Twitter tötet NPCs | „Ich war auch ein NPC wie du, doch dann bekam ich einen Bann in’s Knie“

Anlässlich meines Twitter-Bannes ein kleiner Kommentar zum NPC-Meme und wie Twitter mit dem Bannhammer gegen diese entartete Memetik vorgeht.

Nun ist es passiert. Jetzt wurde auch mein Account erstmals bei Twitter gesperrt. Eine Erfahrung, die mir andere aufrechte Kritiker, Shitposter und Trolle voraus haben. Ich war stets bemüht zwar mit dem Medium meinen Spaß zu haben, aber auch zugleich einen guten Umgang mit Leuten zu halten. War der Account im vergangenen Jahr ohnehin nur dafür gedacht, dass ich ein paar YouTuber damit ärgere, ist er einem nach über 17k Tweets und dem regelmäßigen Austausch mit den Leuten doch irgendwie ans Herz gewachsen. Umso länger man den Account hat, umso schmerzlicher ist sein Verlust, nicht allein wegen Follower. Ich verliere bspw. damit auch mein Twitter-Handle. Das tut ein bisschen weh, aber der Verlust wäre verschmerzbar gewesen, wäre er gut bezahlt gewesen: mit einem ordentlichen Grind eine Menge Salz farmen, in dem man den üblichen Schreckgestalten der deutschen Alt-Left so richtig auf den Zünder geht. Von der Gender-Aktivisten über gutmenschelnde Mitbürger bis hin zu offen gewaltbejahende und totalitäre Journalisten.

Umso trauriger ist, dass der Account wegen eines Memes sterben musste. Es geht um das sogenannte NPC-Meme. Wem das nichts sagt, das ist nicht schlimm. Das hat erst vor ein paar Tagen in den USA so richtig Fahrt aufgenommen und ist bis auf einige Vorreiter eigentlich nicht großartig nach Deutschland geschwappt.

Ein NPC ist im Gaming-Jargon die Abkürzung von Non-Player-Character, also einen Nicht-Spieler-Charakter. Dabei handelt es sich um all diejenigen Charaktere in einem Videospiel, die nicht vom Spieler oder einem Mitspieler kontrolliert werden, also durch den Computer gesteuert werden. Ihre Persönlichkeit, ihr Verhalten und ihre Dialoge sind entsprechend fest programmiert. Sie haben nur begrenzte Handlungsfreiheit. Ein NPC folgt also seinen programmierten Routinen.

Angesichts der Phrasenhaftigkeit von Äußerungen der Alt-Left-Bubble und deren unkritische und unreflektierte Gefolgsamkeit hinter den von ihnen akzeptierten Ideologien mit einem Hang dazu die Meinungen akzeptierter Wortführer ebenso unreflektiert zu übernehmen und wiederzugeben, haben dazu geführt, diese Art linker Ideologen und Mitläufer als NPC, also nichts anderes als von ihrem ideologischen Programm gesteuerte Drohnen, zu verballhornen.

Eine besondere Ebene: Als eine solche Drohne verfügt der NPC nur augenscheinlich über eine eigene individuelle Idenität und eigene Gedanken, was das Meme entsprechend auf die Schippe nimmt, in dem zwar jeder NPC sich, ähnlich wie Alt-Left-Mitglieder und SJWs, selbst als ganz besonderes Individuum wahrnimmt, dass allerdings geistig identisch und uniform mit seinen Mit-NPCs ist. Deshalb werden die NPCs im Meme mit einem einheitlichen grauen Gesicht und stumpfem, leerem Gesichtsusdruck dargestellt. Das diese Uniformität, wie bei realen SJWs, keine wirkliche abweichende Individualität akzeptiert, ist implizit darin enthalten. NPC agieren wie Borg, geben allerdings vor Individuen zu sein.

Zunächst nutzte man das Meme um Journalisten, Politiker, Aktivisten und Ideologen durch fotoshoppen ihrer Gesichter in NPCs zu verwandeln, später nahm es Rollenspielzüge an. Man legte sich als Twitter-User Profilbilder mit dem NPC-Gesicht und entsprechende Profilnamen zu, um selbst als NPCs aufzutreten und überspitzte Alt-Left Positionen (zum Teil auch reale, denn häufig kann man diese Aussagen kaum mehr parodieren) wiederzugeben, sich in Twitter-Threads von Alt-Left-Aktivisten und Journalisten einzuschalten und dort mit sichtbaren Drohnenverhalten Zustimmung zu signalisieren und sich durch Retweets und Zustimmungs-Tweets gegenseitig in seinen Meinungen und seiner Individualität zu bestätigen.

Als dann erste Kritik am NPC-Meme aufkam, formierte man sich selbst als PoG (People of Gray), was eine Anspielng auf PoC (People of Colour, Farbige und daher unterdrückte Menschen) ist und warf dann sämtlichen Kritikern spiegelbildlich zu deren sonstigen Aussagen Graycism (Anti-Gray Racism) und grayphobia vor. Je nachdem, wie übergriffig man in andere Threads hinein gegangen ist, war es in weiten Teilen trotzdem ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel und ist soweit ich nach Lektüre der Twitter-Regeln beurteilen kann, nach diesen von Twitter offiziell verfolgten Regeln völlig rechtens gewesen. Wenn sich Leute angegriffen fühlen, weil ihren Positionen und Tweets plötzlich zugestimmt wird oder diese retweetet werden, weil ihre eigenen Positionen geteilt werden, dann sollten man sich vielleicht die Frage stellen, wo hier das eigentliche Problem zu suchen ist und ob das nicht schon himmelschreiend absurd ist.

Das, was dieses Meme abseits des Spaßfaktors (als Zuschauer wie als Teilnehmer) so besonders machte, ist die eigentliche Vervollständigung der Echo-Kammer, in dem die Leute, die ihre Parolen sonst nur in die Welt blasen und Journalisten, die selbst die übergriffigsten Aussagen relativieren, nun 24/7 damit revers beschallt wurden und einen Geschmack davon bekamen, wie es normalen Menschen geht, die sich sonst Berichterstattung, ideologische Theorierei und darauf fußende Gehässigkeiten (White Man are trash etc.) sonst auch bieten lassen müssen.
Noch bezeichnender wird es, wenn Twitter dann allerdings anfängt gegen Leute vorzugehen, die diese Positionen verbreiten oder ihnen zustimmen, nicht aber gegen deren Urheber. Vielmehr wird hier gezeigt: Die Ideologie ist unironisch nicht das Problem. Ihr seid es, in dem ihr sie offenkundig ironisch weiterverbreitet.

Nun hat die Twitter-Unternehmensführung – wie der überwiegende Anteil der amerikanischen Digitalbranche – einen linken bis sehr linken Einschlag, allerdings an eine Kommunikationsplattform muss der Maßstab der Neutralität bei der Nachrichtenübermittlung angelegt werden. Die Freie Rede ist zudem in den USA ein Gut von höchstem Verfassungsrang. Es scheint also nicht gereicht zu haben, dass Twitter erst vor kurzem einen großangelegten Skandal am Hacken hatte, als es um das Shadowbanning und Zurückhalten von konservativen Accounts ging. Eine Praxis die scharf kritisiert wurde.

Ging es da wiederum um „Vergehen“, die man, wenn man dem Konservativen nicht zugeneigt ist, als Hatespeech bewerten kann, ist das Vorgehen von Twitter im Fall der Sperrung von Accounts wegen des NPC-Memes ein letztgültiges Eingeständnis, dass bei Twitter bezüglich der Anwendung von Sanktionen Willkür herrscht. Etwas das die meisten Twitter-Nutzer ohnehin schon wussten, dass sich hier aber besonders pointiert darstellt.

Ein Twitter-Nutzer schließt wie der Nutzer eines jeden Dienstes, einen Nutzungsvertrag. Dieser ist allerdings nicht einseitig sondern gegenseitig. Der Nutzer verpflichtet sich bspw. zur Anerkennung der geltenden Plattformregeln und erklärt sich bereit dazu entsprechende Daten mit dem Unternehmen zu teilen. Dafür ist ihm allerdings eine störungsfreie Nutzung der Plattform zugesichert. Um allerdings die Regeln befolgen zu können, müssen diese verbindlich bekannt gemacht sein. Es ist das Zeichen von Willkürregimen (letztlich auch ein Merkmal des Faschismus, am Rande gesprochen), dass Regeln/ Gesetze schwammig oder gar nicht formuliert sind, damit der Nutzer/ Bürger in einer ständigen Unsicherheit darüber gehalten werden, was sie tun und was sie nicht tnn dürfen.

Das führt zur NPC-Problematik zurück. Die Sperrung wird einfach lapidar mit einem Verstoß gegen die Twitter-Regeln begründet. Eine Spezifikation findet nicht statt. Eine Meldung gab es vermutlich auch nicht. Es gibt für dieses spezielle Meme natürlich keine spezielle Regel, aber es gab auch keine Verlautbarung von Twitter dazu, dass die Nutzung von Profilbild und Profilname zur Teilnahme an dem Meme verboten wäre. Wer auch immer aus Spaß, Solidarität oder um halt beim Trend mitgemacht zu haben, sein Profilbild und seinen Namen dem NPC-Meme angepasst hat, konnte damit ohne sich weiters etwas zu Schulden kommen zu lassen, auf der Bannliste landen.

Eine offizielle Warnung gab es dazu auch nicht. Warnungen in der Community gab es dann eher im englischsprachigen Twitter. Wegen der überschaubaren Größe im Deutschen Raum war ich bspw. bis kurz vor dem Bann ahnungslos.

Wie weiter oben beschrieben, verstößt, wenn man es nicht übertreibt, auch das Postingverhalten nicht grundsätzlich gegen die Twitter-Regeln und wie Sperrungen in unserer deutschen Gruppe zeigen, waren auch Accounts betroffen, die im Zusammenhang mit dem Meme aus Spaß allein mit anderen Meme-Accounts interagiert haben, also es damit auch keine sonstwie geartete „Bedrängungssituation“ gab. Zudem waren andere Accounts, die ebenfalls mitgemacht hatten und sich in die Interaktionen eingebracht hatten, nicht betroffen, wohl weil sie einen Tag später Profilbild und Namen wieder wechselten. Es geht hier also nachweislich nicht um konkrete Tweets sondern um Äußerlichkeiten.

Nennen wir das Kind beim Namen: Es gibt und gab offenbar nie eine Einzelfallprüfung sondern hier wirkt im Hintergrund scheinbar ein Algorithmus, der die Profilbilder nach Ähnlichkeiten untersucht und anschlägt, wenn dazu im Profilnamen „NPC“ vorkommt. Ob es dann noch jemanden gibt, der die Sperrung manuell bestätigt oder nicht, ist hier egal, da offenbar das sonstige Postingverhalten des Users nicht einbezogen wird (ich bspw. habe durchgängig auch während ich Profilbild und Name geändert hatte, nach wie vor weiter getwittert wie sonst auch). Das Verfahren an sich gäbe allein schon Grund genug für massive Kritik. Was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist das hier keine Sperrungen über Zeit verhängt werden bspw. ein oder zwei Wochen bis sich das Meme, wie das immer passiert, spätestens totgelaufen hat, sondern gleich eine komplette Sperre auf unbestimmte Zeit verhängt wird, die Twitter mit der Anzeige „ ist momentan gesperrt“ auch noch zynisch verschleiert, denn offenkundig ist eine Wieder-Freischaltung des Accounts nicht vorgesehen.

Ich habe jetzt noch einen Einspruch anhängig, weil ich wirklich ein bisschen an dem Account hänge, aber ich mache mir angesichts der Erfahrungen anderer aus der Vergangenheit wenig Hoffnung. Wenn nach der Schließung der Twitter-Hauptstelle in Deutschland und dem Personalabbau überhaupt noch jemand da ist, der den Einspruch sinnvoll bearbeiten kann. Tja bei so einem tollen Regelmanagement fragt man sich, warum Twitter hierzulande nicht mehr Kunden für sich gewinnen konnte.

Was Viele im Grunde für Europa mit der Einführung des NetzDG und der DSGVO befürchtet haben, exekutiert Twitter jetzt in den USA schon ganz von selbst: Hier wurde ein Meme zu entarteter Memetik erklärt und wird rigoros durch ein soziales Netzwerk bekämpft.

Deshalb bleibt kritisch und aufmerksam und ehret die Grauen, die für euch starben, denn es kann in Zukunft auch euch treffen:

„Ich war auch ein NPC wie du, doch dann bekam ich einen Bann in’s Knie“


Update 1: Als ich den kleinen Verweis zum Faschismus brachte, war ich mir nicht sicher, ob ich nicht zu dick auftrage. Allerdings habe ich festgestellt, dass Tweets von gesperrten Accounts scheinbar auch nicht mehr bei Twitter angezeigt werden. Die Nähe zum „Vaporisieren“ aus Orwells 1984, oder altertümlicher der damnatio memoriae, liegen nah. Jetzt halte ich die Aussage für berechtigter.


Update 2: Natürlich hat das NPC-Meme noch eine Vorgeschichte, die ich allerdings hier weggelassen habe, weil es mir um den politischen Aspekt des Memes ging. Ursprünglich entstand das Meme im Zusammenhang mit einem Bericht wonach ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung angeblich keinen inneren Monolog, keine innere Stimme haben soll. Was wohl den meisten als Zeichen eines selbstständigen Denkprozesses gilt und man sich daher scherzhaft fragte, ob diese Leute vielleicht NPCs sind.

Hier noch einmal eine Kurzzusammenfassung von „Know your Meme“ über die genaue Entwicklung:

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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