LBM 2018 Teil 2: Vor Ort bei der Dunkelmesse

Am Messe-Samstag der Leipziger Buchmesse war ich selbst vor Ort und habe neben einem schönen Messetag auch die Vorgänge bei den Veranstaltungen von Antaios und Compact auf den Nachmittag erlebt. Ein Bericht.

Am Messe-Samstag der Leipziger Buchmesse war ich selbst vor Ort und habe neben einem schönen Messetag auch die Vorgänge bei den Veranstaltungen von Antaios und Compact auf den Nachmittag erlebt. Ein Bericht.

Es ist Samstag, der 17.03.2018 und ich bin vor etwa einer und einer halben Stunde von der Leipziger Buchmesse zurückgekehrt, habe gegessen, meine Freunde verabschiedet, die so freundlich waren, mich nach Leipzig mitzunehmen und dann noch eine erfrischende Dusche zu nehmen, nachdem man sich durch die schwitzigen Besucherwellen hat treiben lassen und gegen Abend eingekesselt wurde. Ich weis noch nicht, wohin mich dieser Beitrag hier schlussendlich führen wird, aber natürlich ist der Grund zu schreiben, vor allem wieder etwas Politisches. Neben dem reinen Messebesuch, den ich traditionell so gut wie jedes Jahr abhalte, stand nach den Ereignissen von Frankfurt im letzten Jahr für mich auf dem Programm auch den Antaios Verlag zu besuchen, mit den Leuten ein wenig zu sprechen, mir eine Neuerscheinung zu kaufen, Bücher signieren zu lassen und Vorträge anzuhören. Was man als Messebesucher, der nicht nur für das Feeling und die Cosplayer da ist, eben so tut. Natürlich auch bei anderen Verlagen, aber da ging es dann um unkontroverse Belletristik 😉

Es standen ja schon Probleme zu erwarten, obwohl ich doch Hoffnung hatte, dass es diesmal gesitteter ablaufen würde, weil zumindest vom Messe-Freitag keine Übergriffe oder sonstigen Erbaulichkeiten gemeldet wurden, wie wir sie in Frankfurt schon in der ersten Nacht hatten. Zumindest war davon nichts an meine Ohren gedrungen. Aber gehen wir der Reihe nach.

Durch das winterliche Sachsen

Da es gegen Mittag immer etwas ungemütlich wird, wenn die großen Besuchermassen so ein bis zwei Stunden nach der Öffnung der Messe langsam eintrudeln, die Kassenschlangen lang und die Hallen schnell sehr voll werden, haben wir uns eigentlich relativ früh verabredet. Meine Freunde wegen der größeren Distanz noch etwas früher, mich hat man dann auf halber Strecke aufgegabelt und wir waren, obwohl wir wussten, dass es Schnee gab und es bei uns selbst dezent geweißt hatte, doch sehr überrascht, wie sich die Situation in Sachsen schließlich gestaltete. Der Schneedienst war wohl unterwegs gewesen, aber der herrschende Wind, hatte von den Feldern links und rechts der Straßen beste Angriffsmöglichkeiten um direkt wieder alles zuzuwehen. Wir arbeiteten uns also durch das aufgebäumt-winterliche Sachsen, an sich ein schöner Anblick, bestes Weiß, viel Schnee, eine sehr schöne Winterlandschaft, die man so diesen Winter sehr vermisst hat und die unterwegs auch von Kindern und jungen Familien mit lächelnden Gesichtern genutzt wurde.

Da wir aber zur Leipziger Messe wollten, mussten wir uns mit dem Kleinwagen aber reichlich mühen. Über manche Straßen kam man gar nicht, weil der Schnee eben wieder so hochgeweht war, dass wir einmal steckenblieben und als wir uns später auf einer ähnlichen Straße in der Spurrinne eines Vorfahres hielten, die ständige Angst im Nacken hatten, dass wir einfach Stecken- oder Liegenbleiben könnten. Auf der Autobahn hatte es Unfälle gegeben, also war die wegen Staugefahr keine Option. Wir waren schon froh, dass wir mit Taucha schließlich die äußeren Randbereiche von Leipzig erreicht hatten und dann bald an der glücklicherweise auch am Stadtrand gelegenen Messe anlagten, wo das Wetter das Einparken noch etwas erschwerte. Sonst reise ich eigentlich per Zug über den Leipziger Hauptbahnhof zum Messegelände an. Das wäre diesmal wohl kapital schiefgegangen. So wie ich gehört habe, musste der Bahnhof zeitweise geschlossen werden und es fuhr nichts zum oder vom Messegelände auf dieser Route.

Als wir diese Widrigkeiten hinter uns hatten, ging es dann über das nach wie vor schöne Außengelände, das selbst geweißt noch einigen Charme versprühte, auch wenn es bitter kalt war und mir Respekt vor so manch freizügig gekleidetem Cosplayer bereitete, der dem Wetter zumindest draußen trotzte. In den Messehallen kann man ja immer froh sein über ein bisschen Frischluft von außerhalb der Hallen, insbesondere in geschlosseneren Kostümen. Man muss aber auch sagen, dass mir ein solches Wetter zur Leipziger Buchmesse bisher unbekannt war. Es gab ja sogar Jahre, da konnte man schon mit T-Shirt und ggf. nur einer leichten Jacke kommen. Was aber auch ungewöhnlich ins Auge fiel, war die scheinbar erhöhte Sicherheit. Es kann sein, dass im letzten Jahr, wo ich der Messe aus terminlichen Gründen fernbleiben musste, man auch schon Taschenkontrollschleusen vor den Hallen eingerichtet hatte, für mich war es auf jeden Fall neu. Taschenkontrollen gab es zwar in den letzten Jahren schon, aber in den Hallen und nicht so groß anberaumt. Auch wenn man drüber streiten kann, ob das Teil einer Sicherheitsstrategie wegen der politisch „kontroversen“ Inhalte sein sollte, das erhöhte Security-Aufgebot in den Hallen und der Einsatz von Polizei war es mit einiger Sicherheit, zumal deren Präsenz in Halle 3, wo man die rechten Verlage platziert hatte, aber auch ARD und Die Zeit ihre Flaggschiffe geparkt hatten, auffällig höher war.

Letzlich kamen wir um einiges später an, als ursprünglich geplant und reihten uns dann eben doch während des Mittagsansturmes an den Kassen ein. Es ging auf zwölf Uhr zu, als wir die Schranken passierten und feststellen mussten, dass der direkte Weg in die große Glashalle wegen Überfüllung erst einmal gesperrt war. Wir bogen daher erstmal zu den Seiten hin ab und kamen so direkt, unintendiert in Richtung Halle 3. Da ich mir die neue große Antaios-Publikation holen und signieren lassen wollte, fand ich die Zeit, so gut, eigentlich auch besser, als jede andere. Dann war das direkt erledigt und man hatte dann noch den ganzen Nachmittag bis gegen Abend dann die zwei angekündigten Vorträge stattfinden sollten.

Ich trennte mich daher erstmal von meinen beiden Begleitern, die eher links eingestellt sind, sich aber für politische Sachbücher auch nicht großartig interessieren und schon mal weiter in Richtung Comic/ Manga schauen wollten, während ich der Dunkelmesse einen Besuch abstattete, um zu erledigen, weshalb ich gekommen war und vielleicht noch etwas mit den Autoren zu sprechen und mir ein Bild der Lage zu machen.

In der hinterletzten Sudelecke sich gut präsentieren

Es ist ja nun bekannt, dass die Junge Freiheit, auf ihre Außenwirkung bedacht, abgelehnt hatte, sich an dem zugewiesenen Eck zusammen mit der Verfassung gegenüber fragwürdig eingestellten Vertretern aus dem rechten Spektrum, wie der NPD, platzieren zu lassen, aber die Location allein konnte man auch schon als eine gewisse Frechheit empfinden. Auch wenn der Compact-Stand versuchte Größe auszustrahlen, konnte man kaum umhinkommen, den ganzen Ort rein optisch als abgelegene Schmuddelecke wahrzunehmen. Die wenigen rechten Verlage (laut Hallenplan müssten es gerade fünf gewesen sein) wirkten, das soll nicht despiktierlich klingen, zusammengewürfelt und abgeschlagen, auch wenn sich Compact und der etwas bescheidenere Antaios-Stand herausgeputzt hatten und sonst einen guten Eindruck machten. Das Eck lag ausgehend vom Hauptzugang Glashalle, in einer der hintersten Ecken direkt neben einem Imbiss-Bereich, wo der messeinterne Imbiss nicht besetzt war und neben einem geisterhaften Platz mit Stehtischen nur ein Imbisswagen mit Süßspeisen die Stellung hielt. Daneben war, immerhin, mit etwas Abstand der Gebrauchtbuch- und Antiquariatsverkauf, dem konservativen Anliegen durchaus angemessen. Unterhalb davon hatten in einem Bereich mit vielen kleinen Ausstellungsflächen Künstler ihren Standort bezogen. Häufiger sah man dort #verlagegegenrechts ausgehängt. Die Gesinnungsmahner waren also in Sichtweite. Auch wenn es hieß, dass selbsternannte Aufklärer Besucher des Antaios-Standes mit Infomaterial konfrontieren würden, war davon zumindest nichts zu sehen, als ich dort anlangte.

Zwar gab es eindeutig Leute vor Ort, die man wohl zur Störungsprävention seitens des Verlages mitgebracht hatte und die vorbeiziehende Besucher immer etwas argwöhnisch musterten, war die Atmosphäre, wenn man an den Stand herangetreten war und das Gespräch suchte, offener und freundlicher, auch wenn man merkte, dass die Nerven etwas blank lagen. Auch hielten die Kassiererinnen der Messe, die vor Ort gekaufte Bücher direkt verrechneten, etwas Abstand zum rechten Verlagsstand, was aber auch an dem steten Besucher-Flow lag, der vorbeischaute, länger für Gespräch blieb und die ausliegenden Kaplaken oder Neuerscheinungen in Augenschein nahm. Zu dem Zeitpunkt war das aber alles noch harmlos und es hatte offenbar auch keine Anschläge auf Auslagen oder Stand von Antaios im Stil der Frankfurter Messe gegeben.
Das Motto blieb aber das Gleiche: Über Rechte (schlecht) reden, ein Selbstgespräch innerhalb eines linken Kreiswiches halten. Offenbar fanden im Rahmen der Messe zu dem Thema ja einige Diskussionsrunden schon statt, denn schließlich musste sich ja die Messe irgendwie von der Gesinnungssünde reinwaschen, die Rechten nicht ausgesperrt zu haben. Zwar soll es wohl immer wieder darum gegangen sein, mit den Rechten zu reden, ihre Argumente und Inhalte zu konfrontieren, aber bei dem Vorsatz blieb es. Oder besser bei dieser Selbst- und Publikumstäuschung. Um Dialog geht es ja ohnehin nicht, sondern um Widerlegung, um Therapierung, wie Lichtmesz/ Sommerfeld in der großen Neuerscheinung der Frankfurter Messe im letzten Jahr – „Mit Linken leben“ – schon analysiert hatten, aber selbst die Therapierung des Patienten sollte in absentia stattfinden. Mit Rechten wollte man reden, doch der Antaios Verlag oder Vertreter anderer Verlage, aber ich nehme mal Antaios als Beispiel, weil diese einen Dialog ja mehrfach und ausdrücklich angeboten hatten, war zu keiner Veranstaltung mal als rechter Vertreter geladen. Was natürlich Kubitschek oder Lichtmesz nicht davon abhielt, sich die Vorträge trotzdem als Publikum anzuschauen und sich dann auch sichtbar zu machen, wenn es mal wieder von der Bühne hieß, dass die Rechten ja nicht reden wollten. Etwas das natürlich nichts fruchtete. Das habe ich natürlich aus dem Mund von Antaios, aber ich hab ehrlich gesagt keinen Grund daran zu zweifeln, dass es sich so auch zugetragen hat. Das Bild würde mit dem übereinstimmen, das diese Diskussionsrunden auch schon in Frankfurt oder in entsprechenden anderen Kulturformaten von sich gezeichnet hatten.

So an sich war es aber ein netter Besuch des Standes. Auch wenn ich mich ärgerte, dass sich Martin Sellners Besuch der Messe auf den Sonntag verschoben hatte, wollte ich mir wenigstens die Veranstaltungen am späten Nachmittag noch anschauen.

Die wohl noch größere Zumutung des Standortes war nämlich der vorgesehene Diskussionsraum. Der lag schräg gegenüber des Antaios Standes war aber keine offene (kleine) Bühne, sondern kaum mehr als ein mit Aufstellern abgegrenzter Verschlag (nur etwa doppelt so groß wie der Stand von Compact) mit zwei engen Zugängen in dem ein paar wenige Stühle und eben ein kleines Podium Platz fanden. Hier sollten die drei rechten Vorträge (zwei von Antaios, einer von Compact) stattfinden. Ich notierte mir vom ausgehängten Plan die Zeiten und war schon etwas skeptisch, was den Platz anging, aber bisher war es nie ein Problem gewesen zu stehen oder sich auf den Boden zu setzen, wenn nötig. Das war auf der ohnehin lockeren LBM eigentlich normal, gerade wenn man zufällig auf eine interessante Lesung oder einen Vortrag stieß und sich eben zwangslos dazu gesellte. Dennoch war das angesichts einer erwartbar größeren Zuschauerzahl und der möglichen Gefahr von Ausschreitungen, ein denkbar ungünstiger Raum für einen solchen Vortrag, auch wenn er praktisch nebenan lag.

Angesichts dieser Zustände, dieser Abfertigung in der hintersten Ecke und der Tatsache, dass sich hier gerade einmal fünf rechte Verlage (von denen die ein oder anderen radikaler sind, als es einem guten Demokraten erträglich erscheint) mit manierlichen aber bescheidenen Ständen eine Aufwartung gaben, erscheinen die Diskussionen, die Aktionen, das Trara im Vorfeld umso lächerlicher und übertriebener, als würde man mit Atomsprengköpfen auf Spatzen schießen. Es gab keine einpeitschenden politischen Reden, keine Bierkeller-Stimmung (auch bei den Vorträgen später nicht) es gab eher intellektuelle, ruhige Gespräche und auf den ruhigen Vor- und Nachmittag so etwas wie Normalität. Die Aufregung ist schlichtweg unverständlich, wenn man nicht selbst in Begriffen von akzeptablen Meinungen denkt und Meinungsfreiheit klein und Meinungskorridore eng halten will. Die politische Normalität eines vollständigen Meinungsspektrums auch mit einer rechten Seite und Verlage die sich deshalb diese Selbstverständlichkeit nicht nehmen lassen, erscheinen scheinbar allein so gefährlich, dass ein Quäntchen von fünf Ausstellern ausreicht, dass das gesellschaftliche Establishment die Maske der Toleranz fallen lässt und die Fratze totalitärer Hegemonie sehen lässt.

Die Ausgesperrten

Nachdem das mit den Terminen geklärt war, verließ ich dann Halle 3 um meine Freunde zu suchen und wir verbrachten den Nachmittag damit unsere Lieblingsverlage abzuklappern und sonst das Messeangebot wahrzunehmen, zu essen zu trinken und Nippes aus der Manga-Halle zu kaufen. Details, die ich hier an der Stelle aussparen werde, weil sie wohl nicht interessant sind. Es ging schon auf 16:00 Uhr zu, als wir dann nach einer großen Runde endlich in Halle 5 ankamen, wo neben Selfpublishing und kleinen Verlagen auch linke Verlage, Zeitschriften, etc. in etwas größerer Zahl untergebracht waren. Man muss wohl kaum erwähnen, dass es hier zu keinen rechten Störungen oder Protesten kam. Das dennoch zu berichten, erscheint angesichts der gleich folgenden Szenen für mich aber wichtig zu sein. Da der erste Vortragsblock 16:30 starten sollte, blieb mir leider nicht die Zeit, die ganze Halle in Augenschein zu nehmen, bat meine Freunde mir eine dieser netten großen Taschen von der Eulenspiegel Gruppe mit dem Konterfei von Karl Marx, die mich schon den ganzen Tag über angelächelt hatten. zu besorgen und machte mich schonmal in Richtung Halle 3 und Antaios davon, um nicht zu spät zum Vortragsbeginn zu kommen und vielleicht noch einen Sitzplatz zu bekommen.

Das blieb aber eine völlig irrige Hoffnung. Es muss wohl schon gegen 16:15 gewesen sein, als ich dann das Vortrags-Kabuff erreichte und es hatte sich schon vor einem der beiden Zugänge eine kleine Menschentraube versammelt, die nur noch wachsen würde. Das waren einerseits auch einige, im späteren Vergleich wenige Menschen, die den Vortrag besuchen wollten, und einige andere Gestalten. Der Zugang zum Vortragsraum war von Security-Personal abgeschirmt worden. Es war kein Hineinkommen. Ich will an der Stelle wiedergeben, was ich über die Vorgänge von den Umstehenden hier und später nochmal beim Stand von Antaios erfahren habe. Da die ganze Zeit über Vorträge und Lesungen in dem abgegrenzten Raum stattfanden, gab es natürlich vorher schon Fluktuation bei den dortigen Gästen und Zuhörern. Offenbar, so wurde es mir zugetragen, hatten sich bereits Aktivisten unter die Zuhörer des voran gegangenen Vortrages gemischt und weigerten sich nun zu gehen, um damit die Plätze und somit das Kabuff faktisch zu blockieren. Natürlich kann man die Störabsicht nicht nachweisen, es sind ja streng genommen reguläre Zuhörer und man kann nicht nachweisen, dass sie nur da sind, um wirklich interessierten die Plätze zu nehmen. Da der Raum wie gesagt keine offene Bühne sondern eben räumlich umzäunt und begrenzt war, durften allein schon aus Sicherheitsgründen nur eine bestimmte Anzahl an Personen sich darin aufhalten. Die wirklichen Zuhörer waren faktisch ausgesperrt. Herr Kubitschek hatte in Verhandlungen zumindest durchgesetzt, dass 15 weitere, ausgewählte Zuschauer zugelassen wurden. Immerhin. Mehr war scheinbar nicht zu machen. Der Vortrag zum Erscheinen der Neuen Ausgabe des rechten Magazins Sezession mit einem Gespräch zwischen Kubitschek und Benedikt Kaiser, begann dann mit Verspätung. Draußen hörte man wegen der aufgestellten Wände und wegen der sich verschlechternden Geräuschkulisse so gut wie nichts.

Ich hatte ja erwähnt, dass sich eine stetig wachsende Traube gebildet hatte. Tatsächlich war ein relativ kleiner Anteil davon ausgesperrte Interessenten, etliche waren auch gegangen, als klar wurde, dass hier nichts mehr gehen würde. Zunächst standen da auch noch andere und viele junge Leute, denen man aber dann doch sehr bald an ihrem schäbig erfreuten Grinsen und schnippischen Antworten anmerkte, dass sich hier die Antifa, die Störerfraktion auf Mobstärke brachte, um dann schließlich loszuschlagen. Als offenbar genug zusammen gekommen waren, rückte man ein Stück zurück, die Ausgesperrten waren jetzt wie in einem Kessel eingekeilt zwischen dem Kabuff, in dem Kubitschek und Kaiser ihren Vortrag zu halten versuchten und einem Pulk aus Antifanten die mit den üblichen Parolen („Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ ; „Say it loud, say it here – Refugees are welcome here“ ; „Deutschland ist scheiße – ihr seid die Beweise“) Stimmung machten, während es Rufe in das Kabuff hinein gab, dass Kubitschek Wein im Hirn habe und die Fresse halten solle. Man hatte eine aufgepeitschte Menge hinter sich; im Parolen-Modus – Gespräch, Deeskalation sinnlos, mit der Absicht zu stören. Sie saßen uns direkt im Nacken und beschimpften die Veranstalter und uns verhinderte Teilnehmer als Rassisten, Faschisten und Nazis. Es gab direkt an der Absperrung, am Zugang zum Kabuff später eine knappe Rangelei mit zwei linken Personen, die dann abgeführt wurden und wie ich erfuhr, wurde wohl versucht auch Kubitschek auf der Bühne zu attackieren, aber an sich blieb die Stimmung zwar seitens der Antifa aggressiv, aber ging ohne großartige Gewalt(versuche) ab. Auch wenn es zunehmend mittendrin unangenehm wurde, aber die Antifa es schwer machte, sich zu entfernen und darauf noch hämisch und bösartig reagierte. Polizei hatte sich inzwischen eingefunden, um das Ganze abzusichern.

Inmitten des keifenden Pulks

Anders als in Frankfurt waren IB-Aktivisten (wie erwähnt Sellner würde erst morgen kommen) nicht direkt bzw. in kleiner Zahl vor Ort, deshalb hielt sich aktivistischer Widerstand in Grenzen und auch Kubitschek hatte wohl gebeten darum, sich ruhig und gesittet zu verhalten, man beschränkte sich auf Schilder, die vorher am Antaios-Stand gehangen hatten und die Enge des Meinungskorridors – zurecht – beklagten. Einige ältere Leute filmten die Vorgänge in einiger Entfernung zu mir, soweit ich das sehen konnte, freuten sich scheinbar darüber, dass sie was ins Netz stellen könnten. Ob man sich freuen muss ist fraglich, aber es ist wohl auch wichtig, dass die Vorgänge dokumentiert werden, auch von unserer Seite, obwohl die Antifa auch reichlich filmte und Fotos machte. Feindanalyse und Anprangerung vermutlich.
Ich will aber nicht verschweigen, dass es trotz des hehren Wunsches, auch verbale Gegenreaktionen gab, die unschön waren und die auch als sinnlos und vor allem auch übergriffig ablehnen muss, für die aber auch eine Frau Kositza, mit der ich das Vergnügen hatte, später am Stand ein paar Worte zu wechseln, auch Ablehnung übrig hatte. So hatte sich ein mittelalter Herr mit einem Schild untergemischt, auf dem Antifa als Inzest-Kinder bezeichnet wurden und der es sich nicht nehmen ließ, die Anwesenden Demonstranten als Parasiten, faule Studenten und Zecken zu beschimpfen, wobei ihm ein hochgewachsener glatzköpfiger Mann später assistierte und ein anderer aus dem Hintergrund mit eigenen Parolen antwortete.
Wie ich gerade bei der Überarbeitung des Artikels in einem Bericht von der Messe lese, war die Gestalt mit dem Schild wohl ein gewisser Sven Liebig, der wohl Mitglied bei Blood & Honour, einer bekannten rechtsextremen Gruppe, sein soll. Das ist wieder so ein Moment, wo man sich fragt, ist es gut, dass man so ein Pack nicht mit Gesicht und Namen kennt oder sollte man sich da besser auskennen?
In jedem Fall waren es Gestalten, von denen man natürlich nicht unbedingt Applaus bekommen will, die man aber eben auch nicht daran hindern kann, auch mit vorbereiteten Schildern, zu den eigenen Veranstaltungen zu kommen und dann auch noch zu provozieren. Während sich die gesitteten Ausgesperrten zunehmend entfernten, suchten die anderen diese direkte Konfrontation und der Typ mit dem Antifa-Schild hielt dann, als eine Kamera auf ihn gerichtet wurde, auch noch einen kleinen Vortrag über die Zecken und linken Parasiten um sich herum. Begleitet von einem inneren und äußeren Kopfschütteln und tiefer Fremdscham entfernte ich mich dann auch schließlich, während es weiterging mit lautstarken Parolen der Antifa und kläglichen Gegenprovokationen einiger scheinbar weitrechter Armleuchter. Ich zog mich dann wie gesagt erstmal zum Antaios-Stand zurück und beobachte das ganze aus einer kleinen Entfernung weiter und lies mich später von meinen Freunden abholen, weil ich keine Lust hatte, dass mir einige Antifas, für die ich mit meinem Antaios-Beutel bestimmt auch eine gute Zielscheibe abgegeben hätte, auflauern. Wir waren noch einige Zeit in der Nähe, um die Auslagen bei den Gebrauchtbüchern und die Exponate der Antiquariatsausstellung anzuschauen, als im Hintergrund „Deutschland, Deutschland“-Rufe in relativer Lautstärke erklangen, aber das im Vergleich zur vorherigen Antifa-Pöbeleien nur als einmaliger Chor, der fix erstarb. Es ging langsam auf halb sechs zu als wir die Halle verließen, uns nur noch in den nun leereren Messehallen noch etwas umschauten und dann dem Ausgang schließlich zustrebten.

Wie ist nun für mich die Bewertung des Ganzen anzusetzen? Ich will da nochmal kurz auf den Pulk zurückkommen. Eine ältere Dame war, bevor es richtig derb wurde, durch die Reihen gegangen. Gut gekleidet, ein großer schwarzer Stein am Finger, durchaus jemand, wo man sagen würde, die interessiert sich für Bücher. Es fällt inzwischen schwer die Absichten von Leuten zu durchschauen. Ehrliche Empörung, Therapieversuche? Sie ging durch uns Ausgesperrte, klagte uns ihr Leid darüber, dass rechte Pöbler sie angebrüllt hätten, dass die Aussprache dabei auch sehr feucht geworden sei. Ins Ohr gespuckt habe man ihr quasi. Und klar, wenn man sich da einzelne Figuren eben anschaut, wäre das vielleicht nicht so unwahrscheinlich. Der Punkt ist damit kam sie natürlich auch zu uns Leuten, die wir uns auch nur den Vortrag anhören wollten. Ich versuchte mit ihr zu sprechen. Ich hab auch keinen Hehl daraus gemacht, dass ich so ein Verhalten, ebenso unschön und falsch finde. Die Frau war aber richtig in Fahrt, hörte scheinbar nicht zu, glaubte ich würde das entschuldigen, nichts lag mir ferner und ereiferte sich, daher mein Verdacht, nur die ganze Zeit darüber, dass doch so überhaupt kein Gespräch möglich sei. Da sie sich aber nur an uns und nicht die direkt in unserem Nacken stehende Antifa wandte, war auch hier wieder das Narrativ: Die Rechten wollen oder können ja nicht diskutieren.

Und hier muss ich ganz klar sagen: Es gab rechte Gegenprovokateure, der Herr mit dem Schild wohl noch die ekelhafteste Figur unter den ganzen, seine Beisprecher mit ihren Anwürfen von Zecken und Parasiten auch nicht besser. Vorbereitet aber hatte nur er sich auf die erwartbare Demonstration und man muss hier feststellen, dass es nicht die Rechten waren, die hier organisiert in den Massen kamen, um eine Veranstaltung nicht nur zu stören, sondern sie unmöglich zu machen, die blindwütig im Chor Anfeindungen und Parolen brüllten und Messebesucher umzingelten. Der Einsatz der Polizei war ja gerade deshalb nötig geworden, weil die Blockade (und sogar Gewalt) im Vorfeld angedroht worden war, man es also nicht bei einer diskursiven oder publizistischen Auseinandersetzung belassen wollte.
Und das man sich zumindest nicht widerspruchslos als Nazis, Faschisten und Feinde der Meinungsfreiheit beschimpfen lassen, sich das Recht auf Präsenz im öffentlichen Raum (zumal man selbst keine politische Kundgebung oder Demonstration sondern eine Buchvorstellung abhalten wollte) nicht nehmen lassen will, sollte wohl klar sein.
Auch wenn man über den Verweis auf „Der hat angefangen“ so gerne herablassend lächeln hinweggeht, ist es doch sehr wesentlich, wer hier eine übergriffige politische Aktion zur Störung und Verhinderung nicht spontan sondern planmäßig organisiert hat und wer darauf nur noch irgendwie geartet reagieren kann und zwar am besten so, um sich bei einer böswillen Presse nicht noch dem Vorwurf auszusetzen, zur Eskalation beigetragen zu haben.

Das schließt ein, dass die Antifa sich in kreativem aber verträglichen Protest üben kann und die Inhalte rechter Verlage nicht akzeptieren muss, aber soweit tolerieren sollte, dass auch ein reibungsloser in Würde vorangehender Messeablauf möglich ist. Wenn die Messe schon politisiert wird und man seine Haltung eben zeigen will, gibt es mildere Wege: Ein stummer Protest in Sichtweite beispielsweise. Man versammelt sich beispielsweise für ein Sit-In gegenüber des Vortragsstandes und ist somit ein Mahnmal für alle Passanten und Besucher, freilich ohne den Zugang dazu mit einer Sitzblockade wieder zu verunmöglichen.

Wenn die erwähnte alte Dame also an unsere Adresse gerichtet eine Verunmöglichung einer Debatte beklagt, muss ich mit wachsendem Zynismus entgegnen, dass eine Debatte überhaupt nicht gewünscht ist.
Vielleicht hätte ich ihr anbieten sollen, dass wir ja ein Gespräch außerhalb des Pulks führen könnten, bei den Stehtischen. Auf solche Ideen kommt man leider erst im Nachhinein. Auch wenn der Vorwurf der Dialogverweigerung angesichts von brüllender Antifa in den Massen sehr deplatziert war, aber wie gesagt: Dialog ist gar nicht gewünscht.

Die Antifa als Kettenhund der Dialogverweigerung

Wenn ich mir die Gesichter der Umstehenden des umstehenden Antifa-Pöbels vergegenwärtige, dann konnte ich überwiegend nur einen einzigen Menschentypus ausmachen. Ich denke wir alle kennen die »guten« Linken, etwas naiv vielleicht, aber nicht unbedingt, ich kenne auch viele Realisten, aber eben bewegt davon, das Leben von Menschen zu verbessern (und nicht allein für eine abstrakte Social Justice zu kämpfen). Mit solchen Leuten kann man sprechen. Sie haben vielleicht andere Meinungen, auch nach einem Gespräch noch, aber sie sind auch offen für die Ansichten anderer oder haben zumindest einen gewissen Respekt. Das, was sich dort versammelt hatte, spiegelte aber vor allem einen Schlag wieder: Der Typ Schulhof-Bully.
Und ich denke so absurd ist der Gedanke nicht. Auch wenn die linke Ideologie sicherlich bei vielen Antifas hart verfestigt ist, dürfte sie wohl für die meisten weniger eine intellektuelle Selbstverortung sondern vielmehr eine Rechtfertigung dafür zu sein, andere zu drangsalieren, Gewalt und Dominanz auszuleben. »Bekehrte« Neo-Nazis fand man schon vor einem Jahrzehnt nicht allzu selten dann bei den ehemaligen politischen Gegnern auf genau der anderen Seite des Spektrums. Eine Sache, die die sogenannte Hufeisen-These zumindest in diesem Punkt überlegenswert macht.
Und tatsächlich macht es die Antifa ihren Mitgliedern heute besonders leicht und angenehm. Ihre Gewalt, ihre das staatliche Gewaltmonopol aushebelnden politischen Dominanzphantasien werden nicht nur geduldet, sie werden monetär, medial-politisch und moralisch unterstützt und der linke Antifa-Aktivist kann sich seiner moralisch überlegenen Stellung jederzeit sicher sein.

Die Antifa, obwohl sie diesen Staat ebenso beseitigen möchte, wie die Neo-Nazis, gegen die sie in früherer Zeit tatsächlich gekämpft haben, sind inzwischen zu einem von Regierung und medialem Establishment genutzten Rollkommando für die Opposition geworden. Die Antifa erscheint mir daher Ausdruck einer Demokratie zu sein, die an einem Dialog abseits ihrer eigenen ausgetretenen Pfade nicht mehr interessiert ist. Das Reden über Rechte im Duktus nicht allein der Widerlegung (schon gar nicht der argumentativen) sondern der Therapierung oder gar existenziellen Auslöschung, als Betriebsunfall, lässt immer wieder unverhohlen darauf blicken, dass man die Meinungskorridore eng halten und einen Teil des politischen Spektrums aus der politischen Willens- und Meinungsbildung oder gar Einflussnahme völlig eliminieren will.
Die größte Zumutung ist daher die Neue Rechte, mit ihrem angeblich neuen Selbstbewusstsein, die den Linken, die sich an ihre eigene gesellschaftliche Hegemonie gewöhnt haben, erscheinen wie anmaßende Emporkömmlinge, die ihren Platz nicht kennen. Allein der Begriff vom neuen Selbstbewusstsein ist verfehlt, weil er noch immer die qualitative Neuerung und entstehen neuer relevanter Gruppen im rechten Spektrum über die alte Nazi-Formel abzuhandeln versucht. Wie ich schon in meinem Diskurs-Hegemonie Beitrag für die Frankfurter Buchmesse schrieb, gerät der hegemoniale Diskurs in seinen anmaßenden Grundfesten genau an der Stelle ins Wanken, wo die Rechten sich eben nicht mehr gemäß der alten Formel in Abgrenzung zur Gesellschaft in der ihnen zugestandenen Schmutzecke suhlen wollen, wo man sie als Vexierbild für seine eigene moralische Überlegenheit gebrauchen kann.

Für Neo-Nazis hatte es keinen Sinn mit einer Gesellschaft, die man für verfault, verrottet und nur der Vernichtung wert hielt, einen Dialog zu führen. Der Modus war demonstrative Abgrenzung, Radikalisierung im eigenen Milieu und warten auf den umwälzenden Bürgerkrieg.

Wenn aber das Rechte, wie das Linke früherer Zeit, aus der Mitte der Gesellschaft kommt und in den demokratischen Streit um den richtigen Weg innerhalb der Demokratie eintritt, die Alternativlosigkeit linkshegemonialen Denkens bricht, dann bedeutet es nicht Selbstbewusstsein sondern Normalität, Selbstverständlichkeit, sich auf Messen zu präsentieren, in den Wahlkampf zu ziehen und im öffentlichen Raum aufzutreten und auch Gesicht zu zeigen. Des Begriff des Selbstbewusstsein findet relational in einem Raum der Scham oder der Angst Anwendung, nicht durch argumentative Unterlegenheit.

Die neue Rechte hat die Scham des verordneten Rechts-Stigmas hinter sich gelassen. Die Assoziationskaskade wonach rechts mit rechtsradikal, rechtsextrem, faschistisch gleichzusetzen ist, wirkt nicht mehr, schon gar nicht, nachdem man die Nazi-Keule bis zur Unkenntlichkeit abgenutzt und gegen die wirklichen Feinde der Demokratie womöglich sogar unbrauchbar gemacht hat, eine Entwicklung unter der die rechte Sache womöglich aber mehr leiden könnte, weil sie in den eigenen Reihen auch blind macht für Wölfe.
Wenn die Rechten sich nicht mehr selbst aus dem Dialog entfernen, entweder aus demonstrativer Staats- und Demokratieverachtung oder durch Ablegen des Stigmas hilft nur noch Angst oder Verhinderung des Diskurses.
Für Beides ist die Antifa dann zuständig. Die unverhohle Drohung mit Gewalt oder Eskalation soll ihre politischen Gegner einschüchtern oder die Autoritäten dazu zwingen Störungen nicht zu beseitigen, Demonstrationsrouten nicht freizuräumen oder Messepräsentationen oder -veranstaltungen abzusagen oder zu untersagen. Wie es auch im Vorfeld dieser Buchmesse versucht worden ist.

Der andere Nutzen dieser Dinge: Die Eskalationen kann man den Rechten anlasten, ihrer Anmaßung sich präsentieren zu wollen, mit der sie die Zivilgesellschaft ja provoziert haben. Aber selbst wenn das unterbleibt, sind immer die Ausschreitungen, die einer Messe unwürdigen Szenen die eigentliche Nachricht, nicht die Inhalte. Auch so lässt sich ein Dialog zunächst ausblenden.
Selbst wenn Journalisten oder Autoren hellsichtig genug sind zu erkennen, dass sich die Rechten – mit allem Recht – als Opfer darstellen können, wird dies dann doch auch nur wieder als rechte Provokationstaktik verbrämt, obwohl im Fall von Antaios Kubitschek und seine Autoren demonstrativ diskussionsbereit sind, die Antifa nicht zur Messe eingeladen haben, im Gegensatz zur Kahane-Stiftung in Frankfurt, die von der Messeleitung bestellt wurde und die Messe auch nur für Lesungen und Vorträge statt politischer Kundgebungen nutzen wollten, etwas das die Verlage gegen Rechts im Gegenteil taten. Ein Verlage gegen Links, eine Belagerung, Störung oder ein Protest gegen linke Verlagsstände gab es nicht. Auch keine Angriffe gegen ihre Vorträge.
Am Ende diskutieren alle über die Form, nicht die Inhalte und selbst wenn sich die sogenannte Zivilgesellschaft einen Imageschaden nach dem anderen holt, hat man doch verhindert, dass arglose Bürger mit ggf. gefährlichen Gedanken in Berührung kommen. Womöglich könnten sonst immer mehr einen Dialog fordern oder durch reines erwähnen erzwingen, wie es Uwe Tellkamp getan hat. Denn etwas, was erstmal in den Raum gestellt worden ist, gerade im literarischen Mainstream, kann man nicht mehr ignorieren.

Deshalb hält man sich, zumindest ist dies zunehmend meine Sicht auf die Dinge, die Antifa als einen rammelnden, notfalls beißenden Kettenhund, wenn es gilt Diskutanten zum Schweigen zu bringen. Das Bonmot vom Linksextremismus als aufgebauschtem Problem von der ehemaligen Familienministerin Manuela Schwesig, ist nicht deshalb an so einer Stelle ein gern gebrauchter Allgemeinplatz, weil er von Ignoranz zeugt, sondern weil er angesichts von kaum verhohlenem politischen Terror zeigt, unter wessen Schutz und mit wessen Billigung dieser Verein agiert. Und den Politikern scheinen in verheerenderweise blind dafür zu sein, dass der rote Schimmel, den sie jetzt in den Fugen der Gesellschaft wachsen lassen, um auch diese noch rot anzustreichen, ihnen eines Tages selbst über den Kopf wachsen könnte.
Es ist aber schon jetzt, wo ich das schreibe, relativ leicht vorherzusagen, dass das Hauptthema der politische Berichterstattung zur Messe wohl die Provokation von Rechts und das couragierten Auftreten der Zivilgesellschaft sein wird.

FBM 2017 Teil 4: Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Der vierte und letzte Teil der Buchmessen-Quadrologie. Es geht um geifernde Medien und FakeNews, hegemoniale Diskurse, ein Resumee der Frankfurter Buchmesse bezüglich der rechten Verlage und darum, wie allein die Existenz von Rechten für manche eine unerträgliche Provokation ist.

Der vierte und letzte Teil der Buchmessen-Quadrologie. Es geht um geifernde Medien und FakeNews, hegemoniale Diskurse, ein Resumee der Frankfurter Buchmesse bezüglich der rechten Verlage und darum, wie allein die Existenz von Rechten für manche eine unerträgliche Provokation ist.

Hinweis: Unter #diebuecherderanderen habe ich einige Bonmots aus meiner Twitter-Timeline zur Frankfurter Buchmesse 2017 gesammelt, die einen rechten Blick auf die dortigen Vorgänge und Meinungen und Kommentare dazu, freilich nicht erschöpfend, widerspiegeln. Schaut ruhig mal rein.

 

Die Buchmesse wurden zu einem Kampf gegen Rechts stilisiert und die Täter-Opfer-Logik schien von vornherein klar abgesteckt zu sein. Übergriffige, rechte Verlage entern das Zentrum der deutschen literarischen Kultur im zweiten Halbjahr, um ihren Hass und ihre Rassismen unters Volk zu bringen. Und wenn man sie schon nicht fernhalten konnte, was ja irgendwo schon die Messeleitung diskreditierte, dann musste man wenigstens Haltung und Präsenz zeigen. Schließlich müssen die Demokraten dafür sorgen, dass die Messe frei bleibt von Provokationen, von Unappetitlichkeiten und zeigen wie ein guter demokratischer Diskurs aussieht. Nur blöd, dass die Aufreger, die die Messe in der Hinsicht produzierte, nicht publikationsfähig waren, weil sie das Narrativ nicht stützten. Mutmaßliche Linke mit Haltung verwüsteten Stände und machten Bücher unbrauchbar. Sie demonstrierten, brüllten Podien zusammen und bauten eine Drohkulisse auf und die selbsternannten Wächter der Demokratie von der Amadeu Antonio Stiftung verweigerten die, an sie herangetragenen, Diskussionsangebote. Darüber zu berichten hätte vielleicht den >>falschen<< Eindruck erwecken können, die Rechten seien eigentlich gar nicht das Problem. Und man hätte übertrieben und überreagiert.

Aber wie glücklich muss die Presse gewesen sein, als es dann am Samstagabend im Rahmen einer Gegendemonstration gegen den Antaios-Verlag der einsame Held Nico Wehnemann, Stadtverordneter von Die PARTEI, der schon im Vorfeld gewarnt hatte, „Wer Nazis einlädt, muss damit rechnen, dass Nazis kommen“ (wobei hier offen bleibt, ob er womöglich, die von der Messe tatsächlich „eingeladenen“, Meinungsfaschisten der AA-Stiftung meint 😉 ) von einem Nazi angegriffen und zusammengeschlagen wurde, wie es in den ersten Berichten hieß. Jan Böhmermann kondolierte auf Social Media und Berichte über Sieg Heil-Rufe bei der Veranstaltung machten ebenso die Runde. Tatsachen natürlich: Endlich zeigt der hässliche Rechte wieder sein wahres Gesicht. Da gibts keinen Grund das in Frage zu stellen. Tatsachen?

Natürlich da der Beitrag hier in der Nachschau erscheint, dürfte jedem klar sein, dass die Medien hier Opfer ihrer eigenen Narrative geworden sind. Wehnemann hatte versucht eine Sperre zu durchbrechen, die die Demonstranten von der Antaios-Veranstaltung fernhalten sollte und die eben allein wegen der Demonstration erforderlich geworden war. Wehnemann wurde nicht zusammengeschlagen sondern ganz normal am Boden fixiert, wie es bei jeder Demonstration üblich ist, wenn versucht wird, eine Sperrkette zu überwinden. Und zu allem Überfluss war es auch kein „Nazi“-Ordner des Antaios Verlages. Es ist genug Video-Material im Netz, das die Szene zeigt. Von Prügeleien keine Spur. Und was ist mit den Sieg Heil-Rufen? Keine Quelle. Ich bin mir sehr sicher, wenn an diesem Vorwurf tatsächlich etwas dran wäre, dann wären Videos en masse auf YouTube und anderswo viral gegangen, die dies belegen würden. Das ist nicht der Fall und ich denke wir können damit diese Posse auch ins Reich der Legenden verweisen.

Von einer aggressiven Stimmung war mal wieder die Rede, nur ließ man dabei vieldeutig offen, von welcher Seite diese kam, um auch hier wieder durch das Fehlen relevanter Informationen ein schiefes Bild zu zeichnen. Aber Nazis wollte man ohnehin ja auch ausgemacht haben, nicht wahr? Aggressiv, drohend. Zumindest erweckten viele Artikel mit einem bestimmten Bild diesen Eindruck:

Frankfurter-Buchmesse-Text
Vermeintlicher Nazi als mediales Symbolbild für die „Rechte“ Messe entpuppt sich als Antifant vom Black Bembel Block

Aggressives Auftreten, drohend, schwarz gekleidet und glatzköpfig. Klar das das ein Nazi sein muss. Tja so schön das Bild auch ist, trägt die herzige Gestalt ein Shirt vom Black Bembel Block, einer lokalen Antifa-Gruppe und ist auch auf anderen Bildern mit Anti-Antaios Plakaten zu sehen. Wie es wohl dem Aktivisten damit geht, von der eigenen Seite als Nazi hingestellt worden zu sein? Dumm gelaufen auf jeden Fall.

Und damit, weil der Elefant damit aus dem Raum ist, will ich es an der Stelle bewenden lassen und dem geneigten Leser nur noch ein paar Videos einbinden, die sich noch einmal ausführlicher mit dem Vorfall beschäftigen, bevor ich fortfahre:

(YouTube: Unblogd ; newsleak ; Martin Sellner)

Man kann womöglich sagen, dass die Medien so begierig darauf waren, ihr eigenes Narrativ zu befriedigen, dass sie sich ohne nähere Quellenprüfung auf dieses Schmankerl stürzten, um dann doch endlich ihre Nazis zu bekommen, die sie über die voran gegangenen Messetage so verzweifelt gesucht hatten, ohne das ihnen Antaios oder die anderen Verlage diesen Gefallen getan hätten.

Linkshegemonie & Linksnormalität und der unnormale Rechte

Ich habe in meiner kleinen Quadrologie mehrfach den Fall Sieferle bereits erwähnt und ich werde auch hier noch einmal Bezug darauf nehmen, weil ich wirklich glaube, dass er quasi exemplarisch das Muster widerspiegelt, das hier am Werk ist. Kubitschek gab Tichys Einblick im Anschluss an die Messe ein Interview (Götz Kubitschek: Wir stellen Normalität her), dass hier nämlich das eigentliche Problem mit den Verlagen auf der Buchmesse und eigentlich mit Rechten allgemein widerspiegelt.

Das Muster ist das einer eigentlich gegenstandslosen Empörung. Die sich kaum mehr wirklich dezidiert inhaltlich mit dem Gesagten befasst, sondern damit aus welcher (gesellschafts-)politischen Großströmung die Äußerungen gemacht werden. Ich habe Sieferle gelesen, habe auch eine Rezension dazu geschrieben und man muss einfach konstatieren, dass das Buch nichts Außergewöhnliches, viel Belangloses weil entweder Selbstverständliches oder nichts Neues, enthält. Bis auf den Auschwitz-Mythos (wo die Zitate im Übrigen nachweislich aus dem Zusammenhang gerissen oder misinterpretiert wurden) – und auch hier gab es bereits kritische Artikel von Henryk M. Broder bspw. zu der Frage, ob die deutsche Nationalmannschaft unbedingt Auschwitz besuchen muss, die in die kultische Richtung gingen – hören wir vor allem kulturpessimistische Abgesänge und ansonsten vor allem ein dezidiert konservatives Profil. Vielleicht reichen die Erinnerungen gewisser Kommentatoren inzwischen schon nicht mehr vor 2005 denn geschweige in die 90er zurück, aber ich erinnere mich noch sehr gut an Zeiten, als der Sound der CDU kaum anders war. Dem konnte man immer schon politisch oder geistig kritisch begegnen, gerade wenn man Mitglied einer linken Partei war. Man erinnere sich noch an die lebendigen politischen Debatten zu der Zeit, aber niemals hätte man sich zu Äußerungen der Art „völkischer Nachtgedanken“ verstiegen. Es wäre lächerlich gewesen. Aber wie gesagt an sich weder Radikales, noch sonst bemerkenswertes. Das Buch wäre selbst auf seiner exponierten Empfehlungslisten-Position, die der Startstein der Anstößigkeit war, wohl kaum die Aufmerksamkeit widerfahren, die ihm diese Verdammung und mediale Hetze nun letztlich eingebracht hat.
Allein um beim Thema informiert mitreden zu können, war es dann erforderlich das Buch zu erwerben und zu lesen. Oder man kaufte es aus Solidarität. Ich persönlich hätte ohne die Posse das Buch vermutlich kaum gewürdigt. Natürlich ist die Frage zu äußern, ob es nur primär die Äußerungen Sieferles waren, die den Text dem öffentlichen Bannstrahl aussetzten oder ob es auch, wie die Messe jetzt gezeigt hat, die Tatsache war, dass es von diesem pfui pfui Verlag aus Schnellroda kam, den man damit womöglich auch noch aufgewertet hätte. Oh Zeiten oh Sitten! Wo kommen wir denn dahin, wenn Bücher eines rechten Verlages gekauft werden?!

Gerade weil der Sieferle-Text an sich so unaufgeregt ist, wirft die Hysterie darum aus meiner Sicht ein deutlicheres Schlaglicht, auf die eigentlichen hinter dieser Hysterie stehenden gedanklichen Prozesse. Im Nachgang der Messe gab es eben dieses Interview mit Götz Kubitschek, dem Chef von Antaios mit Tichys Einblick und einem Alexander Wallasch, der sich natürlich in guter journalistischer Tradition als kritischer Fragesteller befleißigte, aber doch sehr auf einem Fragenkomplex insistierte, der vielleicht sogar noch einen eigenen kurzen Artikel wert wäre. Indirekt warf er Kubitschek, der zu meinem Unverständnis darauf auch nichts Gehaltvolleres erwiderte, vor, den Nachkriegskonsens aufkündigen zu wollen. Ich will darauf nicht näher eingehen, wie gesagt an anderer Stelle, aber mir steht aber bei dieser Aussage ein anderer sehr guter Tichy Artikel vor Augen. Eine Analogie mit dem Namen: Warum alle Parteien links sind – und Sie ein Rechter. In Gestalt einer Geschichte von Eisverkäufern an einem Strand, verdeutlichte da Her Rieck wie der gesellschaftlich akzetable Diskursrahmen, auch Overton-Window genannt, immer weiter nach links gerutschst ist mit der Zeit und der Beobachter, der zu Anfang und nach wie vor in der Mitte des Strandes gesessen ist, plötzlich eben rechts des, neu gesetzten, Meridian sitzt, ohne das er rechter geworden wäre als vorher. Aus Sicht des neuen akzeptablen Konsensus ist er aber ein Rechter. Und ich denke dieses Bild ist sehr fruchtbar um zu beschreiben, was hier nun passiert ist.

Der Meridian verschiebt sich immer weiter nach links und was gestern noch eine akzeptable konservative Position war, muss inzwischen schon als Rechtspopulismus oder rückwärtsgewandte Hassrede gelten. Von nationalistischen (selbst bei den gemäßigsten und nationalliberalsten Einstellungen) wollen wir schon gar nicht reden. Generell die Rückwärtsgewandtheit. Es ist wohl der besseren Eigenwerbung der Linken sehr deutlich geschuldet, dass sie, trotz all der offenkundig negativen Auswirkungen ihrer Politik der Gegenwart und ebenso gescheiterten ideologischen Gesellschaftsexperimenten der Vergangenheit, nach wie vor breit akzpetiert für sich in Anspruch nehmen können, die überlegene und zwangsläufig zukünftige gesellschaftliche Evolution zu verkörpern. Die Zukunft ist links, ist fortschrittlich und es ist damit ganz natürlich, dass die Gesellschaft sich zwangsläufig dahin bewegen muss. Die Verschiebung des Meridians erscheint nicht wie eine zeitliche politische Prämissenänderung sondern als ein auf Dauer alternativloser Vorgang. Dem Gedanken daran mit geschichtsphilosophischen Methoden im Sinne von Hegel und Marx die Zukunft vorhersagen zu können, hat man zwar offiziell mit dem Verweis auf die Hybris abgesagt, aber dem Geist im Bezug auf die eigene Bedeutung für die Zukunft nicht abgeschworen. Und tatsächlich erzeugt der vorgeschobene Kampf für die Verbesserung der Rechte und Lebensbedingungen aller aber insbesondere vermeintlich gesellschaftlich marginalisierter Gruppen (und wenn eine Gruppe ausgemittelt ist, wird sich die Marginalisierung schon von allein finden) soviel gesellschaftliches Schmiermittel, dass man damit auch den gröbsten ideologischen Unsinn und schließlich seine Hegemonie legitimieren kann.

Wenn die Rechten erfolgreich in der Position des Rückwärtigen, des Gestrigen, des Überkommenen und Schlechten und die Linken Ideologien (insbesondere des Internationalismus) für das Zukünftige und Gute stehen (und wer will schließlich keine bessere und gute Gesellschaft?) dann ist allein die Frage in welche Richtung sich der politische Meridian zu bewegen hat schon alternativlos. Und genauso ist alternativlos, dass es bezüglich Rechts nur die Überzeugung geben kann und darf, dass er überwunden werden muss. Man kann ihn ertragen, bis sich das Problem organisch auflöst. Die Köpfe der jungen Generation hat man ja dank Schule, RundFUNK und politischer Erziehung (AA-Stiftung, Antifa) gekapert. Wenn man nur noch seine eigenen Ideen implementiert, dann reproduzieren sich auch nur noch diese.

Wenn ein Herr Kubitschek darauf hinweist, dass er, seine Autoren und letztlich auch seine Leser, ebenso wie die AfD und ihre Parteigänger für eine Ergänzung und Erweiterung des Diskurses eintreten, dann widersprechen sie diesem „Konsens“. Es bestand die Erwartung und die bequeme Gewissheit, die Rechten wären auf dem absteigenden Ast und würden sich, wenn auch mit Mosern, fügen. Mit den weitrechten Nazis hat man mit der Zeit ein gutes Auskommen gefunden. Sie verkörpern als düsteres Vexierbild den schwarzen Hintergrund vor dem sich das linke Handeln, umso heller und deutlicher abspielen kann und auf das man immer dann bequem verweisen kann, um zu zeigen, wie scheußlich die Rechten sind.

Entgegen der ganzen apokalyptischen Warnungen der Linken der mittleren Vergangenheit und derzeitigen Gegenwart, die aber eben Teil dieses eingeübten Schauspiels sind und waren, waren die Neo-Nazis stets eine politische Randerscheinung, aus dem sich ein dankbarer Boogeyman konstruieren ließ, der diesen Nimbus seinerseits zur alternativlosen Dominierung des rechten Teils des politischen Spektrums nutzen konnte (Nazihaken; siehe dazu Martin Sellner: Nazikeule und Nazihaken), während alle Parteien ihnen dieses auch bereitwillig und gerne überließen. Denn so funktionierte die Ausgrenzung von allem rechts des Meridians, ob es sich nun tatsächlich um Nazis handelte oder nicht, nur noch besser. Nationalistische, nationale und nationalliberale Kräfte waren die ersten Opfer dieser Entwicklung, während die Konservativen noch ganz gut damit leben konnten. Denn eine echte politische Konkurrenz oder Bedrohung konnte sich so nie entwickeln, wenn man mit den gelegentlichen Ausschreitungen, Morden oder Hetzjagden zu leben lernte, die man aber wiederum in politisches Kapital umsetzen konnte. Rostock-Lichtenhagen ist auch noch zwanzig Jahre danach noch wahres argumentatives Ambrosia, auch wenn es schon etwas ranzig riecht.

Auch wenn manch ein eingefleischter und nun enttäuscht zur AfD gewechselter CDUler die Entwicklung seiner Partei bedauern mag, so scheint die Sozialdemokratisierung der CDU auch seine guten Seiten gehabt zu haben, weil sie den Leidensdruck derartig erhöhte, dass sie diesen Mechanismus für breite Teile der Bevölkerung anschaulich offen gelegt hat. Die Sozialdemokratisierung kann man wohl sagen, verlief unter Merkel zu schnell, aber ich bezweifle nicht, dass sie als Wirkung der Hegemonialisierung des Diskurses, wie oben beschrieben, mit der Zeit ohnehin gekommen wäre. Durch die Geschwindigkeit ihrer Durchführung in nur etwas mehr als einem Jahrzehnt ist sie nur sehr viel greifbarer geworden. Wem rechte(re) (konservative, nationale selbst liberale) Werte tatsächlich am Herzen liegen, mag Merkel vielleicht für die Zerstörung einer konservativen CDU und der weiteren Durchsetzung linker Hegemonie anklagen, doch kann er ihr dafür danken, dass sie diesen Prozess offen gelegt hat. Ohne sie wäre er ansonsten mit großer Wahrscheinlichkeit schleichend und überwiegend unbemerkt vorangeschritten und es hätte sich kein ausgleichender Widerstand dagegen formiert, bis es unübersehbar und unabwendbar geworden wäre.

Gleichsam in dem die linke Hegemonie wächst ist das Wählerpotenzial immer mehr links der Mitte, die sich wie gesagt auch nach links verschiebt, zu suchen und eine Partei bewegt sich zur Erschließung von Wählerschichten dorthin, während Wähler die auf den alten Positionen zurückbleiben, also rechts bleiben oder werden, ohnehin wegen der Verdammung alles Rechten gar nicht mehr anzusprechen sind.

Man kann diesen Prozess mit dem Ende der 68er-Revolte und dem Beginn des Marschs durch die Institutionen verknüpfen. Gab es zu Beginn ein starkes Übergewicht konservativer, verstockt konservativer Kräfte ist über eine Zeit des Ausgleichs hinweg inzwischen eine Zeit der Hegemonie linken Denkens angebrochen. Derart hegemonial das rechtes Denken, egal welcher Art und welcher Radikalität auch immer, als das neue Unnormale, Unaussprechliche und Unvertretbare gehandhabt wird. Ein kleiner Kern konservativer Alibis hält sich jetzt noch in der CDU und CSU und damit noch im Bereich des gerade noch Sagbaren, doch auch hier zeigen sich schon die gesellschaftlichen Entlegitimierungserscheinungen und darüber hinaus zieht die Fundamentalisierung linker Weltsichten immer weitere Kreise, wie Debatten wie #aufschrei nach einem derangierten aber wohl kaum skandalfähigen Witzes Rainer Brüderles oder aktueller Kampagnen gegen allzu aufreizende Werbung oder Debatten um vermeintlich sexistische Nicht-Probleme wie Manspreading zeigen, die angeblich die großen Gleichstellungsfragen unserer heutigen Zeit sein sollen. An die Adresse der Konservativen in CDU und CSU: machen Sie sich nichts vor, heute sind sie vielleicht noch im Bereich des Sagbaren, morgen kann es ihnen schon so gehen, wie ihren ehemaligen Kollegen, die inzwischen bei der AfD Zuflucht gesucht haben.

Regressive Politik: Macht verdirbt, auch die Linken

Denn mit der Hegemonie kam auch für linkes Denken die Macht. Eine der wohl größten Possen, die die linken Parteien, Vereine und Intellektuellen nach wie vor und das mit unverständlichem Erfolg spielen ist die Posse der rechten Gesellschaft und der linken Avantgarde aus Publizisten, Intellektuellen und vergleichsweise wenigen aufrechten Aktivisten, die dem vermufften Zeitgeist den Kampf ansagen. Wie oft habe ich auch schon von Bekannten diese Einschätzung gehört und gelesen und tatsächlich früher auch selbst geglaubt. Manch einer weis es tatsächlich nicht besser, andere sind vielleicht Opfer des eigenen Mythos geworden. Diese ganze Scheinwirklichkeit ist eine Projektion gerade auch der Leute, die noch aus einer Zeit stammen, wo sie tatsächlich eine offene, subversive Avantgarde waren im idealistischen Meinungskampf gegen die verstockte Adenauer-Gesellschaft, die Kanzelpfaffen, die noch mit der Keule christlich-konservativer Moral und Ressentiments gegen die sozialistische und sozialdemokratische „fünfte Kolonne Moskaus“ die Macht von Staat und Gesetz zu nutzen verstand, um diese in ihren Rechten zu beschneiden; sowie deren gemütlichere und harmlosere Epigonen wie den ewigen Kohl. Diese Zeit ist längstens, spätestens am Ende der 90er tatsächlich überwunden, wenn sie nicht schon in viel offeneren und freizügerigen Zeiten (zumindest im Westen) bereits Jahre davor in Trümmern lag. Doch man hält es noch immer aufrecht, dieses Projektionsbild aus der Vergangenheit, denn es ist nützlich. Wenn die Bedrohung von rechts immer kurz vor der Tür steht, so ist stets jedes Mittel legitim, um sich dagegen zu erwehren. Man sieht sich immer noch im unterlegenen Kampf David gegen Goliath gegen den regressiven Zeitgeist von Rechts. Denn die Linken bauen auf ihren Opfernimbus, davon hängt ihre moralische Überlegenheit ab und die Legitimität eines Handelns, das auch mal gegen die autoritären Regeln verstößt. Nur so sind gedankliche Chimären zu erklären, wie die Ausfälle eines Ralf Stegner zu den G20-Ausschreitungen des Schwarzen Blocks, der es für völlig unmöglich hielt, dass dies von Links passieren könne bzw. mit dem Kampf gegen das übermächtige System zu relativeren versuchte.

In der Realität herrscht ein parteiübergreifender überwiegend linker Konsens im Parlament (bis zur Wahl der AfD und FDP gab es sogar eine völlige Einmütigkeit in der grundsätzlichen Ausrichtung), der auch die Regierung dominierte und von ihr exekutiert wurde und der im Gewand von Jamaika vermutlich auch die kommende Legislatur prägen wird. Wir haben eine mehrheitlich unkritische auf dem Kurs der linken Regierung und linken Denkens arbeitende und argumentierende Presse und Staatsfunk. Linke Medien sind nicht wie früher eine kleine Avantgarde. Sie sind die absolute Mehrheit und bestimmen hegemonial den Diskurs, gegen den eine tatsächlich jetzt rechte Avantgarde harte Stellungsgefechte führt. Die Macht liegt derzeit links. Und sie benutzen die Macht ebenso wie ihre konservativen Vorgänger unter Adenauer und Co und gerieren sich fast als desssen umgedrehte Widergänger, sie sind nicht besser. Sie nutzen Zensurgesetze wie das hoffentlich bald sterbende NetzDG um Meinungen im Internet zu kontrollieren und durch Löschungen faktisch zu zensieren. Der Tatbestand der Hassrede, der dafür herangezogen wurde, ist vornehmlich ein Tatbestand der aussagt: Jemand der nicht links denkt, also nicht unserer Meinung ist, denn wer nicht hasst, der muss schließlich links sein. Wer sich als rechts outet oder auch nur ganz spezifischen Politikfeldern, den Antworten von rechts mehr abgewinnen kann, als linken Phrasen, dem drohen gesellschaftliche Ausgrenzung, Arbeitsplatzverlust bis hin zu persönlichen Bedrohung durch die selbsternannten Schlägertrupps der Demokratie. Kritik, sofern sie von rechts kommt, wird direkt als gegenstandslos verworfen, Kritiker aus den eigenen Reihen in die rechte Ecke gestellt.
Wir sind in einer Zeit angekommen, in dem die Kinder und Kindes-Kinder der 68er ihre eigenen Eltern und Großeltern fressen. Wir sind zurück in den Zeiten autoritärer und regressiver Politik, in denen bestimmte politische Dinge nicht gesagt oder gedacht oder gar verhandelt werden dürfen ohne soziale Kosten fürchten zu müssen, in dem ein Teil des Spektrums ausgegrenzt wird und in dem ein neues Moralspießertum den Korridor des Sagbaren einquetscht, nur diesmal unter anderen Vorzeichen, überspitzt gesagt Kommunistisches Manifest und Willkommens(multi)kultur statt Bibel und Nato. Und das ganze findet inzwischen, gerade im Zuge der Buchmesse, so unverhüllt statt, das Albert Sellner in einem Gastbeitrag für Tichy sich, wie auch finde, wohl nicht zu Unrecht an seine erster Hand Erfahrungen aus der Adenauer-Zeit zurückerinnert fühlt.

Denn tatsächlich brechen rechte Verlage und Autoren, Parteien wie die AfD und Aktivisten der Identitären Bewegung, die sich anders als die Nazis eben nicht mit der Rolle des Buhmannes in der Schmutzecke der Gesellschaft zufriedengeben wollen, die eintreten für Teilhabe, für Repräsentation und selbstbewusst und auch mit völligem Recht die Normalität von Ansichten und Gedanken des rechten Spektrums verteidigen und reetablieren wollen, den bisherigen hegemonialen Konsens auf. Statt der linearen Alternativlosigkeit von immer weiter links, setzen sie ihnen, sogar ganz im Sinne einer lebendigen Demokratie und lebendigen Geisteshaltung, Alternativen entgegen und sind umso mehr eine Provokation für Linke, die es sich gemütlich gemacht hatten, in der von ihnen erst konstruierten Dichotomie: Wir guten hier, die Nazis dort. Etwas, das ich die sich selbst abspulende rechte Assoziationskette nenne, ist ihnen über die letzten Jahre derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie inzwischen nicht nur intellektuell faul sondern auch blind, ignorant, unfair und denunziatorisch gegen alles geworden sind, was nur einen Hauch rechts an sich hat. Wenn man an Rechts (war der Kampf gegen Nazis gegen den Faschismus nicht zu einem allgemeinen Kampf gegen Rechts geworden?) dachte, so war das zwangsläufige und mit Erfolg implantierte Narrativ, dass rechts zu sein, gleichzusetzen ist mit rechtsradiaklen Positionen, gleichzusetzen ist mit Nazi. Wer auch nur eine Spur rechts ist, so nach Abspulen dieser Assoziationskette, ist höchstens einen Schritt davon entfernt ein Nazi zu sein. Wer den Nationalstaat erhalten will, ist direkt anti-europäisch, will die Diktatur zurück und am besten morgen schon in Polen einmarschieren, wer für eine regressivere Einwanderungspolitik mit Maß und Regeln ist, ist Rassist, will ethnische Säuberungen und im Anschluss Rassegesetzen und KZs wieder einführen. Und natürlich auch alles gleichzeitig. Wer für regressivere Einwanderungspolitik ist, muss Europa auch scheiße finden, so ist das ja bei den Rechten. Zusammengerührt wurde alles, was man von links nicht (mehr) haben wollte und mit dem Begriff Nazi überschrieben.

Deshalb fällt der Umgang mit den Neuen Rechten so schwer. Man ist kaum mehr in der Lage die Ideen, die Anliegen und theoretischen Strömungen von einander zu trennen und kann gar nicht damit umgehen, dass diese Ideen >>plötzlich<< auch für Freiheit und Demokratie sind, obwohl sie nie wirklich davon weg waren. Die Geschichte der Demokratie in Deutschland ist auch eine Geschichte der Nationalbewegung und scheinbar löste es auch keine Dissonanz aus das angesehene Liberale und Konservative, mitunter gestandene ehemalige Politiker oder Unterstützer angesehener und etablierter Parteien, plötzlich Krypto-Nazis sein sollen? Und was ist, wenn die Identitären, klares Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat und Abgrenzung gegenüber Rechtsextremismus und Nazismus miteinander verbinden und in gewissermaßen der Tradition des ehemals linken, antikolonialen Denkens agieren? Es ist völlig das Bewusstsein verloren gegangen, dass das rechte Spektrum zu jeder Zeit aus mehr als Nazis, Rechtsradikalen und Extremisten bestand und es ist ebenso der Gedanke völlig abhanden gekommen, dass das politische Spektrum und damit auch der legitime Diskurs innerhalb der Maßstäbe von Freiheit und Demokratie (soviel zum Nachkriegskonsens Herr Wallasch!) auch dessen rechten Teil normalerweise umfassen. Und es ist scheinbar die Logik verflossen, das es für eine vollständige Demokratie vielleicht sogar auch notwendig ist, dass diese Punkte Teil des Diskurses sind, insbesondere wenn ansonsten an der Spitze faktisch oppositionsfreie Einmütigkeit herrscht. Dieses im Wortsinn undifferenzierte Denken setzt das offene Treffen bei Kaffee und Kuchen einer AfD-Ortsgruppe von der Bedrohlichkeit her gleich mit dem paramilitärischen Training rechter Kameradschaften an scharfen Waffen. Und wozu das Ganze? Um die politischen Gegner zu diffamieren und auf die Stufe echter Verfassungsfeinde zu stellen, andererseits um das rechte Problem, aus dem sie selbst ihre Legitimation beziehen, noch größer Erscheinen zu lassen.

Und diese Taktik scheitert inzwischen tagtäglich, weil den Leuten zunehmend die Dissonanz auffällt zwischen den Vorwürfen und der Realität, dass in der fortschreitenden Hysterie plötzlich jeder das Problem sein kann, weil man gar nicht wusste, wie rechts (wahlweise auch sexistisch) man tatsächlich schon ist, aus der Sicht der linken Moralwachen und dieses Schema ebenfalls in Frage zu stellen beginnt. Und am Ende werden die Linken, die meinen, man müsse sich mit den Rechten qualitativ, inhaltlich beisammen und auseinandersetzen zu Opfern ihres eigenen Lagers werden, weil man mit Rechten nicht reden dürfe, um ihnen, so der Duktus keine Plattform zu bieten, damit sie ihre Nazi-Scheiße verbreiten können. Wie einfach wäre es doch, wenn es denn nur Nazi-Scheiße wäre?!

Tatsächlich sehen wir hier aber nach wie vor sehr stark das Wirken der linken Hegemonie. Statt also zu schauen, was die Rechten anzubieten haben, womöglich bessere Lösungsvorschläge für spezifische Probleme oder gute Ansätze in bestimmten Politikfeldern anzuerkennen (Rechte verweigern sich bspw. auch nicht aus Prinzip der Idee der Ökologie, im Gegenteil sogar; oder ist ökologisch jetzt auch konservativ und modernisierungsfeindlich, wie man uns attestieren wollte kürzlich?), setzt man auf Konfrontation. Niemand soll das eine Lager jetzt gegen das andere austauschen, das wäre unglaubwürdig, wenn man nicht reflektiert die kompletten Grundprämissen wechselt, aber es gibt natürlich auch ein Dazwischen. Ich persönlich unterstütze zwar die AfD momentan, gehe aber in Fragen der Sozialpolitik und der Gleichstellungspolitik für Homosexuelle auch nicht konform mit ihnen und bin da doch ein sehr klassischer Linker geblieben, siehe andere meiner Beiträge zu dem Thema. Aber es ist offensichtlich, dass dieser Zustand überhaupt gar nicht gewollt ist. Zugrundeliegen müsste ein Einverständnis, wie in der Zeit des hegemonialen Ausgleichs das beide Seiten des politischen Spektrums im Rahmen unserer demokratischen Grundordnung und Verfasstheit und abgekehrt von Gewalt, normale Teilnehmer am Diskurs sind. Und diese Anerkenntnis ist heute, im linkshegemonialen Raum, nicht gegeben und scheinbar auch nicht möglich. Und ich will nicht bestreiten, dass die Rechten, wenn sie selbst wieder hegemonial werden, womöglich auch in solche Tendenzen verfallen können, aber darüber reden wir hier nicht, dem wäre DANN ebenso gegenüber zu treten.

Rhetorik des Betriebsunfalls & Diskurs der Auslöschung

Wenn derzeit der gesellschaftliche und publizistische Mainstream über die Rechten redet, dann eben nicht im Duktus einer offenen und fairen Auseinandersetzung der Ideen sondern in der Sprache eines (unerwarteten) Betriebsunfalls. Das sich für alternativlos und unfehlbar wähnende Linksdenken befasst sich mit den Rechten als etwas Unnormalen, etwas das Geradegerückt, Repariert oder geheilt werden müsse. Über den Aufstieg der AfD berichtete man nicht in Form eines Positivs sondern in der Form eines Negativs. Nicht das womit die Wähler, Unterstützer und Mitglieder überzeugt worden waren, stand im Vordergrund, denn da konnte es ja offenbar bei einer rechten Partei nichts geben, sondern es wurde, wenn überhaupt, nach Fehlern der etablierten Parteien gesucht, so als hätte sich bei denen ein Zahnrad verklemmt und die AfD wäre nur das dadurch entstandene Leck. Traf das nicht zu, insbesondere wenn man sich keine Fehler zugestehen wollte, bemühte man den immer latent vorhandenen eigentlich rechten Ungeist der Deutschen oder machte rechte Netzwerke dafür verantwortlich, nicht etwa mit besseren Argumenten, sondern mit Desinformation und sinistren Ränkespielen im Verborgenen die Bevölkerung zu manipulieren (oder russischen Hackern). Leute die sich Rechts zuwenden, sind keine mündigen Bürger, keine Idealisten, keine Aktivisten, sie sind entweder destruktive Hass- oder Wutbürger, verängstigt und verführt oder getäuscht von den rechten Rattenfängern oder es sind diese schlimmen Protestwähler, die nur einen Denkzettel verteilen wollen und nicht wissen, was sie dort tun. Das sind die meisten, denn man will ja doch nicht Millionen von Wählern als Nazis beschimpfen, Pack muss reichen. Aber die, denen man doch zurechnet, es wissentlich und willentlich zu tun, die sind Unmenschen und gegen die ist jedes Mittel Recht.
Aus dieser Sicht des Betriebsunfalls ist eine Beteiligung am Diskurs gar nicht vorgesehen. Es geht nur darum, wie man die AfD nicht als politische Konkurrenz sondern in all dem bekämpft, wofür sie steht. Alle reden darüber die Sorgen der Bürger ernstzunehmen, doch dazu wäre eine AfDisierung der anderen Parteien, zumindest ein Stück weit, erforderlich und das können sie nicht leisten, deshalb blieb es bei dieser plakativen Aussage, womit man eigentlich meinte, den dummen Leuten nur die Politik noch ein drittes Mal und diesmal wirklich besser und als alternativlos zu verkaufen.

Die linke Hegemonie erkennt rechte Ideen nicht an. Sie sind in vierlei Belangen insbesondere bezüglich Internationalismus und Multi-Kulti ein gemäßigteres oder sogar gegensätzliches Kontrastprogramm, doch statt einem demokratischen Wettkampf der Ideen möchte man die Selbstverständlichkeit des hegemonialen Konsens beibehalten, wo nicht mehr über die Richtung sondern nur noch über die Details gestritten wird. Der eigene vornehmlich linke Konsens wird anmaßend als Maßstab für das Sagbare in der gesamten Gesellschaft herangezogen. Wer zukünftig noch am politischen Diskurs teilnehmen darf, muss links bis linksliberal sein, etwas anderes heißt das nicht und etwas anderes ist auch nicht mehr zugelassen.
Deshalb ist ein Reden mit Rechten auch nicht mehr möglich, so wie wir es auf der Buchmesse erlebt haben, so wie wir es im Fall Sieferle erlebt haben oder beim Einzug der AfD in den Bundestag aber auch im Wahlkampf. Denn die Rechten können sich noch so sehr von Nazis distanzieren, sich zu Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit bekennen und sie sogar fordern, fördern und forcieren, sie hängen Ideen und Idealen, Konzepten und Theorien an, die schwer oder nicht vereinbar sind, mit Gütekriterien der übergriffigen, hegemonialen Linken. Ein Begegnen auf Augenhöhe, auf der Basis von Interesse und nicht mit der Absicht der Entlarvung oder des Betriebsunfalls, würde sie zu normalen Gesprächspartnern machen und das darf nicht sein. Da man das Ende der Geschichte für sich bereits gepachtet hat. Die Rechten werden es zumindest in diesem Klima den Linken nie recht machen können. Für die Linken, die von der rechten Alternative in ihrer Diskurshegemonie bedroht sind, ist der einzig gangbare Weg, dass, wie Martin Sellner in seinem Resumee der Messe sagt, die Existenz der Rechten allein schon das Problem ist und das sie ausgelöscht werden müssen. Nicht das was sie sagen, nicht das was sie tun, nicht wie sie sich verhalten, wie gemäßigt oder gesprächsbereit sie sind, ist ausschlaggebend. Solange sie den linken Mainstream ablehnen bzw. ihm nicht folgen, ist ein Diskurs nicht möglich. Die reine Existenz der Rechten ist schon zuviel.

Und hier schließt sich dann der Kreis zu Sieferle und zur Messe. Antaios plante nicht auftrumpfend aufzutreten und Sieferle verfasste keine mit „Mein Kampf“ vergleichbare Hetzschrift sondern einen sogar sehr pessimistischen Abgesang. Antaios tat alles um eine Eskalation zu vermeiden, bot sogar Gesprächsbereitschaft an. Es zeigt sich hier, dass nichts was die Leute tun, irgendetwas an dem Skandal und der Provokation, der es für die Linken war etwas geändert hätte. Denn allein die reine Existenz des Textes, seine Platzierung in Bestseller-Liste als rechte Publikation (ganz unabhängig vom Inhalt) als auch Antaios Präsenz auf der Messe egal wie sie ausgesehen hätte, waren schon Provokation genug. Die reine Existenz wird so sogar zum unintendierten Widerstand, eben weil sie für Linke maximal anstößig ist, eben weil sie deren Selbstverständlichkeit einer Welt in der alle und alles ebenfalls links ist, erschüttert hat.

Wenn Kubitschek also davon spricht, dass er und sein Verlag auch auf das Messe mithelfen, die Normalität wiederherzustellen, die Hegemonie zu brechen und das Overton-Window zurück nach Rechts in die eigentliche Mitte zu verrücken und zu verbreitern, dann hat er damit völlig Recht.

Götz, der schwarze Ritter & Fazit der Buchmesse

Dieser Gedanke leitet dann auch zum dritten und abschließenden Teil meines Beitrages über. Relativ organisch ergibt sich nämlich die Frage, wer der Sieger der Messe geworden ist. Und das diese Frage überhaupt Gegenstand eines Resumees einer Buchmesse sein kann, spricht schon sehr für sich. Wir führen uns vor Augen das rechte Verlage und auch Publikationen wie die Junge Freiheit, die auch eine unrühmliche Vergangenheit als faktische NPD-Postille hinter sich hat, schon länger immer mal wieder auch auf der Buchmesse zugegen waren, aber das der Berichterstattung solche Szenen und Berichte, wie von der diesjährigen Veranstaltung bisher eher fremd waren. Normalität halt. Rechte Verlage oder Verlage mit rechtslastigem Angebot und rechten Publikationen sind eben Teil der verlegerischen Bandbreite. Antaios ging zur Messe um sich selbst und seine Autoren, auch natürlich angeheizt vom Erfolg von „finis germania“ zu präsentieren und natürlich, wie jeder politische Verlag auch, seine Inhalte vorzustellen. Für den Verlag wäre allein die Teilnahme an der Messe schon Zeichen genug gewesen.

Einen Kampf, eine Arena machte dann nicht zwingend der bereits erwähnte Offene Brief auf, der die Veranstalter aufforderte den Verlag auszuschließen, sondern die Veranstalter selbst, die sich das antifaschistische Rollkommando der Amadeu Antonio-Stifung ins Haus holten, maximale Befangenheit durch ihre eigene kleine Demonstration zeigten und Vandalismus und Ausschreitungen (einschließlich aggressiver Demonstrationen) gewähren ließen und dafür dann auch noch den Antaios Verlag selbst verantwortlich machten, der natürlich, was ihm wiederum negativ ausgelegt wurde, sich nicht alles bieten ließ. Der Kampf wurde von der Messeleitung initiiert und forciert, nur nach den vorgesehen Regeln, hier lichte Haltungszeiger dort böse Nazis, wollte Antaios nicht spielen. Und wie dargestellt assistierten aber die Medien wie blöde (im Wortsinn) dabei, es doch so aussehen zu lassen.

Ein besonderes Husarenstück leistete sich SWR2 mit dem geifernden Beitrag „Buchmesse-Monsterchen„, der jenen Leuten, die ohnehin alle modernen politischen Probleme mit Harry Potter erklären wollen und dabei ebenso gerne die dortige Gut-Böse-Schematik übernehmen, die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Götz der dunkle Ritter von Schnellroda, Darth Vader und Voldemort in einer Person, hatte mit seinem bösen Todesster… Verlag die Buchmesse geentert und die Besucher vaporisi… mit ihnen Gespräche geführt. Wie auch hier ist schon die bloße Anwesenheit, die Existenz eines rechten Verlages eine Zumutung und das der böse Puppenspieler Kubitschek jetzt auch noch die Hansels der Messe wie Puppen nach seiner Pfeife tanzen lässt, die Krönung. Eindrucksvoll hat das auch Lichtschlag auf „Eigentümlich Frei“ parodiert.

Wie dargestellt ist die Provokation für die Linken schon das der Verlag überhaupt auf der Messe erschien und für die getriggerten Herrschaften kann der Verlag nun wirklich nichts. Auch kann man wohl kaum verlangen, dass er sich nicht auch mit seinen Autoren präsentiert wie Sellner und Pirincci, die beide zum Verlagsprogramm gehören und gern gelesene Publikumsmagneten sind. Auch hier ist wohl nichts weiter vorzuwerfen. Wie Kubitschek zurecht in seiner Wutrede gegen den Börsenverein richtig anmerkte, störten keine Rechten auf der Messe Veranstaltungen, demonstrierten, verwüsteten Stände und beschmutzten und zerstörten Bücher und schlussendlich verweigerten nicht die Rechten den Dialog, sondern die Amadeu Antonio-Stiftung zog sich entweder faul oder feige oder beides aus einer angebotenen Diskussion heraus, um auf einem Podium, dann über diese bösen Rechten schlecht zu reden und über die Grenzen der Meinungsfreiheit nachzudenken, obwohl diese mit der Volksverhetzung bereits genug abgedeckt ist, nur zu schade, dass diese sich eben (noch) nicht an der linken Verschiebung des Meinungsmeridians mit ausgerichtet hat, obwohl daran auch schon juridisch gearbeitet wird, wie der Fall Stürzenberger zeigt.

Man machte die Rechten für die Eskalation, die man selbst in Kauf genommen, wenn nicht sogar aktiv befördert, hat, verantwortlich, wollte ihnen angemietete Veranstaltungszeit kappen, sie räumen lassen, weil sich all dies vor allem wegen der achso demokratieaffinen und dialogbereiten Demonstration verzögerte und das während die Presse dann auch noch einen medialen FakeNews-Schnellschuss fuhr.
Und im Anschluss beschwert man sich dann scheinbar darüber, dass die Rechten dann die Frechheit besitzen sich wohl doch mit allem Recht als Opfer ins Bild zu setzen und von der offenkundigen Doppelmoral, Meinungsfreiheit predigen aber die Meinungsfreiheit anderer bekämpfen, zu profitieren.
Zum Ende stichelte man dann nur noch, dass bei der Buchvorstellung durch Martin Sellner, die IB-Parolen erklangen und das Ganze den Spin einer politischen Veranstaltung annahm, etwas zu dem allerdings die Veranstalter, Sellner sollte eigentlich nur aus seinem Buch lesen und etwas darüber sprechen, mit der Demo und dem Versuch des Abbruchs des Podiums herausgefordert hatten, denn es stand wohl nicht zu erwarten, dass man sich einfach hinauskomplimentieren lassen würde und da war der Aktivist Sellner direkt im Element, um ib-klassisch eben zivilen Ungehorsam zu leisten. Die Steilvorlage gab ihm die Messeleitung.

Ja es lässt sich nicht bestreiten. Der klare moralische Sieger mit den besseren Haltungsnoten ist der Antaios Verlag. Er konnte sich als stoischer Felsen in der Brandung in einem Meer der Peinlichkeiten und Anfeindungen präsentieren. Und das nicht etwa, weil Kubitschek es darauf angelegt hätte, sondern weil seine linken Gegner in ihrem Wahn, verlassend auf ihre alten hegemonialen Denkmuster, die alten Rezepte und dann auch derart übertrieben anwendeten, dass sie sich damit selbst bloßstellten.

Wenn jetzt also in der Nachachau von einer Propaganda-Show der Rechten, von einer Inszenierung gar, die Rede ist, dann basiert das nämlich schon auf dem Irrtum diese ganze Angelegenheit sei so vom dunklen Mastermind Kubitschek, dem Götz von Schnellroda, so geplant worden. Die berühmte Bühne, die man den Rechten nicht geben wollte, als man sie hätte im Dialog stellen können, hat man ihnen direkt gebaut. Nicht in dem man sie zur Messe zuließ, sondern in dem man daraus einen Skandal und ein Politikum konstruierte. Und nachdem man diese Bühne aufgebaut hatte, hat man nicht nur freiwillig Platz gemacht sondern auch noch davor wie toll herumgepöbelt und damit erst Recht sämtliche Aufmerksamkeit auf den Verlag gelenkt. Wenn Kubitschek und Antaios also als Sieger hier vom Platz gegangen sind, dann nicht weil sie es meisterlich sinister geplant haben, sondern weil bornierte Haltungseiferer es ihnen möglichst einfach gemacht haben. Hätte man Antaios einfach präsentieren lassen, wie jeden anderen Verlag, so wäre dies gewiss eine unaufgeregte und entspannte Messe geworden, wie die Jahre zuvor auch.

FBM 2017 Teil 2: Antifaschistische Handarbeit / Unerträgliche Meinungsfreiheit

Tätlichkeiten, Vandalismus und Störungen. Die Frankfurter Buchmesse 2017 gibt ein ruinöses Bild ab. Rechte Verlage sind zum Freiwild einer linken Eskalation geworden, für die der Trägerverein keine Verantwortung übernehmen, aber gegen die er auch keine Maßnahmen ergreifen will. Es geht um einen sich zuspitzenden Kampf um Diskurshoheit, den die Linke mit unverhohlenen Angriffen auf die Meinungsfreiheit für sich zu entscheiden versucht.

Tätlichkeiten, Vandalismus und Störungen. Die Frankfurter Buchmesse 2017 gibt ein ruinöses Bild ab. Rechte Verlage sind zum Freiwild einer linken Eskalation geworden, für die der Trägerverein keine Verantwortung übernehmen, aber gegen die er auch keine Maßnahmen ergreifen will. Es geht um einen sich zuspitzenden Kampf um Diskurshoheit, den die Linke mit unverhohlenen Angriffen auf die Meinungsfreiheit für sich zu entscheiden versucht.

Hinweis: Unter #diebuecherderanderen habe ich einige Bonmots aus meiner Twitter-Timeline zur Frankfurter Buchmesse 2017 gesammelt, die einen rechten Blick auf die dortigen Vorgänge und Meinungen und Kommentare dazu, freilich nicht erschöpfend, widerspiegeln. Schaut ruhig mal rein.

 

Mein voran gegangener Artikel zur Frankfurter Buchmesse 2017 endigte mit dem Hinweis auf die gute alte antifaschistische Handarbeit. Die AfD durfte jene Handarbeit der antifaschistischen Aktivkräfte schon im Wahlkampf mehr als einmal genießen. Da mag man schon froh sein, dass sich das bisher auf Vandalismus beschränkt und sich nicht in noch handfesteren Formen gegen die Aussteller persönlich gerichtet hat [Ergänzung: Scheinbar gab es doch einen vereinzelten tätlichen Angriff]. „Mit Rechten reden“ sieht dann aber doch sehr viel anders aus.

Aber wenn man keine Argumente hat, kann man ja immer noch mit Steinen werfen. Zumindest kann man, wie am FACHBESUCHER-Tag mit Zahnpasta und Kaffee die Antaios-Auslagen beschädigen oder zerstören und Bücher damit für den Verkauf oder die Präsentation unbrauchbar machen. Man kann auch, wie auch an den zurückliegenden Verlagstagen Messestände, Bücher und Material verwüsten. Da erwischte es Manuscriptum und Tumult und dann erneut Antaios.

Wer Bücher mit Zahnpaste beschmiert, beschmiert vielleicht nicht direkt auch Menschen damit, aber man sollte sich klar sein, dass hier nicht einfach ein symbolisches Statement (zum Thema Bücherverbrennung plane ich noch einen Sonderartikel) visualisiert wurde, sondern es sich abgesehen von der Kategorien der Sachbeschädigung um einen Versuch handelte, eben gezielte Meinungsunterdrückung zu leisten. Man kann eigentlich schon die ganze Amadeu-Antonio-Causa in diesem Kontext einordnen, aber das hier ist ein sehr viel offensichtlicher Ausdruck. Der Verlag soll aktiv darin gehindert werden sich, seine Autoren und damit sein Angebot an verschiedenen Ansichten und Meinungen im Spektrum und auf dem Marktplatz der Ideen, vorzustellen. Es geht um einen Konkurrenzkampf. Marktwirtschaftlich würde man von unlauteren Mitteln sprechen, denn vorrangig kämpfen hier zwar Ideen gegeneinander aber Antaios ist natürlich auch ein Unternehmen, das kostenwirtschaftlich arbeiten muss. Die AA-Stiftung ist keine direkte publizistische Konkurrenz, sogar durch ihre Staatsfinanzierung sämtlicher harten Kostenwirtschaftlichkeitsrealitäten entzogen, aber der geneigte Leser mag entscheiden, ob es das nicht vielleicht sogar schlimmer macht.

Der Börsenverein als Träger der Buchmesse hat sich da in doppelter Hinsicht, aus meiner Sicht, schuldig gemacht. Einerseits natürlich der aktiven Unterdrückung von Meinungen, die er nicht nur toleriert sondern auch aktiv befördert hat. Der Börsenverein hat sich von den Anschlägen und den Verhaltensweisen, die mir in dieser unwürdigen Art, noch von keiner Buchmesse (Leipziger oder Frankfurter) der letzten Jahre bekannt geworden wären, zwar distanziert, doch wirkt diese Distanzierung verlogen bis ins Mark. Da schon die erste Vorfälle am Fachbesucher-Tag mit seinem beschränkten Zugang auftraten, kann man den Vorfall kaum auf spontan empörte Besucher schieben und muss die Täter ganz klar bei dem aktivistischen, ideologisch-verbohrten Kommando suchen, dass man sich selbst ins Haus geholt hatte. Den Unfrieden hat man selbst gestiftet, die mutmaßlichen Täter selbst ins Haus geholt und jetzt will man nichts geahnt haben und mit Distanzierung für nichts verantwortlich sein? Äußerst schwach. Die Erwartung von Kubitschek nach wiederholten Anschlägen auf kritische Verlage an die Messe, doch einen Nachtwächter zu bestellen, wurde ebenso abschlägig beschieden. Verantwortung will man nicht übernehmen, Sicherheit aber auch nicht gewährleisten.

Dazu kommt eben noch der noch viel größere Schaden, den die erwähnten Verlage, Antaios voran, hier erdulden mussten. Da wäre einmal der materielle Schaden durch den Vandalismus und damit auch Zeitverluste bei der Präsentation, auch der Imageschaden des Verlags bei den Leuten, die den Mainstream-Medien noch ihre hysterische Berichterstattung abkaufen, wurde maßgeblich durch die gezeigte Haltung der Messeträger verstärkt. Man mag hoffen, dass nach dem Motto „Wir können sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, aber wir können sie dazu zwingen immer absurder zu lügen“, die ganze Angelegenheit dem Verlag und seinen Autoren noch mehr Aufmerksamkeit und Verkaufserfolge einbringt, in dem sie die mediale Hegemonie noch weiter demontiert. Aber das das überhaupt möglich ist, ist schon dem metapolitischen Kampf der letzten Monate und Jahre zu verdanken. Eigentlich wäre eine Ausgrenzung und Verdammung eine praktische, mediale Hinrichtung, ruinös für ein Unternehmen.
Desweiteren wurden die Möglichkeiten der Präsentation der Bücher, Autoren und Inhalte ebenfalls eingeschränkt. Gerade wenn man ein Interesse an einer diskursiven Auseinandersetzung hat, wäre wohl im ersten Schritt eine Befassung mit den Inhalten der Gegenseite nötig, um darauf entsprechend einzugehen. Der geneigte Besucher hätte dies am Samstag im Rahmen eines Antaios-Bühnenprogramms tun können, wo Gespräche und Buchvorstellungen mit den Autoren geplant waren: uA Lichtmesz, Sommerfeld und Sellner und wo auch Björn Höcke einen Gastauftritt absolvierte und der von der Polizei abgeschirmt werden musste, gegen Antifa-Demonstranten. Diese wollten die Veranstaltungen niederbrüllen, es herrschte eine aggressive Stimmung und das Messepublikum (auch Frauen, Kinder und Alte), die sich in Ruhe mit den Ansichten auseinandersetzen wollten und auf die Sicherheit und Ordnung der Buchmesse hofften, fanden sich eingekeilt zwischen der Polizei und den Demonstranten und damit in einer Bedrohungssituation wieder, die jederzeit von Links hätte eskalieren können und wo die Messeleitung erneut ablehnte, ihre Verantwortung wahrzunehmen, um die Demonstration zu beräumen, damit Antaios ihre Veranstaltung hätten abhalten können, so wie es im Rahmen einer solchen Messe üblich ist. Hier auch wieder ein Publikums- und Imageschaden. Präsentieren (und damit verkaufen) konnte man sich wohl nur unzureichend.

Diesen Schaden muss Antaios tragen, die Verantwortung dafür ist ganz klar dem Trägerverein der Messe zuzuweise. Nun muss der mit den Inhalten von Antaios nicht konform gehen und darf sonst auch gerne unter allen andere denkbaren Umständen kritisch gegenüber den missliebigen Verlagen positionieren, wie ihre Mitglieder das Wollen, nur nicht im Gewand der Messe. Nämlich die geschädigten Verlage haben anders als die eingeladene Amadeu Antonio-Stiftung für ihre Stände, für Veranstaltungsflächen und -zeiten durchaus eine Menge Geld bezahlt. Neben der weltanschaulichen Neutralität, die man einfach gegenüber einer ernstzunehmenden Meinungsvielfalt vom Trägerverein (hinsichtlich bspw. der Zulassung zur Messe) hatte verlangen können, ist eine ganz einfach praktische und rechtliche Verpflichtung, die aus diesem Geschäftsverhältnis erwächst. Antaios kann sich darauf berufen vertragsüblich und damit gleich den anderen Verlagen auf der Messe behandelt zu werden und kann daher mit jedem Recht verlangen, dass der Trägerverein die Ordnung herstellt, aufrechterhält oder wiederherstellt, wenn sie wie beschrieben entgleitet und die nötigen Maßnahmen (Wachschutz, Demonstrationsverbote oder Räumungen) ergreift, um die Aussteller zu schützen und einen störungsfreien Ablauf des Messebetriebs zu gewährleisten, nämlich das, wofür die Aussteller viel Geld bezahlt haben.

 

An der Stelle der betroffenen Verlage wäre angesichts der Schmutzkampagne und des provozierten und geduldeten Vandalismus zumindest aus meiner Sicht eigentlich zu prüfen, ob man nicht wegen Schadensersatz oder zumindest Preiserstattung bzw. -minderung eine Klage anstrengen sollte. 20.000 Euro sind eine Menge Geld dafür, sich verbal und tätlich angreifen lassen zu müssen.

Die selbst eingeforderte Vielfalt von Meinungen, Pluralismus und Toleranz ist man offenbar nicht gewillt denjenigen zuzugestehen, deren Meinungen man nicht teilt. Man ist nicht bereit deren Meinungsfreiheit zumindest im Akt ihres Seins und ihrer Präsentation robust zu verteidigen, im Gegenteil. Die Messeleitung und die eingeladenen linken Aktivisten und die von diesen wiederum zusammen gerufenen Meinungsfaschisten haben ihr möglichstes getan, um ihrerseits die Provokation und die Konfrontation zu suchen, Dialog und ehrliche, faire Auseinandersetzungen abzulehnen, sich als moralisch überlegen und demokratisch gerieren, um sich dann aufs widerlichste anti-freiheitlich zu verhalten. Die bösen Rechten mögen jetzt von diesem ganzen Vorfall, so wird es ja schon geunkt, medial profitieren. Aber womit? Mit Recht! Demaskiert, entlarvt und als die wahren Feinde der Meinungsfreiheit oder als Verteidiger derselben auf einem hohen Niveau der Heuchelei haben sich besagte Akteure selbst.
Es war auch keine Provokation von der Jungen Freiheit, von Manuscriptum oder Antaios auf der Messe, die die Verlagslandschaft und literarische Vielfalt Deutschlands repräsentieren und vorstellen soll, aufzutreten. Im Gegenteil. Es sollte eine Selbstverständlichkeit und kein Politikum sein. Wie schon in der Causa Sieferle zeigt sich hier nur noch eindeutiger, wie klein der Korridor des Sagbaren geworden ist, auf den Johannes Saltzwedel damals schon zu sprechen kam und das der Auftritt auch im Rahmen dieses Kultur- und Lesemesse gerade von rechter Seite aus nie wichtiger gewesen ist als jetzt, um auch das medial-kulturelle Koordinatensystem wieder ins Gleichgewicht zu verschieben. Provokant war an dem Auftritt nichts. Wer sich davon provoziert fühlt, der ist nur noch auf eine Art und Weise zu kommentieren:

Wie Blogger-Kollege David Berger von Philosophia Perennis wiederum zum aktuellen Anlass passgenau Boris T. Kaiser anzitiert:

„Exemplarisch sei hierzu abschließend die ansonsten redlich um Seriosität bemühte FAZ zitiert. Sie vermeldet über die Sozialen Medien Facebook und Twitter ‚Der Auftritt rechtsgerichteter Verlage auf der Frankfurter Buchmesse sorgt weiter für Aufruhr ..‘ wozu der Autor und Blogger Boris T. Kaiser scharfsichtig wie lakonisch kommentiert: ‚Kurzer Rock sorgt für Massenvergewaltigung'“

Das worum es geht, ist die Diskurshegemonie, die die linken sich erkämpft haben, besitzen und nach wie vor auch politisch und gesellschaftlich nutzen und auszunutzen verstehen. Und wo die Hegemonie einmal hergestellt ist (und das ist etwas, wovor sich auch die Rechten hüten sollten, wenn das Pendel zu unseren Gunsten umlenkt) da nimmt die Toleranz für Meinungen, die das eigene Weltbild, insbesondere wenn es ideologisch fest ist und die Utopie bereits im Blick hat, kritisieren, rapide ab. Es kann nicht mehr sein, was nicht sein darf und es nur zu denken oder auszuprechen ist der erste Schritt auf dem Weg des Zerbrechens der Hegemonie und diese antwortet im Bewusstsein der eigenen Macht, aber auch im Bewusstsein des immer möglichen Machtverlustes mit Repression und dieser konnten wir hier, wie auch in der Causa Sieferle beobachten. Die Messe greift nicht ein, es wird auf den „kritischen“ Messebeiträgen über die Grenzen der Meinungsfreiheit diskutiert, als gäbe es nicht bereits Gesetze gegen Volksverhetzung und der Möglichkeit Bücher zu beschlagnahmen, die aber eben aus gutem Grund gegenüber den genannten Verlagen keine Anwendung gefunden haben. Das es sich nicht um faschistoide rechtsideologische Texte handelt, wird hier deutlich. Die Pose gegen Nazis zu kämpfen, entlarvt sich als Chiffre gegen die Andersdenkenden, Andersschreibenden und im Endeffekt Anderslesenden vorzugehen. Deutsche lest nicht bei Jud… Rechten!

Es sind nicht die Güter der Demokratie, der Toleranz und der Vielfalt, die bedroht sind, zumindest nicht von Rechten. Es sind die linken Täter, die Vandalen, die Dialogverweigerer, die Niederbrüller, die Meinungen zensieren, blockieren und mit Verleumdung und Gegenpropaganda aus dem Diskurs halten wollen, die die Meinungsfreiheit bedrohen und zunehmend einschränken (wollen) bzw. darüber zu bestimmen suchen, was noch eine äußerbare Meinung ist und was nicht. Und mit der Axt, die an die Meinungsfreiheit gelegt wird, zeigen sie sich als die Intoleranten, die die Vielfalt (der Meinungen) selbst am meisten bedrohen und damit eine wesentliche Grundlage der Demokratie erodieren. Und man sieht diese Dinge hier im Verhalten des Trägervereins vor allem in der Buchmesse kristallisiert und konzentriert.

FBM 2017 Teil 1: Haltung zeigen / Mit denen red‘ man nich

Ein Fest des Lesens, der Meinungen und auch der Meinungspluralität sollte die Frankfurter Buchmesse 2017 werden. Inzwischen spielt sich dort Teil 2 der Schmierentragödie ab, die bereits im Frühsommer mit dem Fall Sieferle einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. Der vorgeblich tolerante und an Vielfalt interessierte Kulturbetrieb zeigt Haltung gegen andersgeartete Meinungen und entlarvt das Gerede vom Pluralismus als bloße Scharade.

Ein Fest des Lesens, der Meinungen und auch der Meinungspluralität sollte die Frankfurter Buchmesse 2017 werden. Inzwischen spielt sich dort Teil 2 der Schmierentragödie ab, die bereits im Frühsommer mit dem Fall Sieferle einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. Der vorgeblich tolerante und an Vielfalt interessierte Kulturbetrieb zeigt Haltung gegen andersgeartete Meinungen und entlarvt das Gerede vom Pluralismus als bloße Scharade.

Hinweis: Unter #diebuecherderanderen habe ich einige Bonmots aus meiner Twitter-Timeline zur Frankfurter Buchmesse 2017 gesammelt, die einen rechten Blick auf die dortigen Vorgänge und Meinungen und Kommentare dazu, freilich nicht erschöpfend, widerspiegeln. Schaut ruhig mal rein.

 

Als wäre ein Kulturskandal in diesem Jahr nicht genug, legt der deutsche Kultur- und Medienbetrieb tatsächlich noch einmal nach. Der Ruf ist längstens ruiniert und so lebt es sich scheinbar gänzlich ungeniert. Nur fehlt jedes Verständnis, jede Einsicht und jedes Bewusstsein für das eigene Unrecht. Man könnte fast meinen der Sieferle-Skandal im Frühsommer wäre nur die Blaupause für diese erneute Selbstdemontage gewesen.

Der Kulturbetrieb feiert, anders als bei der eventischen Leipziger Messe im Frühjahr, den Höhepunkt des Kulturjahres auf der Buchmesse in Frankfurt, auf der sich neben nationalen und internationalen Autoren (dieses Jahr ist Frankreich das Gastland der Messe und präsentiert Gegenwartsdiagnosen, die einem sedierten deutschen Zeitgeist auch nicht unbedingt schmecken dürften) auch natürlich die Verlagslandschaft mit ihren neuesten Aushängeschildern präsentiert. Und tatsächlich sind auch rechtskonservative, nationalliberale, nationale und eben auch identitäre Kräfte auf der Messe zugegen. Was eigentlich als selbstverständlicher, legitimer Teil des Meinungsspektrums, des natürlich auch politischen Spektrums, alles Recht hat, sich dort zu präsentieren und am allgemeinen Meinungsaustausch auch selbstbewusst teilzunehmen, entwickelt sich zu einem kranken Politikum.

Durchaus auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein ausgestattet präsentiert sich neben anderen (unter anderem Tichys Einblick und Manuscriptum) auch der Antaios-Verlag des streitbaren Publizisten Götz Kubischek mit intellektuellen Größen der Neuen Rechten wie Martin Lichtmesz. Kubitscheks Verlag hatte schon Sieferles „finis germania“ am Markt platziert und die versuchte Verleumdung und damit medialer Zensurversuch durch den deutschen publizistischen Betrieb hatten dem eher banalen Text einen Überraschungserfolg beschert. Auf der Messe will man nun zurecht publizistisch nachlegen und sich präsentieren.

Das wiederum scheint, wie auch schon der Sieferle-Text in den Bestseller-Listen, für das mediale Establishment eine derartige Zumutung zu sein, dass man die Schmutzkampagne gegen Sieferles Buch, nun mit weiterer Schützenhilfe, wiederholen will. Eine „Buchmesse gegen Rechts“ hatte sich im Vorfeld in Form eines Offenen Briefes und einer schnell zusammen geklatschten Webseite formiert und den Träger der Buchmesse aufgefordert rechten Verlagen, voran Antaios, keine Bühne zu bieten und sie von der Messe auszuschließen. Angeschlossen hatten sich den Bewegten zumindest gemäß der angegebenen Titulierungen auch nicht wenige Akademiker, die unter dem Deckmantel der Verteidiung von Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt mal wieder, ganz nach dem alten Muster, dessen Einschränkung nach ihren ideologischen Prämissen forderten.

Das wäre insofern nicht bemerkenswert, denn solcher Art antidemokratischer Demokratieverteidiger traf man zuletzt auch schon wegen der Bundestagswahl und dem drohenden Einzug der AfD in reicher Menge, doch trug dieser Keimling Früchte. Vom Träger der Buchmesse hätte man erwartet mit aller Entschiedenheit solchen Forderung oder auch nur dem Gedanken eine schallende Absage zu erteilen und sich eben tatsächlich für die Meinungs- und Angebotsvielfalt auf der Messe stark zu machen, gerade in dem man auch den rechten Verlagen gleiche Rechte und gleichen Schutz zugesteht. Die einzige und zugleich kurze Antwort auf solche Forderungen hätte lauten müssen: „Wir teilen diese Ansicht vielleicht nicht, aber wir setzen uns dafür ein, dass sie ebenso ausgesprochen und präsentiert werden darf, wie die aller Autoren, die sich hier vorstellen dürfen.“

Jetzt mag man einwenden, dass doch genau dies geschehen sei? So halb. Offenkundig war eher der Wunsch stärker, sich die eigene Maske nicht vom Gesicht reißen zu lassen. Hätte es eine Möglichkeit ohne Gesichtsverlust gegeben, die unbequemen Verlage loszuwerden, man darf annehmen, und sei es nur um der als relevanter aufgefassten linken Rechtskritik aus dem Weg zu gehen, man wäre ihn wohl gegangen. Stattdessen hat man zwar der Forderung nach Ausschluss eine Absage erteilt, um zugleich einen halben Schritt zurückzugehen, um „Haltung [zu] zeigen“.
Diese Haltung bestand in zweierlei. Einmal räumte man nämlich, um die bösen rechten Gedanken einzuhegen (wohl damit die Leute sich nicht plötzlich einen Hitler einfangen), linken Kräften einen privilegierten Platz in einem Stand schräg gegenüber des Antaois-Ausstellungsfläche ein, damit diese den Verlag kritisch begleiten könnten. Mir wäre neu, dass es jemals vorgekommen sei, dass man Atheisten gezielt gegenüber religiösen Verlagen, Wirtschaftsverlage gegenüber linken Parteiverlagen platziert hätte, damit die Leute das Gesagte und Gelesene besser einordnen können. Es ist klar: Die linken Aktivisten sollen den Leuten, die ergebnisoffen das Gespräch mit Antaios suchen, gleich vermitteln, wie sie das Gesagte zu bewerten haben: Rassistische Kackscheiße.
Besonders delikat wird dies, wenn man sich vor Augen führt, WER diese „Demokratie“aufklärung und den Einsatz für Toleranz und Meinungsfreiheit übernehmen darf. Man holt sich natürlich die AgitProp-Experten, sozusagen die schweren Geschütze, der Amadeu Antonio-Stiftung ins Haus und platziert sie den vermeintlich bösen Rechten gegenüber. Man kann nicht genug betonen, dass die AA-Stiftung von der ehemaligen Stasi-IM Anetta Kahane geleitet wird, die in ihren letzten Projekten und der Zusammenarbeit mit dem scheidenden Bundeszensurminister Maas Zensur und Spitzeltum im Netz und den Sozialen Netzwerken vorantreiben wollte, unter dem Deckmantel der Bekämpfung sogenannter Hatespeech. Sowohl in das NetzDG als auch die #nichtegal-Kampagne war die AA-Stiftung privilegiert eingebunden und sollte auch bei deren Durchführung privilegierter Partner sein, um Hassrede zu identifizieren und damit die Zensur von Meinungen zu legitimieren. Darüber hinaus ist die Ideologie der Kahane-Stiftung im Kern linksextrem und dem Deckmantel der Bekämpfung von Rassismus und Sexismus wird von Kahane und Co. ebensolcher befördert und verbreitet. Das anti-deutsche Engagement von Referenten der Stiftung ist ebenso wohlbekannt, wie die Zusammenarbeit mit den Schlägertrupps der antidemokratischen, linksextremen deutschen Antifa.
Diese Leute sollen also ausgerechnet den Messebesuchern gegenüber den Rechten ein dialogoffenes Gegenmodell vermitteln? Die Kirsche auf diesem, man verzeih die blumige Sprache, cremigen Haufen Scheiße ist nur noch, dass für die exponierte Unterbringung der Amadeu-Antonio ein anderer Verlag diesen Stand räumen und sich mit einem Stellplatz an einer anderen Stelle abfinden musste und natürlich die Stiftung keine Standmiete (üblicherweise ca. 20.000 Euro) entrichten brauchte, sondern praktisch Gast der Messe ist. Und das obwohl die Stiftung für ihr linksextremes Engagment bereits aus dutzenden staatlichen Fördertöpfen gepeppelt wird und auch so über ein hinreichendes Stiftungsvermögen verfügt, um sich den selbsterklärten Kampf gegen Rechts etwas kosten lassen kann, ohne das diese Frechheit auch noch vom Buchhandel alimentiert werden müsste.

Die zweite Säule im Zeigen von Haltung bestand dann darin, dass die Träger sich am vergangenen ersten Messetag haben von der Pressemeute dabei ablichten lassen, wie sie einen absolut natürich wirkenden Demonstrationslauf um den Antaios-Stand abgehalten haben, zu dem Kubitschek süffisant anmerkte, dass sie ihn wiederholen mussten, damit auch alle Pressevertreter ein Foto abbekamen auf dem nicht zu sehen ist, dass es sich nur um ein paar wenige lächerliche Hampelmänner handelt. Den wohl regen Publikumsverkehr am Antaios-Stand wird man wohl kaum vorzeigen. Nein lieber lichtet man die „Haltung“ dieser Leute ab, die darin bestand mit Schildern für Vielfalt und Toleranz gegen einen Verlag und dessen Ansichten und Meinungen und damit genau gegen Meinungspluralismus zu demonstrieren, entlarvend.

Aber bleiben wir noch kurz beim Doppel-A. Im Vorfeld der Messe, als klar wurde, dass der Buchhandel Haltung zeigen wollen würde und nichts unversucht lassen, um mal wieder, auch in der bewährten Weise, die hinter den Texten stehende Gedankenwelt als rechtsextrem und nazistisch zu entlarven, hat Antaios die Hand gereicht. In einem offenen Brief bot Ellen Kositza Dialogbereitschaft auf Augenhöhe an und war bereit zusammen mit den Autoren ihres Verlages in die argumentative Auseinandersetzung zu gehen. Rechte sind nicht dialogbereit und wir müssen sie argumentativ packen, aber sie entziehen sich einer sachlichen Diskussion immer. War das nicht seit Jahr und Tag des Paradigma des linken Mainstreams: Die Rechten sind schuld? Hier ist ein Gesprächsangebot zu fairen Bedingungen, hinter das weder Kositza noch Antaios hätten zurückgekonnt, ohne sich unglaubwürdig zu machen (zumindest sofern man die eingeforderten fairen Bedingungen eingehalten hätte) und man hätte sie also festgenagelt.

Doch die AA-Stiftung? Nein mit Rechten könne man nicht reden und – altes >>Argument<< – man wolle ihnen keine Bühne bieten. Eine Bühne bietet man Menschen nur, wenn man unfähig dazu ist, sie argumentativ zu schlagen, es ist eine Ausrede, eine faule noch dazu, aus Faulheit vor der Unbequemheit einer echten Debatte oder aus Furcht vor der eigenen argumentativen Schwäche. Mehr nicht. Man will einen Dialog über die Rechten Inhalte führen? Aber bloß nicht mit den Rechten selbst. Ein Symposium würde es geben, aber reden da nur Leute aus dem gleichen ideologischen Stall über einen Dritten, der nicht anwesend ist: Ein, ebenfalls wieder blumig, Kreiswichs der Bessermenschen, das intellektuell und argumentativ wohl nichts Neues abseits der immer gleichen bequemen Anschuldigungen und der altbekannten Nazi-Keulen zu bieten hat.
Kubitschek wurde wohl hinter den Kulissen ein Gesprächsangebot hinterbracht, wie er zurecht selbst sagt: Folgen darauf keine Taten, so ist das ganze eine lächerliche Makulatur. Die Einladung der AA-Stiftung ist es jetzt schon. Blogger-Kollege Stapelchips (sicher kein Freund der Rechten; aber gerne abonnieren) meinte schon zurecht angefressen auf Twitter, dass es die scheiß Pflicht der AA-Stiftung wäre, sich eben direkt mit den Rechten auseinanderzusetzen, gerade weil sie dafür bezahlt werden und sich nicht abzukapseln und wegzuducken, wenn es Ernst wird.

„Mit Rechten reden“ nimmt man offenbar selbst nicht Ernst, über Rechte (schlecht) reden ist hingegen ein beliebter und einfacher Volkssport bei unredlichen „Intellektuellen“ wie es scheint. Drum ist wohl das pünktlich zur Messe ebenfalls von Lichtmesz und Sommerfeld fertiggestellte „Mit Linken leben“ wohl auch das erst einmal für Leute wie uns, die bessere Lektüre, um uns insbesondere dann unseren Gleichmut zu bewahren, wenn die Linken Schluss mit Verleumdung machen und dann eben doch zur guten alten antifaschistischen „Handarbeit“ übergehen.