-Gate“ des letzten großen Turniers wenigstens noch auf die Feierstunde den zurechtstutzenden Rassismus-Stempel drücken konnten, wo doch schon ihre Unkenrufe acht Jahre zuvor, Lügen gestraft worden waren und während des südamerikanischen Turniers nur mehr lächerlich wirkten. Man hatte sein Haar in der Suppe und die Welt war wieder in Ordnung. Während es für Otto-Normal-Fußballverbraucher unverständlich blieb, lechzte die „Öffentlichkeit“ nach einem Anlass, der es möglich machte, den Moment des Triumphs, zur Einhegung eines womöglich überschäumenden Natiionalgefühls, mit einer erbaulichen volkserzieherischen Empörung und Gemahnung zu verzieren. Die kleine Alberei eines Gaucho-Tanzes wurde dann zum Zeichen für einen langen Weg, der noch voller Ressentiments wäre.
Endgültig als Spinnerte entlarvten sich dann die, die sich nicht zu blöd waren, die Vermutung zu äußern, das Sommermärchen könnte einem neuen Nationalismus den Weg geebnet haben (letztlich die Denkweise, wenn alles Gute nicht ohne die Dialektik einer einhegenden Schuld daher kommen würde, wäre das Vierte Reich bereits vorprogrammiert) und sich dann auch nicht entblödeten, den Fußballpatriotismus zum Hintergrund der AfD hochzuschreiben. Das aber wohl, um weiterhin faktisch fundierte Gründe (Probleme) ausblenden zu können, die den Aufstieg der AfD bedingt haben, um im angenehmen Bereich des Irrealen und Irrationalen verweilen zu können.

Viele Rechte treiben es aber in gewisserweise genauso. Für sie steht natürlich das gute Nationalgefühl im Vordergrund. Sie brauchen keinen spezifischen Grund außer Heimatliebe, Traditionnsbewusstsein und Wertschätzung für das Eigene. Der Fußball ist nur ein Anlass das ganze etwas beschwingter anzugehen. Was auch eher die Sache ist, wie ich daran gehe: Ernst und politisch ist es das ganze restliche Jahr. Zu solchen Anlässen darf man gerne auch mal locker lassen. Allerdings wird in der Betrachtung des Durchschnittsbürgers gerne vergessen, dass die WM mit ihrem Event-Charakter, die mit gemeinsam erlebter Volksfest-Atmosphäre und dem hierzulande beliebtesten Sport zwei sehr viel stärkere und anschlussfähigere Affekte hat als doch abstrakteres Nationalbewusstsein, dieser Fest-Charakter also auch im Vordergrund steht.

Was den Rechten wohl stört ist, dass man sich zur WM mit den patriotischen Farben schmückt (ganz klar allerdings, sind es ja auch die Farben des eigenen Teams nicht zwingend auch ein politisches Bekenntnis), den Rest des Jahres aber dem Wohl des Landes eher apathisch gegenübersteht, während das sportliche Vorankommen (mehr noch als bei den Olympischen Spielen mit ihrem Medaillen-Spiegel) eine gewichtigere Daseinfrage ist als Wirtschaftsprosperität, Sicherheit, Identität. Doch statt zu unken und sich herablassend über diese scheinbare Schizzophrenie wahlweise lustig zu machen oder aufzuregen, scheint wohl das eigentliche Problem eher zu sein, dass nationale Feier- und Gedenktage nicht einen ähnlichen niedrigschwelligen Impetus erzeugen können. Statt zu lamentieren, kann man ja daran arbeiten. Es würde dem Tag der Deutschen Einheit als unserem großen Nationalfeiertag ebenso gut tun, wenn er ins Private und Privat-Gemeinschaftliche überführt werden würde, statt ihn allein dem Knorrig.Rituellen politischer Weihungen allein zu überlassen, zumal diese (hier sind wir wieder bei der Erziehungsdialektik) gerade eben nicht als Volksfeste sondern als Demutseminare mit anschließendem Sektempfang (bildlich gesprochen) angelegt sind. Wem das mit der WM also zu vulgär oder zu flach anmutet, dem mag man ins Stammbuch schreiben, dass der gerne als Vorbild herangeführte Patriotismus der USA, ihren Unabhängigkeitstag nicht wesentlich anders begeht, als der Deutsche „seinen“ Fußball zum Public Viewing.

 

Buntes Erlösungsnarrativ wider den Fußballpatriotismus

Ähnlich wurde die Fußball-WM 2006 ja auch nutzbar zu machen und einzuhegen versucht in das öffentlich-saturierte Geschichts- und Wertebild, das zwei Fragen nicht entbehren durfte: Dürfen wir das überhaupt? Darf sich Deutschland derartig präsentieren, im eigenen Land. Darf es sich derart unbeschwert einen Moment selbst genießen? Die ständige Angst im Hinterkopf, dass die Leute die Fesseln der Vergangenheit womöglich für einen Moment nicht mehr spüren könnten, mit der Gefahr, dass vielleicht einigen der Gedanke zur Flucht aus dem Kerker der Geschichte kommen könnte. Wenn man an das heutige Vorgehen mancher Städte im Umgang mit als problematisch empfundenen Straßennamen denkt, hätte man sich damals auch „Aufklärer“ vorstellen können, die vor den Stadien Besucher über die Instrumentalisierung sportlicher Großereignisse im Dritten Reich aufklärten oder entsprechende Broschüren verteilten.
Die zweite Frage war also, da man das Prestige der WM und schöne Bilder wollte, wie könnte man vor sich selbst und der Welt diesen nationalen Rausch, als der er später beschrieben wurde, legitimieren. Eine Frage für die die Welt sich vermutlich nicht wirklich interessierte, die deutsche Betroffenheitsgesellschaft dafür umso mehr und für die Welt gleich mit.

Die Lösung bildete dann die große Erzählung von der integrativen Kraft des Fußballs, von Fairness von Regeln und wie er die Welt zusammenbringt. Das was Fußball-Funktionäre gerne von sich geben, um Ausbildungslager und Bolzplätze in Entwicklungsländern als humanitäre Zuschussgeschäfte zu preisen, statt als Aufzuchtstationen für potenten Nachwuchs für die talenthungrige Sport- und Medien-Industrie. Defacto zeigte der Gaucho-Vorfall worum es geht, einen Wettkampf bei dem nun einmal nur einer bzw. ein Team gewinnen kann und wo es auch sehr wichtig ist, wer dabei war, wer auf dem Platz gestanden oder sogar ein Tor geschossen hat. Michael Ballack, wer sich noch an ihn erinnert, kann da vermutlich ein Liedchen von singen. Auch wenn die Leidenschaft sicher mitspielt (wer würde nicht gerne einen Job machen, der ihm auch noch Spaß macht!) geht es doch auch um Prestige und Geld, um Erfolge und letztlich auch um Doping und Raubbau am eigenen Körper. Man muss das Geschäft oder den Sport nicht zerreden. Letztlich sollte man aber dem sektseeligen Geschwätz von Sportfunktionären über die Bedeutung ihrer Einrichtungen nicht mehr Bedeutung beimessen als dem Anspruch der Kirchen einen fundamental idealistischen Beitrag zur Gesellschaft leisten zu wollen.

Aber wir waren beim Narrativ. Die junge (wohl die meist gebrauchte Zuschreibung) und bunte Boygroup von 2006 mit ihren Iterationen bis zu dieser Weltmeisterschaft stand im Fokus einer Erzählung über die Wunder der Integration, als Bild eines jungen, fröhlichen, unbeschwerten, besseren und vor allem multi-kulturellem Deutschland, dass die USA an ihrer Idee des Schmelztiegels beerbt hatte und von dessen Wahnideen rassistischer Reinheit sich nicht nur verabschiedet hatte, sondern dessen Wurzeln man mit der heraufziehenden Multikultur geradezu ausriss. Ein legitimierendes Bild für das Ausland; für das Inland den Beweis, das Integration und Multikultur funktionieren und jung, schön und erfolgreich sind. Hellschland und Dunkeldeutschland, bevor sie cool wurden gewissermaßen. Und mit Figuren wie Mertesacker, Klose, Podolski, Schweinsteiger, Lahm hatte man Identifikationsfiguren für die Jugend (Gott bewahre wenn aus den bubenhaften Spaßmachern auch nur mehr »alte, weiße Männer« werden, wie aus dem Familienmenschen Podolski). Asamoa und Odonkor brachten schon 2006 Farbe ins Team, aber das Integrationsnarrativ wurde erst mit Südafrika 2010 so richtig überlebensgroß: Aogo, Tasci, Boateng, Khedira, Cacau und eben Özil.

Und die »bunten« Migrationshintergrundler, Özil allen voran, jetzt auch mit dem hinzugestoßenen Gündogan, sollten als Anker für die nicht mehr ganz so kleinen ethnischen Minderheiten dienen, um diese zu binden und im Narrativ des neuen Deutschland zu repräsentieren. Ein Sommermärchen in Wiederholung, das dann 2014 in Brasilien den Pokal holte. Und wie jedes Märchen zwar eine schöne Geschichte, aber eben auch nicht mehr.

 

Die Trikot-Affäre

Was uns jetzt zum eingangs erwähnten Vorfall bringt. Gündogan und Özil waren in England auf einer Veranstaltung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zusammengetroffen. Ich will bewusst die Implikationen ausklammern, die es hat diesen Mann zu unterstützen, der in der Türkei nach und nach die Gesellschaft religiös-fundamentalistisch umbaut, Angriffskriege führt, einen verdeckten Vorbürgerkrieg gegen die Kurden im eigenen Land vorantreibt und den Staat zunehmend autokratischer regiert, während Oppositionelle und Journalisten in den Knast geworfen werden. Blenden wir mal aus, dass ein Zusammentreffen der Art wie es stattgefunden hat, als Sympathie für diese Politik ausgelegt werden kann oder das ihm das Schmücken mit Identifikationsfiguren wie Özil oder Gündogan bei türkischen (Auslands)wählern helfen kann, seine Politik nach einer erfolgreichen Wiederwahl als Präsident weiterzubetreiben. Blenden wir auch aus, dass Özil und Gündogan auch nicht im real existierenden Erdoganismus leben müssen, wie ihre Landsleute in der türkischen Heimat. Blenden wir diese ganzen Implikationen einfach mal aus. Das Özil und Gündogan womöglich auch nicht die hellsten politischen Leuchten sind, mag man womöglich auch noch annehmen.

Wo ihr Herz aber ist, wissen die Beiden sicher sehr gut. Die beiden überreichten dem Diktator vom Bosporus signierte Trikots. Die Geste Erdogan gegenüber kann implizit im Fall von Özil als Zeichen der Zugehörigkeit gewertet werden. Gündogan machte es sogar explizit, in dem er das Trikot schriftlich „Für meinen verehrten Präsidenten, hochachtungsvoll“ widmete. Abseits der politischen Zustimmungsebene gibt das ein deutliches Bild davon ab, wo die identitäre, emotionale Zugehörigkeit der beiden Nationalspieler verortet ist. Und die liegt ganz klar nicht bei den Deutschen, bei Deutschland vielleicht, eben wie bei einer Firma, die einen gut bezahlt.

Ich denke die spielerische Qualität dieser beiden Personen muss man nicht in Zweifel ziehen, man hat gesehen, was sie zu leisten im Stande sind und daher kann ich den Bundestrainer, dessen Aufgabe es ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen bzw. den Titel zu verteidigen, noch am ehesten zugestehen, dass er die Sache abzubügeln versucht, um ja nicht zwei Topspieler im Kader zu verlieren und das so kurz vor dem Turnier. Allerdings stellen sich hier pointiert ein paar relevante Fragen, eben für diejenigen, die nicht von Berufswegen opportunistisch auf den Sieg hinauswollen.

 

Entromantisierung und Kommerzialisierung des Fußballs

Für Löw und wahrscheinlich auch den Großteil des Kaders ist eine Weltmeisterschaft in der nicht Vereine, nicht Selbstdarsteller sondern Nationen gegeneinander antreten vermutlich im Grunde auch nur business as usual. Hier lastet höchstens die Schwere des Turnieres an sich und der Zwang zur guten Präsentation auf dem Feld schwer. Lampenfieber höchstens. Man kann sich aber kaum vorstellen, dass sich der Bundestrainer oder die Spieler mit Gedanken tragen, wie sie das tragische brasilianische Nationalteam 2014 womöglich hatte, das die Hoffnungen eines ganzen, politisch und ökonomisch zerrissenen Landes schultern musste und es wenigstens im Fußball zusammenhalten wollten. Eine Niederlage wie die Brasiliens würde vermutlich keinen tränenreichen von allgemeiner Anteilnahme des Publikums getragenen tragischen Heldenabschied nach sich ziehen. Löw und »Die Mannschaft« würden dann im besten Analyse-Bullshit-Bingo (Wir konnten heute unser Potenzial nicht abrufen) die Fehler analysieren und Besserung versprechen, wie Ingenieure, die sich bei der Tür vermessen haben. Der Gedanke, dass sie sich Fans und vor allem ihrem Volk in ähnlicherweise verantwortlich fühlen würden, wie die Brasilianer, erscheint völlig abwegig.

Ich kann nicht genau sagen, ob es nur ein Mythos oder tatsächlich bestätigt ist, aber das Bild von den Olympischen Spielen der Antike, dem Sport als Ersatzhandlung für den Krieg, als Ausweis der Leistungsfähigkeit der eigenen Athleten und damit der eigenen Polis, passt denke ich hier ganz gut gedanklich. Denn Ähnliches finden wir auch im Konzept der Nationalmannschaften, die in verschiedenen Sportarten die Leistungsfähigkeit eines Staates besser seines Volkes auf einer ziviliserten freundschaftlichen Ebene zeigen. Während die Volksheere des 18. und 19. Jahrhunderts zum Ruhm und zur Prosperität ihrer Heimaten notfalls in den Tod gingen, vergleichen wir uns heute in halbwegs fairen Turnieren, nach denen man sich bestenfalls noch in die Augen schauen kann und fiebern mit.

Was wir hier, in Deutschland insbesondere, erleben, ist nicht allein die Kommerzialisierung als wirtschaftliche Verwertung dieser viel größeren symbolischen Wettkämpfe sondern auch ihre Unterwerfung durch die Logik des entmystifizierten Spieler- und Spielmarktes, etwas das insbesondere Traditionsvereine bereits auf nationaler Ebene betroffen hat, denen nachgerade dank der austauschbaren Spieler- und Marktlogik (eine Mannschaft repräsentiert nichts mehr, sondern ist eher eine Match-Maschine, in der die bestmöglich einkaufbaren Teile, zeigen, was sie können, gewachsene Strukturen wie Spieler mit Vereinsloyalität (oder Loyalität des Vereins gegenüber Spielern), Ortskolorit und Fankultur mit eigenen Bedürfnissen nach Tradition stören da nur. Der Geist von Professionalisierung genannter Rationalisierung herrscht vor. Zu dieser Rationalisierung gehört nicht für ein Land zu spielen, um dieses Land und dessen Volk zu repräsentieren, das zu verkörpern, wofür dieses Land steht, sondern weil dieses Land die besten Aufstiegs- und Trainingsbedingungen, ein gutes Sälär oder die Chance auf eine hohe Turnierplatzierung mit eigener Beteiligung an wichtigen Spielen anbietet.
Die Nationalmannschaft gewinnt dann nur noch praktisch für sich selbst. Der Staat kann sich mit einer Trophäe schmücken, was aber ist das Wert, wenn man andere für diesen Sieg bezahlt? Was bedeutet ein Turniersieg der Borussia für lokale Fans, die sich als Dortmunder der Mannschaft am Ort verpflichtet fühlen, wenn sie sich vergegenwärtigen, dass dort mehrheitlich Münchener, Berliner, Kölner, Brasilianer, Marokkaner, etc. die Tore vorbereiten bzw. schießen? Was bedeutet ein Sieg »der Mannschaft« für die Deutschen, wenn man diesen Erfolg genauso gut den Türken zurechnen könnte?

 

Mannschaft ohne Identität

Die Entkernung der Nationalmannschaft von einer nationalen Institutionen hätte man sich satirisch kaum besser ausdenken können, als die Werbestrategen, die aus Vertretern der nationalen sportlichen Leistungsfähigkeit eben eine »Marke« machen wollten und mit »Die Mannschaft«, was hip, jung, cool und kooperativ klingen soll, dem Begriff jedweder tieferer Bedeutung entkleiden. Es ist Reduktion auf das Wesentliche. Das was einmal die Deutsche Nationalmannschaft war, also ein Konzept von Identität und Anspruch hatte, wird zu einer gesichtslosen, fast beliebigen Ansammlung an arbiträren Spielern. Nicht einmal die Kaschierung der allgemeinen Zwanglosigkeit durch einen Vereinsnamen oder Vereinsfarben (in unserem Fall ausgegrauter Nationalfarben) existieren damit noch. Wir erleben damit eine Gleichzeitigkeit von einer farblosen Kollektivierung zu einem fußballspielenden Funktionsapparat ohne wirkliche Gruppenidentität bei gleichzeitiger Atomisierung auf die einzelnen Spielerfiguren, die dann für sich selbst wirken und ihr, der Austauschbarkeit der Mannschaft zum Trotz, stattdessen ein Gesicht und einen Willen geben sollen. Das einigende Band bleibt dann nur noch der spielerische Erfolg. Brasilien gegen Deutschland. Drama gegen Bilanz.
Das man mich an der Stelle nicht falsch versteht. Nur auf Idealismus und ohne gewissen rationalisierenden Pragmatismus wird man in der modernen Fußballwelt mit ihren abgestimmten Ernährungs- und Trainingsplänen, Millionenablösen und Unsummen an Investitionen in den Aufbau von Humankapital nicht weit kommen, Erfolg gehört schon auch dazu. Aber es muss klar sein, dass ein Zirkus wie der Nationalmannschaften eben nicht ein Geschäft ist, das für die Spieler gemacht wird, sondern das sie gerade als herausragende Athleten, im indirekten Auftrag für sich und ihre Landsleute stehen.

Im Endeffekt verhält es sich ähnlich wie mit den Bürgerarmeen des 19. Jahrhunderts. Napoleon wird folgendes Zitat zugeschrieben:

„Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.“

Jemand von dem auch tiefsinnigere Zitate über das Fortdauern des Ruhms bekannt sind, dürfte wohl durchaus auch verstanden haben, dass hinter Orden und bunten Bändern tiefere Ideale stehen, die diese nur verkörpern. Letztlich geben sie dem Menschen eine Wertschätzung für etwas, das schlechterdings nicht in Gold aufzuwiegen ist. Fortdauernder oder temporärer Ruhm, Anerkennung, Dankbarkeit, das Bewusstsein die Heimat und vor allem auch die eigenen Familien verteidigt zu haben. Gold oder Sold werden dann zum profanen, wenn auch nötigen Unterhaltsmittel (ohne Mampf, keinen Kampf).

Dem gegenüber stehen die Söldnerheere davor, die in den zynischeren Zeiten wie dem Dreißigjährigen Krieg ihre Herren nach Kassenlage wechselten, ihnen letztlich egal war für wen oder warum sie starben, wenn die Bezahlung stimmte und deren Loyalität schließlich an gefüllten Kassen hing. Während der Bürgersoldat auch dann weiterkämpft, weil es für ihn um alles geht, ist der Söldner verschwunden oder plündert das umliegende Land aus, wenn der Soldfluss stockt.

Treffend bemerkt Napoleon hierzu:

„Man soll nie gegen eine Nation kämpfen; dies ist der Kampf eines irdenen Geschirrs gegen einen eisernen Topf.“

Es ist der Geist von Söldnern, der in der Nationalelf wirkt. »Die Mannschaft« ist also letztlich nur das narrativtechnische Endstadium aus der sich der Gedanke einer symbolischen Vertretung der Nation und der sportlichen wettkämpferischen Vertretung des Volkes auf internationaler Bühne verabschiedet hat und wir nicht Nationalspieler sondern arbiträre, wenn auch begabte Spieler bei der profanen Ausübung ihrer Brotarbeit beobachten. Man mag mir den Gedanken gestatten: Ohne den tieferen, letztlich etwas nationalromantischen Bedeutungsgehalt Sportnationen im Wettkampf aneinander zu messen, kann man solche internationalen Turniere samt der Nationalmannschaften auch ganz abschaffen und alle vier Jahre ein großes Weltvereinsturnier anstelle dessen abhalten, statt noch irgendwie so zu tun, als würden Deutsche, Franzosen, Italiener, Türken, etc. gegeneinander antreten. Die damit verbundene Aufhebung der letztlich scheinbar ohnehin nur bedeutungslos gewordenen nationalen Zugehörigkeit – was ist schon die Staatsangehörigkeit auf dem Papier einem Gündogan wert! – vollzöge dann nur folgerichtig die unbeschränkte Rationalisierung des Vereinsfußballs nach, wo eingekaufte Spitzenkräfte aus aller Welt und aller Vereine statt eigenem Nachwuchs für Bayern München stehen und Bayern München für nichts anderes mehr als Geld und (eingekauften) spielerischen Erfolg.

 

Özil und Gündogan sind NICHT integriert

Gündogan und Özil sind für diese Mannschaft wahrlich Symbolfiguren aber aus anderer Richtung, denn an ihnen zeigen sich besonders augenfällig die Söldnermentalität der Spieler (ich mag unterstellen, dass es sich bei vielen der Nationalspieler im Kern wohl auch um Karrieristen handelt) und die Integrationslüge. Beide sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, wirtschaftlich, sportlich erfolgreich – Özil war eine zeitlang auch als Model gefragt – und sie stehen als Fußballnationalspieler in einer zentralen geachteten öffentlichen Position. Bei Gündogan handelt es sich nach dem Papier nicht einmal um einen Türken, er besitzt im Gegensatz zu Özil nur die deutsche Staatsbürgerschaft und dennoch gab er sogar das stärkere explizite Bekenntnis zu »seinem« Präsidenten Erdogan ab. Ein Hinweis darauf, dass Staatsbürgerschaften in der Hoffnung auf Integration zu verteilen, ebenso falsch ist wie der Glaube an den Magic Dirt. Wir haben letztlich all das, was uns seit Jahren als »Rezept für gelingene Integration« verkauft wird, vorliegen und dennoch ist eine Integration abseits von der Haltung von der hiesigen Infrastruktur und Gesellschaft gut und gerne zu leben, eine Identifikation mit den Deutschen nicht feststellbar. Sie bekennen sich zu einem fremden Staatsoberhaupt, sehen sich trotz einziger oder doppelter Staatsangehörigkeit selbst nicht als Deutsche, verweigern zur symbolischen Unterstreichung quasi auch das Singen der Nationalhymne, obwohl sie sich gerne im Kader der Nationalmannschaft aushalten lassen.

Deshalb hat sich Özil über die Jahre auch inbesondere meinen Unmut zugezogen, nicht das er bis auf den neuerlichen Vorfall sonderlich selbst dafür verantwortlich gewesen wäre. Er wurde gerade im Hinblick auf die nicht gerade kleine deutschtürkische Community, die man sich herangezüchtet hat, gerne als Beispiel für gelungene Integration und als Identifikationsfigur junger Migranten herangezogen, die ihn als Vorbild nehmen könnten. Und das war, was mich an seiner Person nachhaltig verärgert hat, weil er eben nichts davon hergibt.
Aber weil dieses Narrativ im Raum steht, war neben Bundestrainer Löw wohl auch Bundespräsident Steinmeier (abseits des diplomatischen Schadens, den womöglich zwei Repräsentanten Deutschlands anrichten könnten, wenn sie sich allzu offensiv zu einem Diktator bekennen) mehr als bereit die Beiden zu halten, wie man in der FAZ liest.
Eine Brücke möge man ihnen doch bitte bauen. Natürlich war man sich einig darin, dass die Loyalität Deutschland gegenüber gelten müsse und natürlich wollte keiner der Beiden ausdrücken, dass Steinmeier nicht ihr Präsident sei. Ja die Aversion gegen die Nationalhymne, eines der grundlegenden Zugehörigkeitssymbole, ist sicher ein Zeichen von gesunder Loyalität. Wenn die Selbsterniedrigung des eigenen Staatsoberhauptes nicht so schamerregend wäre, könnte man fast lachen über einen Steinmeier, der sich wie ein devoter Cuck nach dieser öffentlichen „Osmanischen Ohrfeige“ verhält. Die eigenen Nationalspieler teilen sich die Kissen zwar lieber mit dem potenten Diktator, dem gegenüber sie eine stärkere Anziehung verspüren, aber ihm reicht, wenn sie ihm versichern, dass sie ihn trotzdem noch lieben.
Spaß beiseite. Die Hauptsache war das Integrationsnarrativ aufrecht erhalten zu können und die deutsch-türkische Community nicht zu verprellen, von deren Wohlwollen man gesellschaftlich und wahltechnisch immer abhängiger wird, gerade in linken Parteien.
Während das Verhalten der beiden Spieler wenigstens nur einem Mitgliede der deutschen NATIONALmannschaft unwürdig ist, ist die kriecherische Anbiederei Steinmeiers an zwei Personen, die ihn nicht als ihr Staatsoberhaupt akzeptieren, eine Schande für das hohe Repräsentationsamt, welches er bekleidet und damit für den gesamten Staat, der es nicht fertig bringt, diesen Vorfall angemessen kritisch zu würdigen, wenn es denn schon unangemessen wäre, dem Bundestrainer die Kaderaufstellung zu diktieren.

„‚Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Deshalb war es auch nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen‘, erklärte Gündogan in Südtirol“, heißt es dazu ebenfalls in der FAZ.

Und hier beißt sich die Katze dann eben in den Schwanz. Wenn das so ist, dann ist das schön für die Herren, wie für die meisten Türken in Deutschland, die sich ihrer Identität in Richtung Türkentum ziemlich sicher sind, aber es macht sie genau zum Gegenteil gelungener Integration, nicht zu Vorbildern sondern zu Mahnmalen gescheiterter Eingliederung. Trotz all des Erfolgs und der Anerkennung sind aus ihnen, obwohl sie nie einen anderen Heimatboden kannten, eben Türken geworden. Sie führen Integration nach dem Spielplan Erdogans auf: (Funktionale) Integration in die Gesellschaft, um von ihr zu profitieren (oder sie zu unterwandern, wie am Beispiel von DITIB zu sehen) aber Assimilation ist weder gewünscht noch gewollt. Defacto findet Siedlung, Parallelgesellschafts- und Kolonienbildung statt; Teilhaftigwerden an der deutschen Gesellschaft nur anhand des Gebrauchswertes; zu Deutschen werden, Nein Danke. Umso absurder ist es dann, wenn die auf den sozialen Medien geteilte Hadsch (muslimische Pilgerfahrt nach Mekka) von Özil in den deutschen Medien als Zeichen der Integration gefeiert wird, obwohl es eher ein Fortdauern oder Wiederaufleben des mitgebrachten kulturell-religiösen Hintergrundes darstellt. Was man hier feiert ist eine Normalisierung des Islam durch das Aushängeschild Özil. Mit Integration hat das nichts zu tun, nur mit der schleichend voranschreitenden Islamisierung auch im Bereich von Prominenz und Vorbildfiguren, die Jugendliche erst recht dazu anhalten, die religiöse Absonderung selbst zu perpetuieren und zu intensivieren.

Siehe dazu auch das Video Generation Haram von Martin Sellner zum Thema Islam als Jugendkultur und dem Anteil der Popkultur an dieser Entwicklung:

 

Es ist wie gesagt in Ordnung, wenn die Türken sich nicht integrieren wollen, es ist aber unser gutes Recht, dann diese Türken nicht zu wollen oder wenigstens nur sofern zu dulden, sofern sie wenigstens einen produktiven Beitrag zu dieser Gesellschaft leisten und sich nicht schädigend verhalten oder sich politisch-manipulativ als Erdogans fünfte Kolonne gerieren.
An Nationalspieler müssen wir aber andere Ansprüche stellen. Wie gesagt wäre es in Ordnung, wenn Özil oder Gündogan von derartigen identitären Affekten getrieben werden, dann ist aber die deutsche Nationalmannschaft nicht der Platz für die beiden. Die Deutschen in einem internationalen Turnier zu repräsentieren, da geht es nicht ohne unverbrüchliche Loyalität, nicht ohne Identifikation. Und es ist einfach unwürdig, wenn einerseits diese Beiden ihre Stellung als Nationalspieler eben zur opportunistischen Profilierung nutzen, Deutschland quasi ausnutzen, nach dem Motto Kader und Prestige sind gut genug ums mitzunehmen. Andererseits schaffen wir es offenbar nicht, ohne diese Fußballsöldner auszukommen, die aus der offenkundigen Distanz zu dem Land, für das sie eigentlich spielen sollen, keinen Hehl machen.

 

Kögnitive Dissonanz: Gündogan im Interview

Kommen wir an dieser Stelle daher zu dem eingangs erwähnten Gündogan-Interview, denn das enthält bezüglich der Integrationsfrage meiner Einschätzung nach konzentriert alle wichtigen Talking Points:

 

Gleich zu Beginn erleben wir den großen Katzenjammer darüber, dass es ihm weh tue, wie er und Özil jetzt angegangen werden, zu hören, dass sie nicht integriert seien und das sie die Werte dieses Landes nicht teilen. Ja was sind das bloß für böse ungerechtfertigte Anschuldigungen, wenn man sich dem Präsidenten eines anderen Landes, diesem Land und der von dort herstammenden eigenen Identität gegenüber stärker verwurzelt sieht, als gegenüber dem Land, für das man international Fußball spielt? Integration ist legitimerweise in Frage zu stellen und in einem Grad abzusprechen, dass sowohl Özil als auch er selbst als Vorbilder dienen können, wie Gündogan für sich selbst bei 0:56 in Anspruch nehmen will.
Auch bei den Werten, wie gesagt wie helle in politischer Hinsicht die beiden Stoppelhoppser sind, mag man fragen, kann man schon zweifeln, wenn man einen Herrn Erdogan, der neben seiner Tätigkeit als Politiker nichts anderes hat, wofür man ihn schätzen könnte, aufwertet, dann kann man sich kaum darauf herausreden, dass der Mann so gut Klarinette spiele oder selbst Fußbälle kicke. Man also schon auf sein politisches Handeln abzielt. Selbst wenn man politisch nicht die hellste Leuchte ist, zeichnen selbst die Mainstream-Medien ein Bild vom Wäre-gern-Diktator vom Bosporus, dass hätte klar sein müssen, was man da unterstützt.
Halten wir fest: Wenn es wehtut, dann mit Recht. Gündogan und Özil sollten sich winden.

Aber was sagt er weiter? Neben dem Anspruch immer versucht zu haben als Vorbild zu wirken, was jetzt wohl nicht ganz so gut geglückt ist, betont Gündogan, dass sie immer versucht haben mit den Leuten „respektvoll“ umzugehen und „tolerant zu sein“. Das ist wichtig, denn auf diese »Werte«, wie er sie später nennt, wird er sich noch beziehen.
Allerdings nutzt er das auch direkt als Überleitung zu dem Thema, das meiner Meinung nach viel von diesem Vorgang erklärt.
Gündogan wie auch Özil stammen, wie er uns ab 1:08 mitteilt, gebürtig aus Gelsenkirchen und sind dort aufgewachsen, er beschreibt die Stadt dezidiert als eine, „die sehr vielfältig ist, nach wie vor“. Und sie waren es daher auch „immer gewohnt, ja sehr Multikulti aufzuwachsen“.
Und in dieser Aussage steckt eben die Krux an der ganzen Frage der Integration. Man kann sich sehr integriert vorkommen, wenn man in einer völlig ethnisch fragmentieren – vielfältigen – Nachbarschaft aufwächst, wo natürlich keine Ansprüche einer irgendwie gerarteten Mehrheitsgesellschaft gelten und das Leben außerhalb der Familie praktisch genauso funktionieren kann, wie in der Familie auch. Insbesondere wenn durch eine falschverstandene Integration allgemeine Zurückhaltung wenn nicht ein Laissez-faire herrschen, was Ansprüche an Migranten und Integration angehen und Identifikation, letztlich auch mit Gebräuchen, Kultur und Werten der Gesellschaft egal sind, solange die Menschen irgendwie funktionieren oder wenigstens nicht offen problematisch sind. Um es klar auszudrücken: Für Gündogan ist es ein Zeichen von Toleranz und eine Selbstverständlichkeit, dass ein Türke in Deutschland ungestört ein türkisches Leben, eine türkische Identität pflegen kann.
Diese Haltung in Verbindung durch massierte Einwanderung entstandende Ethno-Viertel, durch die Integration schlichtweg überflüssig und auch unmöglich wird, sind es die die Grundlage für die zunehmende gesellschaftliche Spaltung legen, wenn sich die kulturellen Disparitäten verschärfen und anfangen immer wirkmächtiger gesellschaftlichen Einfluss einzunehmen.
Während es umgekehrt in der Selbstverständlichkeitsblase von Gündogan und anderen, die bisher ungestört machen konnten, als Einbruch wahrgenommen wird, an dem die Distanz, die eigentlich immer bestand, schein plötzlich aufgeworfen wird. Schlichtweg leben Menschen wie Özil und Gündogan in der Illusion integriert zu sein, aber auch Politik und Gesellschaft in der Vorstellung integrierte Menschen vor sich zu haben, wenn diese allein schon arbeiten und nicht kriminell sind  (wie war das noch mit den niedrigen Erwartungen?). Wenn es aber zum Schwur kommt, wenn eben tatsächliche Wertethemen auf den Tisch kommen, an denen sich zeigt, wer tatsächlich in Übereinstimmung mit der Gesellschaft ist, beklagt man dann mangelnde Toleranz. weil plötzlich an einen doch Ansprüche gestellt werden. Womit wir beim Grund dafür sind, dass aus Türken eben nur Deutschtürken, mithin Deutschländer wie man in der Türkei über die ausgewanderten Landsmänner sagen würde und keine Turkdeutschen geworden sind.

Deshalb verwundert es nicht, dass Gündogan nicht in der Lage ist sich mit den Vorwürfen zu identifizieren. Absurd wird es dann wenn er ab 1:35 darüber fabuliert, dass er soviel Gutes getan habe. Junge, du spielst Fußball. „Dein Präsident“ hingegen marschiert in ein Nachbarland ein, um dort seinen Kampf gegen eine nationale Minderheit im eigenen Land weiterzuführen.
Eklig wird dann die Mitleidsheuchelei bei 1:50 für die armen Kollegen aus »der Mannschaft«, weil diese ja auch durch die Schmähungen in Mitleidenschaft gezogen würden. Wenn da Verantwortungsgefühl in dieser Hinsicht wäre, dann hätten er und Özil freiwillig den Hut nehmen sollen, statt das man jetzt Löw extra angehen oder Spiele zu Meinungsplebisziten gebrauchen müsste. Aber das ist unterblieben.

Erfreulicherweise verleitet das den anwesenden Journalisten bei 2:08 zu einer kritischen Nachfrage, wie man denn einem Präsidenten die Ehre erweisen könne, der Kollegen wie Deniz Yücel in den Knast werfen lasse. Von dem Fall musste Gündogan sicher auch gehört haben, so wie von anderen Journalisten, die in Erdogans Kerker nach wie vor einsitzen.
Gündogans sich windender Blick ist an der Stelle einfach unbezahlbar.
Die Antwort hingegen ist zum Totlachen: Die ganze Aktion sollte kein politisches Statement sein. Das „Mein Präsident“ wirkt sehr eindeutig in der Sympathie und seiner politischen Bedeutung. Ich bin mir sicher die ganzen Leute in Amerika, die Kappen mit Make America Great Again, tragen, werden auch nur zu Unrecht Trump zugerechnet, obwohl sie die Dinger bestimmt nur aus modischen Erwägungen tragen.

Bei 2:37 kommt er dann nochmal auf die Werte zurück. „Wir stehen zu Einhundert Prozent zu den Werten, die wir in Deutschland als wichtig empfinden und die ich vorher erwähnt habe“, sagt er an der Stelle. Ich habe mal etwas hervorgehoben. Da drängt sich fast schon freudianisch etwas Unterbewusstes auf: Herr Gündogan entscheidet selbst, welche Werte für ihn von Relevanz sind und daran scheint im Hinblick auf Erdogan zu zweifeln sein.
Mit den erwähnten Werten bezieht er sich nämlich auf die bereits erwähnte Stelle am Anfang des Interviews, wo es um Respekt und Toleranz geht. Geschenkt, dass man in so einem Gespräch nicht gleich tiefsinnige psychologische Betrachtungen zum westlichen Wertesystem anstellt, aber das ganze bewegt sich nicht allein auf der Ebene von schön klingenden Gemeinplätzchen, sondern im Bezug zu dem, was wir bezüglich des Backgrounds von Gündogan herausgearbeitet haben, steht hier nur ein Bekenntnis dazu, dass die Gesellschaft auch weiterhin ihm und Özil ihre türkische Identität mit ihrer kulturellen Eigenständigkeit pflegen lassen soll, ohne ihm zugleich zuzusprechen nur mangelhaft integriert zu sein. Das ist wofür für ihn Werte wie Vielfältigkeit und Toleranz stehen. Und da ist kein Wort über Werte verloren, die die Mehrheitsgesellschaft teilt, die in der türkischen Community aber kritisch gesehen werden: Säkularisierung/ Atheismus oder Homosexualität nur einmal als Beispiele. Von Ehr- oder Respektkultur ganz zu schweigen.

Das mit dem politischen Statement fand er aber scheinbar selber schwach, also noch einmal genauer ab 2:50 nur macht er es noch schlimmer. Das ganze wäre ja kein politisches Statement, denn es handelte sich ja um eine „Veranstaltung“, in der es um Stipendien aus der Türkei gegangen sei. Und als Spieler mit türkischen Wurzeln in der Premiere League sei es halt richtig und wichtig gewesen auch dort zu sein. Auch hier fallen noch einmal Gündogans starker Identitätsbezug zur Türkei (wie auch schon in dem oben erwähnten Artikel der FAZ) auf, allerdings haben wir hier auch einen deutlich politischen Rahmen, da dieses Stipendiaten-Programm natürlich ebenso der Einflussnahme im Ausland dient, wie Zeitungen, Fernsehen oder Moscheeverbände wie DITIB. Das Erdogan vor Ort war, hätte schon vorsichtig machen sollen. Das ändert freilich nichts daran, dass niemand die Beiden dazu gezwungen hat ein Foto mit Erdogan, dann auch noch auf eine derart exponierte Art und Weise zu machen, wie es Gündogan getan hat.
Sich jetzt auch im Interview derart stark auf die eigene türkische Identität zu berufen, während man vorher Erdogan seinen Präsidenten genannt hat, sich aber dann darüber zu beschweren, dass man als nicht integriert wahrgenommen wird, ist wirklich beste kognitive Dissonanz und eben nur durch den angesprochenen völlig divergenten Integrationsbegriff zu erklären.

Aber wie er uns ab 3:15 wissen lässt, wurde die ganze Sache natürlich in den Medien und von Einzelpersonen (na, versteckte AFD-Schelte?) verdreht. Rieche ich da leise Lügenpresse-Vorwürfe? Pardon, Fake News? Der Journalist fragt sogar noch einmal nach, ob er diesen absurden Vorwurf, nicht eher auf Erdogans Propaganda-Presse, die das Foto wahrscheinlich ausgeschlachtet haben dürfte, beziehen würde, aber Gündogan erkennt den Strohhalm nicht, der ihm dort schon gereicht wird. Nein, es geht um die deutschen Medien, die ihm scheinbar völlig unberechtigt unterstellen die Werte und Normen dieses Landes nicht zu teilen und nicht integriert zu sein.
Dabei ist nichts daran Fake News. Das Bild ist in der Welt. Er konnte es in diesem Interview auch nicht glaubhaft abstreiten und man mag zumindest fragen, ob Erdogan als Person (was angesichts seiner hitleresken starker Mann Attitüden schon verfänglich wäre) gut zu finden oder ihn in seiner Rolle als autokratischer Präsident anzuerkennen, nicht eben auch etwas über die Werte und Normen, zumindest Präferenzen eines Gündogan aussagt. Das der Faktor Integration in Frage zu stellen ist, wenn jemand ohne türkischen Pass, sich seinem Türkentum mehr verpflichtet fühlt als der Nation, für dessen Mannschaft man spielt, kann man wohl kaum legitimerweise abstreiten.

Bei 4:33 meint er dann passend, dass wer ihn, seine Freunde oder seine Familie kenne, der wüsste, wie er tickt und mit dem, was er über Gelsenkirchen gesagt hat, kann ich mir vorstellen, dass dies in eine Richtung geht: türkisch.

Dreist wird es allerdings wenn er dann ab 5:10 von anderen für sich ein wenig Akzeptanz einfordert. Wie wissen alle, dass Toleranz und Akzeptanz nicht dasselbe sind und zumindest im Bezug auf seine Rolle als Nationalspieler schon das Maß der Toleranz überschritten wäre, aber die Chuzpe zu besitzen und für sich noch Akzeptanz einzufordern, zeigt eigentlich wie wenig Unrechtsbewusstsein hier wirklich vorhanden ist.

Und da so eine Debatte nie ohne die aktuelle Politelite auskommen kann, gibt es ab 5:58 dann noch ein paar salbungsvolle Worte zu Frau Merkel, die sich natürlich ohnehin seit Jahren mit der Nationalmannschaft medial zu inszenieren weiß. Er hat mit ihr ein gutes Vieraugengespräch geführt und freilich für sie und ihre Politik, für das ganze falsche Integrationsnarrativ sind er und Özil ja die Vorführmigranten. Allerdings sind sie, wo sie doch mal Berührung mit der Gesellschaft bekommen auch Musterbeispiele dafür, dass die Integration, wenn überhaupt nur auf einer funktionalen Ebene stattfindet.
Aber es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Gündogan Sympathien für Merkel empfindet, denn die steht inzwischen symbolisch (wenn auch die gleichen falschen Weichenstellungen seit Jahrzehnten gemacht wurden und gemacht werden) für eine Politik, die Assimilation nicht nur nicht auf dem Plan hat, sondern ganz im Sinne Erdogans, als inhuman zurückweist und dabei die ethnische Fragmentierung, positiv als Multikultur verbrämt, vorantreibt. Für Mutti ist er immer noch ein gut integriertes Vorbild und deshalb hat er Mutti auch lieb.

Der Rest des Interviews befasst sich dann auch nur mit ein paar belanglosen Allgemeinplätzen zu den Herausforderungen des Turniers.

Wir erkennen hier deutlich an Gündogan und bei Özil mag es da nicht unbedingt anders ausschauen, dass sie weder auf einer Ebene integriert sind, dass sie den Anforderungen an einen Nationalspieler, einen Repräsentanten Deutschlands erfüllen, noch dass sie als Vorbild für gelungene Migration oder als Vorbild für jugendliche Migranten dienen können. Sie sind mehr abschreckende Beispiele für Multikultur und real gelebte Integration nach aktuellem deutschem Muster: das Herz gehört der eigenen Identität und alten Heimat, dem Land, in dem man lebt, ist man vor allem in einem opportunistischen Pragmatismus zugetan. Zugehörigkeit empfindet man nur dann, wenn das Land und das dortige Volk „tolerant“ genug sind, keine Ansprüche zu stellen und einen vor sich hin wursteln zu lassen

 

Diese Landsknecht-Mannschaft kann mir gestohlen bleiben

Wenn die Nationalmannschaft tatsächlich der Spiegel der Gesellschaft sein soll, wie die Apolegeten des Narrativs vom integrativen Fußball schwärmen, so sehen wir eine Gesellschaft ohne gemeinsame Identität, ohne verbindendes Narrativ, ethnisch fragmentiert, die nur noch auf der Basis (wirtschaftlichen) Erfolgs zusammengehalten wird. Es schaudert mich, dem beizuwohnen.
Am Ende mag Löw sich für den Sieg »der Mannschaft« alles so zurecht gelegt haben, wie er möchte. Allerdings befinden wir uns nicht im Krieg. Im Krieg geht es um alles, da kann man schonmal Söldner einsetzen. Wenn man allerdings in einem symbolischen Turnier, nur mit Söldnern gewinnen kann, dann wäre mir eine aufrichtige Niederlage lieber als ein unehrlicher Sieg. Özil und Gündogan hinauszuwerfen, wäre genau das richtige Zeichen gewesen.
Eine sehr umfangreich gezeichnete Petition, zeigte zwar auch in den vergangenen Wochen den Unwillen der Deutschen sich von diesen Figuren repräsentieren zu lassen, wird aber wohl unerhört bleiben.
Schland mit seinen Landsknechten kann mir zu diesem Turnier deshalb gestohlen bleiben. Die richtige Reaktion fanden deshalb die Fußball-Fans selbst (bis 0:20):

Mit diesem verdienten Wohlklang, will ich diesen Artikel an der Stelle auch beenden.

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