Berger und Licentia – Windschwache Primadonnengewächse

Das Klima auf Twitter ist rau. Dies ist der Ort wo es in Anlehnung an Sigmar Gabriel „riecht, gelegentlich auch stinkt“ und es anstrengend ist. Jedoch gehört es zum Dasein als Influecner gerade mit kontroversen Meinungen den Druck verschiedener Seiten auszuhalten. Lisa Licentia hat nun den feigen Ausstieg gewählt.

Das Klima auf Twitter ist rau. Dies ist der Ort wo es in Anlehnung an Sigmar Gabriel „riecht, gelegentlich auch stinkt“ und es anstrengend ist. Jedoch gehört es zum Dasein als Influecner gerade mit kontroversen Meinungen den Druck verschiedener Seiten auszuhalten. Lisa Licentia hat nun den feigen Ausstieg gewählt.

Das Drama um die YouTuberin und vormalig rechte Aktivistin „Lisa Licentia“, das sich jetzt schon einige Wochen träge und mühselig durch Twitter und YouTube schleift, hat sich einem ersten großen Höhepunkt angenähert, denn wie jede gescheiterte rechtsaktivistische Existenz ist Lisa nun bei David Berger untergekommen, um ihr Leid über die ihr gegenüber gefallenen Herablassungen zu klagen. Böse Zungen mögen behaupten, dass es nun nicht mehr weit sei zur gut dotierten FUNK-Karriere, womöglich hat man dort noch Bedarf an einer Franziska Schreiber nur diesmal mit femininem Äußeren und Kindern, die so zumindest augenscheinlich deutlicher glaubwürdiger das konservative Feigenblatt geben kann.

Eigentlich hatte man sich darauf verständigt Lisa keine unnötige Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, nach der er es sie auch meiner Beobachtung nach zentral verlangt. Man tritt nicht gerne gegen gefallene Sterne nach, aber manchmal ist eben doch Klartext angebracht, da wir es hier erneut mit einem Fall im Stile David Bergers zu tun haben.

Berger und die intellektuell parfümierten Nazis

Bergers Sturz aus dem Himmel der rechten Primar-Publizistik vollzog sich in einer Auseinandersetzung mit den Autoren des anderen rechten publizistischen Zentrums um Schnellroda. Der Akt ist als eine Kaskade der gegenseitigen Aufschaukelung treffend erklärt. Berger ist ein Rechtsliberaler, weniger ein Konservativer. Seine Betrachtung des anhaltenden Migrationsproblems ist die einer Verletzung des Rechtsstaates und einer Zerstörung der westlich-liberalen Werte durch die unzivilisierten Massen junger Männer, die sie so willentlich wie teils gewalttätig missachten. Es dürfte keine unwesentliche Rolle spielen, dass Berger selbst homosexuell ist (und in der Vergangenheit die katholische Kirche zurecht erfolgreich wegen Diskriminierung zu einer Leibrente verklagt hat, als dies öffentlich wurde), das seine Ablehnung des Islams bestimmt.

Das ist an sich im rechten Lager kein Grundproblem, denn Verbündeter kann man sein, wenn man sich über die Schlagrichtung einig ist, auch wenn die Gründe dafür verschieden sind. Allerdings kann und soll es vorkommen, dass dennoch innere ideologische Diskurse und Streits geführt werden (meist gibt es dazu ja auch Anlässe) und man erwartet ja, dass sie gerade innerhalb des eigenen Lagerbogens souverän ausgehalten werden auch dann, wenn man trotz der Diskussion von seiner Position nicht lassen will.

Das Problem bei Berger jedoch ist eine sehr ungünstige Verknüpfung verschiedener charakterlicher Prägungen: Berger zieht den Rahmen des politischen Maximums hinter seiner eigener Position. Sie ist der Goldstandard (und von ihm so betrachtet der gesunde Menschenverstand) und alles darüber hinausgehende Radikalismus und Extremismus, selbstredend ohne dafür irgendwelche harten und zuverlässigen Kriterien anlegen zu können. Kritik am Liberalismus ist es generell, es sei denn es richtet sich eben gegen die Liberalität dem Islam gegenüber. Seine Intoleranz verschiedene rechte Weltbilder zwischen sich selbst und dem altrechten Rand (vulgo Neo-Nazis) auszuhalten paart sich mit einer kurzen Hutschnur, was Kritik an seiner Person selbst angeht, die dann immer gleich als grundsätzlich und existenziell aufgefasst wird und eine unheilige Verbindung mit dem von ihm kultivierten Opferkomplex eingeht. Persönliche Kritik an seinem promiskuitiven Lebenswandel oder besser dessen exhibitionistischer Zurschaustellung verbunden mit der Frage, inwiefern Bergers Weltbild damit als authentisch rechts verstanden werden könne, wird somit direkt als fundamentaler Angriff auf seine Person aufgefasst. Die Interpretation: Er dürfe nicht rechts sein oder weiter eskalierend er dürfe als Mensch gar nicht existieren, weil er homosexuell sei, obwohl das weder Teil der Frage noch das aufgemachten Problems war. Gleichwohl kann er damit die eigentliche Sachdebatte ignorieren, sich in Frage seiner Sexualität einen moralischen Highground verschaffen und gegen Kritik immunisieren und seine Kritiker in der Gegenöffentlichkeit dann als Unmenschen an den Pranger stellen.

Wie lief die Sache nun ab? Berger hatte sich in einem Beitrag auf Philosophia Perennis sehr ekstatisch und in blumigen Worten seiner Liebe zum Grundgesetz und unseren westlichen Werten versichert, etwas das dem zu Sticheleien stets aufgelegten Martin Lichtmesz zu einem ironisch-hämischen Twitter-Kommentar brachte, der eigentlich kaum mehr als ein augenzwinkerndes stänkern gedacht war.

Die Kritik an rechten Boomern, wie Berger fällt in solchen Situationen derart aus, dass sie die ideengeschichtliche und ideologische Leerstelle in ihrem Weltbild (weil ihnen Begriffe wie Nation aufgrund eines verinnertlichten Tabus als schmutzig oder illegitim erscheinen) gerne mit Abstrakta wie der freiheitlichen Grundordnung, westlich-liberalen Werten oder dem Grundgesetz füllen, die allerdings zwei wesentliche Probleme aufweisen:

  1. Sie geben dem Staat höchstens Form aber keinen Inhalt und sind deshalb nicht unbedingt angetan dazu einen Zusammenhalt zu stiften schon gar nicht wenn das Problem ethnisch-religiöse Balkanisierung und ethnische Wahl sind und nicht etwa distinguierte Debatten über öffentliche Theaterförderung
  2. Sie sind interpretier- und wandelbar und taugen daher eben nicht als Skelett eines konsistenten Weltbildes. Wer sich heute noch auf Rechtsstaat oder Verfassung beruft, tut das nur mit dem Wissen oder einer Interpretation dessen, die ihm recht gibt. Wie die immer wieder aufkommenden Debatten über Änderungen der Verfassung und unserer Staatsziele zeigen, kann anhand der deutlichen Mehrheit die linke Parteien im Bundestag haben von heute auf morgen ein Bekenntnis zu einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft drin stehen. Wer dann noch den Islam kritisieren will, verhält sich selbst, wenn er nicht gemäß des Diskriminierungsverbotes diskriminieren will, schon verfassungswidrig. Wird jemand wie Berger sich dann noch mit genau solcher Verve zur Verfassung bekennen und nun beginnen jene Auswüchse der Massenmigration, multikulturellen Gesellschaft und Islamisierung zu feiern und zu verteidigen, weil es das von ihm hochgeschätzte Grundgesetzt nun so vorsieht?

Aber wie gesagt es ging um keine Generaldebatte. Es war ein einfacher Kommentar, der dazu gedacht war, sich über diese wiederholte von Berger vorgetragene Stilposse lustig zu machen, so wie man sich über die Manierismen eines Schauspielers lustig machen würden, doch scheinbar schien der Kanal voll zu sein und Berger antwortete mit einer Kernschmelze, in der innerhalb weniger Tweets dahin kam, dass Schnellrodianische Umfeld – sehr zum Befremden mit ihm sympathisierender Leser wie mir – zu intellektuell parfümierten Nazis zu erklären und sich selbst als Maß aller Dinge und Garant der Freiheit und Demokratie des rechten publizistischen Raumes zu inszenieren. Freilich als Heros, der unter großem persönlichen Opfer die Drachen in Schach hält. Zuvor hatte Bergers Sexualität kaum eine Rolle gespielt. Hin und wieder war seine Neigung sich selbst knapp bekleidet und oder in Begleitung mutmaßlicher Liebhaber auf Social Media zu zeigen schon Thema. Etwas, das genauso Thema gewesen wäre, wenn er sich als formell Konservativer, stockhetero mit leicht bekleideten Strandhasen hätte ablichten lassen. Aber nach seinem Ausritt gegen Schnellroda ließen die Mechaniken sozialer Netzwerke nicht auf sich warten. Der selbstproduzierte Shitstorm brach über Berger zusammen.

Wer weiß wie Mobbing in Grundzügen funktioniert wird auch wissen, dass gegen einen Gemobbten alles verwendet wird, sofern es ihn nur richtig triggert und oder herunterzieht. Das folgt ansonsten keiner inneren Logik oder tatsächlichen Überzeugung. In der Schule ist das immer wieder gut zu beobachten. Du kannst etliche Schüler haben die Brille oder Zahnspange tragen, möglicherweise sogar offen homosexuell sind. Es wird erst zu Inhalt des Thema des Mobbings, wenn in einer ins Visier gerät (und sei es weil er angesehenen Mitschülern negativ aufgefallen ist). Seine Brille, seine Zahnspange oder seine Homosexualität werden zum Thema gemacht, während im selben Moment selbst völlig unbehelligt Brillen- und Zahnspangenträger akzeptierter Teil des Mobs sein können. Im Bezug auf das ausgemachte „Opfer“ nimmt man alles, von dem man glaubt, dass es dieser auf die Palme bringt, für das es sich möglicherweise geniert. Und in Bergers Fall war das seine, aber nicht nur, zur Monstranz aufgeblasene Homosexualität, die ordentlich dadurch den Kakao gezogen wurde, in dem sich die Gemeinde auf Twitter lustig über den „konservativen“ Berger machte, in dem sie seine promiskuitiven Strandfotos, die er im übrigen selber online gestellt hatte, durch den Kakao zog.

Dieser reagierte wie ein angestochenes Äffchen und versuchte mit immer irrer und wirrer werdenden Beiträgen seine Gegner als Nazis zu diffamieren und unterstellte der Neuen Rechten sogar wegen eines Festgrußes an polytheistische Neuheiden eine Sehnsucht nach der DDR zu haben. Und man will hinzufügen: Versuche vernünftig mit ihm zu reden, wurden unisono abgeblockt oder ignorant hingenommen, während er sich – zur Bestätigung seiner Opferpose – an jedem Trollkommentar hochzog und aufgeilte, der seine Meinung und Abgrenzung von diesen bösen Nazis nur zu bestätigen schien. Nachdem er sich derart selbst entblößt und lächerlich gemacht hatte, ist die Causa Berger eher etwas über das man peinlich berührt schweigt.

Ob der Vorwurf stimmt, dass Berger versucht hatte, mit dieser exzessiven Abgrenzung und Intoleranz gegenüber dem rechten Spektrum um Verständnis oder Zustimmung des Mainstreams zu buhlen (der bekanntlich zwar den Verrat zum Schaden der Rechten aber eben nicht den Verräter liebt), mag ich nicht beurteilen. Das ein solches Denken aber mit Ausnahme von dann linksgewendeten Kronzeugen wie Franziska Schreiber meist nicht aufgeht, zeigt der Fall Lucke aus dem vergangenen Jahr exemplarisch. Dieser steckt trotz seines Austrittes und deutlichen Abgrenzung zur heutigen AfD in einer Franz von Papen-Rolle fest, die ihm die Linken nie verzeihen werden, es sei denn er wird möglicherweise zum kommunistisch gewendeten Antifaschisten.

Eine bessere Diskussionskultur in der Rechten

Bevor wir zum aktuellen Fall kommen, will ich die Mitte des Beitrages nutzen, um Stilkritik an dem Twittervolk zu üben, dem ich mich weltanschaulich teils verbunden fühle: Wenn ihr bei jeder noch so kleinen ideologischen Abweichung oder kritischen Äußerungen gleich mit voller Wucht losschlägt (nicht viel anders als Berger, der gleich überall intellektuell parfümierte Nazis riechen wollte und selbst keine Toleranz in der Mosaik-Rechten zulässt), wo von euren zum Teil ins Reaktionäre gehenden Weltvorstellungen abgewichen wird, sind die Leute noch weniger angetan dazu eure Argumente oder eure Kritik in irgendeiner Form konstruktiv zu würdigen. Umso mehr zwingt ihr diese Leute dazu den Fehdehandschuh aufzunehmen und zurückzukeilen, wenn sich euch als wildgewordenem Mob zu beugen, bedeuten würde das Gesicht und die Würde zu verlieren. Häufig genug reagiert auch hier eine Kultur der Übertreibung vor und die Angriffe verlagern sich auf eine derart persönliche Ebene, die nichts anderes mehr zulässt, als den Ausstieg zu wählen. Das wir uns nicht falsch verstehen: Widerspruch sollte nicht unterlassen werden und sollte auch immer wieder kommen, wenn scheinbar falsche Positionen aufgemacht oder unnötige oder falsche Distanzierungen vorgenommen werden.

Das Argument „Das müssen die halt aushalten, ansonsten ist es halt deren Sache wenn sie gehen“ trägt nicht, wenn am Ende nur ein kleiner Kreis ekstatisicher Zeloten übrig bleibt, sich die träge Schwungmasse und ihre Influencer aber ins Exil verkrümelt haben. Kein Volksaufstand, keine metapolitische Wende, kein Druck ohne Masse, daher sollte der erste Versuch immer sein, dass man die Leute (freilich nicht unter Aufgabe der eigenen sinnvollen Positionen) durch Verständnis und Debatte in der Phalanx zu halten, statt sie auszustoßen. Hierfür sei jedem Abgrenzer und jedem kantigen Netzaktivisten diese Analyse des Schattenmachers ins Stammbuch geschrieben:

Schattenmacher über Solidarität in der Rechten Phalanx

Setzt natürlich voraus, dass diese Person das selbst auf einer grundlegenden Ebene will, statt sich lieber in maximal moralisch aufgeladene Distanzierungen zu flüchten. Und hier liegt auch schon ein Problem, selbst wenn diese Person nicht zwanghaft aus dem Lager hinaus will – was häufig genug mit dem Einsatz einer höheren Moral verbunden ist, man stellt sich hier schließlich auf eine andere Stufe der moralischen Vollkommenheit als der verkommene Abschaum, von dem man sich scheidet – sobald die Moral ins Spiel kommt, ist es ein Angriff auf die persönliche Integrität der anderen und zugleich ein Maßstab hinter den man selbst nicht zurück kann, um sich nicht selbst unglaubwürdig oder selbst moralisch verkommen zu machen.

Lisa Licentia, die verfolgte Unschuld

Das führt uns nun zum Thema „Lisa Licentia“. Die junge Frau hatte sich – wie schon gesagt – eine gewisse Followerschaft als patriotische Aktivistin erworben, die gegen den linksgrünen Gesellschaftswahnsinn und vor allem den Islam angeredet hat, wobei es ihr dabei auch recht und billig war, sich von dem ihr inzwischen verhassten Martin Sellner shillen und bekannt machen zu lassen. Im Hinblick auf die Themen ist die Parallele zu Berger nur allzu deutlich und das setzte sich auch fort.

Ähnlich wie Berger blieb es bald bei der üblichen Triade aus westlichen Werten, darauf basierender Anti-Islam-Einstellung und einem „boomerischen“ Vulgärpatriotismus. Was den Leuten nun auf Twitter primär fehlte war ein überzeugendes Weltbild und irgendeine Form von intellektuellem Tiefgang (zum Beispiel in Form einer Analyse der Phänome, über die sprach). Und das wurde meiner Einschätzung nach eben unisono wie bei Berger der Hauptgegenstand der Kritik. Insbesondere weil diese weltanschauliche geistige Leere natürlich nicht leer blieb, aber dazu gleich mehr.
Anders als Lisa behauptet, spielten in negativer Hinsicht weder die Tatsache, dass sie eine Frau ist, allereinziehende Mutter ist oder migrantischer Abstammung ist, zu diesem Zeitpunkt irgendeine prominente Rolle. Im Gegentel hatte sie selbst all diese Dinge – als sie ihr noch nützlich waren – offensiv zum Thema gemacht und zur Besonderheit ihrer Person erhoben, als sie eben ihre Karriere im rechten publizistischen Raum als Influencerin begann.

Als Frau war sie in einer primär an Männern übersättigten Szene schon eine besondere Ausnahmegestalt, ähnlich wie andere Aktivistinnen, die deshalb entsprechend hofiert werden, gerade weil man gerne weibliche Stimmen – auch zum Ansprechen einer weiblichen Bevölkerung haben möchte, als auch zu verstehen, was Frauen davon abhält aktiv zu werden. Bei der von Lisa verbreiteten Mär Frauen seien in der Neuen Rechten als Aktivposten unerwünscht und es gäbe patriarchale Strukturen, die sie ja nicht in Machtpositionen sehen wollen, ist unkritische Übernahme eines linken Narrativs, das zudem völlig wirklichkeitswidrig ist. Konservative Frauen spielen seit der Gründung der AfD eine herausgehobene Rolle in dieser rechten Partei und befinden sich auch mit Alice Weidel und Beatrix von Storch in prominenten Positionen. Aktivistinnen werden mit einem gewissen Stolz vorgezeigt und von den größeren Influencern entsprechend auch gefördert. Das Problem von Rechten bei Frauen anzukommen ist vielschichtiger, als das es hier ausführlich Thema sein kann, aber dass sie als Frau angefeindet wird, ist eine blanke Lüge, die durch die viele Unterstützung, die sie zu Beginn erhielt, widerlegt wird.

Ihren Migrationshintergrund benutzte sie, wie viele rechte Influencer, die einen solchen haben, häufig genug gegen linke Kritiker, um sich dem Vorwurf des Rassismus oder der Ausländerfeindlichkeit zu entziehen. Niemand nahm Anstoß daran. YouTuber wie Feroz Khan von achse:ostwest oder Hyperion sind nach wie vor wohlgelittene Gesprächspartner in rechten Kreisen trotz ihres – im Gegensatz zu Lisa – sichtbaren Migrationshintergrundes. Hätte sie das nicht selbst zum Thema gemacht, man würde ihr nicht einmal ansehen, dass sie nicht schon seit Generationen in der brandenburgischen Heide Kartoffeln zu sich nehmen würde.
Zu guter letzt hat sie ihre Kinder stets benutzt, um sich einen konservativen Tusch zu geben und von der in rechten Kreisen verbreiteten Wertschätzung von Müttern und Kinderreichtum zu profitieren. Mutter und Aktivistin macht sich gut auf der Haben-Seite. Allerdings muss man dann auch liefern.

Und genau hieran mangelte es.

Da waren nicht nur der mangelnde Tiefgang und ein fortgesetzter Unwille sich positiv zu einem nicht nur formalstaatlichen (westliche Werte, Grundgesetz wir hatten das schon) Patriotismus zu bekennen sondern es gab innerhalb der letzten Monate zwei große Kracher, die ähnlich wie Bergers „intellektuell parfümierte Nazis“ das Tischtuch endgültig zerrissen.

Zum Ersten hatte Lisa in einem Video die feministische Forderung nach Quoten unterstützt. Die Quotendiskussion ist ein Dauerbrenner in der Auseinandersetzung mit dem Feminismus und schon häufig argumentativ widerlegt worden, da die zugrundeliegende Annahme: Frauen würden bei gleicher oder besser Leistung nicht aufrücken und das zeige sich darin, dass wir keine Parität in Unternehmensvorständen oder Parteien haben, auf falschen Prämissen beruht. Ähnlich wie der Wage-Gap oder Gender-Pay-Gap basiert es auf der falschen Annahme Frauen und Männer seien gleich und deshalb würde sich, wenn es keine diskriminierenden Strukturen gäbe, überall Parität einstellen. Unterschiedliche Neigungen bei der Berufswahl, unterschiedliche Bevorzugung von Vollzeit- oder Teilzeitarbeit, unterschiedlich bevorzugte Karriereoptionen usw. usf. werden hier völlig außer acht gelassen. Auch der Verweis auf den geringen Frauenanteil in der AfD trägt nicht, da hier eben Ursachen wie ein unterschiedliches Bedürfnis danach politisch aktiv zu sein (auch als Politiker) und unterschiedliches Wahlverhalten nicht berücksichtigt werden. Viel mehr wird hier die alte Wassersuppe von den Vorbildfiguren aufgewärmt, die es aber mit der erwähnten Alice Weidel, Beatrix von Storch nicht nur in der Führungsebene gibt sondern auch mit Joana Cotar oder Corinna Miazga auf Twitter und YouTube. Der Doktorant macht zwar schon lange keine Videos mehr, aber seine Videos zu den verschiedenen feministischen Themen sind nach wie vor Stand der Debatte.

Eine Sache, die Lisa aber besonders persönlich nahm waren die Nachteile, die alleinerziehende Mütter haben und denen mit feministischer Quotenarbeit geholfen werden müsse. Nicht wenige, auch nicht-rechte, liberale Kommentatoren sahen hierin wohl auch den persönlichen Versuch sich aus der Verantwortung für eigene Fehlleistungen zu ziehen. Einmal ist die Hoffnung sehr naiv, dass das quotierte Befördern von Karrierefrauen, die in aller Regel eher dazu geneigt sind der Karriere wegen die Familie unterzuordnen, kinderlos zu sein oder sich die Erziehungsarbeit für das einzige späte Kind von teuer bezahlten Nannys abnehmen zu lassen, das Familienklima in Betrieben verbessern würden, zumal es in Führungsverantwortung liegt Kosten zu reduzieren um dadurch Gewinne zu maximieren. Andererseits gerät es hier mit einem gemischt liberal-konservativen Problemfeld zusammen.

Die Liberalen müssen so etwas ablehnen, weil es sich bei dem Zustand alleinerziehend zu sein (und vor allem das zu bleiben) um das Ergebnis von Lebensentscheidungen handelt, für die der einzelne schließlich die Verantwortung tragen muss, bspw. schwanger zu werden und das von einem Partner der nicht trau oder beständig ist (und in Lisas Fall das mehrmals). Da Frauen und Kinder nicht leiden sollen, insbesondere, wenn sie gegen ihren Willen sitzen gelassen werden, erhalten sie bereits staatliche Unterstützung und man kann natürlich darüber reden, dass sie üppiger ausfallen könnte, aber und hier trifft sich der Liberalismus mit konservativer Kritik: Sollte es nicht Aufgabe der Gesellschaft sein ein dysfunktionales Familienmodell (und dysfunktional ist es, wenn es ohne staatliche Stütze nicht lebensfähig wäre) zu stützen oder gar zu propagieren. Eine alleinerziehende Mutter kann daher zweierlei tun: Sich durch diese schwierige Situation durchbeißen und aus ihren Kindern mit harter Arbeit und ganzer Kraft gute Mitglieder der Gesellschaft machen, dafür auf vieles verzichten und unseren Respekt verdienen oder sich eben wieder einen Partner suchen, mit dem sie sich diese Last teilen kann. Der von bösen Kommentarschreibern aufgebrachte Vorwurf, Lisa wende sich dem Feminismus zu, weil sie ihre Beine nicht zusammenhalten oder richtig verhüten könne, aber jetzt die Konsequenzen ihres Handelns nicht tragen wolle, erscheint da zumindest nicht als Vorwurf, der sich allein daran richtet, dass sie Frau, Mutter oder alleinerziehend ist.

Bevor wir zum Umgang mit der darauf folgenden Kritik kommen, will ich noch den zweiten Tischtuchzerschneider vorziehen:

Zum Zweiteren hatte Lisa, da gingen gerade die Bilderstürmereien in den USA so langsam los, ein Video von sich mit ihren Kindern gepostet. An sich keine große Sache eher sogar niedlich und positiv, wären die Kinder nicht gerade dabei öffentlichen Grund mit Kreidemalern zu bearbeiten. Ich gehöre nun auch nicht zur Fraktion sowas dürfe man auf öffentlichen Grund grundsätzlich nicht, zumindest nicht zum Vergnügen, zumal sich das Zeug ja wieder von Gehwegplatten und Straßen wegwäscht, fragwürdig wird es dann wenn man damit Häuser oder wie in diesem Fall ein Denkmal beschmiert. Bei dem Denkmal handelte es sich um Kriegerdenkmal, also eine aus Pietät und Erinnerung an gefallene Soldaten gestiftete Erinnerung. Erfreut nahm Lisa zur Kenntnis wie ihr Nachwuchs die stoischen Steingesichter mit Kreide bekritzelte. Niemand erwartete, dass sie ihre Kinder grün und blau schlug, aber sie hält sie nicht davon ab, erklärt ihnen nicht, welche Bedeutung das Denkmal hat oder zumindest das es sich nicht gehört eine öffentliche Anlage zu beschmieren. Nichts dergleichen und die einfache Wahrheit ist: Lisa ist das völlig gleichgültig und egal. Sie versteht und reflektiert gar nicht, was dort geschieht, weil ihr geistiger Horizont diesen Gedanken gar nicht zulässt.

Anders als von ihr behauptet, hat niemand ihre Kinder angegriffen – vielmehr nur ein weiterer feiger Versuch sich hinter ihren Kindern zu verstecken – sondern sie wurde dafür kritisiert, dass sie eben nicht eingeschritten ist und das Ganze wurde in einen Ruch mit der Antifa gestellt. Das war vielleicht übertrieben, da hier nicht willentlich etwas beschädigt und entwertet wurde, Lisa legt aber eine ähnliche Haltung an den Tag: mir scheiß egal. Auf die absolut berechtigten Fragen, die auch schon nach ihrem Ausflug in die Welt des Feminismus aufkamen, inwiefern sie denn patriotisch oder konservativ sei, hatte sie letztlich keine Antworten und versuchte das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Vergessen wir einfach, dass sie sich selbst als Patriotin mit wertkonservativen Ansichten hatte promoten lassen, ja?

An diesem Maßstab wurde sie nun gemessen und der war ihr sichtlich unangenehm, jetzt wo er ihr nicht mehr nutzte. Also nochmal sie wurde kritisiert, nicht ihre Kinder. Und kritisiert wurde sie, weil sie dabei zusah, wie ihre Kinder ein öffentliches Denkmal beschmierten. Warum ist das nicht patriotisch? Bei einem Patriot erwartet man, dass er Interesse und Respekt vor der Geschichte seines Landes und insbesondere vor Denkmälern und dem was sie repräsentieren aufbringt. In dem Fall war es ein Kriegerdenkmal und damit sogar eine Art kollektiver, öffentlicher Grabstein der Gefallenen und damit noch einmal ein besonderes Monument. Die Kinder das Ding bemalen zu lassen zeugt einfach von mangelndem Respekt oder mangelndem Verständnis für und vor dieser Geschichte.
Aus konservativer Sicht wäre zu kritteln, dass es eben dazu gehört Kindern beizubringen sich gemäß der Situation und des Raumes in dem sie sich befinden zu verhalten. Man schreit nicht im Zug herum, tatscht nicht fremder Leute Sachen an, wirft seinen Müll nicht einfach in die Grünanlagen und vor allem beschmiert man nicht Autos, Häuser oder eben Denkmäler. Das gebietet eine konservativ verstandene Form von Anstand. Auch hier in Lisas Wahrnehmungshorizont ein finsteres Vakuum.

Das wären Dinge gewesen, die man hätte annehmen können oder auf die man hätte eingehen können. Aber nein. Das Ganze war natürlich nur ein weiterer Vorwand um sie – und ihre armen Kinder natürlich – anzugreifen, einfach weil man sie als Frau und Migrantin nicht dabei haben wolle. Könnte man so eine Haltung noch verstehen, bezöge es sich auf die unflätigeren und unversöhnlicheren Reaktionen so zeigte sich schon in der Feminismus-Diskussion, dass sie völlig blind und stur gegenüber entweder Zuspruch oder sachlicher Kritik ist. Die werden gar nicht weiter gewürdigt. Eine Diskussion findet gleich doppelt nicht statt, vielmehr werden diejenigen mit den unflätigsten Trollkommentaren mit Aufmerksamkeit belohnt und dazu gereizt noch eine Schippe drauf zu legen. Das bewusste ignorieren sachlicher Kommunikationsversuche und das hochjazzen von Hate-Kommentaren aller Art folgt klar dem Muster des „Fishing for Hate“. Man sammelt dann letztere Kommentare, um sich als verfolgte Unschuld von Lande auszugeben, zu zeigen, dass es sachliche Kritik gar nicht gäbe und eine Diskussion völlig sinnlos und unmöglich sei.

Wie oben bei Berger schon beschrieben, wurde hier dann das, worauf sich Lisa ja selbst prominent produziert hat, alleinerziehende Mutter, Migrantin, Frau dann eben auch gegen sie verwendet, umso mehr, je offener sie hier wunde Punkte offenbarrte. Der Vorwurf sich ständig von dahergelaufenen Männern schwängern zu lassen, schien ganz offensichtlich tief zu sitzen.
Selten gingen diese Stiche existenziell gegen ihren Lebenswandel oder ihre Person, wie ich zur Mobbing-Mentalität beschrieben hatte, sondern waren nur billiges und greifbares Mittel, um sie fertigzumachen.

Bezeichnend ist, dass ich durchaus in beiden Debatten versucht habe wohlwollend auf Lisa zuzukommen, sachliche Kritik in der Sache mit dem Feminismus zu äußern versucht habe und in der Sache mit den Denkmal zu erklären versucht habe, warum ihr Verhalten wenig konservativ und patriotisch zu nennen gewesen war, einschließliches eines Angebotes ihr den – man schaue auf den Zweck dieses Blogs – den begrifflichen Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus zu erklären. Wie ich betont habe: ernstgemeint. Immerhin will ich mich selbst an das oben aufgemachte Credo halten und zu versuchen bei innerrechten Streitigkeiten zu vermitteln, statt die Leute aus dem Lager zu treiben.
Ich schickte ihr das als per privater Nachricht, etwas was man kaum übersehen kann, im Gegensatz zu Benachrichtigungen, wo einem schon mal etwas durchrutschen kann. Auf die wenige Tage später geäußerte Frage, warum sie ständig auf irgendwelche Trollkommentare eingehe, aber jeden Verständigungsversuch abblocke, meinte sie dann, das hätte ich nie versucht, nur das Twitter dooferweise mit Screenshot belegbar etwas anderes sagt.
Da mich Lisa nun trotz wohlwollendem Kommunikationsverhalten blockiert hat, kann man wohl klarerweise von einem rein strategischen Verhalten bei ihr reden.

Lisa Licentia geht es nicht darum, dass sie angefeindet wird, sie ist diskussionsunfähig, nicht bereit selbst wohlwollende Kritik anzunehmen und versessen darauf Hasskommentare zu sammeln und sich als Opfer zu inszenieren, um Mitleid zu erheischen und sich in ihrer Abgrenzung zum „rechten Rand“ als mutig und aufrichtig darzustellen. Ich hab meinen Schluss gezogen und betrachte dies als letzte Conclusio und Schlussstrich unter die Causa.

Kurz um: Es war völlig absehbar, dass sie bei David Berger landen würde, der ihr in einem Interview nun weiten Raum eingeräumt hat, ihr schröckliches Martyrium in den Untiefen von Social Media – physisch drohte ihr nie irgendeine Unbill außer von Linksextremen – auszubreiten. Da wir den Ernst hinter uns haben, lassen wir es nun etwas lockerer angehen.

Das unfassbare Leid der Lisa M.

Dabei kann der alte Aufschneider Berger gleich mit der Überschrift „‚In dem Moment hatte ich einfach nur Angst‘: Lisa Licentia wird mit Tod bedroht“ direkt ordentlich Aufmerksamkeit abgreifen. Todesangst! Morddrohungen! Wer muss da nicht gleich nachlesen! Was bei linken Politiker?innen wie Renate Künast klappt, das kann der Herr Doktor doch auch machen. Zahmer geht es dann aber im eigentlichen Beitrag zu:

„DB: ‚Warum ist Lisa Licentia noch am Leben‘ fragt ein User auf Twitter, um sich danach in weiteren Gewaltphantasien gegen die Dich zu ergehen. Was empfindet man, wenn man so etwas liest?“

Ein Posting auf Twitter, das ich im Übrigen gesehen habe. Nicht sonderlich geschmackvoll, aber ein Tweet eben, herausgeblasen in die Weite des Netzes. Ich kann mich gerade gar nicht erinnern, ob sie überhaupt getagged war. Nicht einmal eine unmittelbare Drohung enthält er, keine Handlungsabsicht. Kein handgeschriebener Drohbrief, gerichtet an ihre Privatadresse, mit der Ankündigung ihre Kehle durchzuschneiden oder ihre Kinder zu ersticken. Ja auch keine beigelegten Pistolenkugeln oder Patronenhülsen, die dem ganzen mehr Ernst und Nachdruck verleihen. Da muss sich Lisa nun wirklich etwas mehr anstrengen, sie konkurriert hier schließlich mit PolitikerX, die mit all dem aufwarten können. Anonyme Todesdrohungen erhält schließlich jeder der in der Öffentlichkeit steht, auch Martin Sellner erhält sie ständig oder Leute die Ananas auf Pizzas legen. Und zum Glück sind wir keine telepathisch begabten Affen. Angesichts der vielen Momente, wo ich Menschen (vom Busfahrer bis zum nachlässigen Postboten) schon den Tod gewünscht habe, hätte ich schon ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn die magisch durch mein Denken oder Schreiben tot umgefallen wären.

„Mit Rechtstwitter meine ich Personen, die politisch eigentlich der NPD zuzuordnen sind, sich aber definitiv im AfD- und IB-Spektrum aufhalten. Die folgen dann der Identitären Bewegung, Martin Sellner udn auch AFD-Accounts. Rechtstwitter ist eigentlich nur dafür bekannt. Andersdenkende Personen ( wie ich eine bin) zu beleidigen und zu diffamieren.“

Na na, Lisa. Da sind wir doch im Bereich der Pauschalisierungen, die doch nicht so magst als Menschin der Mitte. Wie wäre es damit, dass Rechtstwitter ein sehr heterogener Haufen ist, der sich aus ernsthaften Aktivsten, auch solchen der streng konservativen Sorte, Stahlhelm-LARPern mit Reconquista Germanica-Hintergrund oder primitiven rechten Trollen – die es im Übrigen lieben wenn ein kleines Naivchen sie so großzügig füttert, wie du es tust, aber hier hatten ja beide Seiten etwas davon – zusammensetzt. Gerade im Hinblick auf letztere beide Gruppen hatte sich ja auch schon der Herr Sellner über diese lustig gemacht, aber dazu kommen wir gleich noch.
Noch diverser wird es dadurch, dass sich in jeder Gruppe neben normalen Durchschnittsleuten natürlich auch zotige Kerle oder kantige Teenager befinden, mit je eigenen Bedürfnissen danach sich darzustellen oder politische Ansichten mit einer gewissen … Intensität zu vertreten. Diese Leute vereint primär, abgesehen von der Haltung mit Twitter ihren Spaß zu haben, ein rechtes Weltbild, entsprechend ist die Zustimmung zu rechten Parteien und Organisationen, die aktiv sind nicht wirklich überraschend. Sind da Neo-Nazis drunter oder zumindest Leute, die hart an der Grenze schrammen? Wahrscheinlich sowie überall. Sind das alles NPDler. Eher nicht. Aber die Nuancen interessieren ja nicht. Wichtig ist, dass sie dich bububöse angegiftet haben. Und weil du eine Migratin und Frau bist. Hatten wir schon.

„Die können sich nicht vorstellen, dass solche Personen die Afd, Martin Sellner etc. genauso toll finden wie sie.“

Doch das können „wir“. Ich schrieb das gerade bereits. Nur können wir dagegen nichts tun, genauso wenig, wie du einen Nazi daran hindern kannst auf einer publikumsoffenen Demonstration mit zu laufen. Vielleicht solltest du statt den Leuten, die es gut mit dir meinen, mal die Leute blocken, die dich tatsächlich nur runtermachen und das vermutlich nur aus Selbstzweck. Du solltest dich eher fragen, ob ein bestimmtes Verhalten verteidigt wurde oder ob dir nicht viel mehr geraten wurde, dich ein wenig mehr abzuhärten und das auszuhalten, was auf einen zukommt, wenn man eben in der Öffentlichkeit steht. Du bist auf eine Corona-Demo und wirst von Antifanten angegangen. Du äußerst feministischen Unsinn und reagierst mit Unterstellungen von Frauenfeindlichkeit wenn Rechte dich nicht dafür feiern sondern sogar kritisieren und erwartest, dass das in einem Umfeld wie Twitter ohne Stress und Untergriffigkeiten abgeht? Gleichsam sollen wir uns für irgendwelche Lelleks rechtfertigen, die dir böse Sachen schreiben, während du aber nicht mal Kritik zu dem akzeptierst, was du selbst von dir gegeben hast?

„DB: Martin Sellner? Unmöglich! Der wirkt doch aber immer so nett und versöhnlich, wenn er auftritt…“

Gar nicht schlecht so zu tun, als habe man nicht schon eine vorgefertigte Meinung über diesen rechtsextremen, intellektuell parfümierten Nazi, was ja auch einer der wesentlichen Gründe ist, warum Lisa hier ihr Leid klagen darf, um das nämlich noch einmal zu bestätigen.

„Seine eigenen Leute haben öffentlich gegen mich gehetzt.“

Nein du hast Unsinn von dir gegeben und wir haben dich auf deine ideologischen Leerstellen und den Unsinn, den du von dir gegeben hast, outgecalled. Ähnlich wie du meinst es jetzt bei Berger tun zu müssen. Aber „seine Leute“ ist natürlich auch eine sehr untergriffige Formulierung.

„Als ich Martin damals per DM fragte, ob er nicht mal etwas sagen könne, damit diese teils widerlichen Beleidigungen aufhören, antwortete er nur: ‚Ich bin doch nicht deren Kindermädchen. Die können schreiben was sie wollen‘.“

Du unterstellst hier eine Führungsmacht, die Martin nicht hat und von der fraglich ist, ob er sie überhaupt haben will, während du sonst ja beklagst, dass man dich mundtot machen will. Ich will nicht sagen, dass Martin hier nicht vielleicht mal hätte mäßigend einwirken können und zu mehr Kommunikationsfähigkeit mahnen, aber faktisch ist es richtig: Das sind größtenteils erwachsene Menschen und er kann ihnen wohl kaum verbieten, wie sie sich zu äußern haben, sofern sie damit nicht die ideologischen Statuten der IB verletzen.
Viel dreister erscheint mir die Erwartung zu sein, dass sich Martin hier wie ein White Knight in die Bresche zu werfen habe, damit du nicht das Echo für das aushalten musst, was du so von dir gibst. Warum soll es dir besser gehen als jedem anderen Aktivisten?

„Ich glaube ganz klar, dass Sellner diese Kommentare unterstützt bzw. gewisse Sympathie dafür hat. Seine eigene Frau wurde damals in internen Whatsapp-Gruppen aufs Schlimmste beleidigt, und er fand das einfach nur total belustigend als ich ihn darauf ansprach: ‚So sind Männer nun mal‘.“

Hier kristallisiert sich das Ganze noch etwas genauer heraus, dass man zusammenfassen könnte mit: „Wenn die Männer die Frauen wirklich behandelten, wie sich Männer untereinander behandelten, würde dem Weibsvolk das große Schlottern kommen“. Lisa du solltest dich mal auf den Gedanken einlassen, dass die goldenen Säle des Patriarchats eher Männerumkleiden gleichen und auch so riechen und dort ebenso gesprochen wird. Aber das mit dem Gleichheitsfehlschluss hatten wir schon: Männer sprechen unter ihresgleichen anders und über andere Themen, weil sie wissen, dass das Gros der Teilnehmer diese Art der Kommunikation „versteht“, insbesondere natürlich in vertrauten Ingroups. Während man in anderen Zusammenhängen (z.B. formell oder öffentlich) eben anders und der Situation angemessen verhält. Das ist auch kein Hexenwerk sondern Grundlage der Kommunikationstheorie. Wenn er sagt: „So reden Männer nun einmal“ ist das eine entwaffnend ehrliche Antwort und heißt nicht, dass er irgendwelche verborgenen Sympathien haben muss.

„DB: Das klingt für mich stark nach Äußerungen, wie wir sie aus dem Umfeld von Schnellroda/ Kubitschek kennen, zu dem ja wiederum Neonazis und IB-ler in enger Verbindung stehen?“

Womit wir von der scheinbaren Offenheit dann auch schon beim Kern der Sache wären, nicht wahr Herr Berger?

„Als ich am nächsten Tag aber wieder angegangen wurde und dies natürlich nicht auf mir sitzen lassen konnte, würdigte mich Kositza selbst einen Tweet, in dem sie mich als nicht intelligent genug abstempel und mich als Borderlinerin bezeichnete. Ja das passiert wenn man nicht nach der Pfeife dieser Leute tanzt…“

Ich kann mich an den Diskussionsverlauf noch erinnern. Frau Kositza hatte zur Ruhe gemahnt und dich gegen die Anfeindungen zum Teil sogar in Schutz genommen. Von dir hingegen kam keine Einsicht, kein Verständnis sondern auch die Kritikerseite hin gerichtet auch nur weitere schnippische Kommentare im Verlauf des nächsten Tages (möglicherweise in Abarbeitung nachgeschobener Diskussionsbeiträge). Natürlich musst du nichts einsehen, wenn du davon nicht überzeugt bist, aber ich persönlich habe von dir rein gar nichts gelesen, dass irgendeine Form von sachlicher Erwiderung auf die Kritik in diesen beiden Fällen gewesen wäre. Nur Kommentare der Art: „Höhö dumme Patrioten“.

Das dir die Leute wie eine gesteuerte Gruppe erscheinen hat vielmehr damit zu tun, dass es sich bei den Schnellrodianern im weitesten Sinne um eine Gruppe mit gleicher ideologischer Grundschlagrichtung handelt: Neue Rechte mit besonderem Augenmerk auf den Großen Austausch und das Meinungsspektrum ist innerhalb des Rechten Mosaiks durchaus auch hier vielfältig, wie eher sozialpolitisch links orientierte Autoren wie Benedikt Kaiser, ökologisch interessierte Jungrechte wie Roman Möseneder oder die von Karl-Heinz Weißmann aufgemachte Islamdebatte zeigen. Bei letzterer ging es in den Kommentarspalten der Sezession auch nicht weniger rau zu als in den Diskussionen auf Twitter.

Kleine Nebenbemerkung: Komischerweise wird Frau Kositza nie dafür angegangen, dass sie eine Frau ist, sich herausnimmt selbstständig zu denken oder als führende Verlagsmitarbeiterin von Antaios aufzutreten und nicht nur Faktotum und Anhängsel von Kubitschek zu sein.

„Klar natürlich. Das war ja auch das Schockierende für mich. Ich wurde offen angegangen, als einige bemerkten, dass mein Vater einen türkischen Pass hat.“

Nein das wurdest du nicht, du wurdest uns mit deiner Biographie bereits so vorgestellt und das ohne sich jemand deshalb gezuckt hätte.

„Auch unterstellte man mir, ich würde den Grünen politisch nahe stehen, da ich homosexuelle Menschen für Menschen halte und die Ehe für Homosexuelle definitiv für legitim erachte.“

Diese Positionen teile ich. Dass die Grünen damit assoziiert werden, hat ähnliche Gründe wie beim Umweltschutz. Etwas das wiederum Martin ein gediegenes Naserümpfen durch vornehmliche ältere AfD-Wähler eingebracht hat, die meinten er seie jetzt zu einer männlichen Greta mutiert.
Die Grünen haben einen ganz anderen Blickwinkel auf die Art von Minderheitenpolitik, als sie ein Konservativer haben würde. Deine Aufgabe wäre es in einer Diskussion zu vertreten, inwiefern Konservative diese Position vertreten und unterstützen können oder sollten. Ich habe so eine Diskussion mit unseren reaktionären IB-Twitterfreunden zum Thema der Transsexualität durch. Du jedoch brichst beim kleinsten Anzeichen von Widerspruch ein und siehst dich als Opfer.

„Z.B. das das permanente Wiederholen der Forderung, dass die Türken von hier alle wieder ’nachhause‘ gehen sollten.“

Wie wäre es mit einem Beleg zu dem „alle“? Das die IB Remigration fordert, ist nichts Neues genauso wenig, dass man die Integration eines großen Teils der türkischen Community als gescheitert ansehen muss. Mit welcher Begründung möchtest du denn die Anwesenheit von Menschen auf deutschem Staatsgebiet rechtfertigen, die sich nicht integrieren, Parallelgesellschaften bilden, den deutschen Staat ablehnen, Erdogan als ihren Präsidenten ansehen und dazu noch weidlich von staatlichen Sozialtransfers leben? Das betrifft nicht alle zugewanderten Türken und deren Nachkommen, entsprechend ist darüber zu reden, wen genau man hier loswerden möchte und wer besser an den Staat gebunden werden muss. Und das hat die IB auch schon vor vier Jahren gesagt.

„Es sind die stereotypen, antiquierten Rollenbilder von Mann und Frau, wie wir sie aus dem fanatischen Islam kennen, die gefordert werden. Man wünscht sie sich nicht, man fordert sie. Die Frau habe sich um die Kinder zu kümmern, politisch habe sie nichts zu melden. Überhaupt scheint der Umgang der IBler mit Sexualität ziemlich gestört zu sein.“

Auch wieder eine Fehlwahrnehmung: Konservatismus weist selbstverständlich Parallelen zu anderen auch religiös begründeten Konservatismen auf. Die Wahrnehmung ist hier aber nicht die einer selig machenden göttlichen Vorschrift, sondern dass bestimmte Entwicklungen der liberalen Moderne zu einer Zersetzung der gesellschaftlichen Ordnung geführt haben. Die Hinwendung zum Reaktionären ist innerhalb der Rechten umstritten. Ich kann hier auf die Beiträge des Twitteres Nigromontanus verweisen, der ebenfalls die Hinwendung zum bloßen Gegenteil des Liberalismus als nicht zielführend erachtet. Die Debatte findet statt und ob hier absolute Forderungen und nicht etwa nachdrückliche Empfehlungen das Ziel sind, mag man fragen. Immerhin liebe Lisa hat der laissez faire des Liberalismus dafür gesorgt, dass unter dem Deckmantel der Religion der politische Islam Raum greift, wie übrigens der Verfall fester Familienstrukturen zur Ausbreitung von prekären Lebensmodellen wie deinem eigenen oder der flächendeckenden Versingelung geführt hat, der wir u.A. eine desaströse Geburtenentwicklung zu verdanken haben.

Alles in allem wären das Dinge, die man debattieren könnte oder müsste. Du aber stellst dich auf deiner Position auf die Hinterbeine und sagst: Das sind Selbstverständlichkeiten, wer die nicht teilt, mit dem muss ich gar nicht reden. Dabei verfällst du eben in den gleichen intoleranten Duktus Bergers, der meint hinter seiner persönlichen Einstellung verlaufe die Grenze des Sagbaren, aber wehe jemand sagte ihm, er befände sich selbst außerhalb dieser Grenze. Dann wird nach Meinungsfreiheit und politischer Toleranz verlangt. Möglicherweise sind die Leute, mit denen du aneinander geraten bist, es auch langsam leid, immer wieder durchzukauen, warum sich der fortschreitende Große Austausch desaströs auf die Gesellschaft auswirkt und deshalb etwas energischer von anderen Influencern hören wollen, dass sie dieses Problem wahrnehmen.

„Wenn ich dann aber sehe, dass Martin Sellner No-Fap-Videos produziert, also Videos, in denen er erklärt, dass die Selbstbefriedigung des Mannes dazu führt, dass man links wird, ist das für mich alles keine Überraschung für mich.“

Ich weis intellektuell war das, was er dort über Psychologie sagt, vielleicht etwas schwer zu verarbeiten, aber nein so unterkomplex war es dann doch nicht. Unabhängig ob ich das Gesagte selbst für richtig halte.

„DB: […] Was wir jetzt so gehört haben, ist das alles doch spätestens jetzt ein Fall für Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatsschutz oder? Insofern er nicht ohnehin schon bezüglich IB und Schnellroda aktiv ist …“

Transformation zur Feindzeugin in 3, 2, 1

„Ja also, der aktuelle Vorfall ist jetzt sogar schon der zweite Vorfall, der beim Staatsschutz landet.“

Hm schade wohl nicht das, worauf Berger hinauswollte, dabei hat er es dir doch fast schon vorgekaut.

„Das ganze ist also mit hohen Kosten verbunden. Und nun eben der zweite Vorfall. Man versucht mich definitiv einzuschüchtern und mich mundtot zu machen.“

Nein, du sollst aufhören, abzublocken und sollst anfangen zu erklären wo du stehst und warum. Was für dich Konservatismus und Patriotismus ist und dich auf Kritik und Debatte einlassen. Das ist der Grund warum man ideologische Gegner wie Gunnar Kaiser respektiert, während man dich einfach für ein hübsches, selbstbezogenes Dummchen hält, dem man unterstellt, nur etwas vom rechten Kuchen abhaben zu wollen, ohne dafür irgendetwas zu leisten. Passenderweise:

„Spenden sind immer willkommen 🙂 Ich bin über jeden Euro sehr dankbar.“

Hengameh und Sibel Schick hätten die Nummer nicht besser abliefern können.

Die Conclusio will ich als Schlussstrich festhalten, da praktisch alle Leute die es betrifft und die noch etwas sagen könnten, von ihr ohnehin geblockt wurden. Dann kann da jetzt hoffentlich Ruhe einkehren. Festzuhalten ist, dass im Fall Licentia wie im Fall Berger nicht wirklich erkennbar ist, dass Lisa versucht hätte ernsthaft schädliche Elemente und Trolle von den Leuten zu trennen, die es ernst mit ihr meinten – was auch die Kritik an ihr schließt – und das sie selbst auf wohlmeinende Gesprächsangebote eben nicht reagiert hat.

Allerdings sollte man so offen sein und zugeben, dass gerade Twitter ein toxisches Gesprächsklima hervorbringt, das unnötig rau ist und mehr Reibung erzeugt als das man es mit bloßem Handstreich „Das muss man schon mal abkönnen“ beseite wischen kann. Statt gleich in einen kantigen Attacke-Modus zu verfallen, wäre doch mal etwas zurückhaltendere Kritik, zumindest für den Beginn ein besser kommunikativer Weg. Mehr Höflichkeit sowieso. Und vor allem muss aufhören jemand, von dem man eigentlich weiß, dass er mit der eigenen Seite sympathisiert, nur bestimmter abweichender Meinungen wegen direkt als Instrument der Gegenseite wahrzunehmen.

Geschichtsschreibung und Propaganda – Die Getriebenen des ÖR

Im ÖR erschien mit dem Film „Die Getriebenen“ ein Zeitdokument, von dem noch unklar ist, ob es Grundlage neuerer Geschichtsschreibung oder Zeugnis aktueller Zeitgeistpathologie sein wird. Ein Twitter-Faden.

Im ÖR erschien mit dem Film „Die Getriebenen“ ein Zeitdokument, von dem noch unklar ist, ob es Grundlage neuerer Geschichtsschreibung oder Zeugnis aktueller Zeitgeistpathologie sein wird. Ein Twitter-Faden.

Im Öffentlich-Rechtlichen erschien dieser Tage die Propaganda-Schmonzette „Die Getriebenen“, die als filmische Umsetzung des gleichnamigen Buches die Ereignisse der Flüchtlingskrise von 2014/15 nachzeichnen will, kulminierend in Merkels „Grenzöffnung“, die einen bis heute andauernden Strom an sogenannten Flüchtlingen, in Wahrheit waren und sind es Migranten, nach Europa primär in Gang gesetzt hat. Bestand sicher in den genannten Jahren bereits ein deutlicher Druck auf Europas Grenzen hat die Grenzöffnung daraus einen systemischen Automatismus gemacht, in dem die Frage der Grenzsicherung, von Zugangs oder Bleiberechten nach wie vor keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch Fragen der administrativen Verteilung der hereinströmenden Menschen.

Im Buch des Journalisten Robin Alexander, der den Entscheidungsprozessen nachzuspüren versuchte, erscheinen die politischen Akteure eben titelgebend primär als Getriebene, die der auf sie hereinströmenden Situation nicht im Sinne von Staaten- und Flusslenkern gewachsen sind, sondern primär versuchen innerhalb des Stromes auf Sicht zu fahren und über Wasser zu bleiben. Die Grenzöffnung wird als ein an den politischen Spätfolgen bewerteter problematischer Akt aufgefasst, der sich als Notwendigkeit aus der eklatanten Entscheidungs- und Handlungsschwäche der Regierung jener Wochen ergibt. Man will zunächst eine grundlegende Entscheidung vermeiden, weil man sich nicht dem dann unvermeidlichen Urteil einer sensiblen Öffentlichkeit aussetzen will und gerät so letztlich in eine Situation, die dann zu einer schlechtestmöglichen Entscheidung nötigt, die im Nachgang zu einer humanitären Kraftanstrengung umstilisiert wird. Alexanders Buch spart hierbei sicher nicht mit Dramatik auch nah an den Personen, behält aber stets einen den Vorgängen angemessenen kritischen Grundtenor.

Es ist so wenig verwunderlich, dass das Buch ein Bestseller wurde wie die Tatsache, dass es trotz offenkundigen Interesses der Bevölkerung und Potenzials für eine Grundsatzdebatte, medial relativ schnell beiseite gelegt wurde. Tichys Einblick berichtete. Im Grunde handelt es sich hier also schon um einen Versuch einer frühen Geschichtserzählung natürlich ausgeglichen durch die vorangegangene Heiligung von Merkels irrlichternder Entscheidung im Narrativ der sogenannten „Willkommenskultur“ der deutschen Medien.

Der Öffentlich-Rechte Rundfunk versuchte bereits im Vergangenen Jahr dieser Kritik in Buchform mit einer eigenen oder vielmehr regierungseigenen Version der Ereignisse zu begegnen. Mit „Stunden der Entscheidung“ wurde hierbei Merkel als logisch kalkulierende aber auch humanitär handelnde Pragmatikerin gezeichnet, die letztlich zwar nicht die Situation aber dennoch das Heft des Handelns in der Hand behält. Die Grenzöffnung wird zu einer bewussten Entscheidung und Merkel selbst zur Märtyrerin, die diese auf sich nehmen muss, um das Richtige zu tun. Alexander Wallasch bemerkte damals in seinem Verriss für Tichy treffend, dass hier an einer Ikonographie gearbeitet wurde:

„Sagen wir es gleich vorab, damit in den folgen Zeilen keinen Moment lang Missverständnisse aufkommen: Nein, hier wird keine Verfilmung von Robin Alexanders „Die Getriebenen“ gezeigt, hier läuft eine öffentlich-rechtliche Auftragsarbeit mit einem wesentlichen Ziel: der Ausmalung des Heiligenscheins der Angela Merkel als bodenständige und Fischbrötchen essende Kanzlerin, die in ihrer gepanzerten Audi-Limousine unermüdlich durchs Land fährt und an nichts anderes denken kann als an die Geschicke der Deutschen und weit darüber hinaus – so weit, wie ihre humanitären Großschwingen nur reichen. Eine Gottgleiche. Eine, die beispielsweise erst willens ist, ins ihr angereichte Brötchen zu beißen, wenn sie sich vergewissert hat, das ihr Mitfahrer auch was zwischen die Rippen bekommt. Das alles erzählt diese ZDF-Doku-Fiktion in Tatort-Länge.“

Und Beides führt uns nun zum neuesten Machwerk öffentlich-rechtlicher Zelluloid-Schmieden: „Die Getriebenen“ als Film. Gestern lief dieses Machwerk über die Mattscheiben deutscher Wohnzimmer, zumindest dort wo die Menschen neben seichter Fernsehunterhaltung eben sowieso schon am Tropf der Regierungs- und Mediennarrative hängen und neben schnitzlerischer Nachrichtenpropaganda nun auch Agitprop-Dramen serviert bekommen, die die Bemerkung zulassen, dass das alte DEFA und UFA Handwerk noch lebendig ist. Nach geschmacklosen wie auch handwerklich miserablen Produktionen wie dem erwähnten „Stunden der Entscheidung“ oder „Aufbruch ins Ungewisse“ (Kritik von Martin Lichtmesz auf der Sezession, sowie Filmkritik des Schattermachers sind verlinkt) soll nun dieses neue Drama die Merkel-Ikonographie erweitern und bedient sich daher der Rahmenhandlung als auch dem guten Namen des Buches von Robin Alexander.

Und dabei bleibt es auch, denn stilistisch und vom Ton orientiert es sich deutlich eher am oben genannten Film und stellt die eher vernichtend ausfallende Kritik Alexanders an der Handlungsunfähigkeit der Regierung zurück, um wiederum nah an der Person Merkels und anderer zentraler Politiker die Geschichte als eine unverschuldete Situation zu zeichnen, in der Merkel das Heft des Handelns in der Hand behält und unter großem Druck eine pragmatische und humanitäre Entscheidung herbeiführen muss, während sie umgeben ist von zaudernden Feiglingen und Taktierern und zugleich in schwarzen Farben gemalte Populisten nur auf ihre Chance warten.

Der Film sympathisiert klar mit seiner Hauptdarstellerin und das Schlimmste dürfte wohl sein, dass die Macher dieses Propagandawerk möglicherweise sogar selbst als ambivalente, kritische Darstellung begreifen. Ich bin schon gespannt, wie der Film im alternativen Bereich aufgefasst wird und wie der Autor des Buches ihn finden wird. Ich wollte den jetzt länger gewordenen Artikel eigentlich nutzen, um einen empfehlenswerten Twitter-Faden des Users Bartzissey (Folge-Empfehlung von meiner Seite) vorzustellen, der den ÖR-Film gestern schaute und für uns Live auf Twitter seine ungefilterten Eindrücke festhielt. Hinweis: Es ist von oben nach unten zu lesen.

Wer selbst einen Blick auf diese gebührenfinanzierte dramatisch inszenierte Geschichtsinterpretation werfen will, kann den Film noch bis zum 15.07.2020 in der Mediathek der ARD abrufen.

Twitter tötet NPCs | „Ich war auch ein NPC wie du, doch dann bekam ich einen Bann in’s Knie“

Anlässlich meines Twitter-Bannes ein kleiner Kommentar zum NPC-Meme und wie Twitter mit dem Bannhammer gegen diese entartete Memetik vorgeht.

Anlässlich meines Twitter-Bannes ein kleiner Kommentar zum NPC-Meme und wie Twitter mit dem Bannhammer gegen diese entartete Memetik vorgeht.

Nun ist es passiert. Jetzt wurde auch mein Account erstmals bei Twitter gesperrt. Eine Erfahrung, die mir andere aufrechte Kritiker, Shitposter und Trolle voraus haben. Ich war stets bemüht zwar mit dem Medium meinen Spaß zu haben, aber auch zugleich einen guten Umgang mit Leuten zu halten. War der Account im vergangenen Jahr ohnehin nur dafür gedacht, dass ich ein paar YouTuber damit ärgere, ist er einem nach über 17k Tweets und dem regelmäßigen Austausch mit den Leuten doch irgendwie ans Herz gewachsen. Umso länger man den Account hat, umso schmerzlicher ist sein Verlust, nicht allein wegen Follower. Ich verliere bspw. damit auch mein Twitter-Handle. Das tut ein bisschen weh, aber der Verlust wäre verschmerzbar gewesen, wäre er gut bezahlt gewesen: mit einem ordentlichen Grind eine Menge Salz farmen, in dem man den üblichen Schreckgestalten der deutschen Alt-Left so richtig auf den Zünder geht. Von der Gender-Aktivisten über gutmenschelnde Mitbürger bis hin zu offen gewaltbejahende und totalitäre Journalisten.

Umso trauriger ist, dass der Account wegen eines Memes sterben musste. Es geht um das sogenannte NPC-Meme. Wem das nichts sagt, das ist nicht schlimm. Das hat erst vor ein paar Tagen in den USA so richtig Fahrt aufgenommen und ist bis auf einige Vorreiter eigentlich nicht großartig nach Deutschland geschwappt.

Ein NPC ist im Gaming-Jargon die Abkürzung von Non-Player-Character, also einen Nicht-Spieler-Charakter. Dabei handelt es sich um all diejenigen Charaktere in einem Videospiel, die nicht vom Spieler oder einem Mitspieler kontrolliert werden, also durch den Computer gesteuert werden. Ihre Persönlichkeit, ihr Verhalten und ihre Dialoge sind entsprechend fest programmiert. Sie haben nur begrenzte Handlungsfreiheit. Ein NPC folgt also seinen programmierten Routinen.

Angesichts der Phrasenhaftigkeit von Äußerungen der Alt-Left-Bubble und deren unkritische und unreflektierte Gefolgsamkeit hinter den von ihnen akzeptierten Ideologien mit einem Hang dazu die Meinungen akzeptierter Wortführer ebenso unreflektiert zu übernehmen und wiederzugeben, haben dazu geführt, diese Art linker Ideologen und Mitläufer als NPC, also nichts anderes als von ihrem ideologischen Programm gesteuerte Drohnen, zu verballhornen.

Eine besondere Ebene: Als eine solche Drohne verfügt der NPC nur augenscheinlich über eine eigene individuelle Idenität und eigene Gedanken, was das Meme entsprechend auf die Schippe nimmt, in dem zwar jeder NPC sich, ähnlich wie Alt-Left-Mitglieder und SJWs, selbst als ganz besonderes Individuum wahrnimmt, dass allerdings geistig identisch und uniform mit seinen Mit-NPCs ist. Deshalb werden die NPCs im Meme mit einem einheitlichen grauen Gesicht und stumpfem, leerem Gesichtsusdruck dargestellt. Das diese Uniformität, wie bei realen SJWs, keine wirkliche abweichende Individualität akzeptiert, ist implizit darin enthalten. NPC agieren wie Borg, geben allerdings vor Individuen zu sein.

Zunächst nutzte man das Meme um Journalisten, Politiker, Aktivisten und Ideologen durch fotoshoppen ihrer Gesichter in NPCs zu verwandeln, später nahm es Rollenspielzüge an. Man legte sich als Twitter-User Profilbilder mit dem NPC-Gesicht und entsprechende Profilnamen zu, um selbst als NPCs aufzutreten und überspitzte Alt-Left Positionen (zum Teil auch reale, denn häufig kann man diese Aussagen kaum mehr parodieren) wiederzugeben, sich in Twitter-Threads von Alt-Left-Aktivisten und Journalisten einzuschalten und dort mit sichtbaren Drohnenverhalten Zustimmung zu signalisieren und sich durch Retweets und Zustimmungs-Tweets gegenseitig in seinen Meinungen und seiner Individualität zu bestätigen.

Als dann erste Kritik am NPC-Meme aufkam, formierte man sich selbst als PoG (People of Gray), was eine Anspielng auf PoC (People of Colour, Farbige und daher unterdrückte Menschen) ist und warf dann sämtlichen Kritikern spiegelbildlich zu deren sonstigen Aussagen Graycism (Anti-Gray Racism) und grayphobia vor. Je nachdem, wie übergriffig man in andere Threads hinein gegangen ist, war es in weiten Teilen trotzdem ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel und ist soweit ich nach Lektüre der Twitter-Regeln beurteilen kann, nach diesen von Twitter offiziell verfolgten Regeln völlig rechtens gewesen. Wenn sich Leute angegriffen fühlen, weil ihren Positionen und Tweets plötzlich zugestimmt wird oder diese retweetet werden, weil ihre eigenen Positionen geteilt werden, dann sollten man sich vielleicht die Frage stellen, wo hier das eigentliche Problem zu suchen ist und ob das nicht schon himmelschreiend absurd ist.

Das, was dieses Meme abseits des Spaßfaktors (als Zuschauer wie als Teilnehmer) so besonders machte, ist die eigentliche Vervollständigung der Echo-Kammer, in dem die Leute, die ihre Parolen sonst nur in die Welt blasen und Journalisten, die selbst die übergriffigsten Aussagen relativieren, nun 24/7 damit revers beschallt wurden und einen Geschmack davon bekamen, wie es normalen Menschen geht, die sich sonst Berichterstattung, ideologische Theorierei und darauf fußende Gehässigkeiten (White Man are trash etc.) sonst auch bieten lassen müssen.
Noch bezeichnender wird es, wenn Twitter dann allerdings anfängt gegen Leute vorzugehen, die diese Positionen verbreiten oder ihnen zustimmen, nicht aber gegen deren Urheber. Vielmehr wird hier gezeigt: Die Ideologie ist unironisch nicht das Problem. Ihr seid es, in dem ihr sie offenkundig ironisch weiterverbreitet.

Nun hat die Twitter-Unternehmensführung – wie der überwiegende Anteil der amerikanischen Digitalbranche – einen linken bis sehr linken Einschlag, allerdings an eine Kommunikationsplattform muss der Maßstab der Neutralität bei der Nachrichtenübermittlung angelegt werden. Die Freie Rede ist zudem in den USA ein Gut von höchstem Verfassungsrang. Es scheint also nicht gereicht zu haben, dass Twitter erst vor kurzem einen großangelegten Skandal am Hacken hatte, als es um das Shadowbanning und Zurückhalten von konservativen Accounts ging. Eine Praxis die scharf kritisiert wurde.

Ging es da wiederum um „Vergehen“, die man, wenn man dem Konservativen nicht zugeneigt ist, als Hatespeech bewerten kann, ist das Vorgehen von Twitter im Fall der Sperrung von Accounts wegen des NPC-Memes ein letztgültiges Eingeständnis, dass bei Twitter bezüglich der Anwendung von Sanktionen Willkür herrscht. Etwas das die meisten Twitter-Nutzer ohnehin schon wussten, dass sich hier aber besonders pointiert darstellt.

Ein Twitter-Nutzer schließt wie der Nutzer eines jeden Dienstes, einen Nutzungsvertrag. Dieser ist allerdings nicht einseitig sondern gegenseitig. Der Nutzer verpflichtet sich bspw. zur Anerkennung der geltenden Plattformregeln und erklärt sich bereit dazu entsprechende Daten mit dem Unternehmen zu teilen. Dafür ist ihm allerdings eine störungsfreie Nutzung der Plattform zugesichert. Um allerdings die Regeln befolgen zu können, müssen diese verbindlich bekannt gemacht sein. Es ist das Zeichen von Willkürregimen (letztlich auch ein Merkmal des Faschismus, am Rande gesprochen), dass Regeln/ Gesetze schwammig oder gar nicht formuliert sind, damit der Nutzer/ Bürger in einer ständigen Unsicherheit darüber gehalten werden, was sie tun und was sie nicht tnn dürfen.

Das führt zur NPC-Problematik zurück. Die Sperrung wird einfach lapidar mit einem Verstoß gegen die Twitter-Regeln begründet. Eine Spezifikation findet nicht statt. Eine Meldung gab es vermutlich auch nicht. Es gibt für dieses spezielle Meme natürlich keine spezielle Regel, aber es gab auch keine Verlautbarung von Twitter dazu, dass die Nutzung von Profilbild und Profilname zur Teilnahme an dem Meme verboten wäre. Wer auch immer aus Spaß, Solidarität oder um halt beim Trend mitgemacht zu haben, sein Profilbild und seinen Namen dem NPC-Meme angepasst hat, konnte damit ohne sich weiters etwas zu Schulden kommen zu lassen, auf der Bannliste landen.

Eine offizielle Warnung gab es dazu auch nicht. Warnungen in der Community gab es dann eher im englischsprachigen Twitter. Wegen der überschaubaren Größe im Deutschen Raum war ich bspw. bis kurz vor dem Bann ahnungslos.

Wie weiter oben beschrieben, verstößt, wenn man es nicht übertreibt, auch das Postingverhalten nicht grundsätzlich gegen die Twitter-Regeln und wie Sperrungen in unserer deutschen Gruppe zeigen, waren auch Accounts betroffen, die im Zusammenhang mit dem Meme aus Spaß allein mit anderen Meme-Accounts interagiert haben, also es damit auch keine sonstwie geartete „Bedrängungssituation“ gab. Zudem waren andere Accounts, die ebenfalls mitgemacht hatten und sich in die Interaktionen eingebracht hatten, nicht betroffen, wohl weil sie einen Tag später Profilbild und Namen wieder wechselten. Es geht hier also nachweislich nicht um konkrete Tweets sondern um Äußerlichkeiten.

Nennen wir das Kind beim Namen: Es gibt und gab offenbar nie eine Einzelfallprüfung sondern hier wirkt im Hintergrund scheinbar ein Algorithmus, der die Profilbilder nach Ähnlichkeiten untersucht und anschlägt, wenn dazu im Profilnamen „NPC“ vorkommt. Ob es dann noch jemanden gibt, der die Sperrung manuell bestätigt oder nicht, ist hier egal, da offenbar das sonstige Postingverhalten des Users nicht einbezogen wird (ich bspw. habe durchgängig auch während ich Profilbild und Name geändert hatte, nach wie vor weiter getwittert wie sonst auch). Das Verfahren an sich gäbe allein schon Grund genug für massive Kritik. Was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist das hier keine Sperrungen über Zeit verhängt werden bspw. ein oder zwei Wochen bis sich das Meme, wie das immer passiert, spätestens totgelaufen hat, sondern gleich eine komplette Sperre auf unbestimmte Zeit verhängt wird, die Twitter mit der Anzeige „ ist momentan gesperrt“ auch noch zynisch verschleiert, denn offenkundig ist eine Wieder-Freischaltung des Accounts nicht vorgesehen.

Ich habe jetzt noch einen Einspruch anhängig, weil ich wirklich ein bisschen an dem Account hänge, aber ich mache mir angesichts der Erfahrungen anderer aus der Vergangenheit wenig Hoffnung. Wenn nach der Schließung der Twitter-Hauptstelle in Deutschland und dem Personalabbau überhaupt noch jemand da ist, der den Einspruch sinnvoll bearbeiten kann. Tja bei so einem tollen Regelmanagement fragt man sich, warum Twitter hierzulande nicht mehr Kunden für sich gewinnen konnte.

Was Viele im Grunde für Europa mit der Einführung des NetzDG und der DSGVO befürchtet haben, exekutiert Twitter jetzt in den USA schon ganz von selbst: Hier wurde ein Meme zu entarteter Memetik erklärt und wird rigoros durch ein soziales Netzwerk bekämpft.

Deshalb bleibt kritisch und aufmerksam und ehret die Grauen, die für euch starben, denn es kann in Zukunft auch euch treffen:

„Ich war auch ein NPC wie du, doch dann bekam ich einen Bann in’s Knie“


Update 1: Als ich den kleinen Verweis zum Faschismus brachte, war ich mir nicht sicher, ob ich nicht zu dick auftrage. Allerdings habe ich festgestellt, dass Tweets von gesperrten Accounts scheinbar auch nicht mehr bei Twitter angezeigt werden. Die Nähe zum „Vaporisieren“ aus Orwells 1984, oder altertümlicher der damnatio memoriae, liegen nah. Jetzt halte ich die Aussage für berechtigter.


Update 2: Natürlich hat das NPC-Meme noch eine Vorgeschichte, die ich allerdings hier weggelassen habe, weil es mir um den politischen Aspekt des Memes ging. Ursprünglich entstand das Meme im Zusammenhang mit einem Bericht wonach ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung angeblich keinen inneren Monolog, keine innere Stimme haben soll. Was wohl den meisten als Zeichen eines selbstständigen Denkprozesses gilt und man sich daher scherzhaft fragte, ob diese Leute vielleicht NPCs sind.

Hier noch einmal eine Kurzzusammenfassung von „Know your Meme“ über die genaue Entwicklung:

FBM 2017 Teil 3: Kahane Brandrede / Bundesschrifttumskammer

Als kleiner launiger Zwischenbeitrag in Vorbereitung auf einen etwas größeren Zeitgeist-Artikel, habe ich mich als Ghostwriter betätigt, um einen Blick auf das geistige Vorbild hinter den massiven Sötrungen auf der Frankfurter Buchmesse 2017 zu werfen.

Als kleiner launiger Zwischenbeitrag in Vorbereitung auf einen etwas größeren Zeitgeist-Artikel, habe ich mich als Ghostwriter betätigt, um einen Blick auf das geistige Vorbild hinter den massiven Sötrungen auf der Frankfurter Buchmesse 2017 zu werfen.

Die Messe ist vorbei und ein mutmaßliches Skript für eine Rede der Amadeu Antonio-Stiftungschefin Kahane ist aufgetaucht, geplant am ersten Besuchertag der Messe neben einem Zeitplan der AA-Stiftungsbesatzung auf der Messe. Geplant war am Abend eine launige Soli-Grillparty gegen Rechts mit zugleich stattfindender öffentlicher Bücherverbrennung abzuhalten, zu deren Auftakt Frau Kahane diese Rede halten wollte. Warum sie nicht stattfand? Offenbar reichten dafür die öffentlichen Fördermittel nicht mehr aus.

„Liebe Studierende und Besucher! Frauen, Männer, Transsexuelle und Queers. Das Zeitalter eines konservativen und nationalen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der progressiven Revolution hat auch dem linken Weg wieder die Gasse freigemacht. (…)

Darüber aber sind wir geistigen Menschen uns klar: Machtpolitische Revolutionen müssen geistig vorbereitet werden. An ihrem Anfang steht die Idee, und erst wenn die Idee sich mit der Macht vermählt, dann wird daraus das historische Wunder der Umwälzung emporsteigen. Ihr jungen Studierenden seid Träger, Vorkämpfer und Verfechter der jungen, revolutionären Idee dieses besseren Staates gewesen.

(…) Ein Revolutionär muß alles können: er muß ebenso groß sein im Niederreißen der Unwerte wie im Aufbauen der Werte! Wenn Ihr Studenten Euch das Recht nehmt, den geistigen Unflat in die Flammen hineinzuwerfen, dann müsst Ihr auch die Pflicht auf Euch nehmen, an die Stelle dieses Unrates einem wirklichen gerechten und sozialen Gut die Gasse freizumachen. Der Geist lernt im Leben und in den Hörsälen, und der kommende deutsche Mensch wird nicht nur ein Mensch des Buches, sondern auch ein Mensch der richtigen Haltung sein. (…)

Und deshalb tut Ihr gut daran, um diese mitternächtliche Stunde den Ungeist der Vergangenheit den Flammen anzuvertrauen. Das ist eine starke, große und (…) symbolische Handlung, – eine Handlung, die vor aller Welt dokumentieren soll: hier sinkt die geistige Grundlage der überkommenen deutschen Gesellschaft zu Boden, aber aus diesen Trümmern wird sich siegreich erheben der Phönix eines neuen Geistes, – eines Geistes, den wir tragen, den wir fördern und dem wir das entscheidende Gewicht geben und die entscheidenden Züge aufprägen! (…)

Niemals war eine junge studentische Jugend so berechtigt wie diese, stolz auf das Leben, stolz auf die gelebte Vielfalt und stolz auf die Toleranz zu sein. Und niemals hatten junge Menschen so wie jetzt das Recht, frei nach den antifaschistischen Aktivkräften auszurufen: Für die Freiheit, für das Leben – Rechte von der Messe fegen! Denn die Freiheit der Andersdenkenden muss dort enden, wo ihre Freiheit unsere Ideale angreift (…)

Das Alte liegt in den Flammen, das Neue wird aus der Flamme unseres eigenen Herzens wieder emporsteigen! Wo wir zusammenstehen und wo wir zusammengehen, da fühlen wir uns dem Internationalismus, der uneingeschränkten Solidarität und ihrer Zukunft verpflichtet. (…)“

– mutmaßlich Anetta Kahane vor studentischen Aktivisten und Besuchern der Frankfurter Buchmesse am 11.10.2017 anlässlich ihrer Aktion „Wider den deutschen Geist“

Aber Schluss mit den Scherzen. Jedem geschichtsbeflissenen Menschen dürften diese Worte einen gehörigen Schauer über den Rücken jagen, denn es ist der, von mir, editierte Text der  Rede, die Joseph Goebbels anlässlich der nationalsozialistischen Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz 1933 hielt (zitiert nach http://www.buecherverbrennung33.de/goebbelsrede.html). Denkt man sich das Pathos, dass wohl wenig zu einer trockenen Denunziantin wie der Kahane passt, weg, so erscheint die Rede nur mit ausgetauschten Schlagworten doch sehr genau das widerzuspiegeln, was hinter dem Engagement der AA-Stiftung und der von ihr kaum zu distanzierenden Antifa steckt: Die Unterdrückung und Säuberung von andersgearteten Meinungen. Man kann den Text lesen und würde, das Pathos abgesehen, ihn jederzeit der Kahane-Stiftung so zutrauen, ähnliche Bonmots sind bekannt.

Nun ist die Büchervernichtung sicherlich dem aktuellen Zeitgeist vor allem von jener Goebbels Rede am akutesten im Gedächtnis aber tatsächlich handelt es sich dabei um eine sehr alte Kultur- oder vielmehr Anti-Kulturtechnik. In der Damnatio Memoriae der Römer und auch Ägypter finden sich darin Anklänge schon die Erinnerung an missliebige Personen zu tilgen, großflächige Vernichtung von Wissen kennt man bereits aus dem alten China. Ziel ist es in beiden Fällen die Geschichte zu verändern, was in antiken Zivilisationen mit wenigen bildhaften und einer noch relativ überschaubaren Zahl an Texterzeugnissen (auch in einem schon damals Bücherland wie China) noch recht einfach war, bedarf in modernen Gesellschaften mit einer Vielzahl an Medien dann schon umfassender Methoden, insbesondere staatlicher Organisation.

Nun ist Deutschland kein totalitäres Regime, wie es beispielsweise im Orwellscher Sinn notwendig wäre, um Geschichtsfälschung im notwendigen Maß zu ermöglichen und die Kahane-Stiftung hat nicht die Möglichkeiten eines Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, auch wenn sie an fetten Staatsgeldertrögen steht. Doch muss man schon längst auch nicht mehr zur Zensur greifen. In gleichem Maße wie das gedruckte zum digitalen Wort wird und der Meinungsaustausch sich von den Plätzen in das Netz und somit den Zugriffsbereich automatisierter Bearbeitbarkeit (durch Algorithmen) und der absoluten Abhängigkeit von Anbieterstrukturen begibt, werden die Möglichkeiten der Bearbeitung leichter.

War es in der Reichsschrifttumskammer noch nötig, dass Autoren ihre Werke einreichen mussten, um in den Bereich staatlicher Bearbeitung zu kommen, freilich um natürlich den besten Marktzugang zu  erhalten, war es noch jederzeit möglich Pamphlete, Wilddrucke und Untergrundaufführungen im Geheimen abzuhalten. Das Spitzelsystem war ausgebauter, aber die gleichen subversiven Methoden, mit denen man schon die Karlsbader Beschlüsse eines Metternich 100 Jahre zuvor unterlaufen konnte, funktionierten noch.
Eine „Bundesschrifttumskammer“ braucht das nicht mehr unbedingt, zumindest sofern sich der Diskurs ins Netz verlagert. Umso mehr sich die AA-Stiftung bspw. um Aktionen wie #nichtegal oder um eine Einbindung in das NetzDG bemüht wird sie zu einer solchen und kann mit dem ganzen Instrumentarium in der abgeschlossenen Umgebung willfähriger Netzwerke wie Twitter oder eben YouTube direkt handeln; wenn es die besagten Unternehmen nicht selbst tun, wenn es ihrer ideologischen Linie entspricht, wie der Fall der neuen YouTube-Chefin ebenso belegt.

Doch ist die Zerstörung/ Löschung in diesen Zeiten auch gar nicht mehr zwingend das Mittel der Wahl. Es geht inzwischen auch perfider, weniger regressiv. Man kann sich dem Wortsinn nach vom Vorwurf der Zensur oder Löschung/ Vernichtung von Meinungen entziehen. Das Zauberwort heißt Verbergen. Was als sogenanntes Shadowbanning bereits „erfolgreich“ auf Twitter erprobt wurde, könnte Schule machen. Immer wieder taucht in meiner Timeline auch der Vermerk „Withheld in your Germany“ auf. Die Beitrage sind noch da, die Nutzer in der Regel auch, nur ihre Inhalte sind für mich nicht mehr einsehbar. Ein Geoblock für Meinungen nicht nur für Spiele und wem dabei der Gedanke an die Great Firewall der Chinesen kommt, sei ganz beruhigt, es geht noch subtiler.

Seit einiger Zeit schon prozessiert Google auf europäischer Ebene gegen verschiedene Kläger bezüglich seiner Marktmacht im Suchmaschinenmarkt. Hier geht es erstmal „nur“ um handfeste Wirtschaftsinteressen, aber erlauben auch einen Blick auf den Markt der Ideen. Das Internet ist groß, selbst begrenzte Plattformen wie YouTube oder Twitter bieten ein unüberschaubares Konvolut der Inhalte. Der Zugang bilden neben Empfehlungen, die fraglos auch Teil des Geschäftsmodells sind, aber der Kern sind doch Suchfunktionen. Was über Google (oder andere Suchmaschinen, wenn die denn überhaupt benutzt werden, die Nutzungsgewohnheiten sprechen da eine eindeutige Sprache) nicht gefunden wird, wird kaum oder gar nicht angesteuert. Ähnlich verhält es sich mit Videos auf YouTube oder Inhalten auf anderen Plattformen. Während Withheld mir noch deutlich sagt, was ich mir nicht anschauen kann, wüsste ich bei verborgenen Inhalten gar nicht, dass sie mir entgehen.

Der Fall Shlomo Finkelstein, offensichtliche Zensur, zeigt das Löschungen Widerstand erzeugen. Wie ist es, wenn in Zukunft streitbare YouTuber in eine eigene Echokammer abgeschoben werden, nicht mehr auffindbar über die normale Suche und schon gar nicht über Empfehlungen. Sie sind noch da, man kann sie auch noch ansteuern, wenn man zum Beispiel einen Direktlink besitzt. Eine Zensur findet scheinbar nicht statt und wie ist es wenn Google beginnt entsprechend, wie derzeit vernünftigerweise schon bei Kinderpornographie und Ähnlichem, auch seine Suchergebnisse zu „manipulieren“? Und das ist die Welt in der Stiftungen und Initiativen wie die der Kahane, privilegiert vom Staat und dank Eigenmarketing, Zugänge erhalten, um mit minimalem Aufwand Meinungen verschwinden lassen zu können.

Das gedruckte Buch erscheint daher nicht nur wie ein Anachronismus (vielleicht nicht für den deutschen, glücklicherweise noch sehr starken Printmarkt) aber generell. Und es scheint daher eine besondere Provokation, vielleicht auch eine besondere Demonstration von Deutungsmacht zu sein. Die Rechten, die man auf die Anonymität das Netzes und der sich dort zukünftig noch zu erschließenden Bekämpfungsmethoden zurückgedrängt glaubte, drängt zurück in den Bereich des Manifesten, dort eben wo vorgeschobene Hassrede und ein denunziatorisches Meldesystem nicht ausreichen, auch wenn die Medien (wie im Fall Sieferle) das Möglichste tun, um unverbindliche Lese“verbote“ auszusprechen und sich an medialen Denunziationen zu beteiligen. Und es demonstriert, dass die Rechten in der Lage und willens sind, sich nicht allein auf die virtuelle, gespensterhafte Basis und Echokammern des Netzes zurückzuziehen, sondern auch dahin zu gehen, wo es laut ist. Eine Demonstration von Selbstbewusstsein fraglos, das selbst noch einmal zu einer Provokation zweiter Ordnung gereicht, sich nämlich nicht in die Schmutzecke drücken zu lassen, in die man den bisherigen braunen Pöbel hinwegfegen konnte.

Drum brauchte es Zahnpasta und Kaffee, Parolen, Schmierereien und Verwüstungen, Demonstrationen und Ausschreitungen, um den manifesten Ideen, die man nicht einfach mehr bei der Messeleitung melden und sperren lassen kann (nicht das man es nicht versucht hätte), dann doch wieder ganz handfest den Kampf anzusagen, um dann den Geist zu entlarven, den diese Form des Engagements atmet: Nicht Auseinandersetzung und Beschäftigung, sondern Extinktion. Vermutlich scheiterte das heitere Ideengrillen an den örtlichen Brandvorschriften oder anders als in Hamburg waren Autos und Mülltonnen als Brandbeschleuniger gerade nicht greifbar.