Von ausfälligen Halbaffen und Halbnegern

Jens Maier von der AfD beleidigt Noah Becker, hauptberuflich Sohn, mit dem Begriff Halbneger. Eine Stellungnahme.

Ich sage noch letztens, dass man im Tagesaktuellen Klein Klein zwangsläufig versinkt und da spült der sozial-mediale Diskurs wieder eine zu kommentierende Absonderlichkeit mehr an den Strand. Jens Maier, Abgeordneter der AfD, hat sich einen verbalen Lapsus erlaubt, dass einem mal wieder die Stirn hohl werden könnte, so oft könnte man seinen Kopf gegen die Tischkante donnern. Die Frage ist, musste das sein? Die Frage auch, mal wieder von der AfD? Da hat man nun den auch schon völlig derangierten „Wunderbaren Neger“ der CSU hinter sich und dann muss man, weil einem scheinbar keine besseren Argumente zur Hand sind, dieses Wort nicht nur in den Mund nehmen, sondern auch noch in einem deutlich abwertenden Kontext gebrauchen und sich mit einigem Fug und Recht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen. Da erlaube man mir doch sichtlich erbost zu sein, über eine definitiv nicht einwandfreie, schon etwas ekelhafte Äußerung und die Tatsache, dass einem dies dann auch noch als weiterer Baustein für eine guilt-by-association-Kette von AfD-Kritikern selbst zur Last gelegt wird, die man selbst gar nicht tragen will, weil einem der Kommentar ebenso gegen den Strich ging. Da fragt man sich dann schon ob Jens Maier wie ein wildgewordener Halbaffe, erstens bei einer nur unrelevanten Äußerung Noah Beckers (der er damit sogar nur noch Futter gibt), zweitens sich selbst oder sein Social Media-Team nicht im Griff hat.

Da ich mal den Stock ein wenig aus dem Hintern bekommen will, jeden kleinen Umstand, den ich in den Blog aufnehme, allzu totzudiskutieren, will ich zu diesem konkreten Vorgang auf den eigentlich treffenden Artikel “ ‚Halbneger‘ ist kein Wort für Patrioten“ von Wolfgang Hübner (erschienen auf PI-News | 07.01.2017) verweisen. Den Hinweis auf die Prioritäten der Medien, hätte er sich zwar sparen können, da das hier nicht wirklich vergleichbar war, aber einige Gedanken, die ich so unterschreiben würde, stecken in dem Text.

Da wären erstmal dies:

„Ein Bundestagsabgeordneter, zumal einer der heftig bekämpften AfD, darf sich weder mangelnden Realitätssinn noch verantwortungslose Provokationslust leisten, wenn er seiner Partei und ihrer Politik nicht schaden will. Und sollte er Mitarbeiter haben, die das anders sehen und auch noch danach handeln, muss er diese unter strikte Kontrolle bringen oder sich von ihnen trennen. Denn der Gebrauch einer rassistischen Charakterisierung eines Menschen macht jede noch so berechtigte Kritik an diesem Menschen zunichte.

Wenn also der Gebrauch der Bezeichnung „Halbneger“ dazu dienen sollte, den Becker-Sohn abzuqualifizieren, dann wurde damit das genaue Gegenteil erreicht. Wer keine guten Argumente gegen eine missliebige Person hat, kann im privaten Leben schon mal eine bestimmte Äußerlichkeit dieser Person zum Anlass für eine abwertend gemeinte Bemerkung nehmen. Das geschieht dann auf eigene Gefahr und kann eine Anzeige wegen Beleidigung nach sich ziehen. Ein im Fokus der Öffentlichkeit, also auch extrem feindlich gesinnter Medien, befindlicher Politiker darf sich solche Ausfälligkeiten nicht leisten. „

aber vor allem die Konklusion des Artikels:

„Für Patrioten, die realistisch die Bevölkerungsentwicklung betrachten, sollte klar sein, sich nicht auf rassistisches Glatteis zu begeben. Es wird künftig sehr viel mehr Menschen in Deutschland geben, die keine rein weiße Hautfarbe mehr haben. Wer sich davon zu unserer Kultur, unseren Sitten und unserer nationalen Identität bekennt, ist kein minderer Patriot, sondern Teil unseres Volkes. Darüber darf und kann es keinen vernünftigen Streit geben.“

Womit auch schon meine wesentliche Position klar ausgedrückt wäre. Das heißt nicht, dass an der Aussage Noah Beckers nicht zu kritteln wäre, sie erinnert doch stark an das Kahane Bonmot des Bedauerns darüber, dass ein Drittel des Bundesgebiets weiß geblieben sei, aber dies hier ist darauf keine in irgendeiner Form zulässige Reaktion.

Nun hatte aber auch das satirisch angehauchte, rechte News-Format „Laut gedacht“ in der aktuellen Ausgabe (#065 | Islamisierung im Kinderfernsehen) den Fall mit auf die Schippe genommen und stellt auch mal fest, dass die Bezeichnung Halbneger falsch sei, weil der „weiße“ Anteil noch viel höher liege. Der eigentlichen Rassismus-Problematik hat man freilich den Zahn nicht gezogen und weidlich die rassistische Begrifflichkeit weiter verwendet.

Oh oh, in der Position scheine ich wohl allzu sehr zu gutmenscheln. Das stimmt zwar zum Teil, aber wäre wohl eine Kritik, die ihr Ziel verfehlt. Es geht nicht um eine a) übertriebene politische Korrektheit, die sich jetzt bei mir irgendwie Bahn brechen würde noch b) um eine, die zu ihrem Selbstzweck geschieht. Das Wort Neger und ich klammere mal den Kontext der Euphemismus-Tretmühle raus, mit der wir uns mittlerweile schon bis zur Einführung von fremdsprachlichen Begriffen durchgetreten haben und PoC statt Farbiger sagen sollen, hat einen inhärent negativen Kontext und sollte zur Anrede oder Beschreibung von Personengruppen oder gar konkreten Personen wirklich nicht mehr genutzt werden. Hierbei ist nicht das Wort sondern die kontextuelle Wortverwendung entscheidend. Der Lindgrensche Negerkönig oder Negerkuss würden bei mir, wenn skandalisiert, auch weiterhin ein herablassendes Kopfschütteln auslösen, hier handelt es sich um einen anderen Kontext, den zu ertragen zumutbar ist. Menschen mit einem als Abqualifikation belegten Begriff zu benennen und dies oben drauf auch noch als Abqualifikation zu meinen, da kann an einem unangemessenen Kontext kein Zweifel mehr bestehen. Auch wenn manch ein Farbiger sich auch von weißen Vertrauten Neger nennen lässt und damit kein Problem haben mag, ist das ein Kontext, der nicht verallgemeinerungsfähig ist.

Über das Thema, auch bezüglich des Negerkönigs oder Negerkusses, ist sicher auch noch mal ein ausführlicherer Beitrag angebracht, bei dem auch noch weitere Aspekte einbezogen werden müssen, bspw. die Prozesshaftigkeit immer engerer Sprachkontrolle, die Einzug halten kann, wenn man allzu nachgiebig ist. Aber für diesen Beitrag will ich es an der Stelle bewenden lassen.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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