Islam und Deutschland 2a: (K)eine Frage des Hasses

Ein kurzes Statement zum bevorstehenden Gespräch zwischen der AfD-Spitze und Vertretern des Zentralrats der Muslime: Hass schwingt sicher sowohl bei manchen Anhängern als auch in den Führungsstrukturen der Partei mit, aber die Einstellung der Partei darauf zu reduzieren greift zu kurz. Es geht nicht um Hass sondern um die brisante Frage nach der eigenen Identität.

Die Tagesaktualität des kurz bevorstehenden sicher interessanten aber zugleich vorhersehbaren Treffens nötigt mich zu einem kurzen Statement. Die Reihe wird mit einem großen Beitrag 2 noch fortgesetzt und soll sich in Beitrag 3 noch einmal ausführlich mit manchen Positionen des AfD-Parteiprogramms und dessen anti-islamischer Grundstimmung auseinandersetzen.

Beweggrund für diesen Beitrag ist eine Bemerkung, die jetzt im aktuellen Vorlauf in der Berichterstattung immer wieder als Zitat oder sinngemäß aufgetaucht ist. Es geht um die Frage des Hasses.
Kurz nach dem Parteitag gab es eine Einladung des Zentralrates an die AfD-Führung für ein mitunter auch klärendes Gespräch. Das diese Einladung auch schon flankiert war mit Vorwürfen von Hass und Populismus macht die Gesprächssituation vielleicht von vornherein nicht angenehmer, aber das ist denke ich ein sehr beachtenswerter Schritt des Zentralrates der Respekt verdient. Es ist aber – und das war mit vorhersehbar gemeint – dass das Ganze zu keinem grundsätzlichen Ergebnis führen wird. Ich glaube das höchste der Gefühle wird das Verständnis wohl aber nicht die Akzeptanz der jeweiligen Positionen der Gegenseite sein.

Der Zentralrat muss sich ganz zwangsläufig schützend vor seine Anhänger stellen, die sich mit einer Absage an ihre Religion sowohl ausgegrenzt, abgewertet als auch bedroht fühlen. Die angestellten NS-Vergleiche legen den Schluss nahe, dass man die Sorge trägt, dass Muslime für ihren Glauben demnächst in Lager abgeschoben werden könnten. Leider trägt das unerträgliche Verhalten von Elementen aus dem rechten Spektrum und derer Sprachrohre (auch in der AfD) nicht unbedingt dabei, diesen Eindruck zu zerstreuen – im Gegenteil.

Das Klima erklärt eine Denkweise, die Aussagen wie dieser zugrunde liegt:

„Mazyek hatte die Spitze der islamfeindlichen AfD Ende April zu einem Gespräch eingeladen. ‚Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns?‘, begründete er den Vorstoß.“

[Quelle: http://web.de/magazine/politik/frauke-petry-gespraechseinladung-zentralrats-muslime-31547674 | abgerufen: 23.05.2016 00:55 Uhr]

Oder der aus einer aktuelleren Meldung:

„Mazyek sagte der ‚Welt am Sonntag‘: ‚Populismus, persönliche Angriffe und Hass sind keine Form des Dialoges, noch ersetzen sie die Kraft der Argumente.‘ „

[Quelle: http://web.de/magazine/politik/frauke-petry-schlaegt-treffen-muslimen-scharfe-toene-31574080 | abgerufen: 23.05.2016 00:59 Uhr]

Zentral ist der Begriff des Hasses. Ich erwarte wie gesagt nicht ohnehin soviel von dem Gespräch, höchstens ein gegenseitiges Verstehen, warum die jeweils andere Seite zu ihrer Position gelangt ist, mehr nicht. Allerdings die bereits vorauseilende Determination, dass die Position der anderen nur auf Hass und Populismus gegründet sei, würde selbst das ad absurdum führen, das ganze Gespräch zu einer vornherein zwecklosen Farce machen.

Man kann nicht abstreiten das Rassismus und Hass auch in Teilen der AfD eine Rolle spielen und bei deren vielfältigen Anhängern ohne Parteibuch auch ohnehin solche Elemente dabei sind. Aber ich für meinen Teil persönlich teile zumindest diese Überzeugung der AfD. Auch ist sie für die nationalistische Perspektive durchaus eine relevante. Ich kann hier also nicht für die Partei, alle ihre Mitglieder, alle ihre Wähler oder Sympathisanten sprechen, aber ich denke zumindest für jenen Teil die die Ansicht der AfD teilen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre ohne sich dabei den Hass und den Furor von Brandstiftern, Rechtsterroristen und ähnlichen Gestalten zu Eigen zu machen.

Um der Pointe meines kommenden Artikels an der Stelle vor- und eine Linie meines ersten Artikels aufzugreifen: Religion hat immer zwei Gesichter, einmal das transzendente, philosophische Modell – die Philosophie der letzten Dinge auf der einen Seite und die religiöse Praxis auf der anderen Seite, die kulturell codiert ist, die wiederum wechselseitig auch die Kultur codiert. In einem Fall geht es um philosophische Ansichten, einen Kern, der weltanschaulich aber identitätsneutral ist. Im anderen Fall geht es darum das Religion Identität anhaftet und sie auch Identität schafft.

Ich bin Atheist und halte allgemein nicht viel von der Religion aber sofern sie sich auf mein Leben nicht weiter auswirkt, sprich sich weitgehend auf die transzendentalen Aspekte konzentriert und ich damit nicht in Berührung komme. Wir erleben durch die Zuwanderung von Muslimen in der Vergangenheit und auch jetzt auch verstärkt in der Gegenwart, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, dass das Religiöse im Alltag stärker wird, die Diskussionen, die man ewig nicht führen musste, plötzlich wieder auf das Tableau kommen und Religionskriege, die wir für überwunden glaubten, inzwischen wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Alles Zumutungen, die wir nicht zwingend mit den Menschen, den Muslimen, aber ihrem Glauben identifizieren und die wir bei allem Verständnis, auch für den eindeutigen Missbrauch dieses Glaubens, die nicht determinierten aber dennoch vorhandenen Probleme kausal darauf zurückführen müssen. Gewisse Debatten müssten nicht geführt werden, gewisse Konflikte (ethnisch-religiöser Natur) gäbe es gar nicht erst.

Und die Tatsache das Aussagen wie die das Islam zu Deutschland gehöre und durch Migration Deutschland muslimisch oder muslimischer werde, stellen die Identitätsfrage, die auf Autochthone wie eine Bedrohung wirkt. Verbunden mit den Apologeten einer multikulturellen Gesellschaft, die darin gar einen wünschenswerten Aufbruch sehen will, wird dann auch nahegelegt, dass man es in diesem Zusammenhang als Aufgabe betrachten solle, sich seiner eigenen Identität zu entledigen, damit man den Islam als Teil von sich annehmen kann.

Es ist nicht der Hass und nicht die Herabsetzung die uns antreibt. Ich sehe im Islam keine parasitäre Religion und in Arabern keine minderwertigen Menschen, wie der angestellte NS-Vergleich nahelegen würde, Hass mag sich nicht einstellen, ich wüsste nicht, was der Anlass sein sollte und Hass aus purer Freude an selbigem oder an daraus resultierender Gewalt… dafür scheine ich offenbar nicht Psychopath genug zu sein, um so etwas zu entwickeln. Ich hasse nicht und viele andere sicher auch nicht. Es geht um eine brisante politische und gesellschaftliche Fragestellung, um Dinge die uns wichtig sind.

Der Hass der sich einstellt ist ein ggf. ein politischer, vielleicht auch eher Wut auf eine Politik, die eine aus unserer Sicht bedrohliche Migrationspolitik fährt, Argumente unserer Seite nicht zur Kenntnis nimmt, abtut oder sogar diffamiert. Und auf eine Politik die es inzwischen, wenn es denn schon Migration gibt, darauf verzichtet, die eigene Kultur und Identität auch als Angebot an die Zugewanderten stark zu machen und zu sichern, nein im Gegenteil sogar zum Teil ihr möglichstes tut um genau das, was für uns werthaltig und wichtig ist, zu entkernen und aufzulösen, allein weil es der vermeintlich besseren Vorstellung einer irgendwie offenen Gesellschaft im Wege steht.

Es geht um eine Unterscheidung, die wir für uns und nicht die Welt treffen wollen. Ein allgemeiner Hass auf den Islam wäre grenzenlos. Wir würden muslimischen Staaten missgönnen muslimisch zu sein, wir würden Araber hassen, doch wie ich an anderer Stelle schon betonte, ist es gerade der Nationalismus der im Respekt vor der Identität sowohl das Eigene wie auch das Andere respektiert. Wir respektieren den Islam allgemein (auch wenn wir ihn oder Aspekte davon kritisieren können) und schätzen die weltweite Vielfalt auch an arabischer Kultur.
Die Unterscheidung die wir treffen wollen und müssen ist intern. Ja es leben Muslime in Deutschland und sie sind zugewandert, aber deshalb gehört weder die kulturelle Identität, noch die Religion die sie mit sich bringen zu Deutschland. Zu Deutschland gehören sie als Staatbürger oder als akkulturierte Deutsche durch das, was sie hier im Land durch das politische System und an einheimischer Identität aufnehmen und nicht dadurch, dass diese Identität soweit ausgehöhlt wird, nur damit alles Mögliche da eingebaut werden kann. Doch genau letzteres ist in den vergangenen Jahren häufig die leitende gedankliche Maxime der Debatten gewesen und ruft dann zurecht Widerstand hervor, der sich ironischerweise eigentlich um mehr Vielfalt bemüht, in dem er sich der Nivellierung starker nationaler Identitäten widersetzen will.

Die AfD handelt in diesem Sinne nicht populistisch sondern demokratisch, in dem sie nämlich ihre Aufgabe als Partei ernst nimmt und die Vertretung dieses Teils der Bevölkerung übernimmt, der eben von anderen Parteien zurückgelassen worden ist und formuliert Kritik an Religion und Aspekten religiöser Praxis, die von anderen Parteien schuldhaft geduldet werden, obwohl sie den Bürgern durchaus moralisches Unbehagen bereiten (erkennbar auch daran, dass sich einige der Kritikpunkte bspw. an der Beschneidung von Jungen mit denen der Linkspartei treffen).

Um also auf die Beiträge zurückzukommen. Es ist keine Frage des Hasses (und auch nicht der Religion in ihrem transzendentalen Kern), es geht einerseits um die enorm wichtige Frage nach der Identität und danach was der Islam in dieser Gesellschaft dürfen sollte und was nicht. Und das sollte auch der Zentralrat einsehen, ansonsten wird es kein Verständnis der Position der AfD bzw. der Leute geben, die sie in dieser Angelegenheit vertritt.

Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
Dieser Beitrag wurde unter Identität, Nationalistische Theorie, Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s