FBM 2017 Teil 3: Kahane Brandrede / Bundesschrifttumskammer

Als kleiner launiger Zwischenbeitrag in Vorbereitung auf einen etwas größeren Zeitgeist-Artikel, habe ich mich als Ghostwriter betätigt, um einen Blick auf das geistige Vorbild hinter den massiven Sötrungen auf der Frankfurter Buchmesse 2017 zu werfen.

Die Messe ist vorbei und ein mutmaßliches Skript für eine Rede der Amadeu Antonio-Stiftungschefin Kahane ist aufgetaucht, geplant am ersten Besuchertag der Messe neben einem Zeitplan der AA-Stiftungsbesatzung auf der Messe. Geplant war am Abend eine launige Soli-Grillparty gegen Rechts mit zugleich stattfindender öffentlicher Bücherverbrennung abzuhalten, zu deren Auftakt Frau Kahane diese Rede halten wollte. Warum sie nicht stattfand? Offenbar reichten dafür die öffentlichen Fördermittel nicht mehr aus.

„Liebe Studierende und Besucher! Frauen, Männer, Transsexuelle und Queers. Das Zeitalter eines konservativen und nationalen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der progressiven Revolution hat auch dem linken Weg wieder die Gasse freigemacht. (…)

Darüber aber sind wir geistigen Menschen uns klar: Machtpolitische Revolutionen müssen geistig vorbereitet werden. An ihrem Anfang steht die Idee, und erst wenn die Idee sich mit der Macht vermählt, dann wird daraus das historische Wunder der Umwälzung emporsteigen. Ihr jungen Studierenden seid Träger, Vorkämpfer und Verfechter der jungen, revolutionären Idee dieses besseren Staates gewesen.

(…) Ein Revolutionär muß alles können: er muß ebenso groß sein im Niederreißen der Unwerte wie im Aufbauen der Werte! Wenn Ihr Studenten Euch das Recht nehmt, den geistigen Unflat in die Flammen hineinzuwerfen, dann müsst Ihr auch die Pflicht auf Euch nehmen, an die Stelle dieses Unrates einem wirklichen gerechten und sozialen Gut die Gasse freizumachen. Der Geist lernt im Leben und in den Hörsälen, und der kommende deutsche Mensch wird nicht nur ein Mensch des Buches, sondern auch ein Mensch der richtigen Haltung sein. (…)

Und deshalb tut Ihr gut daran, um diese mitternächtliche Stunde den Ungeist der Vergangenheit den Flammen anzuvertrauen. Das ist eine starke, große und (…) symbolische Handlung, – eine Handlung, die vor aller Welt dokumentieren soll: hier sinkt die geistige Grundlage der überkommenen deutschen Gesellschaft zu Boden, aber aus diesen Trümmern wird sich siegreich erheben der Phönix eines neuen Geistes, – eines Geistes, den wir tragen, den wir fördern und dem wir das entscheidende Gewicht geben und die entscheidenden Züge aufprägen! (…)

Niemals war eine junge studentische Jugend so berechtigt wie diese, stolz auf das Leben, stolz auf die gelebte Vielfalt und stolz auf die Toleranz zu sein. Und niemals hatten junge Menschen so wie jetzt das Recht, frei nach den antifaschistischen Aktivkräften auszurufen: Für die Freiheit, für das Leben – Rechte von der Messe fegen! Denn die Freiheit der Andersdenkenden muss dort enden, wo ihre Freiheit unsere Ideale angreift (…)

Das Alte liegt in den Flammen, das Neue wird aus der Flamme unseres eigenen Herzens wieder emporsteigen! Wo wir zusammenstehen und wo wir zusammengehen, da fühlen wir uns dem Internationalismus, der uneingeschränkten Solidarität und ihrer Zukunft verpflichtet. (…)“

– mutmaßlich Anetta Kahane vor studentischen Aktivisten und Besuchern der Frankfurter Buchmesse am 11.10.2017 anlässlich ihrer Aktion „Wider den deutschen Geist“

Aber Schluss mit den Scherzen. Jedem geschichtsbeflissenen Menschen dürften diese Worte einen gehörigen Schauer über den Rücken jagen, denn es ist der, von mir, editierte Text der  Rede, die Joseph Goebbels anlässlich der nationalsozialistischen Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz 1933 hielt (zitiert nach http://www.buecherverbrennung33.de/goebbelsrede.html). Denkt man sich das Pathos, dass wohl wenig zu einer trockenen Denunziantin wie der Kahane passt, weg, so erscheint die Rede nur mit ausgetauschten Schlagworten doch sehr genau das widerzuspiegeln, was hinter dem Engagement der AA-Stiftung und der von ihr kaum zu distanzierenden Antifa steckt: Die Unterdrückung und Säuberung von andersgearteten Meinungen. Man kann den Text lesen und würde, das Pathos abgesehen, ihn jederzeit der Kahane-Stiftung so zutrauen, ähnliche Bonmots sind bekannt.

Nun ist die Büchervernichtung sicherlich dem aktuellen Zeitgeist vor allem von jener Goebbels Rede am akutesten im Gedächtnis aber tatsächlich handelt es sich dabei um eine sehr alte Kultur- oder vielmehr Anti-Kulturtechnik. In der Damnatio Memoriae der Römer und auch Ägypter finden sich darin Anklänge schon die Erinnerung an missliebige Personen zu tilgen, großflächige Vernichtung von Wissen kennt man bereits aus dem alten China. Ziel ist es in beiden Fällen die Geschichte zu verändern, was in antiken Zivilisationen mit wenigen bildhaften und einer noch relativ überschaubaren Zahl an Texterzeugnissen (auch in einem schon damals Bücherland wie China) noch recht einfach war, bedarf in modernen Gesellschaften mit einer Vielzahl an Medien dann schon umfassender Methoden, insbesondere staatlicher Organisation.

Nun ist Deutschland kein totalitäres Regime, wie es beispielsweise im Orwellscher Sinn notwendig wäre, um Geschichtsfälschung im notwendigen Maß zu ermöglichen und die Kahane-Stiftung hat nicht die Möglichkeiten eines Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, auch wenn sie an fetten Staatsgeldertrögen steht. Doch muss man schon längst auch nicht mehr zur Zensur greifen. In gleichem Maße wie das gedruckte zum digitalen Wort wird und der Meinungsaustausch sich von den Plätzen in das Netz und somit den Zugriffsbereich automatisierter Bearbeitbarkeit (durch Algorithmen) und der absoluten Abhängigkeit von Anbieterstrukturen begibt, werden die Möglichkeiten der Bearbeitung leichter.

War es in der Reichsschrifttumskammer noch nötig, dass Autoren ihre Werke einreichen mussten, um in den Bereich staatlicher Bearbeitung zu kommen, freilich um natürlich den besten Marktzugang zu  erhalten, war es noch jederzeit möglich Pamphlete, Wilddrucke und Untergrundaufführungen im Geheimen abzuhalten. Das Spitzelsystem war ausgebauter, aber die gleichen subversiven Methoden, mit denen man schon die Karlsbader Beschlüsse eines Metternich 100 Jahre zuvor unterlaufen konnte, funktionierten noch.
Eine „Bundesschrifttumskammer“ braucht das nicht mehr unbedingt, zumindest sofern sich der Diskurs ins Netz verlagert. Umso mehr sich die AA-Stiftung bspw. um Aktionen wie #nichtegal oder um eine Einbindung in das NetzDG bemüht wird sie zu einer solchen und kann mit dem ganzen Instrumentarium in der abgeschlossenen Umgebung willfähriger Netzwerke wie Twitter oder eben YouTube direkt handeln; wenn es die besagten Unternehmen nicht selbst tun, wenn es ihrer ideologischen Linie entspricht, wie der Fall der neuen YouTube-Chefin ebenso belegt.

Doch ist die Zerstörung/ Löschung in diesen Zeiten auch gar nicht mehr zwingend das Mittel der Wahl. Es geht inzwischen auch perfider, weniger regressiv. Man kann sich dem Wortsinn nach vom Vorwurf der Zensur oder Löschung/ Vernichtung von Meinungen entziehen. Das Zauberwort heißt Verbergen. Was als sogenanntes Shadowbanning bereits „erfolgreich“ auf Twitter erprobt wurde, könnte Schule machen. Immer wieder taucht in meiner Timeline auch der Vermerk „Withheld in your Germany“ auf. Die Beitrage sind noch da, die Nutzer in der Regel auch, nur ihre Inhalte sind für mich nicht mehr einsehbar. Ein Geoblock für Meinungen nicht nur für Spiele und wem dabei der Gedanke an die Great Firewall der Chinesen kommt, sei ganz beruhigt, es geht noch subtiler.

Seit einiger Zeit schon prozessiert Google auf europäischer Ebene gegen verschiedene Kläger bezüglich seiner Marktmacht im Suchmaschinenmarkt. Hier geht es erstmal „nur“ um handfeste Wirtschaftsinteressen, aber erlauben auch einen Blick auf den Markt der Ideen. Das Internet ist groß, selbst begrenzte Plattformen wie YouTube oder Twitter bieten ein unüberschaubares Konvolut der Inhalte. Der Zugang bilden neben Empfehlungen, die fraglos auch Teil des Geschäftsmodells sind, aber der Kern sind doch Suchfunktionen. Was über Google (oder andere Suchmaschinen, wenn die denn überhaupt benutzt werden, die Nutzungsgewohnheiten sprechen da eine eindeutige Sprache) nicht gefunden wird, wird kaum oder gar nicht angesteuert. Ähnlich verhält es sich mit Videos auf YouTube oder Inhalten auf anderen Plattformen. Während Withheld mir noch deutlich sagt, was ich mir nicht anschauen kann, wüsste ich bei verborgenen Inhalten gar nicht, dass sie mir entgehen.

Der Fall Shlomo Finkelstein, offensichtliche Zensur, zeigt das Löschungen Widerstand erzeugen. Wie ist es, wenn in Zukunft streitbare YouTuber in eine eigene Echokammer abgeschoben werden, nicht mehr auffindbar über die normale Suche und schon gar nicht über Empfehlungen. Sie sind noch da, man kann sie auch noch ansteuern, wenn man zum Beispiel einen Direktlink besitzt. Eine Zensur findet scheinbar nicht statt und wie ist es wenn Google beginnt entsprechend, wie derzeit vernünftigerweise schon bei Kinderpornographie und Ähnlichem, auch seine Suchergebnisse zu „manipulieren“? Und das ist die Welt in der Stiftungen und Initiativen wie die der Kahane, privilegiert vom Staat und dank Eigenmarketing, Zugänge erhalten, um mit minimalem Aufwand Meinungen verschwinden lassen zu können.

Das gedruckte Buch erscheint daher nicht nur wie ein Anachronismus (vielleicht nicht für den deutschen, glücklicherweise noch sehr starken Printmarkt) aber generell. Und es scheint daher eine besondere Provokation, vielleicht auch eine besondere Demonstration von Deutungsmacht zu sein. Die Rechten, die man auf die Anonymität das Netzes und der sich dort zukünftig noch zu erschließenden Bekämpfungsmethoden zurückgedrängt glaubte, drängt zurück in den Bereich des Manifesten, dort eben wo vorgeschobene Hassrede und ein denunziatorisches Meldesystem nicht ausreichen, auch wenn die Medien (wie im Fall Sieferle) das Möglichste tun, um unverbindliche Lese“verbote“ auszusprechen und sich an medialen Denunziationen zu beteiligen. Und es demonstriert, dass die Rechten in der Lage und willens sind, sich nicht allein auf die virtuelle, gespensterhafte Basis und Echokammern des Netzes zurückzuziehen, sondern auch dahin zu gehen, wo es laut ist. Eine Demonstration von Selbstbewusstsein fraglos, das selbst noch einmal zu einer Provokation zweiter Ordnung gereicht, sich nämlich nicht in die Schmutzecke drücken zu lassen, in die man den bisherigen braunen Pöbel hinwegfegen konnte.

Drum brauchte es Zahnpasta und Kaffee, Parolen, Schmierereien und Verwüstungen, Demonstrationen und Ausschreitungen, um den manifesten Ideen, die man nicht einfach mehr bei der Messeleitung melden und sperren lassen kann (nicht das man es nicht versucht hätte), dann doch wieder ganz handfest den Kampf anzusagen, um dann den Geist zu entlarven, den diese Form des Engagements atmet: Nicht Auseinandersetzung und Beschäftigung, sondern Extinktion. Vermutlich scheiterte das heitere Ideengrillen an den örtlichen Brandvorschriften oder anders als in Hamburg waren Autos und Mülltonnen als Brandbeschleuniger gerade nicht greifbar.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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