Flüchtlingssturm nötigt zur Positionierung

Eigentlich wollte ich mich hier in diesem Blog – auch als Reaktion auf den Ärger mit PEGIDA im vergangenen Jahr – mit nationalen Politikperspektiven befassen als auch mit Alternativen zu den bestehenden Angeboten gewisser Parteien und Vereinigungen, die mich – obwohl sie sich national nennen – nur sehr schlecht repräsentieren und aus meiner Sicht auch jeden Nationalgesinnten in ein schlechtes Licht der Art rücken, dass es auch nicht wundert, wenn wir von der Gesellschaft kaum mehr anders als verkappte Faschisten – Nazis – wahrgenommen werden. So unerfreulich diese Pauschalisierung auch sein mag, liegt sie nun einmal vor und ist vermutlich auch gar nicht so verfehlt, zumindest ohne Stimmen, die nationalistische Konzeptionen aus diesem Sumpf ziehen. Ich hatte in den vergangenen Wochen für den Start extra ein paar Artikel zur Einführung vorbereitet, damit die geneigten Leser wissen, worum es hier geht und womit zu rechnen ist.

Allerdings hat Europa, Deutschland, PEGIDA, die Gesellschaft und mich und meinen kleinen Blog hier die Realität ein- und überholt. Wie der SPIEGEL bereits ausruft (Ausgabe 36/2015) stehen wir wohl an einem Scheideweg. In den kommenden Monaten wird darum gerungen werden, wie Deutschland in der Zukunft aussehen wird, auch darum ob Deutschland dann nur noch eine Phrase – ein Begriff sein wird, der vielmehr nur noch historische Gültigkeit besitzt, währen die Realität dann womöglich einen Staat ohne Attribute zeitigt.
Es wird Debatten geben und ich fühlte mich bisher schon unwohl dabei, dass ich an vergangenen Themen (z.B. ob der Islam zu Deutschland gehöre) nicht teilnehmen konnte, obwohl es mir dazu schmerzhaft unter den Nägeln gebrannt hat und eine Stimme nicht wirklich einbringen, zumal ich nicht Leute für mich sprechen lassen will, die ein zweifelhaftes Verhältnis zu unserer Verfassung, unserem Rechtssystem und Menschen anderer Abkunft haben; ich mich aber in dieser selbstverständlichen Ablehnung auch nicht automatisch auf der anderen Seite des politischen Spektrums wiederfinden kann.
Jetzt da die Debatte um Links und Rechts um Nationalität und Humanität durch Flucht und Migration in einem Ausmaß, wie wir seit dem Zweiten Weltkrieg oder der Völkerwanderung nicht mehr erlebt haben, auf die Tagesordnung gebracht und enorm zugespitzt wird – und die jetzt zu treffenden Entscheidungen oder sich bildenden Meinungen das (auch ethnographische) Antlitz Deutschlands für die Zukunft enorm verändern können und gewiss auch werden, will und muss ich mich jetzt einfach auch in diese Debatten mischen und meine – zugegeben selbst ernannten – gemäßigt nationalistischen Positionen formulieren, auch weil es mir mein Gewissen gebietet.

Ich tue das auch in der Hoffnung darauf, dass diejenigen bei mir Position und Stimme finden, die sich aus verständlichen Mitgefühl und Humanität vertriebenen und verfolgten Menschen gegenüber, durchaus verpflichtet fühlen, sich aber nicht einreihen möchten in die Reihen kritikloser Befürworter. Ich spreche von denjenigen, die durchaus die notwendige Nothilfe leisten wollen, einen sicheren Hafen bieten möchten, daraus aber nicht verklausulierte Migration machen möchten sowie von jenen, die sich mit Sorgen tragen bezüglich der Belastbarkeit, der gerechten Verteilung und eines Anfangs ohne Ende sowie der Kritik an bestimmtem Verhalten oder Verhaltensweisen.

Hier im Blog werde ich die dazu von mir erscheinenden Gedanken und Artikel mit dem Tag „Flüchtlingssturm“ versehen. Der Begriff Krise erscheint mir nicht mehr wirklich geeignet, den Zustand, in dem wir uns inzwischen befinden, adäquat zu beschreiben. Wir erleben einen Ansturm auf die Grenzen, einen Sturm innerhalb der Institutionen der EU sowie ihrer einzelnen Staaten und das Chaos als auch das alltägliche Elend, das Verwaltung und Unterbringung der Flüchtlinge mit sich bringen und vor allem auch die Debatten, Streits und Verunsicherung, die die Situation in den Gesellschaften auslöst; von den verbrecherischen Aktionen Einzelner und organisierter Gruppen ganz zu schweigen.

Viel wurde dazu geschrieben und viel wird noch geschrieben und vor allem auch dramatisiert werden. Ich will an der Stelle nur das drängende Gefühl in mir beruhigen, in dem ich mich zumindest in die Debatte eingebracht habe. Dies Land liegt mir am Herzen und ich will einen Weg versuchen, der die Humanität, die in diesem Fall geboten ist, in Einklang bringt mit dem Wunsch nach Erhalt des Deutschen im kulturellen und ethnischen Sinn; der Identität im Weiteren.