Tag des Deutschen Hasses? – Warum es gegenseitig an Diskussionsbereitschaft mangelt

Wegen anstehenden Studienarbeiten, hatte ich mir den gestrigen Festtag gegönnt, um weiter daran arbeiten zu können und mich sowohl aus den Feierlichkeiten als auch der Berichterstattung ausgeklinkt. Als ich mir dann gestern in der Nacht mal anschauen wollte, wie sich der Tag so im schönen Dresden gestaltet hatte, musste ich mit etlichem Kopfschütteln die vielen Berichte lesen, die sich zumeist in einer Sache ganz einig waren: Es ist Hass-Zeit.

Ich will an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und auf einen Artikel der Blauen Narzisse von Felix Menzel „Der Mythos von Dresden“ hinweisen, den ich diesmal auch weitestgehend unbefangen, ja sogar mit einiger Zustimmung empfehlen kann.

Ein wenig, von dem, was ich selbst zur Einheitsfeier schreiben wollte, wird darin bereits gut abgehandelt, dennoch will ich mich auch noch einmal mit einer eigenen Einschätzung zu Wort melden, die sich stärker des Hasses annimmt.

Ein Nationalfeiertag als sinnleerer Anachronismus

Um es vorauszuschicken erscheint der Tag der Deutschen Einheit als Nationalfeiertag vor allem in Anbetracht der Aussagen der Politik von vor ein paar Wochen, die wie bereits angemerkt nur noch die Form aber nicht mehr den Inhalt von Deutschland meinen, wie ein Anachronismus. Einerseits als Nationalfeiertag, der sich konkret wirklich an die Deutschen im Sinne kultureller Identität (Bio-Deutsche, wie wir inzwischen genannt werden) richtet, andererseits etwas feiert, dass eben auch nur vor national-geschichtlichem Hintergrund Sinn macht, nämlich der Schaffung dessen, was immer zusammengehört hat und auseinandergerissen wurde, nämlich die Einheit des deutschen Volkes. Nach heutigem Verständnis wäre es eher der Übertritt der Menschen von der DDR-Verfassung in den Geltungsbereich des Grundgesetzes, keine völkische Zusammenführung sondern der Sieg einer scheinbar besseren Rechtsordnung über die andere. Die Wiedervereinigung keine emotionale Sache sondern eine rationale Entscheidung wie zwischen zwei Sorten Zahnpasta. Ein emotionsloser Rechtsakt also für den ein Feiertag eigentlich sinnlos wäre.

Da den Verantwortlichen die Diskrepanz zwischen der nationalen Symbolik dieses Nationalfeiertags und der neuen rein an der Verfassungsordnung ausgerichteten Sichtweise wohl aufgefallen sein dürfte, hat man Motto und Präsentation des dazu anberaumten Festaktes in Dresden kurzerhand zur Umdeutung genutzt. Folgendes arbeitet Herr Menzel dabei heraus:

„Die Freiheitskämpfer von 1813, Bismarck und die Widerstandsbewegung in der DDR müßten in einer großen Erzählung dem Volk nähergebracht werden – und zwar nicht mit der wissenschaftlichen Distanz des Historikers, sondern mit empathischer Nähe, so daß die Deutschen Lust dazu bekommen, genau diesen Weg weiterzugehen und für ihre Freiheit und Einigkeit auch in Zukunft zu kämpfen.“

Freilich die wissenschaftliche Basis eine wichtige ist, aber gerade Nationalfeiertage eben dazu da sind, einmal aus der reinen Abstraktion der Geschichtswissenschaft herauszutreten und Geschichte als etwas identitätsstiftendes zu zelebrieren. Stattdessen geschah folgendes:

„Brücken bauen – miteinander /zueinander /füreinander hieß dagegen das Motto des diesjährigen Tages der Deutschen Einheit in Dresden. Was genau damit ausgedrückt werden sollte, wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt der Feierlichkeiten deutlich, denn diese beschränkten sich hauptsächlich auf eine Dauerwerbesendung, kulinarische Genüsse aus allen Bundesländern sowie beschwichtigende Worte der Politiker […]“

Nun kann man vor dem Hintergrund einer anhaltenden Lohn- und Rentenungleichheit in Ost-Deutschland oder einer zunehmend unproportional gewordenen Verteilung von Fördermitteln zuungunsten von Räumen in Westdeutschland sprechen, um dort Vorurteile vom, wie in der Made im Speck lebenden aber undankbaren Jammer-Ossi und dem Besser-Wessi aus dem Weg zu räumen oder die gesamtdeutsche Entwicklung auf eine neue Diskussionsgrundlage zu stellen und damit eben innernationale Brücken zu bauen. Der Eindruck bleibt aber hängen, dass dieses Brücken bauen eher ein Fanal der Umdeutung markiert: Wir haben die nationale Einheit errungen und jetzt sollen wir in Europa und der Welt aufgehen, bunter werden und damit noch freier. Denn nur so ließe sich ein im neuen, hellen Deutschland anachronistisch gewordener Feiertag noch entsprechend nutzen, anstatt das man ihn sonst beerdigen müsste. Menzel fasst dies mit dem Verweis auf die fruchtbare historische Synthese innerdeutscher Gegensätze in Dresden im Vergleich zum heutigen Festakt spitz aber treffend zusammen:

Während sich früher die Gegensätze in Sachsen befruchteten und zu einem unglaublichen kulturellen Reichtum führten, der bis heute in Form der Architektur sichtbar ist, will das heute nicht mehr gelingen. Im Gegenteil: Um die Risse dieser Gesellschaft zwischen Politik und Volk, links und rechts sowie Einheimischen und Zugezogenen zu übertünchen, setzt die Elite auf die Auflösung der Kultur, damit am Ende alle gleich gern in ihren Burger beißen, der gemessen an seiner Präsenz auf der Ländermeile ein deutsches Nationalgericht sein muß.

Der Riss in der Gesellschaft

Um nun auf den Hass zurückzukommen, will ich mit einem kurzen Statement einleiten. Was angesichts verbaler und furchtbarer rassistischer Ausfälle in Dresden abgegangen ist sollte man nicht beschönigen, es zeugt von einer Verhärtung oder Ignoranz einer allgemein anerkennenswerten Diskussionskultur und auch von der hässlichen Seite der nationalen Sache, genauso aber wie sicher auch keine linke Demonstration verhindern können wird, dass sich in ihrem Fahrwasser ebenfalls Extremisten anschließen, denn im Grunde teilt man ja immer noch gleiche oder ähnliche Werte. So sei hier auch noch mal auf Herrn Menzel verwiesen mit einer dicken Unterstreichung, die ich so direkt unterschreiben kann:

„Trillerpfeifen waren im Einsatz, auf Plakaten wurde die ‚Merkel-Diktatur‘ angeprangert und die Demonstranten wünschten sich Orban und Putin. Merkel dagegen solle nach Sibirien verschwinden. Als unbekannte, dunkelhäutige Gäste auf die Frauenkirche zusteuerten, tobte die Masse und zeigte für kurze Zeit ihre häßliche, rassistische Seite. […] Auch das gehört zur Wahrheit über den Bürgerprotest dazu: So verständlich er angesichts der gescheiterten Asylpolitik der Bundeskanzlerin ist und so notwendig lautstarker Widerstand gegen die Deutschlandabschaffer, so schwer steuerbar ist doch zugleich dieser Volkszorn, der neben all seinen positiven Aspekten in der jetzigen Lage eben trotzdem eine destruktive Energie bleibt, der es nur gelingt, ein „Dagegen“ zu formulieren. Die Masse des Volkes so zu gewinnen, ist unmöglich. Rassistischen Schreihälsen will schließlich zu Recht kaum einer folgen.“

Allerdings zeugt die reflexhafte Reaktion darauf, von einem nicht minder aggressivem Geist. Intoleranz wird da unterstellt, die Diskussionsbereitschaft wird den Demonstranten abgesprochen und über diese in einer ähnlich-verächtlich-machenden Art und Weise geredet, dass sich fragt woher Politiker und Medien ihre moralische Überlegenheit nehmen, wenn sie ins gleiche nur anders gefärbte Horn stoßen. Ohne wie gesagt derartige Ausfälle beschönigen oder verteidigen zu wollen, sollte man sich eines ziemlich genau vor Augen halten:

Neben dem rechten Bodensatz der immer schon dabei war und jetzt die Bewegung vollkommen okkupiert hat, war PEGIDA zunächst ein Bürgerbündnis das mit friedlichen Spaziergängen und halbwegs gesitteten Kundgebungen (auch wenn das, was dort präsentiert wurde, schon nicht immer ganz koscher war) auf sich aufmerksam machte. Gleicherfalls auch unter Anhängern der AfD noch vor einiger Zeit die Kritik an der Flüchtlingsagenda oder an Frau Merkel noch gemäßigter war.

Die Leute wollten jemand der ihre Sorgen und Anliegen anhört, sie moderiert und in praktische Politische Maßnahmen umsetzt. Dabei kam zum Tragen das sich die Politik der Flüchtlingshilfe mit einer Grundsatzdebatte um Migration, damit um den zugewanderten Islam und damit schließlich zu einer Grundsatzdebatte um die deutsche Identität vermengt hat bzw. eskaliert ist. Wenn jetzt jemand dafür die Populisten verantwortlichen will, hat er nicht ganz Unrecht, die das gerne aufgegriffen und weiter zugespitzt haben, die Diskussionen angestoßen oder Steilvorlagen dafür geliefert haben allerdings die etablierten Parteien, die über Flüchtlinge nicht in Form der Fluchthilfe sondern als wertvolle, dauerhaft aufzunehmende Arbeitskräfte redeten und dabei auch unser Demographie-Defizit ins Spiel brachten und damit auch eine Debatte um Einwanderung und Einbürgerung, weil es ihnen jetzt unter dem Mantel der absolut gebotenen Mitmenschlichkeit und Aufnahme von Flüchtlingen das richtige Klima dafür schien, in Gang brachten. Gleichwohl gab man sich aus grundsätzlicher Überzeugung Forderungen nach Assimilation verschlossen, denn wie könnten wir es einerseits wagen ihnen unsere Identität aufzwingen zu wollen, zumal war ja ohnehin bereits ein Einwanderungsland seien, wo das bereits obsolet sei, zudem würde uns die Vielfalt bereichern (als hätte es uns zuvor an etwas gemangelt). Da allerdings auch Parteien wie der SPD wohl dämmerte, dass reines laissez faire wohl für ein Zusammenleben nicht ausreichen würde, sollte das dann über Integration abgefangen werden, wodurch sich auch die Deutschen auch anpassen und öffnen würden. Die Islam-Frage stand zudem schon mit den bereits vorhandenen Migranten auf der Tagesordnung und wurde durch die nun in Aussicht gestellte (auch dauerhafte) massenhafte Zuwanderung weiterer Muslime nur noch verschärft.

Als diese Debatten angestoßen waren und die Leute Bürgerbündnisse wie PEGIDA (und deren Ableger bildeten) oder sich der euro-kritischen AfD (die sich bereits gegen die Aushöhlung nationaler Souveränität in der EU gewehrt hatte und deshalb im Gegensatz zu den anderen Parteien, die sich einmütig und bedingungslos für Europa ausgesprochen hatten, eine tatsächliche Alternative und natürlicher Verbündeter darstellte) von nun als als Wähler, Unterstützer oder Parteimitglied anschliossen, suchten sie gerade Möglichkeiten und Plattformen, um gerade am demokratischen Diskurs teilnehmen  zu können.

Was war jedoch die Reaktion des Partei-Establishments? Erst einmal ein verständlicher Beißreflex gegenüber der neuen politischen Konkurrenz, schnell dann aber auch ein Schließen der Reihen in ideologischer und moralischer Hinsicht. Um sich weiter mit den Positionen der nun als rechts verteufelten Alternative und Bürgerplattformen nicht mehr befassen zu müssen, zumal sie der eigenen politischen Vorhaben und Grundsätzen widersprachen, wurde in Einmütigkeit mit den Medien (die zwar keine Hofberichterstattung oder Lügen verbreiteten, aber in publizistischen Richtung auch eher Pro-Migration eingestellt waren und deshalb gerne assistierten) deren Vorstellungen und Anliegen als whalweise rechts oder rechtsradikal geschmäht, die gedanklichen Grundlagen, nämlich eines Vorrang des Nationalstaates, der Nationalität des deutschen Volkes und Identitätstatbestände dekonstruiert und wahlweise lächerlich gemacht oder moralisch abgewertet. Die Kritik, die eine allgemeine am Zustand der Migration und Relation zur autochthonen Bevölkerung war, wurde spezifisch als gegen arme und notleidende Flüchtlinge gerichtete Kälte aufgefasst und jede tatsächliche und konstruktive Kritik an der Realität der Flüchtlingsaufnahme oder damit verbundener Forderungen in gleichem Maße zurückgewiesen. Ich will daraufhinweisen sowohl PEGIDA schon lange als auch die AfD im Einzelnen haben dem mit unverantwortlichen Aussagen natürlich auch Futter gegeben, wie die Debatte um den Schießbefehl an Grenzen zeigt, gleichsam wenn wir jede Partei auf ihre verbalen oder ideolgischen Entgleisungen reduzieren müssten, dann könnte man sich auch nur schamhaft von CDU oder SPD und in jedem Fall von der Linken abwenden.

Die moralische Verurteilung setzte im medialen Diskurs ebenfalls sehr früh ein, da man die Leute als Deutschnationale schnell identifiziert hatte, konnte man munter Vergleiche mit NPD und NSDAP ziehen, denn nationalistische Parteien sind ja ohnehin alle irgendwie dasselbe (natürlich nicht!) und das in brillanter Ignoranz der Tatsache, dass die AfD insbesondere Fleisch vom Fleische der CDU und FDP und damit eine Neugründung durch diejenigen Mitglieder war, die die sogenannte Sozialdemokratisierung der CDU eben nicht mitmachen wollten und im Endeffekt genau deren alte Wahlprogramme, die man seinerzeit wohl kaum außerhalb des Grundgesetzes verortet hätte, neu auflegten. Doch die moralische Verurteilung gab es dann durch Herrn Gauck (den ich ansonsten als Bundespräsident sehr geschätzt und für eine bessere Wahl als Christian Wulff befunden hatte) von höchster Stelle. Mit seiner Rede von Hell- und Dunkeldeutschland, wobei er keinen Zweifel daran ließ, wen er auf welcher Seite verortete, gab er der moralischen Verurteilung von Parteien wie der AfD und entsprechend auch ihren Anhängern die höchsten Weihen, während er gleichzeitig zuerst die Spaltung der Gesellschaft damit festschrieb, was im folgenden aber allein den nationalen Kreisen angelastet wurde.

Da die Anhänger der nationalen Idee, voran die AfD, damit dem gefährlichen rechten Spektrum zugeschlagen war und dort nun in Gesellschaft der NPD harrte, griffen die gesellschaftlich für den Demokratieerhalt sehr wichtigen Ausgrenzungs- und Gleichsetzungsmechanismen war sie, ohne das sie selbst dazu jemals Anlass gegeben hätte, plötzlich eine undemokratische oder sogar demokratiefeindliche Kraft (der Kampf um Mitbestimmung und Mitdiskussion, die Forderung nach mehr direkter Bürgerbeteiligung? Alles nur Tarnung, na klar). Bei den Landtagswahlen, bei denen sie im Folgenden antritt, fuhr sie jedoch Achtungserfolge oder sogar überragende Ergebnisse ein und setze sogar im Sinne einer guten demokratischen Opposition einerseits die jeweiligen Regierungen unter Druck und brach andererseits eine der Demokratie sicherlich nicht förderliche einmütige Dominanz der Parlamente durch die anderen Parteien auf. Statt das zu würdigen oder mindestens anzuerkennen, wurden die Wähler wahlweise zu Rechten, Idioten oder leicht verführbaren Opfern des Populismus, die für richtige Argumentationen nicht mehr zugänglich seien. Wahlweise war die Wahl der AfD, die man objektiv ablehnen müsste, wenn man ein vernünftiger Bürger sei (so der Tenor etlicher Medien) ein Zeichen für einen bürger-induzierten Betriebsunfall der Demokratie oder ein gefährliches Zeichen dafür, dass die Demokratiefeindlichkeit in der Gesellschaft zunehme. Blogossphären-Kollege Hottenrott stellt mit einer entlarvenden Fragestellung, die dahinterstehende Denkweise passend bloß: Wo ist nun das vierte Reich?

Das änderte nichts daran, dass im Folgenden alles mögliche versucht wurde den Einfluss der AfD in den Parlamenten, auf Gremien und Ausschüsse und damit auch auf den öffentlichen Diskurs einzuschränken, zu stören und zu sabotieren und damit auch die Möglichkeiten der Partei und respektive ihrer Anhänger und Wähler zu beschneiden, ihre Anliegen vorzubringen und ihnen gesellschaftlich Geltung zu verschaffen.

Mangelnde Diskussionsbereitschaft ist hier eine beiderseitige Sache

Man kann erkennen, dass die Akteure, die die Ängste der angesprochenen Bürger in den politischen Diskurs einbringen und in Maßnahmen verwandeln als auch in den Diskurs mit dem Rest der demokratischen Gesellschaft treten sollten, mehr oder weniger gezielt aus diesem demokratischen Diskurs und den Diskussionen ausgegrenzt wurden.

Auch die Politiker, die jetzt wohlfeil von Diskussionsbereitschaft reden, haben die lange selbst vermissen lassen. Aus dem Anspruch die Sorgen der Bürger ernstzunehmen, wurde kaum Handlung entwickelt, man hat sie sich vielleicht angehört, hat beschwichtigt und behauptet es würde nicht so schlimm werden (denn wir wissen Deutschland wird Deutschland bleiben) aber dann weiter gemacht wie bisher. Oder die Diskussion wurde gar nicht eröffnet. Ein „Wir schaffen das“ bedeutet auch: Das ist eine Feststellung über die wir nicht mehr diskutierten müssen. Ein Umdenken der etablierten Parteien und eine vorsichtige Öffnung für deren Anliegen und deren Ängste um die deutsche Identität und eine Grenze des Machbaren bei der Flüchtlingsaufnahme gab es eben erst nach den Wahlerfolgen der AfD, denn vorher hat den Diskurs niemand für nötig befunden.

Man muss kein Psychologe sein, dass da Ohnmacht, Resignation und folgend auch Wut wachsen. Als wichtigste Voraussetzung für den Respekt vor demokratischen Systemen wird in der Forschung auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit angenommen, das Gefühl nämlich tatsächlich Einfluss auf die Entscheidungen gehabt zu haben, die getroffen wurden. Da das für AfD-Anhänger oder Verfechter der nationalen Sache praktisch ausgeschlossen war, ist es auch klar, dass da der Respekt vor dem demokratischen System oder zumindest seiner Repräsentanten schwindet. Schließlich führt diese doppelte Ohnmacht der Ausgrenzung, sowie des Gefühls des Treffens von Entscheidungen über den eigenen Kopf hinweg, egal wie sehr man sich politisch müht, zu Hass und zu einer Verhärtung der ablehnenden Haltung, weil sich Hass immer auf einen konkreten Gegenstand und nicht ein allgemeines Abstraktum projizieren muss, um damit umzugehen. Das sind dann die Flüchtlinge als vermeintliche Ursache des Streits oder die Politiker, ganz besonders Merkel, die die Entscheidungen treffen. Sich nun also hinzustellen und im Nachhinein die Demonstranten dafür zu kritisieren, dass sie (nicht mehr) diskussionsbereit sind, nachdem man sie zunächst aus der Debatte ausgegrenzt, dann moralisch abgewertet und ihnen schließlich die Fähigkeit zur demokratischen Partizipation abgesprochen oder beschnitten hat, erscheint da der Gipfel des Zynismus zu sein, in den die Medien, die diesen Hass und die aufgestaute Wut nicht in diesen Kontext einordnen möchten, sondern nur die Störung eines eigentlich friedlich und bunt angedachten Volkfestes sehen, auch noch mit einstimmen. Die angesprochene Spaltung der Gesellschaft, die jetzt den Rechten einseitig angelastet wird, haben dabei, wie oben beschrieben die dort öffentlich geschmähten Politiker selbst initiiert.

Der Hass von Dresden ist auch der Hass von Stuttgart

Dazu erscheint es auch heuchlerisch zu sein jetzt diese Störung moralisch zu verdammen und den Umgang mit den dortigen Politikern als Hass und Hetze zu brandmarken in der Berichterstattung bei anderen Gelegenheiten, ausdrücklich sei der Parteitag der AfD genannt, darüber gar nicht, wenig oder sogar anerkennend berichten. So wurden die angemieteten Räumlichkeiten von (linken) Demonstranten belagert, ein- und ausgehende Parteimitglieder und Politiker bedroht und beschimpft, im gleichen Zug seien öffentliche Veranstaltungen oder Demonstrationen genannt die in vergleichbarer weise zu Dresden verbal oder tätlich gestört wurden. Das könnte man auch Hass nennen, oder? Hier sind es aber natürlich besorgte Bürger, die Angst um die Demokratie haben, deshalb ist es in Ordnung. Die Belaergung von AfD-Veranstaltungen durch Gegendemonstranten wird anerkennend als ein gesellschaftliches Zeichen gegen Rechts interpretiert. Wenn nun die Demonstranten in Dresden gleiches in Anspruch nehmen, um ein Zeichen gegen die Aushöhlung einheimischer Kultur zu setzen und ihrer Unzufriedenheit über den Ausschluss aus dem öffentlichen Diskurs Luft zu machen, so ist die Folge ein einmütig negatives Medienecho? Das soll nicht heißen, dass beiden Schreihälse überhaupt in Ordnung wären, gerade im Gegenteil, wie Herr Menzel oben auch ausdrückt. Aber es ist janusköpfig und fragwürdig über die aggressiven Demonstranten in Dresden herzuziehen ohne zu erkennen, dass die Demonstranten von Dresden auch die Demonstranten vor dem AfD-Parteitag sind.

Manch ein Politiker sollte besser nicht von Hass sprechen

Zum Abschluss dieses sehr lang gewordenen Beitrags möchte ich noch auf eine ausgewählte Figur, die sich jetzt besonders hervorgetan hat, hinweisen: Frau Claudia Roth, eine der Frontfrau des linken Flügels der Grünen, die ich in der Vergangenheit für ihre klaren Worte zur Friedens- und Entwicklungspolitik immer sehr geschätzt habe.

„Ggenüber dem ‚Spiegel‘ erklärte die Grünen-Politikerin, in Dresden sei erkennbar geworden, dass Deutschland ‚ein echtes Demokratie-Problem‘ habe. ‚Dieser offen gezeigte, organisierte und brutale Hass machte vor keiner Obszönität mehr Halt, und es war nur ein kleiner Schritt bis hin zur physischen Gewalt‘, zeigte sich Claudia Roth entsetzt.“

Quelle: http://web.de/magazine/politik/dresden-claudia-roth-entsetzt-brutalen-hass-einheitsfeier-31938286 (abgerufen am 04.10.2016 | 14:40 Uhr)

Damit wird sie zitiert, nachdem sie von besagten hasserfüllten Demonstranten als Volksverräterin und Zerstörerin Deutschlands geschmäht worden ist. so zeigt sich in ihrer Person die ganze Janusköpfigkeit der hier ausgerollten Debatte. In ihrer langen politischen Karriere hat sie es auf Demonstrationszügen, bei politischen Aktionen und im Umgang mit engagierten bis extremen linken Aktivisten nie an Nähe mangeln lassen, aber schließlich ging es dabei ja immer um die gerechte oder zumindest gut Sache. Da das aber immer eine subjektive Sache ist, kann sie es nun sehr leicht mit sich vereinbaren, auf die rechten Demonstranten moralisch herabzublicken, Verrohung, Hass und Gewalt zu sehen, obwohl sie sich selbst allzu gerne hinter solche Transparente

Quelle: http://pi-news.net/wp/uploads/2015/07/linke-440×174.jpg

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/image/154543.jpg

Quelle: http://der-gruene-wahn.de/wp-content/uploads/2015/11/haltsmaul.jpeg

stellt und es an kritischer Distanz zu Aktionen der Antifa (gewalttätiger wie bloßstellender (Steckbriefe im Internet) Natur) und dauernden Rechtsbrüchen (Hausbesetzung), sowie Gewalt gegen Polizei und Eigentum anderer (wie in Leipzig) durch linke Aktivisten und Autonome mangeln lässt.

Es erscheint daher reichlich fragwürdig, ob Frau Roth sich das Recht herausnehmen sollte, so herablassend über diejenigen zu richten, die um den Erhalt ihres Landes kämpfen, dass sie am liebsten abschaffen würde und sich dabei über Hass und Ablehnung noch wundert (man denke nur an den Hass der Sahra Wagenknecht seinerzeit aus den eigenen Reihen entgegen schlug, als sie es wagte eine differenzierte Position zum Fluchtproblematik zu formulieren) und das während sie selbst ein uneindeutiges Verhältnis zu politischer Gewalt, Demonstration und Aktion hat.

Daraus ein Demokratie-Problem abzuleiten, dass wie oben ausgeführt eher Ausdruck einer Eingrenzung auf ihr oder den Parteien genehme Themen oder Einstellungen ist, bestätigt nur mehr die Ausgrenzung nationaler Positionen aus dem Diskurs und zeigt deutlich, dass demokratische Diskurse nur solange erwünscht sind, solange sich in ihnen, die ohnehin bereits zugelassenen Einstellungen spiegeln. Wie weit es also mit Frau Roths eigener demokratischer Offenheit steht, sollte sie sich dann selbst fragen.

Dazu noch der Hinweis, niemand muss intoleranten, demokratiefeindlichen Kräften mit Toleranz begegnen. Aber wie der verlinkte Herr Hottenrott bereits sagt, gehört da mehr dazu als einfach zu behaupten oder festzustellen der politische Gegner sei demokratiefeindlich und davon auszugehen das sei dann die Realität.

Damit möchte ich diesen Beitrag schließen.

 

Angst um Deutschland – eine persönliche Leidensgeschichte

Gott sei Dank gibt das Format eines Blogs die Möglichkeit sehr subjektiv auf die Sachen zu schauen, die man thematisch behandelt und die Möglichkeit persönliche Erfahrungen und Empfindungen zu teilen. Mir geht es jetzt in diesem Moment nicht gerade gut und ich will schauen, ob vielleicht ein Teilen dieser Gedanken mich in der Lage versetzt mich für den Moment davon zu entlasten.

Es mag vermessen erscheinen, dass ein mehr oder weniger wohlsituierter Deutscher, wie ich, angesichts des Elends von Millionen Flüchtlingen oder andere Migranten, nun zu einem Lamento ansetzt, dass genau diese Situation zum Thema hat, aber es geht nicht anders. So zu tun als würde das Thema mich persönlich emotional nicht beschäftigen, bringt mich nicht weiter.

Keinen Appetit, Schlaflosigkeit, ewiges Gedankendrehen, ein Gefühl in der Brust als würde einem das Herz herausspringen mit dem Gefühl der Unruhe jetzt und genau jetzt etwas wichtiges erledigen zu müssen, verbunden mit dem schlechten Gefühl, dass es eilt oder feststellen zu müssen, dass es nicht funktioniert. Wie Heine es ausdrückte: „Wenn ich an Deutschland denke in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht.“ Es ist schon ein Treppenwitz der Geschichte, das ein zur Emigration gezwungener politischer Flüchtling, wie der von mir wegen seines Humors und seiner Literatur sehr geschätzte, Heine, der mit Weh und Sorge an den deutschen Nationalismus dachte, am besten ausdrückt, wie es mir geht.

Für mich war die Nation nie ein rein politisches Konzept, auf das ich mit der Distanz des unnahbaren, objektiven und unbeteiligten Beobachters schauen konnte. Für mich verbarg sich in dem, was für mich Deutschsein und damit in Deutschland aufgehoben sein bedeutete die Frage von Zugehörigkeit und Identität. Hier in der Blogossphäre werden regelmäßig mit dem Stichwort „Nationalismus“ mehr Beiträge von Nationalismusgegnern als andersherum geteilt, mitunter nette Zitationen der Art, dass die Nation nur brauche, wer keinen Selbstwert besitzt. Ich bin sehr zufrieden mit mir als Individuum. Ich bin nicht perfekt aber ich bin gut so, wie ich bin. Und ein Teil von mir ist die Nation. Ich brauche sie nicht, um mich besser zu fühlen, weil sie vermeintlich besser ist als andere, das ist eine Denkweise, die vielleicht mal im 19. Jahrhundert aktuell war, die aber von den Kritikern auch immer noch auf die heutigen Verhältnisse umgelegt wird, einfach weil man sich gar nicht mehr aktuell mit dem Thema auseinandersetzen will, denn das Feindbild hat man ja bereits. Nein, die Nation ist nicht größer als ich selbst und sie ist nicht besser, als ich es bin oder als andere es sind. Die Nation gibt Zugehörigkeit. Auch nicht in Form eines uniformierten, Stechschritt marschierenden Mobs sondern in er Form von Verlässlichkeit darüber, dass wir problemlos miteinander kommunizieren können, ein eigenes durchschaubares Gebaren und eine ähnliche Erwartung an das Verhalten unserer Umwelt haben, dass wir uns bezogen auf verschiedene prägende kulturelle und geisteshistorische Einflüsse, unsere Geschichte und ihre Auswirkung auf einer Ebene befinden und darüber hinaus auf einen gemeinsamen kulturellen Schatz von einheimischer Küche, über die Literatur, über Lieder, bis hin zur Architektur zurückgreifen können, der fremde Einflüsse nicht entbehrt, sie aber für uns ganz speziell in etwas eigenes verwandelt hat. Insofern ist die Nation für mich auch zutiefst demokratisch. Trotz der Tatsache das wir alle Individuen sind und unsere Geschmäcker, Hobbys und auch unsere politischen Überzeugungen divergieren können, war die Nationalität ein gemeinsamer Begegnungsraum. Dem politischen Gegner, konnte ich eben als Gegner in einem fairen Wettkampf begegnen, selbst linke Idee als Teil des gemeinsamen Ideenschatzes begreifen und darauf wie auf alles andere zurückgreifen. Wenn es nicht um Extremismus oder Hass ging, stritten wir schließlich darum, was der beste Weg für die Nation in Zukunft ist und auf dieser Ebene war ich aufgehoben in einem gemeinsamen Deutungsraum und fühlte die allgemeine Zugehörigkeit trotz Distanz und Differenzen im Einzelnen.

Im Besten Sinne verkörperte die Nation für mich die Aufhebung im Dreifach-Hegelschen-Sinne der Kombination aus Aufheben (Aufbewahren), Aufheben (Negieren) und Aufheben (Höherheben). So sorgte die Nation dafür, dass das alte, aus dem ihr genealogischer Hintergrund entsprang bewahrt wurde und bewahrte damit gleichzeitig all die praktische und geistige Tätigkeit der in ihr kooperierten Individuen in dem sie deren Werken physischer und geistiger Natur vom Reichtum und Wohlstand unserer Städte bis zur Theorie eines Marx oder Hegels oder der Literatur eines ETA Hoffmanns für die Nachgeborenen erhielt und ihr zugänglich machte, damit diese auch in Zukunft daran teilhaben mochten und ihnen damit auch ermöglichte zu schauen, woher sie gekommen waren. Sie negiert durch ihre Lebendigkeit, sie stellt den einmal erreichten Stand nicht absolut, sondern entwickelt sich innerlich weiter, ermöglicht die Aufnahme neuer Denkweisen, neuer Werte und ermöglicht so im Begriff des Höherhebens, dass jede Generation mit einem Fuß in dem was bereits erreicht wurde, ein neues Kapitel schreiben zu können, das als Fundament wiederum für ein neues Kapitel sein kann.

Ich mag die Nation also nicht, weil sie besser ist als andere oder andere weniger, weil sie schlechter sind. Meine Nation ist meine Nation, weil ich ihr zugehörig bin. Ich bin kein Migrant. Ich habe diese Entscheidung nicht freiwillig getroffen, ich bin in sie geboren worden und partizipiere an ihren Werken sowohl guter als (und das wissen wir als Deutsche) schlechter Natur in gleicher Art und Weise. Ich bin was sie ist und sie wird das sein, was ich sein werde.

Der Nationalismus ist für mich deshalb nicht ein Ausdruck von Abgrenzung oder gar Dominanz nach außen. Nationalismus bedeutet für mich bezogen auf die Nation als auch auf den Staat (was ich grundsätzlich als verbunden ansehe) zweierlei: helfen zu erhalten und helfen zu verbessern. Ich habe mich deshalb ehrenamtlich in einem Verein zur Erhaltung und öffentlichen Nutzbarmachung einer KZ-Gedenkstätte ebenso engagiert, um unsere Geschichte zu bewahren und für neue Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen, doch nicht allein weil es ein KZ war und deshalb bewahrenswerter als anderes, sondern auch weil das Gebäude, in dem dieses untergebracht war, auch schon zuvor Geschichte und Bedeutung bspw. für meine Heimatstadt hatte, bevor es umfunktioniert wurde. Ich publiziere hier, auch um durch politischen Diskurs das Nationale auch in seinen positiven Aspekten wieder in die öffentliche Wahrnehmung und Debatte zu bringen, eben auch weil es ein ungeheurer Verlust wäre, sie zukünftigen Generationen vorzuenthalten. Und ich bin selbst als kreativer Autor aus eigener Lust freilich daran beteiligt Werke zu schaffen, von denen ich natürlich auch hoffe, dass sie vielleicht auch in Zukunft gelesen werden, die aber allein dadurch, dass sie in deutscher Sprache sind, schon unintendiert Teil unseres kulturellen Angebots werden.

Auf den Staat bezogen bedeutet es, dass ich Steuern zahle, mich ehrenamtlich zu engagieren versuche, wählen gehe, mich an die Gesetze halte, mich in politischen Debatten dafür einsetze, dass unser Sozialsystem aber auch unsere Wirtschaft zu gleichen Teilen erhalten und gefördert werden und mich auch hier publizistisch gegen jene Kräfte wehre rechts (wie auch links), die die Demokratie, die uns historisch soviel Gutes gebracht hat, bedrohen oder mit Gewalt und Hass die Stabilität des Staates selbst zu gefährden versuchen. Der Staat der mir alles ermöglicht hat, der mir Ausbildung gab, Sicherheit, der mit seiner Politik dafür sorgt, dass Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden und mit seinen Mitteln nicht nur die Infrastruktur erhält sondern auch jene Anliegen der Nation in Form einer Nationalbibliothek, Museen, Geschichtsforschung, etc.; der Vermittlung unserer Geschichte, unseres kulturellen Erbes und der Befähigung zur politischen Beteiligung im Schulunterricht; und dem Vertreten und Bewahren unserer Souveränität bei gleichzeitiger Kooperation in internationalen Organisationen fördert.

(Staats)Nationalismus bedeutet für mich damit keine avantgardistische Betrachtungsweise auf Staat und Nation, sondern eine Lebensweise und Lebenseinstellung, die darauf ausgerichtet ist, diese beiden Instanzen, die ich als essentiell für ein gutes Leben betrachte (so gibt die Nation neben den eigenen individuellen Lebenszielen, einen weiteren Lebenssinn und die Möglichkeit des Fortwirkens, die Möglichkeit zur Identifikation und die Möglichkeit zu Ergründen woher wir eigentlich kommen, während der Staat den Rahmen für ein gutes Leben schaffen soll) zu erhalten und sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen (wobei auch Kritik üben in diesem Sinne positiv und notwendig ist, um Missstände auszumerzen) und mich selbst einzubringen. Und das geht eben vom fast schon banalen Kleinen (Zahlen von Steuern, Beachtung von Gesetzen) bis hin zum Großen (politisches und ehrenamtliches Engagement). All das gehört für mich dazu, weshalb es mir schwer fällt, mich mit Leuten, wie den üblichen Springerstiefelträgern, die den Staat ablehnen und die Nation einzig auf ein Gott sei Dank nur zwölf Jahre währendes Konzept aus dem letzten Jahrhundert beschränken, zu identifizieren. Gleichsam es für mich ungerecht ist, mit diesen Leuten, nur weil mir auf eine andere Art wohl gleiche Werte wichtig sind, ständig zusammen geworfen zu werfen. Auf der anderen Seite empfinde ich es als grausam, dass im Zuge des gesellschaftlichen Kampfes gegen diese Subjekte, die o.g. Werte eben entwertet, negativ konnotiert oder verteufelt werden und ich damit quasi gar nicht mehr die Möglichkeit habe, ein entsprechendes alternatives Bild zeichnen zu können, gleichsam man selbst zum Verzicht darauf gedrängt wird.

All dies soll verdeutlichen, dass die Nation in seiner identitären (oder im idealtypischen Begriff völkischen) und in seiner republikanischen, förmlichen Bedeutung für mich beides erstens zusammengehört und zweitens mir beides emotional wichtig ist.

Die oben beschriebenen Punkte wie Appetitlosigkeit und dieses unangenehme Gefühl in Brust und Magen folgen aus nackter, reell empfundener Angst meinerseits um diese Dinge, die für mich eben mehr bedeuten als irgendein politisches Konzept, das man austauschen kann. Diese Angst musste nicht erst von AfD oder PEGIDA oder anderen Gruppen erzeugt werden, sie war latent schon da. Diese Gruppen artikulieren, wenn auch zum (Groß)teil auf unerträgliche Weise diese Ängste, während die Partei – durch die ich mich die Jahre eigentlich immer vertreten gefühlt habe – die SPD – sie kleinredet, ignoriert oder die Gründe für diese Ängste forciert, weil sie das, wovor ich Angst habe, sogar als Fortschritt für die Gesellschaft empfindet. Deshalb fällt eben die Abgrenzung von der AfD, obwohl ich mich gerne von ihr distanzieren würde, so schwer, weil man sich dann, was unser Repräsentativsystem angeht, im repräsentativen Niemandsland befände.

 

Was ist eigentlich die genannte Angst? Jetzt kommt eine berühmte Formulierung, die so gerne wegen des Abers zerrissen wird, wobei hier das aber eher auf die zwei Seiten der Medaille hinweist: Ich habe nichts gegen Migration, ABER…

Ich bin aufgewachsen auch im schulischen Kontext und der schulischen Erziehung und Sensibilisierung für die Gefahren von Rechts und die Unmenschlichkeit von Ausländerhass, Antisemitismus usw. usf. Und habe in zweierlei Maßen den Kopf geschüttelt: einerseits weil ich auch aus moralischer Gesinnung davon überzeugt bin, dass Gewalt, insbesondere gegen Schwächere und Unschuldige verachtenswert ist und zu nichts führt, andererseits weil der Tenor der daran anschließenden Aufklärungspodien und Diskussionen stets war: es sind gar nicht so viele Ausländer und es droht keine Überfremdung.

Um nun auf das Aber zurückzukommen. Wie sieht die Sache nun es aus, wenn die Migration (ich will hier kurz einwerfen, dass Flüchtlinge hier in der Betrachtung nicht direkt gemeint sind, weil sie eine Sonderrolle innehaben) in einem Maß zunimmt, während gleichzeitig Umstände wie die demographische Entwicklung, ein liberaleres Einwanderungs- und Einbürgerungsrecht und eine Gesellschaft die nicht mehr assimiliert sondern bestenfalls (wenn überhaupt) nur noch integriert, zu einer Situation führen, die man tatsächlich als Überfremdung bewerten kann. Es also nicht mehr nur um ein rechts Hirngespinst geht, mit der sie ihre menschenverachtende Gewalt zu rechtfertigen suchen, sondern um einen tatsächlichen Tatbestand.

Das es an dem ist, bzw. das wir uns auf dem strikten Weg dorthin befinden, belegen Geburtenstatistiken und Erhebungen zur Demographie, die die autochthone Bevölkerung im Schrumpfen sehen, die migrantischstämmige Bevölkerung im Wachsen, die Gesamtgesellschaft aber immer noch am Schrumpfen und weitere Migration als notwendig und wünschenswert begreifen. Dieses korreliert mit Aussagen, hier prominent nur von Kenan Kolat (im SPIEGEL, den ich da als seriös einschätze, stand bspw. auf ganz NRW bezogen gleichwertiges und es finden sich gewiss noch mehr Quellen):

„Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, hat bei der TGD Sitzung in Baden-Württemberg betont, dass 35 % der Bevölkerung in Deutschland unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund haben. Kolat: ‚In zwanzig Jahren wird dieser Anteil noch höher sein. Jetzt schon ist in manchen Städten dieser Anteil auf über 75 % gewachsen. Deutschland muss diese Realität sehen.’“

(Quelle: http://www.sabahdeutsch.de/die-beste-investition-sind-die-migranten)

Dazu kommen Aussagen von Parteien bezüglich der Anpassung der Deutschen (gemeint eben der Biodeutschen, nicht mein Begriff) an die Migranten und die Betonung der deutschen Werte, die sich allerdings in Aussagen unserer Spitzenpolitiker nur noch die Werte unserer durchaus wichtigen Rechtsordnung beziehen, aber kaum oder gar nicht mehr auf kulturelle Wertbestände, selbst die Sprache wird auf ihre Funktion als Verständigungsmittel reduziert). Einem Teil dieser Leute kann man vielleicht unterstellen, dass sie damit die nationale Selbstauflösung als wünschenswert befördern wollen, in vielen Fällen denke ich aber reflektiert sich innerhalb dieser Aussagen kein normativer Anspruch sondern eine Betrachtung der Wirklichkeit die tatsächlich oder vermeintlich angesichts der Vielzahl der Migranten die Frage nach Bewahrung deutscher kultureller Inhalte obsolet, weil scheinbar unmöglich macht.

Während es noch bis zum Ende des letzten Jahrzehnts auch in den Schulen (ich bin schließlich erst 24) noch hieß, dass es Überfremdung nicht gibt, weil es auch gar nicht so viele Ausländer gibt, ist die Überfremdung plötzlich sehr real, wenn die Politiker uns mit ihren Aussagen schon darauf einstimmen, dass dieser Staat nicht mehr exklusiv der deutschen Nation gehört, aber die deutsche Nation so auch nicht mehr weiterexistieren kann, weil das ja Migranten vom Anschluss ausschlösse. Es sind die Mechanismen, die in meinen Beitrag von vor ein paar Tagen bereits ansprach:

Was aber in Frage steht, ist ob Deutschland auch inhaltlich Deutschland bleiben wird, oder ob Deutschland entweder nur noch eine leere Phrase ist, die mit einer Beliebigkeit an verschiedenen Ethnien und Kulturen angefüllt ist und im Schluss nichts mehr außer seiner austauschbaren Verfassungswirklichkeit beinhaltet oder ob das Prädikat deutsch, um Sinne der Anpassung der Deutschen an die Migranten nicht soweit ausgehöhlt wird, dass daran alles anschlussfähig (schließtlich gehört der Islam gegen alle historische Vernunft ja auch irgendwie zu Deutchland) ist. Wobei sich beide Möglichkeiten im Endeffekt nicht sonderlich unterscheiden.

Um also auf den Gedanken zurückzukommen. Wenn Überfremdung abseits rechter Hirngespinste tatsächlich real wird, wie ist meine Meinung zu Migration dann? Selbst dieser Umstand rechtfertigt keine Gewalt, meine Haltung zu rechts wird damit  nicht angetastet, aber welche Schlüsse ziehe ich nun selbst daraus?

Ich habe Bekannte, Freunde, Studienkollegen die binationaler Abstammung sind oder komplett migrantische Wurzeln haben, mit und ohne Staatsbürgerschaft. Es war für mich nie ein Problem mit ihnen auszukommen. Wer hier aufgewachsen war, war uns so ähnlich, dass das im Alltag keine großartige Rolle spielte, bei Geburtstagen oder wenn es um das Privatleben ging vielleicht, aber das hinderte mich nicht daran diejenigen, in dem, worin sie deutsch waren anzuerkennen. Wobei das bei binationalen wegen des einen ohnehin deutschen Elternteils gleich gar kein Problem darstellte, weil es fast überhaupt keine Distanz gab.

Der Umgang war einfach, nicht weil ich mich an Migranten angepasst hatte, sondern weil das, was man als Migrant bezeichnen würde, sich auf dem Weg befand eben vollwertig deutsch zu werden bzw. da fast keine Distanz mehr war und das andere, fremde mehr oder weniger zurückgedrängt hat, in der Form vor allem, dass meine Freunde und Bekannte, eben Migranten höherer Generation sind und praktisch keine Migrationserfahrung hatten, sondern bereits das Gefühl als Deutsche nicht in ihrem Fremdsein, sondern in ihrem Deutschsein angenommen zu sein.

Die jetzige Migrationsdebatte und politischen Rekationen sprechen aber für einen anderen Weg. Anstatt die Migranten vollwertig aufzunehmen und nicht nur zu Bürgern sondern auch vollwertigen Deutschen zu machen, sprich ihnen nahezulegen, zu ermöglichen, zu erleichtern (durch Förderung und Aufnahmebereitschaft) sich in den o.a. genealogischen und kulturellen Zusammenhang zu stellen, wird wie beschrieben der Weg gewählt, diesen genealogischen Zusammenhang für uns selbst aufzulösen, um uns den Migranten, die diesen Zusammenhang mit dem Verlassen ihrer Heimatländer scheinbar ebenfalls verlassen haben, anzunähern.

Und das liefe darauf hinaus Über- oder zumindest Selbstentfremdung einer vermeintlich guten Sache wegen zu betreiben. Das nützt nicht uns, die wir zum Verlust genötigt oder aus Angst vor dem Verlust halb wahnsinnig werden und es nützt nichts den Migranten, die damit nur in ihrer Position als Fremdkörper (wenn auch positiv konnotiert) bestätigt werden, denn wenn wir unsere Identität aufgeben, schaffen wir gerade auch nur neue Unklarheit für Migranten, wohinein sie sich denn nun integrieren sollen, statt ihnen eben ein starkes Angebot machen zu können. Gleichzeitig befeuern wird damit nur, dass die Migranten selbst dann für diese Verluste verantwortlich gemacht werden, weil wir nur noch daran denken, was wir wegen ihnen nicht (mehr) sein können.

Die Linke meint Nationalismus gehöre nicht mehr in Zeiten wie diese, die von Globalisierung und Migration geprägt werden. Tatsächlich hatte sich Nationalismus eher in den guten alten Zeiten der Bundesrepublik überlebt. Eine Nation die unter keinerlei Anpassungsdruck steht, braucht tatsächlich keinen starken Nationalismus (höchstens den von mir angesprochenen engagierten Nationalisten) weil das dem Einrennen offener Türen gleichkäme. Doch die Herausforderungen unserer Gegenwart, die, wenn wir sie nicht regulieren und moderieren eine Gefahr für die Existenz unserer Statten und der damit verbundenen Selbstbestimmung als auch für das Überleben unserer Kulturen darstellen, in dem sie zum Spielobjekt transnationaler Akteure und Gewalten wie Unternehmen oder globaler Ungerechtigkeit macht, zeugen von der Notwendigkeit eines stärkeren Nationalismus, der durch unsere gefestigte demokratische Kultur eingehegt, gelenkt und nutzbar gemacht wird. Denn auch in dieser Hinsicht sind die Zeiten besser geworden, weil die historische Erfahrung und die gefestigten staatlichen und demokratischen Strukturen und Denkweisen endlich einen bewussten Umgang ermöglichen würden ohne Eingefahr der Entartung ins Extreme, viel mehr dem sogar vorbeugt, in dem den Populisten und Extremisten dieses Thema weggenommen wird.

So ist auch unter dem Eindruck zunehmender Migration und der Einwanderungsgesellschaft hingegen mehr und nicht weniger Nationalismus gefragt, einmal um zu bewahren, was wir sind und um dafür zu sorgen, dass die Migration eine Migration ins Deutschsein ist, eine Migration mit der wir unsere Offenheit bewahren können, ohne uns dabei selbst zu verlieren. Ein Nationalismus der ein zwingendes Angebot an die Zugewanderten ist, so wie auch der Anschluss an unsere Rechtsordnung ein zwingendes Angebot ist. Wäre es nicht die bessere Integration, wenn die Migranten nicht nur unsere Rechtsordnung respektieren oder sogar zu ihren ideellen Anhängern werden, Anhänger der Demokratie, des Rechtsstaates, seiner Offenheit und Toleranz, wodurch ein geregeltes Zusammenleben überhaupt möglich wird; sondern das sie auch ideell teilhaftig werden an unserer Sprache, der Geschichte, sprich unserem Wesen, dass Teil einer mehrtausendjährigen lebendiger, fortgeschriebener und erweiterter sowie erneuerter Tradition und Kultur mit all ihren Facetten und Eigenheiten ist, damit aus Zusammenleben auch echte Zugehörigkeit wird?

Doch dazu müssen diese Dinge betont und zur Mitgliedschaft geöffnet und nicht etwa eingerissen werden. Solange mit Migration wegen der derzeitigen Faktizität und durch Unterlassen der Politiker oder Befördern dieser Tendenzen, der Verlust dieses Schatzes an gelebter Identität in Aussicht gestellt wird, solange werde ich Angst darum haben und diese Angst wird weiterhin mein Leben beeinträchtigen, doch nicht ich kann mich von dieser Angst befreien, sondern nur die Politik kann es tun, in dem sie jene Gefahr abwendet, ohne aber das sie gleich dem Hass nachgeben muss. Aus Angst kann jedoch auch Hass entstehen, auf die Migranten die uns entfremden oder den Staat respektive seine Politiker, die das zulassen. Ich möchte nicht hassen und ich möchte, dass sich kein weiterer Hass entwickelt, doch dafür muss die Politik endlich für einen richtigen Ausgleich sorgen, um jene Angst zu moderieren. Ein „Deutschland wird Deutschland bleiben“, das nur die Form und nicht den Inhalt meint, wird dazu nicht reichen.