SPIEGELblick: Der Lindner ist an allem Schuld

Der SPIEGEL gestattet sich mal wieder ein besonders peinlich einsetiges Gesellenstück auf SPON. Da ich leider etwas zuviel geschrieben habe, dass mir der Kommentar versagt bleibt, lasse ich euch hier auf dem Blog daran teilhaben.

ich habe ja schon in meinem gestrigen Beitrag den offenkundigen Realitätsverlust der zugedröhnten Jamaika-Fraktion in den Medien kritisiert, die jetzt Christian Lindner, trotz der offenkundigen ideologischen Unvereinbarkeiten aller Verhandlungsparteien, allein für das Scheitern der Sondierungen verantwortlich machen, obwohl er wohl nur den nötigen Realitätssinn besaß, diese Farce als erster zu beenden.

Doch anzuerkennen, dass es womöglich auch an den Grünen gescheitert ist, an faulsten Kompromissen, die nichts weiter sind als heiße Luft? Nein, das geht gar nicht, denn auf die Tropeninsel hatten sich alle nämlich schon so gefreut.

 

Und weil man heutzutage nicht ohne Psychologisierung und Experten auskommt, lässt SPON einen Verhandlungscoach auftreten, der uns erklärt, was der Christian beim Schachern um den Nachzug von womöglich 100.000en Menschen falsch gemacht hat. Denn an den Grünen sind die Verhandlungen bestimmt nicht gescheitert. So 200.000 bis 300.000 wären doch bestimmt drin gewesen, ne Christian? Das erkärt uns der Coachh dann mal:

http://www.spiegel.de/karriere/christian-lindner-welche-folgen-hat-der-jamaika-abbruch-a-1179516.html

Der Coach, der Experte, der uns hier erklären soll, wie die Verhandlungen gescheitert sind und eigentlich von Berufswegen alle Verhandlungspartner in die Betrachtung mit einbeziehen müsste, macht den Fehler, den Journalisten jetzt gerne machen. Ihr feuchter Wunschtraum von Jamaika ist geplatz, dabei hat man sich das alles so schön ausgemalt, und die Schuld trägt natürlich derjenige, der vermutlich einfach nur am Aufrichtigsten erkannt hat, dass eine Einigung ohne faule Formelkompromisse nicht möglich war.

Um im Sprech des Coaches zu bleiben. Es wird unterstellt Linder habe übersteuert und die Verhandlungen gegen die Wand gefahren, es wird unterstellt, dass Lindner die ganze Orange wollte, es wird unterstellt Lindner sei schon mit bösen Absichten in die Verhandlungen gegangen. Die Position der Grünen, die hier wohl als Gegenpol anzusehen sind (denn die CDU hat keine Haltung und keinen Charakter) werden überhaupt nicht hinterfragt.
Dabei liegt es doch näher zu sagen, dass nicht etwa die in der Vergangenheit sehr flexible FDP sich verweigert hätte, sondern die bekanntermaßen ideologiegetriebenen Grünen.

Mithin unterschätzt der Coach hier gewaltig die Fliehkräfte solcher politischen Verhandlungen, wo es nicht wie auf dem Markt um flexible, formbare Beträge sondern Fragen prinzipieller Natur geht. Einer der großen Kernprobleme, das lange ausgeblendet wurde, war der Familiennachzug. Die Grünen waren nicht einmal bereit mit einer absolut nebulösen Flexi-Obergrenze der CSU zu leben. Die FDP hatte sich im Wahlkampf, und damit hat sie der AfD nochmal massiv Stimmen abgejagt, dagegen positioniert. Die Positionen sind unvereinbar. Man kann sich einen Kompromiss vorstellen, wo eine Obergrenze für Familiennachzug eingeführt würde. Die FDP hätte sie höchstens niedrig ansetzen können, dass wäre ihr Verhandlungsspielraum gewesen. Die Grünen hätten sich aber nicht mit einer homöopathischen Dosis im 10.000er Bereich abfinden können.

Das Problem ist, dass die Außenwirkung, die der Coach hier anspricht, für die Partei wesentlich ist. Es geht nicht um das Ansehen ein guter oder schlechter Verhandler zu sein, sondern ein Versprechen zu befriedigen. Ein Arbeitgeber wird nicht gleich aus dem Verband geworfen und Branchen-Gewerkschaften sind realistisch alternativlos für ihre Mitglieder.

Die FDP jedoch hat ihren Wahlsieg derartig nur gestalten können, weil sie die Positionen der Rechten besetzt und sich als AfD-light verkauft hat. Die Folge ist, die FDP steht damit unter einem hohen Druck von Rechts. Wenn sie umfällt, könnte das ihren politischen Tod oder zumindest eine massive Abstrafung bei den nächsten Wahlen bedeuten UND damit der AfD massiv Zulauf bescheren. Das die CSU in dieser Konstellation bereits aussieht wie eine Bande von Umfallern, dürfte der AfD bei den Landtagswahlen in Bayern gut zu Angesichte stehen.

Mithin war es für die FDP keine gangbare Alternative, wenn man nicht erwartet, sich für ein unbedingtes Gelingen Jamaikas politisch zu opfern (man könnte ja das Gleiche von den Grünen verlangen, aber warum sollte man, schließlich sind die rechten Positionen der FDP ja augenscheinlich das Problem). Mithin hat Lindner den einzig richtigen Weg beschritten und diese Verhandlungen eben dort beendet, wo sie einfach keinen Sinn mehr machten.

Als Konklusio bleibt festzuhalten: Der SPIEGEL versucht das Ganze hier zu psychologisieren und Linder den Schwarzen Peter zuzuschieben. Der Coach folgt dieser Linie, wirft keinen Blick auf die anderen Verhandlungspartner und anerkennt nicht die massiven ideologischen und positionellen Diskrepanzen zwischen den einzelnen Parteien, die mit einem einfachen Kompromiss kaum aufzulösen wären und schon gar nicht mit einem Formelkompromiss, der zuungunsten der FDP nur deren Ruin und den weiteren Aufstieg der AfD bedeuten würde. Ein Artikel hier auf SPON, der mal wieder die Zeit nicht wert war, ihn zu tippen.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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