Fake News: Erklärung von Marrakesch // 300 Millionen Migranten?

Eine Meldung von bis zu 300 Millionen Flüchtlingen, die die EU bis 2068 aufnehmen will, macht seit ein paar Tagen die Runde. Diese Behauptung ist allerdings nirgends belegt und muss wohl als Fake News bewertet werden.

Es geht gerade seit ein paar Tagen eine Meldung ein wenig durch die alternativen Tertiär-Medien und macht in Blogs und auch in Kommentaren auf YouTube die Rnde. Angeblich will die EU bis zu 300 Millionen Migranten aus Afrika nach Europa holen. Eine reißerische Meldung, die sich gut in ein Geflecht internationaler, an den Bürgern vorbei beschlossenen Abkommen wie den Resettlement und Replacement-Migration-Programmen der Europäischen Union und der UN einfügen würde.

Allein die absurd hohe Zahl macht stutzig. Hat die EU gerade einmal 511 Millionen Einwohner zum derzeitigen Zeitpnkt.

Tatsächlich beziehen sich alle Meldungen auf einen Artikel der Schweizer Morgenpost mit dem Titel „EU will bis zu 300 Millionen afrikanische Flüchtlinge holen“ vom 06.07.2018. Eine andere Quelle für diese Meldung konnte ich bisher nicht entdecken.

Dort heißt es relativ konkret:

„Laut dieser neuen Politik soll die afrikanische Bevölkerung in Europa von derzeit 9 Millionen im Jahr 2018 auf 200 bis 300 Millionen im Jahr 2068 erhöht werden. Dies wird im Ergebnis dazu führen, dass die einheimischen Bevölkerungen zu unterdrückten und rechtlosen Minderheiten innerhalb ihrer eigenen Heimat werden.“

Der Artikel selbst bezieht sich hierbei auf ein Treffen afrikanischer und europäischer Regierungschefs Anfang Mai im marrokanischen Marrakesch, dass wegen Vereinbarungen bezüglich Migration und vor allem zur Prävention von illegaler Migration bereits im Gespräch und seitens Ungarn in der Kritik stand. Am Ende des Treffens sollte eine Erklärung stehen (nicht zu verwechseln mit der Decleration of Marrakesh bezgl. des Umgangs islamischer Länder mit ihren religiösen Minderheiten aus 2016), die Ungarn nicht mitzeichnen wollte. Die Epochtimes berichtete am 02.05.2018 unter dem Titel „Ungarn will europäisch-afrikanische Erklärung zu Migration nicht unterschreiben“ bereits über den Vorgang.

Hier müsste schon auffallen, dass der ungarische Außenminister als Begründung vor allem die unreflektiert positive Haltung zur Migration im Abschlusspapier als Begründung für die ungarische Ablehnung der Erklärung von Marrakesch anführt. Eine dezidierte Übernahmeerklärung wie in den Kontexten der angesprochenen Resettlement-Programme hätte sicherlich seitens eines migrationskritischen Regierung wie der ungarischen Erwähnung gefunden, wenn so etwas vorgesehen gewesen wäre.

Das ist nicht der Fall und die oben angebrachte konkrete Aussage, die auch nicht als Zitat oder Interpretation markiert worden ist, wird uns ohne weiteren Beleg oder Quelle im Artikel präsentiert.

Das Abschlusspapier zum Treffen in Marrakesch lässt sich in englischer Sprache über die Seite der europäischen Kommission als PDF-Datei abrufen. Tatsächlich enthält die Erklärung weder einen Fahrplan bis 2068 noch die konkreten Kennwerte von 9 Millionen oder 300 Millionen und nicht einmal eine allgemeine Verpflichtung zur Übernahme von Menschen oder gar Flüchtlingen.
Sehr wohl gibt es eine Menge problematischer und zu diskutierender Stellen, wie der ungarische Außenminister schon richtig angemerkt hat, insbesondere weil gegen Ende 2018 laut Epochtimes auch ein konkreteres Abkommen im Rahmen einer weiteren UN-Konferenz in Marokko geschlossen werden soll, aber die Meldung von 300 Millionen Flüchtlingen lässt sich in keiner Weise bestätigen.

Bei der Meldung der Schweizer Morgenpost handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach also um Fake News.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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