Angst um Deutschland – eine persönliche Leidensgeschichte

Gott sei Dank gibt das Format eines Blogs die Möglichkeit sehr subjektiv auf die Sachen zu schauen, die man thematisch behandelt und die Möglichkeit persönliche Erfahrungen und Empfindungen zu teilen. Mir geht es jetzt in diesem Moment nicht gerade gut und ich will schauen, ob vielleicht ein Teilen dieser Gedanken mich in der Lage versetzt mich für den Moment davon zu entlasten.

Es mag vermessen erscheinen, dass ein mehr oder weniger wohlsituierter Deutscher, wie ich, angesichts des Elends von Millionen Flüchtlingen oder andere Migranten, nun zu einem Lamento ansetzt, dass genau diese Situation zum Thema hat, aber es geht nicht anders. So zu tun als würde das Thema mich persönlich emotional nicht beschäftigen, bringt mich nicht weiter.

Keinen Appetit, Schlaflosigkeit, ewiges Gedankendrehen, ein Gefühl in der Brust als würde einem das Herz herausspringen mit dem Gefühl der Unruhe jetzt und genau jetzt etwas wichtiges erledigen zu müssen, verbunden mit dem schlechten Gefühl, dass es eilt oder feststellen zu müssen, dass es nicht funktioniert. Wie Heine es ausdrückte: „Wenn ich an Deutschland denke in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht.“ Es ist schon ein Treppenwitz der Geschichte, das ein zur Emigration gezwungener politischer Flüchtling, wie der von mir wegen seines Humors und seiner Literatur sehr geschätzte, Heine, der mit Weh und Sorge an den deutschen Nationalismus dachte, am besten ausdrückt, wie es mir geht.

Für mich war die Nation nie ein rein politisches Konzept, auf das ich mit der Distanz des unnahbaren, objektiven und unbeteiligten Beobachters schauen konnte. Für mich verbarg sich in dem, was für mich Deutschsein und damit in Deutschland aufgehoben sein bedeutete die Frage von Zugehörigkeit und Identität. Hier in der Blogossphäre werden regelmäßig mit dem Stichwort „Nationalismus“ mehr Beiträge von Nationalismusgegnern als andersherum geteilt, mitunter nette Zitationen der Art, dass die Nation nur brauche, wer keinen Selbstwert besitzt. Ich bin sehr zufrieden mit mir als Individuum. Ich bin nicht perfekt aber ich bin gut so, wie ich bin. Und ein Teil von mir ist die Nation. Ich brauche sie nicht, um mich besser zu fühlen, weil sie vermeintlich besser ist als andere, das ist eine Denkweise, die vielleicht mal im 19. Jahrhundert aktuell war, die aber von den Kritikern auch immer noch auf die heutigen Verhältnisse umgelegt wird, einfach weil man sich gar nicht mehr aktuell mit dem Thema auseinandersetzen will, denn das Feindbild hat man ja bereits. Nein, die Nation ist nicht größer als ich selbst und sie ist nicht besser, als ich es bin oder als andere es sind. Die Nation gibt Zugehörigkeit. Auch nicht in Form eines uniformierten, Stechschritt marschierenden Mobs sondern in er Form von Verlässlichkeit darüber, dass wir problemlos miteinander kommunizieren können, ein eigenes durchschaubares Gebaren und eine ähnliche Erwartung an das Verhalten unserer Umwelt haben, dass wir uns bezogen auf verschiedene prägende kulturelle und geisteshistorische Einflüsse, unsere Geschichte und ihre Auswirkung auf einer Ebene befinden und darüber hinaus auf einen gemeinsamen kulturellen Schatz von einheimischer Küche, über die Literatur, über Lieder, bis hin zur Architektur zurückgreifen können, der fremde Einflüsse nicht entbehrt, sie aber für uns ganz speziell in etwas eigenes verwandelt hat. Insofern ist die Nation für mich auch zutiefst demokratisch. Trotz der Tatsache das wir alle Individuen sind und unsere Geschmäcker, Hobbys und auch unsere politischen Überzeugungen divergieren können, war die Nationalität ein gemeinsamer Begegnungsraum. Dem politischen Gegner, konnte ich eben als Gegner in einem fairen Wettkampf begegnen, selbst linke Idee als Teil des gemeinsamen Ideenschatzes begreifen und darauf wie auf alles andere zurückgreifen. Wenn es nicht um Extremismus oder Hass ging, stritten wir schließlich darum, was der beste Weg für die Nation in Zukunft ist und auf dieser Ebene war ich aufgehoben in einem gemeinsamen Deutungsraum und fühlte die allgemeine Zugehörigkeit trotz Distanz und Differenzen im Einzelnen.

Im Besten Sinne verkörperte die Nation für mich die Aufhebung im Dreifach-Hegelschen-Sinne der Kombination aus Aufheben (Aufbewahren), Aufheben (Negieren) und Aufheben (Höherheben). So sorgte die Nation dafür, dass das alte, aus dem ihr genealogischer Hintergrund entsprang bewahrt wurde und bewahrte damit gleichzeitig all die praktische und geistige Tätigkeit der in ihr kooperierten Individuen in dem sie deren Werken physischer und geistiger Natur vom Reichtum und Wohlstand unserer Städte bis zur Theorie eines Marx oder Hegels oder der Literatur eines ETA Hoffmanns für die Nachgeborenen erhielt und ihr zugänglich machte, damit diese auch in Zukunft daran teilhaben mochten und ihnen damit auch ermöglichte zu schauen, woher sie gekommen waren. Sie negiert durch ihre Lebendigkeit, sie stellt den einmal erreichten Stand nicht absolut, sondern entwickelt sich innerlich weiter, ermöglicht die Aufnahme neuer Denkweisen, neuer Werte und ermöglicht so im Begriff des Höherhebens, dass jede Generation mit einem Fuß in dem was bereits erreicht wurde, ein neues Kapitel schreiben zu können, das als Fundament wiederum für ein neues Kapitel sein kann.

Ich mag die Nation also nicht, weil sie besser ist als andere oder andere weniger, weil sie schlechter sind. Meine Nation ist meine Nation, weil ich ihr zugehörig bin. Ich bin kein Migrant. Ich habe diese Entscheidung nicht freiwillig getroffen, ich bin in sie geboren worden und partizipiere an ihren Werken sowohl guter als (und das wissen wir als Deutsche) schlechter Natur in gleicher Art und Weise. Ich bin was sie ist und sie wird das sein, was ich sein werde.

Der Nationalismus ist für mich deshalb nicht ein Ausdruck von Abgrenzung oder gar Dominanz nach außen. Nationalismus bedeutet für mich bezogen auf die Nation als auch auf den Staat (was ich grundsätzlich als verbunden ansehe) zweierlei: helfen zu erhalten und helfen zu verbessern. Ich habe mich deshalb ehrenamtlich in einem Verein zur Erhaltung und öffentlichen Nutzbarmachung einer KZ-Gedenkstätte ebenso engagiert, um unsere Geschichte zu bewahren und für neue Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen, doch nicht allein weil es ein KZ war und deshalb bewahrenswerter als anderes, sondern auch weil das Gebäude, in dem dieses untergebracht war, auch schon zuvor Geschichte und Bedeutung bspw. für meine Heimatstadt hatte, bevor es umfunktioniert wurde. Ich publiziere hier, auch um durch politischen Diskurs das Nationale auch in seinen positiven Aspekten wieder in die öffentliche Wahrnehmung und Debatte zu bringen, eben auch weil es ein ungeheurer Verlust wäre, sie zukünftigen Generationen vorzuenthalten. Und ich bin selbst als kreativer Autor aus eigener Lust freilich daran beteiligt Werke zu schaffen, von denen ich natürlich auch hoffe, dass sie vielleicht auch in Zukunft gelesen werden, die aber allein dadurch, dass sie in deutscher Sprache sind, schon unintendiert Teil unseres kulturellen Angebots werden.

Auf den Staat bezogen bedeutet es, dass ich Steuern zahle, mich ehrenamtlich zu engagieren versuche, wählen gehe, mich an die Gesetze halte, mich in politischen Debatten dafür einsetze, dass unser Sozialsystem aber auch unsere Wirtschaft zu gleichen Teilen erhalten und gefördert werden und mich auch hier publizistisch gegen jene Kräfte wehre rechts (wie auch links), die die Demokratie, die uns historisch soviel Gutes gebracht hat, bedrohen oder mit Gewalt und Hass die Stabilität des Staates selbst zu gefährden versuchen. Der Staat der mir alles ermöglicht hat, der mir Ausbildung gab, Sicherheit, der mit seiner Politik dafür sorgt, dass Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden und mit seinen Mitteln nicht nur die Infrastruktur erhält sondern auch jene Anliegen der Nation in Form einer Nationalbibliothek, Museen, Geschichtsforschung, etc.; der Vermittlung unserer Geschichte, unseres kulturellen Erbes und der Befähigung zur politischen Beteiligung im Schulunterricht; und dem Vertreten und Bewahren unserer Souveränität bei gleichzeitiger Kooperation in internationalen Organisationen fördert.

(Staats)Nationalismus bedeutet für mich damit keine avantgardistische Betrachtungsweise auf Staat und Nation, sondern eine Lebensweise und Lebenseinstellung, die darauf ausgerichtet ist, diese beiden Instanzen, die ich als essentiell für ein gutes Leben betrachte (so gibt die Nation neben den eigenen individuellen Lebenszielen, einen weiteren Lebenssinn und die Möglichkeit des Fortwirkens, die Möglichkeit zur Identifikation und die Möglichkeit zu Ergründen woher wir eigentlich kommen, während der Staat den Rahmen für ein gutes Leben schaffen soll) zu erhalten und sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen (wobei auch Kritik üben in diesem Sinne positiv und notwendig ist, um Missstände auszumerzen) und mich selbst einzubringen. Und das geht eben vom fast schon banalen Kleinen (Zahlen von Steuern, Beachtung von Gesetzen) bis hin zum Großen (politisches und ehrenamtliches Engagement). All das gehört für mich dazu, weshalb es mir schwer fällt, mich mit Leuten, wie den üblichen Springerstiefelträgern, die den Staat ablehnen und die Nation einzig auf ein Gott sei Dank nur zwölf Jahre währendes Konzept aus dem letzten Jahrhundert beschränken, zu identifizieren. Gleichsam es für mich ungerecht ist, mit diesen Leuten, nur weil mir auf eine andere Art wohl gleiche Werte wichtig sind, ständig zusammen geworfen zu werfen. Auf der anderen Seite empfinde ich es als grausam, dass im Zuge des gesellschaftlichen Kampfes gegen diese Subjekte, die o.g. Werte eben entwertet, negativ konnotiert oder verteufelt werden und ich damit quasi gar nicht mehr die Möglichkeit habe, ein entsprechendes alternatives Bild zeichnen zu können, gleichsam man selbst zum Verzicht darauf gedrängt wird.

All dies soll verdeutlichen, dass die Nation in seiner identitären (oder im idealtypischen Begriff völkischen) und in seiner republikanischen, förmlichen Bedeutung für mich beides erstens zusammengehört und zweitens mir beides emotional wichtig ist.

Die oben beschriebenen Punkte wie Appetitlosigkeit und dieses unangenehme Gefühl in Brust und Magen folgen aus nackter, reell empfundener Angst meinerseits um diese Dinge, die für mich eben mehr bedeuten als irgendein politisches Konzept, das man austauschen kann. Diese Angst musste nicht erst von AfD oder PEGIDA oder anderen Gruppen erzeugt werden, sie war latent schon da. Diese Gruppen artikulieren, wenn auch zum (Groß)teil auf unerträgliche Weise diese Ängste, während die Partei – durch die ich mich die Jahre eigentlich immer vertreten gefühlt habe – die SPD – sie kleinredet, ignoriert oder die Gründe für diese Ängste forciert, weil sie das, wovor ich Angst habe, sogar als Fortschritt für die Gesellschaft empfindet. Deshalb fällt eben die Abgrenzung von der AfD, obwohl ich mich gerne von ihr distanzieren würde, so schwer, weil man sich dann, was unser Repräsentativsystem angeht, im repräsentativen Niemandsland befände.

 

Was ist eigentlich die genannte Angst? Jetzt kommt eine berühmte Formulierung, die so gerne wegen des Abers zerrissen wird, wobei hier das aber eher auf die zwei Seiten der Medaille hinweist: Ich habe nichts gegen Migration, ABER…

Ich bin aufgewachsen auch im schulischen Kontext und der schulischen Erziehung und Sensibilisierung für die Gefahren von Rechts und die Unmenschlichkeit von Ausländerhass, Antisemitismus usw. usf. Und habe in zweierlei Maßen den Kopf geschüttelt: einerseits weil ich auch aus moralischer Gesinnung davon überzeugt bin, dass Gewalt, insbesondere gegen Schwächere und Unschuldige verachtenswert ist und zu nichts führt, andererseits weil der Tenor der daran anschließenden Aufklärungspodien und Diskussionen stets war: es sind gar nicht so viele Ausländer und es droht keine Überfremdung.

Um nun auf das Aber zurückzukommen. Wie sieht die Sache nun es aus, wenn die Migration (ich will hier kurz einwerfen, dass Flüchtlinge hier in der Betrachtung nicht direkt gemeint sind, weil sie eine Sonderrolle innehaben) in einem Maß zunimmt, während gleichzeitig Umstände wie die demographische Entwicklung, ein liberaleres Einwanderungs- und Einbürgerungsrecht und eine Gesellschaft die nicht mehr assimiliert sondern bestenfalls (wenn überhaupt) nur noch integriert, zu einer Situation führen, die man tatsächlich als Überfremdung bewerten kann. Es also nicht mehr nur um ein rechts Hirngespinst geht, mit der sie ihre menschenverachtende Gewalt zu rechtfertigen suchen, sondern um einen tatsächlichen Tatbestand.

Das es an dem ist, bzw. das wir uns auf dem strikten Weg dorthin befinden, belegen Geburtenstatistiken und Erhebungen zur Demographie, die die autochthone Bevölkerung im Schrumpfen sehen, die migrantischstämmige Bevölkerung im Wachsen, die Gesamtgesellschaft aber immer noch am Schrumpfen und weitere Migration als notwendig und wünschenswert begreifen. Dieses korreliert mit Aussagen, hier prominent nur von Kenan Kolat (im SPIEGEL, den ich da als seriös einschätze, stand bspw. auf ganz NRW bezogen gleichwertiges und es finden sich gewiss noch mehr Quellen):

„Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, hat bei der TGD Sitzung in Baden-Württemberg betont, dass 35 % der Bevölkerung in Deutschland unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund haben. Kolat: ‚In zwanzig Jahren wird dieser Anteil noch höher sein. Jetzt schon ist in manchen Städten dieser Anteil auf über 75 % gewachsen. Deutschland muss diese Realität sehen.’“

(Quelle: http://www.sabahdeutsch.de/die-beste-investition-sind-die-migranten)

Dazu kommen Aussagen von Parteien bezüglich der Anpassung der Deutschen (gemeint eben der Biodeutschen, nicht mein Begriff) an die Migranten und die Betonung der deutschen Werte, die sich allerdings in Aussagen unserer Spitzenpolitiker nur noch die Werte unserer durchaus wichtigen Rechtsordnung beziehen, aber kaum oder gar nicht mehr auf kulturelle Wertbestände, selbst die Sprache wird auf ihre Funktion als Verständigungsmittel reduziert). Einem Teil dieser Leute kann man vielleicht unterstellen, dass sie damit die nationale Selbstauflösung als wünschenswert befördern wollen, in vielen Fällen denke ich aber reflektiert sich innerhalb dieser Aussagen kein normativer Anspruch sondern eine Betrachtung der Wirklichkeit die tatsächlich oder vermeintlich angesichts der Vielzahl der Migranten die Frage nach Bewahrung deutscher kultureller Inhalte obsolet, weil scheinbar unmöglich macht.

Während es noch bis zum Ende des letzten Jahrzehnts auch in den Schulen (ich bin schließlich erst 24) noch hieß, dass es Überfremdung nicht gibt, weil es auch gar nicht so viele Ausländer gibt, ist die Überfremdung plötzlich sehr real, wenn die Politiker uns mit ihren Aussagen schon darauf einstimmen, dass dieser Staat nicht mehr exklusiv der deutschen Nation gehört, aber die deutsche Nation so auch nicht mehr weiterexistieren kann, weil das ja Migranten vom Anschluss ausschlösse. Es sind die Mechanismen, die in meinen Beitrag von vor ein paar Tagen bereits ansprach:

Was aber in Frage steht, ist ob Deutschland auch inhaltlich Deutschland bleiben wird, oder ob Deutschland entweder nur noch eine leere Phrase ist, die mit einer Beliebigkeit an verschiedenen Ethnien und Kulturen angefüllt ist und im Schluss nichts mehr außer seiner austauschbaren Verfassungswirklichkeit beinhaltet oder ob das Prädikat deutsch, um Sinne der Anpassung der Deutschen an die Migranten nicht soweit ausgehöhlt wird, dass daran alles anschlussfähig (schließtlich gehört der Islam gegen alle historische Vernunft ja auch irgendwie zu Deutchland) ist. Wobei sich beide Möglichkeiten im Endeffekt nicht sonderlich unterscheiden.

Um also auf den Gedanken zurückzukommen. Wenn Überfremdung abseits rechter Hirngespinste tatsächlich real wird, wie ist meine Meinung zu Migration dann? Selbst dieser Umstand rechtfertigt keine Gewalt, meine Haltung zu rechts wird damit  nicht angetastet, aber welche Schlüsse ziehe ich nun selbst daraus?

Ich habe Bekannte, Freunde, Studienkollegen die binationaler Abstammung sind oder komplett migrantische Wurzeln haben, mit und ohne Staatsbürgerschaft. Es war für mich nie ein Problem mit ihnen auszukommen. Wer hier aufgewachsen war, war uns so ähnlich, dass das im Alltag keine großartige Rolle spielte, bei Geburtstagen oder wenn es um das Privatleben ging vielleicht, aber das hinderte mich nicht daran diejenigen, in dem, worin sie deutsch waren anzuerkennen. Wobei das bei binationalen wegen des einen ohnehin deutschen Elternteils gleich gar kein Problem darstellte, weil es fast überhaupt keine Distanz gab.

Der Umgang war einfach, nicht weil ich mich an Migranten angepasst hatte, sondern weil das, was man als Migrant bezeichnen würde, sich auf dem Weg befand eben vollwertig deutsch zu werden bzw. da fast keine Distanz mehr war und das andere, fremde mehr oder weniger zurückgedrängt hat, in der Form vor allem, dass meine Freunde und Bekannte, eben Migranten höherer Generation sind und praktisch keine Migrationserfahrung hatten, sondern bereits das Gefühl als Deutsche nicht in ihrem Fremdsein, sondern in ihrem Deutschsein angenommen zu sein.

Die jetzige Migrationsdebatte und politischen Rekationen sprechen aber für einen anderen Weg. Anstatt die Migranten vollwertig aufzunehmen und nicht nur zu Bürgern sondern auch vollwertigen Deutschen zu machen, sprich ihnen nahezulegen, zu ermöglichen, zu erleichtern (durch Förderung und Aufnahmebereitschaft) sich in den o.a. genealogischen und kulturellen Zusammenhang zu stellen, wird wie beschrieben der Weg gewählt, diesen genealogischen Zusammenhang für uns selbst aufzulösen, um uns den Migranten, die diesen Zusammenhang mit dem Verlassen ihrer Heimatländer scheinbar ebenfalls verlassen haben, anzunähern.

Und das liefe darauf hinaus Über- oder zumindest Selbstentfremdung einer vermeintlich guten Sache wegen zu betreiben. Das nützt nicht uns, die wir zum Verlust genötigt oder aus Angst vor dem Verlust halb wahnsinnig werden und es nützt nichts den Migranten, die damit nur in ihrer Position als Fremdkörper (wenn auch positiv konnotiert) bestätigt werden, denn wenn wir unsere Identität aufgeben, schaffen wir gerade auch nur neue Unklarheit für Migranten, wohinein sie sich denn nun integrieren sollen, statt ihnen eben ein starkes Angebot machen zu können. Gleichzeitig befeuern wird damit nur, dass die Migranten selbst dann für diese Verluste verantwortlich gemacht werden, weil wir nur noch daran denken, was wir wegen ihnen nicht (mehr) sein können.

Die Linke meint Nationalismus gehöre nicht mehr in Zeiten wie diese, die von Globalisierung und Migration geprägt werden. Tatsächlich hatte sich Nationalismus eher in den guten alten Zeiten der Bundesrepublik überlebt. Eine Nation die unter keinerlei Anpassungsdruck steht, braucht tatsächlich keinen starken Nationalismus (höchstens den von mir angesprochenen engagierten Nationalisten) weil das dem Einrennen offener Türen gleichkäme. Doch die Herausforderungen unserer Gegenwart, die, wenn wir sie nicht regulieren und moderieren eine Gefahr für die Existenz unserer Statten und der damit verbundenen Selbstbestimmung als auch für das Überleben unserer Kulturen darstellen, in dem sie zum Spielobjekt transnationaler Akteure und Gewalten wie Unternehmen oder globaler Ungerechtigkeit macht, zeugen von der Notwendigkeit eines stärkeren Nationalismus, der durch unsere gefestigte demokratische Kultur eingehegt, gelenkt und nutzbar gemacht wird. Denn auch in dieser Hinsicht sind die Zeiten besser geworden, weil die historische Erfahrung und die gefestigten staatlichen und demokratischen Strukturen und Denkweisen endlich einen bewussten Umgang ermöglichen würden ohne Eingefahr der Entartung ins Extreme, viel mehr dem sogar vorbeugt, in dem den Populisten und Extremisten dieses Thema weggenommen wird.

So ist auch unter dem Eindruck zunehmender Migration und der Einwanderungsgesellschaft hingegen mehr und nicht weniger Nationalismus gefragt, einmal um zu bewahren, was wir sind und um dafür zu sorgen, dass die Migration eine Migration ins Deutschsein ist, eine Migration mit der wir unsere Offenheit bewahren können, ohne uns dabei selbst zu verlieren. Ein Nationalismus der ein zwingendes Angebot an die Zugewanderten ist, so wie auch der Anschluss an unsere Rechtsordnung ein zwingendes Angebot ist. Wäre es nicht die bessere Integration, wenn die Migranten nicht nur unsere Rechtsordnung respektieren oder sogar zu ihren ideellen Anhängern werden, Anhänger der Demokratie, des Rechtsstaates, seiner Offenheit und Toleranz, wodurch ein geregeltes Zusammenleben überhaupt möglich wird; sondern das sie auch ideell teilhaftig werden an unserer Sprache, der Geschichte, sprich unserem Wesen, dass Teil einer mehrtausendjährigen lebendiger, fortgeschriebener und erweiterter sowie erneuerter Tradition und Kultur mit all ihren Facetten und Eigenheiten ist, damit aus Zusammenleben auch echte Zugehörigkeit wird?

Doch dazu müssen diese Dinge betont und zur Mitgliedschaft geöffnet und nicht etwa eingerissen werden. Solange mit Migration wegen der derzeitigen Faktizität und durch Unterlassen der Politiker oder Befördern dieser Tendenzen, der Verlust dieses Schatzes an gelebter Identität in Aussicht gestellt wird, solange werde ich Angst darum haben und diese Angst wird weiterhin mein Leben beeinträchtigen, doch nicht ich kann mich von dieser Angst befreien, sondern nur die Politik kann es tun, in dem sie jene Gefahr abwendet, ohne aber das sie gleich dem Hass nachgeben muss. Aus Angst kann jedoch auch Hass entstehen, auf die Migranten die uns entfremden oder den Staat respektive seine Politiker, die das zulassen. Ich möchte nicht hassen und ich möchte, dass sich kein weiterer Hass entwickelt, doch dafür muss die Politik endlich für einen richtigen Ausgleich sorgen, um jene Angst zu moderieren. Ein „Deutschland wird Deutschland bleiben“, das nur die Form und nicht den Inhalt meint, wird dazu nicht reichen.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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