Lasst sie screechen

in der kritischen Debatte über sein und Gündogans Foto mit Erdogan zückt Özil die Rassismus-Karte. Ein willkommener Anlass für alle getroffenen Integrationseuphemisten, die Özil- und Integrationsdebatte in eine Rassismus-Debatte umzuwandeln, um vom Thema abzulenken. Wir sollten uns darauf nicht einlassen.

Ein Artikel zu Özil wird noch kommen, denn dieses Schmierentheater verdient selbst eine nachgeschobene Betrachtung, aber lasst mich eine kurze Anmerkung zur sich gerade auffächernden Debatte machen.

Mit dem Ausspielen der Rassismuskarte hat Özil all jenen einen Gefallen getan, die diese ganze Debatte von der Person Özil oder den Integrationsproblemen schon die ganze Zeit weglenken wollten, weil sie ihnen unangenehm ist, um auf das Thema Rassismus zu sprechen zu kommen. Es ist ein Derailing dieser Debatte, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll, den Fokus von Özils (und auch Gündogans) Problemen mit der Integration (die zu Fragen, die Integration generell betreffend, führen können) wieder einmal auf den angeblichen Rassismus der deutschen Gesellschaft zurückzuverweisen, einmal um Özil und Gündogan (ob sie jetzt nun integriert sind oder nicht, diese Frage wird dann dort ausgeklammert) rein zu waschen, in dem sie ihrer Verantwortung enthoben werden und um die deutsche Gesellschaft in ihrer Forderung nach Anpassung, Assimilation also letztlich richtiger Integration und harter Hand gegen deren Verweigerer zurückzustutzen und stattdessen das bisherige forderungslose laissez faire Modell kritiklos weiter betreiben zu können. Und das während man den Deutschen selbst den Peter of Colour dafür zuschiebt, dass dieses Modell einfach nicht funktioniert, weil die böse und rassistisch sind. Das Ganze geht dann noch weiter, weil sich daran immer wieder Forderungen anschließen werden, es den Migranten noch kommoder zu machen, noch mehr Diversität einzuführen und noch mehr Kampagnen und staatlich finanzierte Reportagen zu ermöglichen, die ein Bewusstsein und damit die Lösung schaffen sollen.

Letztlich ist es ein selbstreferenzielles System, dass genau dann wieder von vorne in diesen Modus verfallen wird, wenn wieder ein Özil oder eine erdogan-dominierte Türkeiwahl (wenn es eine solche in Zukunft überhaupt noch geben wird) stattfinden, die zeigen dass das Problem mit der Integration durch gute Worte immer noch nicht gelöst ist.

Das Problem also sich von dieser Debatte, vom eigentlichen Thema, Özil und seinen Verfehlungen, und dem Problem mit der Integration, ablenken zu lassen, besteht nicht nur darin, dass das eigentliche Problem aus dem Fokus gerät, sondern dass es eine an sich völlig haltlose Generaldebatte legitimiert, die von vornherein nirgendwo hinführt und nirgendwo hinführen soll, außer zu den Befindlichkeiten derjenigen, die überall Rassismus wittern oder aus taktischen Gründen sehen wollen, ersteres die Grüninnen und Linkinnen, letzeres vor allem der Zentral der dauerunterdrückten Muslime oder die Türkische Gemeinde in Deutschland e.V., zu der man auch noch einige Sachen sagen könnte.

Die Debatte ist völlig haltlos weil sich das Relevante, dass als Kritik an Özil und Gündogan gerichtet wurde, an konkreten Verfehlungen der beiden festgemacht wird, die einmal die Nationalmannschaft und dann ihre Rolle als Vorbilder für Integration tangieren. Die Kritik ist von vornherein nicht rassistisch, weil sich nichts daran richtet, dass sie »braun« sind und selbst auch im Sinne des von den Linken aus dem blauen Himmel erfundenen Kulturrassismus findet diese Kritik eben nicht statt. Wer das ernsthaft vertreten würde, müsste zudem Schluss kommen, dass die beiden jeder Kritik enthoben wären, weil sie Migranten sind.

Die wesentlichen Punkte, die ich schon in meinem Beitrag „Schlandsknechte“ angesprochen habe, sind:

  1. Dass ein Kuscheln mit dem Diktator Erdogan, ob nun rein identitär wie Özil & Gündogan behauptet haben (Herz in der Türkei) oder in Übereinstimmung mit den Werten des Erdogan-Regimes einhergehend, eine mangelnde Distanz zu und eine indirekte Unterstützung des Despoten darstellt, kann man nicht von der Hand weisen.
  2. Ob er damit nun tatsächlich in Distanz zu den Werten der aktuellen Deutschen Gesellschaft steht mal hintan gestellt, bezeugt es auch, dass sie diesem Mann und der Türkei eine größere identifikatorische Bedeutung für sich selbst zumessen als Deutschland und Özil im Speziellen sein Anderssein und seine identifikatorische Distanz zu Deutschland mit dem Nichtsingen der Nationalhymne, stattdessen einem Gebet zu Allah und dem öffentlichen Zelebrieren seines fremden Glaubens deutlich in der Vergangenheit gezeigt hat.
  3. Hierbei ist anzumerken, dass ich in dem o.g. Beitrag bereits herausgestellte habe, dass Deutschland vor allem als der Ort gesehen wird, wo man sich die Brieftasche füllt und wo man als türksicher Siedler in einem bedingunglosen Multi-Kulti-Kosmos vor sich hin existieren gelassen wird und diese Bedingungslosigkeit mit dem, was Deutschland ist, verwechselt wird.
  4. Es aus Punkt 1 und 2 hervorgehend eine Zumutung für Deutschland und die deutschen Fans gewesen, diese beiden Spieler als ihre Vertreter und die ihres Landes in der Nationalmannschaft auflaufen zu sehen. Es ist daher völlig berechtigt gewesen, den Ausschluss oder Rücktritt dieser Beiden zu fordern, die in Distanz zu dem Land stehen, in dessen Nationalkader sie dienen und dessen Werte sie im Zweifel hintan stellen. Wären sie nur Laffel in irgendeinem Bundesliga-Verein, wäre das auch kaum der Rede Wert gewesen aber an Repräsentanten Deutschlands müssen andere Maßstäbe angelegt werden.
  5. Eine besondere Verschärfung dieser Zumutung stellt es denn dar, wenn diese beiden Personen dann dem deutschen Volk als Beispiel für gelungene Integration vorgesetzt werden UND jungen Migranten auch noch als Vorbild dienen sollen, womit dann quasi jedes Bestreben einer echten Integration ad absurdum geführt wird.

Diese ganze Debatte lässt sich freilich nicht ohne den Migrationshintergrund der Beiden führen, denn darum geht es, denn hier entbrennt ja gerade das Problem. Aber nichts darin, weder die Werte- noch die Integration- oder Identifikations-Debatte trug oder trägt rassistische Züge, außer man geht von der Erdogan-Setzung aus, dass Assimilation an sich unmenschlich sei, dann hat aber ein Gerede über eine multikulturelle Gesellschaft letztlich gar keinen Sinn.

Und es hat eben auch keinen Sinn sich auf eine Genereldebatte über Rassismus dort einzulassen, wo er zum Abtarnen eigener Fehler letztlich proklamiert und vorgeschoben wird. Man sollte die Leute, die jetzt in Kommentarspalten, Artikeln, öffentlichen und halb-öffentlichen Redebeiträgen an diesem absurden Narrativ festhalten, mit der gleichen desinteressierten Missachtung begegnen, mit dem man jemandem begegnen würde, der behauptet, die politischen Geschicke würden von Echsenmenschen gelenkt. Das Niveau und der Sinn der Diskussion wären ähnlich fruchtlos.

Es ist zu empfehlen diese Leute in ihrer hilflos autistisch schreienden Echokammer zu belassen, wie Verrückte zu behandeln und mit der Kritik an Özil fortzufahren; sich dem Aufzwingen einer Generaldebatte über Rassismus einfach zu verweigern.

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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