FBM 2017 Teil 1: Haltung zeigen / Mit denen red‘ man nich

Ein Fest des Lesens, der Meinungen und auch der Meinungspluralität sollte die Frankfurter Buchmesse 2017 werden. Inzwischen spielt sich dort Teil 2 der Schmierentragödie ab, die bereits im Frühsommer mit dem Fall Sieferle einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. Der vorgeblich tolerante und an Vielfalt interessierte Kulturbetrieb zeigt Haltung gegen andersgeartete Meinungen und entlarvt das Gerede vom Pluralismus als bloße Scharade.

Hinweis: Unter #diebuecherderanderen habe ich einige Bonmots aus meiner Twitter-Timeline zur Frankfurter Buchmesse 2017 gesammelt, die einen rechten Blick auf die dortigen Vorgänge und Meinungen und Kommentare dazu, freilich nicht erschöpfend, widerspiegeln. Schaut ruhig mal rein.

 

Als wäre ein Kulturskandal in diesem Jahr nicht genug, legt der deutsche Kultur- und Medienbetrieb tatsächlich noch einmal nach. Der Ruf ist längstens ruiniert und so lebt es sich scheinbar gänzlich ungeniert. Nur fehlt jedes Verständnis, jede Einsicht und jedes Bewusstsein für das eigene Unrecht. Man könnte fast meinen der Sieferle-Skandal im Frühsommer wäre nur die Blaupause für diese erneute Selbstdemontage gewesen.

Der Kulturbetrieb feiert, anders als bei der eventischen Leipziger Messe im Frühjahr, den Höhepunkt des Kulturjahres auf der Buchmesse in Frankfurt, auf der sich neben nationalen und internationalen Autoren (dieses Jahr ist Frankreich das Gastland der Messe und präsentiert Gegenwartsdiagnosen, die einem sedierten deutschen Zeitgeist auch nicht unbedingt schmecken dürften) auch natürlich die Verlagslandschaft mit ihren neuesten Aushängeschildern präsentiert. Und tatsächlich sind auch rechtskonservative, nationalliberale, nationale und eben auch identitäre Kräfte auf der Messe zugegen. Was eigentlich als selbstverständlicher, legitimer Teil des Meinungsspektrums, des natürlich auch politischen Spektrums, alles Recht hat, sich dort zu präsentieren und am allgemeinen Meinungsaustausch auch selbstbewusst teilzunehmen, entwickelt sich zu einem kranken Politikum.

Durchaus auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein ausgestattet präsentiert sich neben anderen (unter anderem Tichys Einblick und Manuscriptum) auch der Antaios-Verlag des streitbaren Publizisten Götz Kubischek mit intellektuellen Größen der Neuen Rechten wie Martin Lichtmesz. Kubitscheks Verlag hatte schon Sieferles „finis germania“ am Markt platziert und die versuchte Verleumdung und damit medialer Zensurversuch durch den deutschen publizistischen Betrieb hatten dem eher banalen Text einen Überraschungserfolg beschert. Auf der Messe will man nun zurecht publizistisch nachlegen und sich präsentieren.

Das wiederum scheint, wie auch schon der Sieferle-Text in den Bestseller-Listen, für das mediale Establishment eine derartige Zumutung zu sein, dass man die Schmutzkampagne gegen Sieferles Buch, nun mit weiterer Schützenhilfe, wiederholen will. Eine „Buchmesse gegen Rechts“ hatte sich im Vorfeld in Form eines Offenen Briefes und einer schnell zusammen geklatschten Webseite formiert und den Träger der Buchmesse aufgefordert rechten Verlagen, voran Antaios, keine Bühne zu bieten und sie von der Messe auszuschließen. Angeschlossen hatten sich den Bewegten zumindest gemäß der angegebenen Titulierungen auch nicht wenige Akademiker, die unter dem Deckmantel der Verteidiung von Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt mal wieder, ganz nach dem alten Muster, dessen Einschränkung nach ihren ideologischen Prämissen forderten.

Das wäre insofern nicht bemerkenswert, denn solcher Art antidemokratischer Demokratieverteidiger traf man zuletzt auch schon wegen der Bundestagswahl und dem drohenden Einzug der AfD in reicher Menge, doch trug dieser Keimling Früchte. Vom Träger der Buchmesse hätte man erwartet mit aller Entschiedenheit solchen Forderung oder auch nur dem Gedanken eine schallende Absage zu erteilen und sich eben tatsächlich für die Meinungs- und Angebotsvielfalt auf der Messe stark zu machen, gerade in dem man auch den rechten Verlagen gleiche Rechte und gleichen Schutz zugesteht. Die einzige und zugleich kurze Antwort auf solche Forderungen hätte lauten müssen: „Wir teilen diese Ansicht vielleicht nicht, aber wir setzen uns dafür ein, dass sie ebenso ausgesprochen und präsentiert werden darf, wie die aller Autoren, die sich hier vorstellen dürfen.“

Jetzt mag man einwenden, dass doch genau dies geschehen sei? So halb. Offenkundig war eher der Wunsch stärker, sich die eigene Maske nicht vom Gesicht reißen zu lassen. Hätte es eine Möglichkeit ohne Gesichtsverlust gegeben, die unbequemen Verlage loszuwerden, man darf annehmen, und sei es nur um der als relevanter aufgefassten linken Rechtskritik aus dem Weg zu gehen, man wäre ihn wohl gegangen. Stattdessen hat man zwar der Forderung nach Ausschluss eine Absage erteilt, um zugleich einen halben Schritt zurückzugehen, um „Haltung [zu] zeigen“.
Diese Haltung bestand in zweierlei. Einmal räumte man nämlich, um die bösen rechten Gedanken einzuhegen (wohl damit die Leute sich nicht plötzlich einen Hitler einfangen), linken Kräften einen privilegierten Platz in einem Stand schräg gegenüber des Antaois-Ausstellungsfläche ein, damit diese den Verlag kritisch begleiten könnten. Mir wäre neu, dass es jemals vorgekommen sei, dass man Atheisten gezielt gegenüber religiösen Verlagen, Wirtschaftsverlage gegenüber linken Parteiverlagen platziert hätte, damit die Leute das Gesagte und Gelesene besser einordnen können. Es ist klar: Die linken Aktivisten sollen den Leuten, die ergebnisoffen das Gespräch mit Antaios suchen, gleich vermitteln, wie sie das Gesagte zu bewerten haben: Rassistische Kackscheiße.
Besonders delikat wird dies, wenn man sich vor Augen führt, WER diese „Demokratie“aufklärung und den Einsatz für Toleranz und Meinungsfreiheit übernehmen darf. Man holt sich natürlich die AgitProp-Experten, sozusagen die schweren Geschütze, der Amadeu Antonio-Stiftung ins Haus und platziert sie den vermeintlich bösen Rechten gegenüber. Man kann nicht genug betonen, dass die AA-Stiftung von der ehemaligen Stasi-IM Anetta Kahane geleitet wird, die in ihren letzten Projekten und der Zusammenarbeit mit dem scheidenden Bundeszensurminister Maas Zensur und Spitzeltum im Netz und den Sozialen Netzwerken vorantreiben wollte, unter dem Deckmantel der Bekämpfung sogenannter Hatespeech. Sowohl in das NetzDG als auch die #nichtegal-Kampagne war die AA-Stiftung privilegiert eingebunden und sollte auch bei deren Durchführung privilegierter Partner sein, um Hassrede zu identifizieren und damit die Zensur von Meinungen zu legitimieren. Darüber hinaus ist die Ideologie der Kahane-Stiftung im Kern linksextrem und dem Deckmantel der Bekämpfung von Rassismus und Sexismus wird von Kahane und Co. ebensolcher befördert und verbreitet. Das anti-deutsche Engagement von Referenten der Stiftung ist ebenso wohlbekannt, wie die Zusammenarbeit mit den Schlägertrupps der antidemokratischen, linksextremen deutschen Antifa.
Diese Leute sollen also ausgerechnet den Messebesuchern gegenüber den Rechten ein dialogoffenes Gegenmodell vermitteln? Die Kirsche auf diesem, man verzeih die blumige Sprache, cremigen Haufen Scheiße ist nur noch, dass für die exponierte Unterbringung der Amadeu-Antonio ein anderer Verlag diesen Stand räumen und sich mit einem Stellplatz an einer anderen Stelle abfinden musste und natürlich die Stiftung keine Standmiete (üblicherweise ca. 20.000 Euro) entrichten brauchte, sondern praktisch Gast der Messe ist. Und das obwohl die Stiftung für ihr linksextremes Engagment bereits aus dutzenden staatlichen Fördertöpfen gepeppelt wird und auch so über ein hinreichendes Stiftungsvermögen verfügt, um sich den selbsterklärten Kampf gegen Rechts etwas kosten lassen kann, ohne das diese Frechheit auch noch vom Buchhandel alimentiert werden müsste.

Die zweite Säule im Zeigen von Haltung bestand dann darin, dass die Träger sich am vergangenen ersten Messetag haben von der Pressemeute dabei ablichten lassen, wie sie einen absolut natürich wirkenden Demonstrationslauf um den Antaios-Stand abgehalten haben, zu dem Kubitschek süffisant anmerkte, dass sie ihn wiederholen mussten, damit auch alle Pressevertreter ein Foto abbekamen auf dem nicht zu sehen ist, dass es sich nur um ein paar wenige lächerliche Hampelmänner handelt. Den wohl regen Publikumsverkehr am Antaios-Stand wird man wohl kaum vorzeigen. Nein lieber lichtet man die „Haltung“ dieser Leute ab, die darin bestand mit Schildern für Vielfalt und Toleranz gegen einen Verlag und dessen Ansichten und Meinungen und damit genau gegen Meinungspluralismus zu demonstrieren, entlarvend.

Aber bleiben wir noch kurz beim Doppel-A. Im Vorfeld der Messe, als klar wurde, dass der Buchhandel Haltung zeigen wollen würde und nichts unversucht lassen, um mal wieder, auch in der bewährten Weise, die hinter den Texten stehende Gedankenwelt als rechtsextrem und nazistisch zu entlarven, hat Antaios die Hand gereicht. In einem offenen Brief bot Ellen Kositza Dialogbereitschaft auf Augenhöhe an und war bereit zusammen mit den Autoren ihres Verlages in die argumentative Auseinandersetzung zu gehen. Rechte sind nicht dialogbereit und wir müssen sie argumentativ packen, aber sie entziehen sich einer sachlichen Diskussion immer. War das nicht seit Jahr und Tag des Paradigma des linken Mainstreams: Die Rechten sind schuld? Hier ist ein Gesprächsangebot zu fairen Bedingungen, hinter das weder Kositza noch Antaios hätten zurückgekonnt, ohne sich unglaubwürdig zu machen (zumindest sofern man die eingeforderten fairen Bedingungen eingehalten hätte) und man hätte sie also festgenagelt.

Doch die AA-Stiftung? Nein mit Rechten könne man nicht reden und – altes >>Argument<< – man wolle ihnen keine Bühne bieten. Eine Bühne bietet man Menschen nur, wenn man unfähig dazu ist, sie argumentativ zu schlagen, es ist eine Ausrede, eine faule noch dazu, aus Faulheit vor der Unbequemheit einer echten Debatte oder aus Furcht vor der eigenen argumentativen Schwäche. Mehr nicht. Man will einen Dialog über die Rechten Inhalte führen? Aber bloß nicht mit den Rechten selbst. Ein Symposium würde es geben, aber reden da nur Leute aus dem gleichen ideologischen Stall über einen Dritten, der nicht anwesend ist: Ein, ebenfalls wieder blumig, Kreiswichs der Bessermenschen, das intellektuell und argumentativ wohl nichts Neues abseits der immer gleichen bequemen Anschuldigungen und der altbekannten Nazi-Keulen zu bieten hat.
Kubitschek wurde wohl hinter den Kulissen ein Gesprächsangebot hinterbracht, wie er zurecht selbst sagt: Folgen darauf keine Taten, so ist das ganze eine lächerliche Makulatur. Die Einladung der AA-Stiftung ist es jetzt schon. Blogger-Kollege Stapelchips (sicher kein Freund der Rechten; aber gerne abonnieren) meinte schon zurecht angefressen auf Twitter, dass es die scheiß Pflicht der AA-Stiftung wäre, sich eben direkt mit den Rechten auseinanderzusetzen, gerade weil sie dafür bezahlt werden und sich nicht abzukapseln und wegzuducken, wenn es Ernst wird.

„Mit Rechten reden“ nimmt man offenbar selbst nicht Ernst, über Rechte (schlecht) reden ist hingegen ein beliebter und einfacher Volkssport bei unredlichen „Intellektuellen“ wie es scheint. Drum ist wohl das pünktlich zur Messe ebenfalls von Lichtmesz und Sommerfeld fertiggestellte „Mit Linken leben“ wohl auch das erst einmal für Leute wie uns, die bessere Lektüre, um uns insbesondere dann unseren Gleichmut zu bewahren, wenn die Linken Schluss mit Verleumdung machen und dann eben doch zur guten alten antifaschistischen „Handarbeit“ übergehen.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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