Martin Sellner und die Jugendsünden

Eine 13 Jahre alte Jugendsünde wird jetzt gegen Sellner im Zuge der Terror-Ermittlungen in Stellung gebracht. Christchurch ist längst egal, es soll nur soviel Schmutz am „gefährlichsten Mann Österreichs“ hängen bleiben, dass er für die Öffentlichkeit desavouriert ist. Doch Sellner hatte schon vor zwei Jahren Stellung zu seiner Vergangenheit genommen.

Ich will das hier kurz halten und den Kommentar vor allem mit Zitaten beschreiben. Wie es mich gerade auf YouTube erreichte, wurde die Geschichte von Martin Sellner und seiner unrühmlichen Vergangenheit in Österreichts altrechter Szene nun ausgegraben, um dort weiter zu machen, wo man mit aktuellen Erkenntnissen nicht weiter kommt. Hieran zeigt sich einmal zweierlei. In Sachen der „internationalen rechtsextremen Netzwerke“, die diesen Terroranschlag möglich gemacht haben, kommt man bei ihm nicht weiter, weil die Sache von vornherein lächerlich war, weil schon der Ausgangsverdacht auf einer Geldspende und einer Dankes-Email + Videoempfehlungen lag, nichts was den Rahmen eines üblichen Influencer-Kontaktes gesprengt hätte.

Es ist ganz klar, was hier versucht wird: Neuseeland ist den Leuten egal, es geht darum dies als Vorwand zu benutzen, um die IBÖ (ggf. auch kommend noch die IBD) zu demontieren oder zumindest ihren wichtigsten Frontmann zu erledigen, in dem man ihn medial ausreichend mit Schmutz bewirft, sodass genug hängen bleibt und egal was er sagt, dann durch die Herrschaft des Verdachts, in den Bereich der rechtsextremen Chiffren verschoben wird. Alles Gesagte ist dann nur mehr Tarnung für ein in einer neo-faschistischen Machtübernahme gipfelnden Versuch den Diskurs zu den eigenen Gunsten zu wenden.

Also hat man jetzt eine alte Strafsache ausgegraben, der man Martin als Jugendlicher überführt hat und tut so als wäre das eine große Neuigkeit, obwohl Martin, soweit finde ich das glaubhaft und reflektiert schon vor zwei Jahren ausführlich Stellung zu seiner politischen Vergangenheit genommen hat. Zu sehen hier:

Und die Schlussfolgerungen, die er seitdem gezogen hat, die Veränderungen in seinem Weltbild bekräftigt er hier auch noch einmal in einem aktuellen Kommentar:

Liebe Presse ihr seid demnach zwei Jahre zu spät und man riecht leider eure Verzweiflung.


Das ganze ist aber natürlich nicht nur pure Verzweiflung. Es hat insofern System, dass man rechten Menschen eine Gesinnungsänderung weder zutraut, noch sie deshalb für rehabilitierbar hält. Im Gegenteil. Eher wird nur der Rechte zurück in die Familie der Demokraten aufgenommen, der dann in einer 180° Wende umkippt, zum linken Antifaschisten wird und damit zu einem nützlichen Zeugen, der dann aus eigener Erfahrung erzählen kann, wie blöd er und geistig degeneriert die ganzen Rechten alle sind. Abseits von geistiger Flexibilität Jugendlicher, die schnell auch ihre politische Heimat wechseln können (freilich in den meisten Fällen ohne scheinbar großartig jemals über ihre Ausrichtung reflektiert zu haben) zeigt sich eben in diesen Fällen eine gewisse weltanschauliche Beliebigkeit, die mehr auf Stimmungen beruht, weniger auf kalkuliertem Setzen von Wertesystemen. Das man einem Alt-Rechts-Aussteiger vorwirft, immer noch rechten Wertesystemen anzuhängen, obwohl er sich von der Alt-Rechten und ihrer Gedankenwelt verabschiedet hat, ist deshalb geistig ziemlich arm, so als müsste man direkt anfangen den ganzen eigenen Wertehorizont zu verleugnen, wenn man politische Vernunft erfährt.

Dazu muss man sagen, dass Martin völlig Recht damit hat, was die konkrete politische Betätigung anging und vor allem ein unangepasstes politisches Vorfeld, wenn man patriotische Politik machen oder unterstützen oder nationale und konservative Werte hochhalten wollte. Eine Jugendbewegung gab es dafür lange Zeit nur in den Skin-Szenen, eine politische Partei zumindest dem Namen nach „nationalen“ Programm bei solchen braunen Kot-Parteien wie der NPD. Die CDU, einschließlich der Jungen Union war spieißig, bieder und langweilig, praktisch all das, was Gift für eine Jugendbewegung ist und die Partei damit beschäftigt nationales Lametta auszustreuen, während man sich gegen anti-nationale Affekte in der gesammelten Linken nicht wehrte. Insofern mag man dankbar dafür sein, dass es endlich die IB und die AfD gibt, die die Lücke national füllen und zugleich ein klares Bekenntnis zur Demokratie mitbringen. So sind faschistische Kameradschaften und ähnliche Gruppen darauf angewiesen tatsächliche Faschisten zu finden und können nicht einfach mehr national Bewegte Jugendliche anlocken und zu Faschisten umerziehen.

Der letzte Punkt und das wird sich hier an dieser 13 Jahre alten Nummer mit Sicherheit zeigen, sobald die Sau erstmal gründlich durch die Presse getrieben worden ist, man wird Rechten in der Regel nie (es sei denn sie kippen ins radikale Linke Millieu um) den Kredit zuzugestehen, Fehler gemacht und sich resozialisiert oder rehabilitiert zu haben, anders als man es bei extremistischen und radikalen Linken täte, wie einem Außenminister Fischer als besonders handgreiflichen Beispiel. Den Grund haben die Salonkolumnisten damals in einem sehr guten Beitrag anlässlich der G20-Demonstrationen, wie ich finde, ganz gut beschrieben: Bürgerliche Linksradikale.

„Auch ein weiterer Aspekt fällt seit Hamburg unter den Tisch: Die Nachsicht mit den linken Gewalttätern ergibt sich aus ihrer Herkunft. Sicher, es gibt Grüne, Linke und sogar vereinzelte Sozialdemokraten, die eine gewisse politische Nähe zu Autonomen und anderen Linksradikalen haben. Eine Nähe, die mit der Romantisierung der eigenen Jugend zu tun haben dürfte. Aber wichtiger noch ist das Wissen um die eigene Biografie. Viele, vor allem bei den Grünen, die Verantwortung tragen oder trugen und deren politische Laufbahn noch nicht in den Hinterzimmern von Kreisverbänden und Fraktionen begann, gehörten selbst einmal zur radikalen Linken: […]“

[…]

„Sie eint das Wissen, dass nach einer radikalen, ja auch militanten Jugend, nicht nur die Möglichkeit besteht, sich wieder in ein bürgerliches Leben zu integrieren, sondern auch beeindruckende Karrieren zu machen – und dass diese Möglichkeit wohl in vielen Fällen am Anfang einer Deradikalisierung stand. Sicher, Aussteigerprogramme für Linksradikale werden kaum genutzt, aber sie sind auch nicht nötig. Aussteigerprogramme für Rechtsradikale sind in der Praxis weniger politisch denn sozialarbeiterisch angelegt: Es ist eine Legende, dass Nazis, die sich aus der Szene zurückziehen, oft bedroht werden. Sie haben andere Probleme, die in den Programmen gelöst werden sollen: Wie kann der fehlende Schulabschluss nachgeholt werden? Wie lässt sich ein Ausbildungsplatz finden? Es geht zumeist um eine Stabilisierung der Lebensverhältnisse der Aussteiger, um einen Rückfall zu verhindern. Bei Linksradikalen, die mit der Szene brechen, ist das nicht nötig: Sie gehen einfach wieder oder weiter zu Uni, jobben als Studenten oder genießen die finanziellen Zuwendungen, die für Kinder aus bürgerlichen Verhältnissen weitgehend normal sind.“

 

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Über Seldis

Ich bin ein politischer Denker auf der Suche nach neuen, positiven Interpretationsweisen nationalen und nationalistischen Denkens. Diese theoretische Denkschule soll einerseits wiederbelebt andererseits in Anknüpfung auch an frühere theoretische Konzepte und Modelle vom Ballast übersteigerten und extremistischen Denkens des Nationalsozialismus befreit werden. Mein Ziel hierbei soll es sein eine patriotisch-nationale Perspektive als Alternative zum ewiggestrigen Denken neonazistischer Gruppen zu eröffnen. Ich würde mich in diesem Kontext selbst als Linksnationalist bezeichnen wollen.
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